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Rund 11,6 Milliarden Euro mutmaßlich gewaschenes Geld flossen nach Erkenntnissen der US-Bankenaufsicht OCC über ein Jahrzehnt durch die Bank von American Express, ohne dass die Kontrollen rechtzeitig anschlugen. Am 8. Oktober 2026 verhängte die Behörde dafür eine Strafe von 313 Millionen Euro. Am folgenden Handelstag schloss die Aktie leicht im Plus.

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Die Strafe entspricht gut 3 Prozent des Nettogewinns von 9,7 Milliarden Euro, den American Express 2025 erzielte. Am 23. Oktober legt der Konzern die Zahlen zum dritten Quartal vor und hält an seiner Prognose von 10 Prozent mehr Umsatz fest. Vor diesem Termin lohnt die Frage, woraus ein Kartenkonzern eine Eigenkapitalrendite von 33,9 Prozent zieht, obwohl er fast die Hälfte seiner Händlererlöse als Prämien wieder ausschüttet.

Das Wichtigste in Kürze

  • American Express setzte 2025 umgerechnet 64,6 Milliarden Euro um. Gut die Hälfte stammt aus der Provision, die Händler für jede Kartenzahlung abgeben.
  • Von 100 Euro Umsatz gab der Konzern 25,50 Euro für Prämienpunkte und Cashback aus, weitere 8,40 Euro für Lounges, Reiseguthaben und andere Leistungen.
  • Am schnellsten wachsen die Jahresgebühren: 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2025, 18 Prozent mehr als im Vorjahr. In Deutschland kostet die Platinum Card 720 Euro im Jahr.
  • Das Händler- und Netzwerkgeschäft erzielt vor Steuern eine Marge von 51 Prozent, das US-Kartengeschäft mit Privatkunden kommt auf knapp 20 Prozent.
  • Wegen Lücken in der Geldwäsche-Abwehr steht der Konzern seit Oktober 2026 unter verschärfter Aufsicht von Fed und OCC, eine Obergrenze für die Bilanzsumme verhängten die Aufseher nicht.

Fünf Fragen zum Geschäft mit der Karte

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Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von American Express?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Welcher Anteil am Umsatz 2025 stammte aus der Provision, die Händler an American Express zahlen? Aufklappen ↓
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Richtig: B. Die Händlerprovision brachte 33,4 Milliarden Euro, gut die Hälfte des Umsatzes. Zinsen lieferten 24,0 Prozent, Jahresgebühren 13,8 Prozent.
2 In welcher Stadt wurde 1891 der erste Travelers Cheque von American Express eingelöst? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Eingelöst wurde der erste Scheck im Hotel Hauffe in Leipzig. Das erste eigene Büro in Europa eröffnete American Express 1895 in Paris.
3 Was kostet die Platinum Card von American Express in Deutschland im Jahr? Aufklappen ↓
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Richtig: C. Die Platinum Card kostet hierzulande 720 Euro, die Gold Card 240 Euro. In den USA verlangt der Konzern umgerechnet 800 Euro.
4 Wie viel Vorsteuergewinn erzielte das Händler- und Netzwerkgeschäft 2025 je 100 Euro Umsatz? Aufklappen ↓
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Richtig: A. Das Segment trägt kaum Prämienkosten und kommt deshalb auf eine Marge von 51,1 Prozent. Das US-Privatkundengeschäft erreichte 19,6 Prozent.
5 Wie hoch war die Strafe der US-Bankenaufsicht OCC vom 8. Oktober 2026, umgerechnet in Euro? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Die OCC verhängte umgerechnet 313 Millionen Euro wegen Mängeln in der Geldwäsche-Abwehr. Das entspricht gut 3 Prozent des Nettogewinns 2025.

Wer steckt hinter American Express und wie fing alles an?

American Express entstand am 18. März 1850 in Buffalo aus der Fusion dreier rivalisierender Expressdienste. Henry Wells, William G. Fargo und John Butterfield transportierten Gold, Banknoten und Wertpapiere. Mit Karten hatte das Gründungsgeschäft nichts zu tun.

Die drei Gründer hatten sich im Staat New York zuvor einen harten Preiskampf geliefert. Wells & Co., Livingston, Fargo & Co. und Butterfield, Wasson & Co. legten ihre Geschäfte zusammen, mit Büros in Buffalo und an der Wall Street. Ihre wichtigsten Kunden waren Banken, die Münzen und Wertpapiere sicher von einer Stadt in die andere schicken mussten.

Die Gründungsurkunde sah für die neue Gesellschaft zunächst eine Laufzeit von nur zehn Jahren vor.

Wells und Fargo wollten nach dem Goldfund in Kalifornien an die Pazifikküste expandieren, die Mehrheit im Verwaltungsrat lehnte ab. Im März 1852 gründeten die beiden deshalb nebenher ein eigenes Unternehmen: Wells Fargo, heute eine der größten Banken der USA.

William Fargo blieb trotzdem bei American Express und führte das Unternehmen von 1868 bis 1881 als Präsident.

Vom Paketdienst zum Zahlungsmittel

1862 betrieb American Express bereits 890 Büros mit mehr als 1.500 Beschäftigten. Den ersten Schritt ins Finanzgeschäft machte das Unternehmen 1882 mit der Money Order, einer Zahlungsanweisung, die der staatlichen Postanweisung Konkurrenz machte. Einwanderer schickten damit Geld in ihre Heimatländer.

James C. Fargo, damals Präsident und jüngerer Bruder des Gründers, kehrte 1891 verärgert von einer Europareise zurück: Seine Kreditbriefe hatte er dort nur mit Mühe in Bargeld tauschen können. Der Angestellte Marcellus Berry entwarf daraufhin den Travelers Cheque, einen Scheck mit doppelter Unterschrift, den Hotels und Banken in Landeswährung auszahlten.

Eingelöst wurde der erste dieser Schecks in Deutschland, im Hotel Hauffe in Leipzig.

1895 eröffnete American Express in der Pariser Rue Halévy sein erstes Büro in Europa. Zehn Jahre später übernahm das Unternehmen die offizielle Wechselstube auf Ellis Island, nachdem unseriöse Geldwechsler dort Einwanderer betrogen hatten. Seit 1907 betreibt American Express eine Niederlassung in Deutschland.

Mit dem Ersten Weltkrieg endete das Gründungsgeschäft. Nach dem Kriegseintritt der USA legte die Regierung 1918 die Expressdienste zur American Railway Express zusammen, und American Express gab die Fracht ab. Übrig blieben Reisebüros, Schecks und Zahlungsanweisungen, also genau der Teil, aus dem später das Kartengeschäft wuchs.

Die Geschäftsidee blieb dieselbe: Reisende und Absender von Geld zahlten für Sicherheit und Bequemlichkeit einen Aufpreis.

Auf den PunktVertrauen als Gründungskapital
  • Fusion: Drei Konkurrenten im Expressgeschäft schlossen sich 1850 zusammen, um Wertsachen für Banken zu befördern.
  • Abspaltung: Wells und Fargo gründeten 1852 nebenher Wells Fargo, weil ihr Verwaltungsrat Kalifornien scheute.
  • Erfindung: Der Travelers Cheque von 1891 machte American Express zum Zahlungsanbieter, der erste wurde in Leipzig eingelöst.

Wie wurde aus dem Frachtdienst ein Kartenimperium?

Zwei Notizbücher, eins mit orangem Band, darauf eine Figur auf einem Betonsockel
Vom Reisescheck zur Bezahlkarte: 1958 brachte American Express seine erste Karte heraus, aus violettem Papier.

Den Sprung machte American Express 1958 mit einer eigenen Bezahlkarte, gegen erheblichen Widerstand im Management. Ein Skandal 1963, der Einstieg von Warren Buffett und später der Wandel zur Bank formten daraus den heutigen Konzern mit 76.800 Beschäftigten.

Ende der 1950er-Jahre brachten die Travelers Cheques vermutlich mehr als die Hälfte des Jahresgewinns. Entsprechend skeptisch sah das Management die Karte. In einem Brief an Präsident Ralph T. Reed sprachen sich vier Manager dafür aus, vier dagegen, einer schrieb, er könne für Kreditkarten keinerlei Begeisterung aufbringen. Eingeführt wurde die Karte trotzdem.

Am 1. Oktober 1958 kam die erste Karte in den USA und Kanada heraus, aus violettem Papier, passend zu den Schecks. Zum Start waren 250.000 Karten ausgegeben und 17.500 Akzeptanzstellen gewonnen.

Ein Jahr später stellte American Express als erster großer Herausgeber auf geprägtes Plastik um. Die Karte war eine Charge Card: Karteninhaber bezahlten den gesamten Monatsbetrag auf einmal, einen Kredit räumte American Express nicht ein.

American Express verdiente deshalb an zwei Stellen, an der Jahresgebühr der Kunden und an der Provision der Händler. Dieses Prinzip hat sich bis heute gehalten.

Der Salatöl-Skandal und Warren Buffett

1963 geriet der Konzern in seine schwerste Krise. Eine Lagertochter hatte dem Händler Anthony De Angelis Lagerscheine über 161 Millionen Pfund Pflanzenöl in 138 Tanks ausgestellt, gefunden wurden nur 7 Millionen Pfund. Die Aktie verlor laut Time Magazine fast ein Drittel ihres Werts, weil Aktionäre fürchteten, persönlich für den Schaden haften zu müssen.

Kurz nach dem Skandal steckte die Buffett Partnership rund 40 Prozent ihres Kapitals in American Express und erwarb für umgerechnet 11,6 Millionen Euro mehr als 5 Prozent der Aktien. Warren Buffett nannte das später die größte Investition, die seine Partnerschaft je getätigt hatte.

Der Einsatz zahlte sich aus: Die Karte überstand den Skandal, fünf Jahre nach dem Start zählte American Express mehr als eine Million Karteninhaber.

Ende Juni 2026 hielt Buffetts Konzern Berkshire Hathaway 151,6 Millionen Aktien, rund 22,5 Prozent von American Express. Bezahlt hat Berkshire dafür insgesamt umgerechnet 1,15 Milliarden Euro, beim Kurs vom 13. Oktober 2026 sind die Papiere rund 42 Milliarden Euro wert. Allein 2025 überwies American Express rund 428 Millionen Euro Dividende nach Omaha. Seine Käufe hatte Berkshire Hathaway im Wesentlichen 1995 abgeschlossen. Der Anteil wuchs danach vor allem, weil American Express laufend eigene Aktien zurückkauft.

Firmengeschichte
Vom Expressdienst zum Kartenkonzern
Wegmarken von American Express seit der Gründung 1850.
  • 1850Wells, Fargo und Butterfield gründen in Buffalo die American Express Company
  • 1891Der Travelers Cheque kommt, der erste wird im Hotel Hauffe in Leipzig eingelöst
  • 1958Start der Karte mit 250.000 ausgegebenen Karten und 17.500 Akzeptanzstellen
  • 1963Salatöl-Skandal, kurz darauf steigt die Buffett Partnership mit über 5 Prozent ein
  • 2008Die Federal Reserve genehmigt den Wandel zur Bankholding
  • 2018Stephen Squeri wird Vorstandschef, der Supreme Court bestätigt die Händlerklauseln
  • 2026Umsatz im zweiten Quartal plus 10 Prozent, die US-Aufsicht verhängt 313 Mio. € Strafe
76.800
Beschäftigte Ende 2025
64,6 Mrd. €
Umsatz 2025
187 Mrd. €
Börsenwert am 13.10.2026

Umwege über die Wall Street

In den 1980er-Jahren versuchte sich American Express als Finanzsupermarkt. 1981 kaufte der Konzern den Broker Shearson Loeb Rhoades, 1984 den Vermögensverwalter IDS, im selben Jahr kam die Platinum Card. 1987 folgte mit der Optima Card die erste Karte des Unternehmens, bei der Kunden den Saldo in Raten abzahlen konnten.

Der Ausflug ins Investmentbanking und in die Vermögensverwaltung endete mit Abspaltungen: Lehman Brothers wurde 1994 abgespalten und an die Aktionäre von American Express ausgegeben, Ameriprise folgte 2005.

1991 lernte American Express, wie empfindlich die Händlerseite reagiert. Bostoner Gastronomen rebellierten gegen Provisionen von bis zu 3,25 Prozent, während Visa und Mastercard 1,7 bis 2 Prozent verlangten.

Mehrere Restaurants nahmen die Karte nicht mehr an, bis der Konzern mit Einzelrabatten die Front aufbrach. Die Presse nannte den Aufstand die „Boston Fee Party“.

Im November 2008, mitten in der Finanzkrise, genehmigte die Federal Reserve den Antrag von American Express, als Bankholding zu firmieren. Im Januar 2009 flossen umgerechnet 3,03 Milliarden Euro aus dem US-Rettungsprogramm TARP, im Juni desselben Jahres zahlte der Konzern die Summe zurück.

2016 endete die Partnerschaft mit der Großhandelskette Costco. Auf die gemeinsamen Karten waren 2014 rund 8 Prozent des weltweiten Kartenumsatzes und 20 Prozent der Kredite entfallen.

Seit Februar 2018 führt Stephen Squeri den Konzern. Er setzte auf Premiumkarten mit hoher Jahresgebühr und junge Kunden.

2025 setzte American Express umgerechnet 64,6 Milliarden Euro um und verdiente 9,7 Milliarden Euro. Der Börsenwert liegt bei rund 187 Milliarden Euro, fast das Dreifache des Jahresumsatzes. Weltweit sind 152,8 Millionen Karten im Umlauf, davon 86,6 Millionen eigene.

Auf den PunktKrisen als Wendepunkte
  • Karte: Der Start 1958 fiel gegen die Hälfte des eigenen Managements.
  • Skandal: Der Salatöl-Betrug von 1963 brachte Warren Buffett als Großaktionär, heute mit 22,5 Prozent.
  • Rückschläge: Boston 1991 und der Verlust von Costco 2016 zeigten, wie verletzlich die Händlerseite ist.

Wie verdient American Express tatsächlich sein Geld?

Ungleiche Waage mit Münzstapeln, schwerere Seite mit Schild „HÄNDLER“, weißer Hintergrund
Gut die Hälfte des Umsatzes stammt aus der Händlerprovision, 2025 waren das 33,4 Milliarden Euro.

American Express verdient vor allem an der Provision der Händler: 2025 kamen so 33,4 Milliarden Euro zusammen, gut die Hälfte des Umsatzes. Zinsen auf Kartenkredite liefern ein Viertel, Jahresgebühren knapp 14 Prozent. Fast die Hälfte der Händlererlöse fließt als Prämien an die Karteninhaber zurück.

Händler zahlen mehr als die Hälfte

Im Geschäftsbericht 2025 weist American Express einen Nettoumsatz von umgerechnet 64,6 Milliarden Euro aus, nach Abzug des eigenen Zinsaufwands. Die größte Position heißt im Konzernjargon Discount Revenue. Gemeint ist die Händlerprovision, die bei jeder Zahlung einbehalten wird, bevor der Händler sein Geld bekommt.

Die Provision brachte 33,4 Milliarden Euro, 51,8 Prozent des Umsatzes.

Auf dem zweiten Platz folgt der Nettozinsertrag mit 15,5 Milliarden Euro oder 24 Prozent. Jahresgebühren für die Karten machten 8,9 Milliarden Euro aus, Service- und sonstige Gebühren 6,7 Milliarden Euro.

Die Händlerprovision wuchs 2025 nur um 6 Prozent, der Zinsertrag um 12 Prozent, die Kartengebühren um 18 Prozent. Im vierten Quartal 2025 legten die Gebühren zum 30. Mal in Folge zweistellig gegenüber dem Vorjahresquartal zu. Im zweiten Quartal 2026 nahm American Express so 2,56 Milliarden Euro ein, 15 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Erlösmodell
Woher die 64,6 Milliarden Euro kommen
Umsatz von American Express 2025 nach Erlösquellen, netto nach Zinsaufwand.
Erlösquelle 2025
  • Händlerprovision33,4 Mrd. € (51,8 %)
  • Nettozinsertrag15,5 Mrd. € (24,0 %)
  • Jahresgebühren8,9 Mrd. € (13,8 %)
  • Service- und sonstige Gebühren6,7 Mrd. € (10,3 %)
Wachstum gegenüber 2024
  • Jahresgebührenplus 18 %
  • Nettozinsertragplus 12 %
  • Service- und sonstige Gebührenplus 10 %
  • Händlerprovisionplus 6 %

Was im Kleingedruckten steckt

Unter „Service fees and other revenue“ verbucht der Konzern Posten, die einzeln klein wirken und zusammen 6,7 Milliarden Euro ergeben. Fremdwährungsgebühren brachten 2025 rund 1,52 Milliarden Euro, Mahn- und Verzugsgebühren 863 Millionen Euro, Reiseprovisionen 559 Millionen Euro.

Hinzu kommen 1,58 Milliarden Euro aus Partnerschaften mit Banken, die in einigen Ländern Karten im Netz von American Express ausgeben. Weitere 1,53 Milliarden Euro stammen aus Bonusprogrammen, Händlerdiensten und ähnlichen Dienstleistungen.

Daten von beiden Enden der Zahlung

Anders als Visa oder Mastercard gibt American Express die meisten Karten selbst aus und rechnet zugleich mit den Händlern ab. Der Konzern sieht deshalb beide Enden einer Transaktion: wer kauft, wo und wie viel. Im Geschäftsbericht nennt American Express diesen Zugang ausdrücklich als Unterschied zu den Bankkarten-Netzen.

Der Konzern nutzt die Daten für Betrugserkennung, Kreditentscheidungen, gezielte Angebote an Karteninhaber und Marketingdienste für Händler. Ein Beispiel sind die Amex Offers: Rabatte einzelner Händler, die Karteninhaber in der App aktivieren. Einen eigenen Bilanzwert für diesen Datenbestand weist der Konzern nicht aus, der Wert steckt in den Provisionen und den niedrigen Ausfällen.

Am 13. Oktober 2026 stellte American Express ein Regelwerk vor, das KI-Agenten auf Einkäufe beschränken soll, die ihre Nutzer tatsächlich wollen. Der Konzern bereitet sich so früh auf Zahlungen vor, die Software im Auftrag von Kunden auslöst.

Wo die Marge entsteht

Das US-Privatkundengeschäft erzielte 2025 vor Steuern 6,09 Milliarden Euro bei 31,1 Milliarden Euro Umsatz, eine Vorsteuermarge von 19,6 Prozent. Das Firmenkundengeschäft kam auf 21,7 Prozent, das internationale Kartengeschäft auf 12,3 Prozent.

Weit darüber liegt das Händler- und Netzwerkgeschäft Global Merchant and Network Services. Mit 6,9 Milliarden Euro Umsatz erzielte das Segment 3,55 Milliarden Euro Vorsteuergewinn, eine Marge von 51,1 Prozent. Prämien und Kartenleistungen belasten dieses Segment kaum, weil sie bei den Kartensegmenten anfallen.

Mit gut 10 Prozent der Segmentumsätze liefert das Netzwerkgeschäft fast ein Viertel der Segmentgewinne.

Margen
Wo American Express am meisten verdient
Vorsteuergewinn je 100 Euro Umsatz in den vier Segmenten, Geschäftsjahr 2025.
Vorsteuergewinn je 100 Euro Umsatz
  • Händler und Netzwerk (GMNS)51,10 €
  • Firmenkunden (CS)21,70 €
  • US-Privatkunden (USCS)19,60 €
  • Internationale Karten (ICS)12,30 €
10,7 %
Anteil des Netzwerkgeschäfts am Segmentumsatz
24,7 %
Anteil am Segmentgewinn vor Steuern
16,5 Mrd. €
Prämienkosten 2025 im Konzern

Punkte, die der Konzern selbst bezahlt

Die größte Kostenposition sind die Prämien. 2025 gab American Express 16,5 Milliarden Euro für Membership-Rewards-Punkte, Cashback und Meilen bei Partnern aus, 49 Prozent der gesamten Händlerprovision.

Hinzu kamen 5,4 Milliarden Euro für Kartenleistungen wie Lounges, Reiseguthaben und Versicherungen, 53 Prozent mehr als 2023.

Die Prämien rechnen sich trotzdem, weil die Kunden einen Teil davon selbst bezahlen. Für die Platinum Card in den USA verlangt der Konzern seit September 2025 eine Jahresgebühr von umgerechnet 800 Euro statt zuvor 621 Euro. Im Gegenzug wirbt American Express mit Guthaben im Wert von mehr als 3.100 Euro, verteilt auf Hotels, Restaurants, Streaming und Fahrdienste. Der Kunde bekommt das Geld nur zurück, wenn er die Guthaben bei genau diesen Partnern einlöst.

Wir halten diese Konstruktion für den klügsten Teil des Modells: Die Jahresgebühr kommt sicher, die Kosten der Guthaben fallen nur bei Nutzung an.

Die Guthaben sind gestückelt, zum Beispiel viermal im Jahr umgerechnet 89 Euro für Restaurants der Buchungsplattform Resy. Jedes eingelöste Guthaben erzeugt Umsatz bei Händlern, die wieder Provision zahlen. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Ausgaben für Kartenleistungen gegenüber dem Vorjahresquartal um 50 Prozent, die Gebühreneinnahmen um 15 Prozent. Diese Schere zeigt, wie teuer die Aufrüstung der Platinum Card geworden ist.

Größe, die sich selbst verstärkt

Über jede eigene Basiskarte liefen 2025 im Schnitt 22.750 Euro, knapp 1.900 Euro im Monat. Diese Kaufkraft verkauft American Express den Händlern. Mehr Akzeptanz zieht mehr kaufkräftige Kunden an, mehr Kunden überzeugen weitere Händler.

Weltweit akzeptieren mehr als 170 Millionen Händlerstandorte die Karte, das Netzwerkvolumen lag 2025 bei 1,7 Billionen Euro.

Laut Geschäftsbericht rechnet American Express damit, dass Karteninhaber 96 Prozent aller ausgegebenen Punkte irgendwann einlösen. Ein über Jahre angespartes Punktekonto macht den Wechsel zu einer anderen Karte unattraktiv.

Wie sich das Modell verschoben hat

Von 2023 bis 2025 stiegen die Kartengebühren um 37,7 Prozent, die Händlerprovision um 11,9 Prozent. Die durchschnittliche Gebühr je Karte kletterte von 82 auf 105 Euro, im zweiten Quartal 2026 lag sie bei 117 Euro. Gleichzeitig sank die effektive Provisionsrate: von 2,29 Prozent des Kartenumsatzes im Jahr 2023 auf 2,23 Prozent im zweiten Quartal 2026.

Der Anteil des Nettozinsertrags am Umsatz stieg von 21,7 Prozent im Jahr 2023 auf 24,2 Prozent im ersten Halbjahr 2026.

American Express entwickelt sich damit Schritt für Schritt vom Kassierer am Ladentisch zum Club mit Mitgliedsbeitrag und Kreditlinie. Die Händler zahlen pro Euro etwas weniger, die Karteninhaber dafür deutlich mehr. Mehr als 70 Prozent der 2025 neu eröffneten Konten entfielen auf gebührenpflichtige Karten.

Auf den PunktDrei Mechanismen erzeugen die Marge
  • Provision: Händler zahlen im Schnitt 2,24 Prozent des Kartenumsatzes, zusammen 33,4 Milliarden Euro.
  • Gebühr: Karteninhaber finanzieren über Jahresgebühren einen wachsenden Teil der Prämien selbst.
  • Kredit: Ein Viertel des Umsatzes stammt aus Zinsen auf ausstehende Kartenschulden.

Wie groß ist die Marktmacht von American Express?

Orangene Schachkönigin mit „Premium“-Anhänger auf Podest, flankiert von weißen Spielfiguren
American Express ist klein im Volumen, aber stark bei Kunden mit hohen Ausgaben.

Gemessen am Kartenvolumen ist American Express in den USA ein kleiner Anbieter, gemessen am Umsatz je Karte einer der stärksten. In den USA laufen rund 61 Prozent des Kartenvolumens über Visa. Die Macht von American Express liegt bei den Kunden mit hohen Ausgaben.

Nach Zahlen des Nilson Report setzten die vier großen Kartennetze in den USA 2025 zusammen umgerechnet 10,2 Billionen Euro um. Visa kam auf rund 61 Prozent, Mastercard auf 26 Prozent. Für American Express und Discover zusammen bleiben nach Rechnung der Redaktion rund 13 Prozent. Weltweit wickelte das Netz von American Express 2025 Zahlungen über 1,7 Billionen Euro ab, ein Bruchteil des Volumens von Visa.

Visa und Mastercard verdienen als Vierparteiensysteme an jeder Zahlung eine kleine Gebühr, während Banken die Karten ausgeben. Wie dieses Modell funktioniert, beschreibt unser Porträt von Visa. American Express ist dagegen ein Dreiparteiensystem: Der Konzern gibt die Karte aus, betreibt das Netz und rechnet mit dem Händler ab.

Gefährlich werden dem Konzern deshalb weniger die Netze als die großen Banken mit eigenen Premiumkarten.

JPMorgan verlangt für die Chase Sapphire Reserve seit 2025 umgerechnet 711 Euro im Jahr, Citi für die Strata Elite 532 Euro. Seit Mai 2025 gehört außerdem Discover zu Capital One. Capital One besitzt dadurch als weitere große Bank ein eigenes Kartennetz und kann Händlergebühren und Kundenbeziehung in einer Hand bündeln, wie American Express.

Wettbewerb
Was Premiumkarten im Jahr kosten
Jahresgebühren ausgewählter Premium-Kreditkarten laut den genannten Quellen aus 2025 und 2026.
Jahresgebühr
  • Amex Platinum Card USA800 €
  • Amex Platinum Card Deutschland720 €
  • Chase Sapphire Reserve USA711 €
  • Citi Strata Elite USA532 €
  • Amex Gold Card Deutschland240 €
  • Payback American Express Karte0 €
plus 29 %
Erhöhung der US-Platinum-Gebühr im September 2025
3.100 €
beworbene Guthaben der US-Platinum-Karte
über 70 %
Anteil gebührenpflichtiger Karten an neuen Konten 2025

Schutz durch den Supreme Court

Am 25. Juni 2018 entschied der Oberste Gerichtshof der USA mit fünf zu vier Stimmen im Verfahren Ohio gegen American Express. Händler dürfen danach vertraglich verpflichtet werden, Kunden nicht zu einer billigeren Karte zu drängen. Das Gericht bewertete den Kartenmarkt als zweiseitigen Markt, in dem höhere Händlergebühren durch Vorteile für Karteninhaber ausgeglichen werden können.

In der Europäischen Union deckelt seit 2015 die Verordnung (EU) 2015/751 das Interbankenentgelt für Verbraucher-Kreditkarten auf 0,3 Prozent. Dreiparteiensysteme fallen nur darunter, sofern sie mit Partnern oder über Lizenznehmer Karten ausgeben. American Express hat sein Lizenzgeschäft mit Banken wegen der Regulierung in der EU und in Australien aufgegeben und gibt die Karten dort selbst aus. Im April 2026 urteilte der Europäische Gerichtshof im Streit um die Partnerkarte mit KLM, dass Zahlungen an solche Partner nur dann unter den Deckel fallen, wenn sie wie ein Interbankenentgelt wirken. Ob das zutrifft, prüfen Behörden und Gerichte im Einzelfall.

Wie fest die Kunden gebunden sind

Rund 26 Prozent des weltweiten Kartenumsatzes laufen über Partnerkarten, vor allem mit Fluglinien und Hotelketten, 13 Prozent allein über die Karten mit Delta Air Lines. Der Vertrag mit Delta läuft bis Ende 2029. Für Mindestzahlungen an Partner hat sich American Express zu umgerechnet rund 10 Milliarden Euro verpflichtet, meist über fünf bis zehn Jahre.

Klagen gegen Klauseln in Händlerverträgen und mögliche Regeln zum Aufschlag für Kartenzahlungen nennt der Konzern selbst als Risiko. Der im November 2025 vorgeschlagene Vergleich zwischen Visa, Mastercard und US-Händlern könnte Händlern erlauben, Premiumkarten gezielt abzulehnen oder teurer abzurechnen.

Auf den PunktKlein im Volumen, stark beim Kunden
  • Anteil: Zusammen mit Discover kommt American Express auf rund 13 Prozent des US-Kartenvolumens.
  • Urteil: Seit 2018 schützt der Supreme Court die Klauseln gegen das Umlenken von Kunden.
  • Partner: Delta allein steht für 13 Prozent des Kartenumsatzes, der Vertrag läuft bis 2029.

Wer ist bei American Express eigentlich das Produkt?

Ein grauer Herrenanzug hängt auf einem Bügel vor weißem Hintergrund
Verkauft wird die Kaufkraft der Karteninhaber: Jede Karte setzte 2025 im Schnitt 22.750 Euro um.

Das Produkt ist die Kaufkraft der Karteninhaber. American Express verkauft Händlern den Zugang zu Kunden, die im Schnitt 22.750 Euro im Jahr mit der Karte ausgeben. Die Karteninhaber zahlen dafür eine Jahresgebühr und bekommen einen Teil der Händlerprovision als Prämie zurück.

Auf den ersten Blick ist der Karteninhaber der Kunde. Er zahlt eine Jahresgebühr, sammelt Punkte und nutzt Lounges. Unterm Strich zahlt aber der Händler den größeren Teil: 33,4 Milliarden Euro Provision gegen 8,9 Milliarden Euro Kartengebühren. Für den Händler lohnt sich das nur, wenn die Amex-Kunden mehr ausgeben als andere. American Express wirbt bei Händlern mit dem Zugang zu ausgabefreudigen Karteninhabern, dazu mit Betrugsschutz und Marketinganalysen.

Die Rollen verteilen sich auf drei Gruppen mit sehr unterschiedlicher Verhandlungsmacht.

  • Karteninhaber zahlen Jahresgebühr und bei Ratenzahlung Zinsen, erhalten Punkte, Guthaben und Versicherungen.
  • Händler zahlen die Provision und bekommen dafür zahlungskräftige Kunden und eine garantierte Zahlung.
  • Partner wie Delta oder Marriott liefern Meilen und Hotelnächte als Prämien und erhalten dafür Milliardenbeträge.

American Express beziffert den Anteil der Millennials und der Generation Z an den US-Neukunden für Gold Card und Platinum Card auf rund 75 Prozent. Ein früh angelegtes Punktekonto kann über Jahrzehnte wachsen und bindet Kunden, die Händlern lange Umsatz bringen.

Ein Teil der Kunden finanziert das Modell stärker als der Rest. Inhaber, die ihren Saldo nicht vollständig begleichen, zahlen Zinsen auf Kartenkredite von zusammen 135,7 Milliarden Euro. Die Nettozinsrendite auf die Kartenkredite lag 2025 bei 8,1 Prozent.

Hinzu kamen 863 Millionen Euro an Verzugsgebühren. Der Mitgliedsbeitrag der einen und die Zinsen der anderen fließen in dieselben Prämientöpfe.

Das Firmenkundengeschäft setzte 2025 umgerechnet 15,1 Milliarden Euro um und erzielte vor Steuern 3,28 Milliarden Euro. Hier zahlt der Arbeitgeber die Gebühr und bekommt Spesendaten und Abrechnungssoftware dazu, den Umsatz erzeugen die Beschäftigten auf Dienstreisen.

Die Partner sitzen auf beiden Seiten zugleich. Delta kassiert von American Express für Meilen und Kundenzugang und zahlt als Händler die Provision für jedes Ticket, das Kunden mit der Karte buchen.

Für Sie heißt das: Mit einer Amex-Karte sind Sie zahlender Kunde und Verkaufsargument zugleich.

Auf den PunktVerkauft wird die Kaufkraft

Händler zahlen fast viermal so viel an American Express wie die Karteninhaber über ihre Jahresgebühren. Gekauft wird der Zugang zu Kunden mit 22.750 Euro Jahresumsatz je Karte.

Was kostet eine Amex-Karte wirklich, und wer trägt die Kosten?

Weiße Torte auf Tortenplatte, ein Stück herausgeschnitten, mit Flagge beschriftet
Im Schnitt behält American Express 2,24 Prozent jedes Kartenumsatzes als Provision ein.

Für Karteninhaber kostet eine Amex-Karte in Deutschland zwischen 0 Euro für die Payback-Karte und 720 Euro im Jahr für die Platinum Card. Die größere Rechnung zahlen die Händler: Im Schnitt behält American Express 2,24 Prozent jedes Kartenumsatzes ein.

Die Jahresgebühren in Deutschland liegen bei 240 Euro für die Gold Card und 720 Euro für die Platinum Card, also 60 Euro im Monat. Die Payback American Express Karte ist kostenlos, dafür sammeln Kunden nur einen Payback-Punkt je 3 Euro Umsatz.

Bei Zahlungen in fremder Währung berechnet die Payback-Karte 2 Prozent Auslandsentgelt, für Bargeld am Automaten 4 Prozent, mindestens 5 Euro.

Ein Payback-Punkt entspricht einem Cent. Die Rückvergütung der kostenlosen Karte liegt damit bei rund 0,33 Prozent des Umsatzes, also 33 Cent je 100 Euro.

Im weltweiten Durchschnitt flossen 2025 von 100 Euro Kartenumsatz 2,24 Euro als Provision an American Express. Die tatsächlichen Sätze hängen von Branche, Land und Verhandlungsmacht des Händlers ab und werden nicht veröffentlicht. Ein Restaurant mit 400.000 Euro Kartenumsatz im Jahr würde bei diesem Durchschnittssatz rund 9.000 Euro an Provision abgeben.

Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung 2025, umgerechnet auf 100 Euro Konzernumsatz:

Posten 2025Je 100 € UmsatzGesamt
Prämien (Punkte, Cashback, Meilen)25,50 €16,5 Mrd. €
Gehälter und Sozialleistungen12,50 €8,1 Mrd. €
Sonstige Betriebskosten9,70 €6,2 Mrd. €
Zahlungen an Partner und Geschäftsentwicklung8,90 €5,8 Mrd. €
Marketing8,70 €5,6 Mrd. €
Kartenleistungen (Lounges, Guthaben, Versicherungen)8,40 €5,4 Mrd. €
Vorsorge für Kreditausfälle7,30 €4,7 Mrd. €
Ertragsteuern4,10 €2,6 Mrd. €
Nettogewinn15,00 €9,7 Mrd. €

Gut ein Drittel des Umsatzes fließt in Prämien und Kartenleistungen zurück zu den Kunden. Von 100 Euro Umsatz bleiben nach Personal, Marketing, Ausfällen und Steuern 15 Euro als Nettogewinn. Möglich macht das eine niedrige Ausfallquote: 2025 schrieb American Express netto 2,3 Prozent der Kartenkredite ab.

Wer die Provision am Ende bezahlt

Formal zahlt der Händler die Provision. Legt ein Händler diese Kosten auf seine Preise um, zahlen am Ende auch Kunden mit Bargeld, Girocard oder günstiger Bankkarte mit.

Unsere Einschätzung: Auch Kunden, die nie eine Amex-Karte besessen haben, finanzieren die Prämien der Platinum-Kunden mit. Händler könnten die Last weitergeben, indem sie für Amex-Zahlungen einen Aufschlag verlangen.

In Deutschland ist ein solcher Aufschlag bei den meisten Amex-Karten zulässig, weil das Verbot in Paragraf 270a BGB nur für Karten gilt, die unter die EU-Deckelung fallen. Ausnahmen können Partnerkarten sein.

Die effektive Händlerprovision ist seit 2023 um 0,06 Prozentpunkte gesunken, die durchschnittliche Gebühr je Karte im selben Zeitraum um gut 42 Prozent gestiegen. Für die Kunden der US-Platinum-Karte kam im September 2025 eine Erhöhung um 29 Prozent dazu, die Bestandskunden mit ihrer ersten Verlängerung ab Januar 2026 zahlen.

Auf den PunktZweimal kassiert, einmal ausgeschüttet
  • Händler: Im Schnitt gehen 2,24 Prozent des Kartenumsatzes an American Express.
  • Kunden: Die Gebühr je Karte ist seit 2023 um gut 42 Prozent gestiegen, in Deutschland kostet die Platinum Card 720 Euro.
  • Rückfluss: 33,90 Euro je 100 Euro Umsatz gehen als Prämien und Leistungen zurück an die Kunden.

Wer profitiert von American Express und wer zahlt drauf?

Champagnerpyramide, oberstes Glas gefüllt, auf Sockel mit Schild „Aktionäre“
6,8 Milliarden Euro flossen 2025 über Rückkäufe und Dividenden an die Aktionäre.

Am meisten profitieren Aktionäre und Management: 2025 flossen umgerechnet 6,8 Milliarden Euro über Rückkäufe und Dividenden an die Eigentümer, 71 Prozent des Gewinns. Draufzahlen müssen Händler mit hohen Provisionen und Kunden, die Kartenschulden mit Zinsen abtragen.

Von den 6,8 Milliarden Euro entfielen 4,7 Milliarden Euro auf Aktienrückkäufe und 2,1 Milliarden Euro auf Dividenden. Für 2026 hob der Konzern die Quartalsdividende um 16 Prozent auf umgerechnet 0,85 Euro je Aktie an.

Im ersten Halbjahr 2026 gab American Express 86 Prozent seines Gewinns an die Aktionäre zurück. Größter Einzelprofiteur ist Berkshire Hathaway mit rund 428 Millionen Euro Dividende allein für 2025.

Stephen Squeri erhielt 2025 laut Vergütungsbericht umgerechnet 41,3 Millionen Euro, 24 Prozent mehr als im Vorjahr. Das mittlere Gehalt im Konzern lag bei 50.800 Euro, das Verhältnis lag damit bei 814 zu 1. Ein Teil des Anstiegs geht auf höhere Ausgaben für Squeris persönliche Sicherheit zurück.

GruppeRolleBilanz
AktionäreEigentümerGewinner: 6,8 Mrd. € Ausschüttung 2025, Dividende plus 16 % für 2026
ManagementFührungGewinner: 41,3 Mio. € für den Vorstandschef, das 814-Fache des Medianlohns
Partner wie DeltaLieferanten von MeilenGewinner: Milliardenzahlungen, rund 10 Mrd. € Mindestzusagen
PremiumkundenVielnutzer der GuthabenGemischt: Leistungen über der Gebühr, aber nur bei Nutzung der Partnerangebote
HändlerZahler der ProvisionVerlierer: im Schnitt 2,24 % des Kartenumsatzes, Einzelsätze unveröffentlicht
Kunden mit KartenschuldenZinszahlerVerlierer: Zinsen und 863 Mio. € Verzugsgebühren 2025
BarzahlerUnbeteiligteVerlierer: zahlen über die Preise der Händler einen Teil der Provision mit

Die Partner verdienen auf zwei Wegen. American Express kauft bei Delta, Marriott oder Hilton Meilen und Punkte ein, die Karteninhaber als Prämie erhalten. Gleichzeitig bringt die Partnerkarte den Fluglinien und Hotels treue Stammkunden. American Express macht sich damit abhängig: Auf die Delta-Karten entfallen 21 Prozent aller Kartenkredite des Konzerns.

Ein Händler, der die Karte einmal akzeptiert, verliert ungern die zahlungskräftigen Kunden und nimmt deshalb die höhere Provision hin. Die Bostoner Gastronomen erlebten 1991, dass sich der Widerstand einzelner Betriebe mit Einzelrabatten auflösen lässt.

Auch die Beschäftigten zählen nach eigener Wahrnehmung zu den Gewinnern. In der internen Mitarbeiterbefragung 2025 gaben 91 Prozent der Teilnehmer an, sie würden American Express als Arbeitgeber weiterempfehlen. Die Personalkosten stiegen 2025 um 10 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro.

New York und Frankfurt als Standorte

Von den 76.800 Beschäftigten arbeiten 25.900 in den USA. Der Konzernsitz liegt in der 200 Vesey Street in Lower Manhattan.

Das Gebäude gehört zu rund 49 Prozent American Express, der Rest einer Tochter des Vermögensverwalters Brookfield. Die deutsche Niederlassung der American Express Europe S.A. sitzt in Frankfurt am Main, die Muttergesellschaft für Europa in Madrid. Wie viele Menschen der Konzern in Deutschland beschäftigt, veröffentlicht American Express nicht. Die Karten für deutsche Kunden gibt die spanische Europa-Gesellschaft aus.

American Express verteilt Prämien im Wert von 16,5 Milliarden Euro im Jahr, die Händler und Karteninhaber vorher bezahlt haben.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Wie politisch ist American Express?

Weißes Kuppelgebäudemodell mit orangefarbenem Schlüssel und „Lobby“-Anhänger im Schlüsselloch
In Deutschland hat American Express seine gemeldeten Lobbyausgaben seit 2022 mehr als verdoppelt.

American Express gab 2025 in den USA umgerechnet 2,8 Millionen Euro für Lobbyarbeit in Washington und den Bundesstaaten aus. In Deutschland hat die Niederlassung ihre gemeldeten Ausgaben seit 2022 mehr als verdoppelt. Gleichzeitig steht der Konzern wegen Mängeln in der Geldwäsche-Abwehr unter verschärfter Aufsicht.

Auf Bundesebene meldet American Express für 2025 Lobbyausgaben von umgerechnet 1,50 Millionen Euro, in Bundesstaaten und Kommunen weitere 1,33 Millionen Euro. Am 10. Januar 2026 forderte US-Präsident Donald Trump eine einjährige Obergrenze von 10 Prozent für Kreditkartenzinsen.

Squeri widersprach öffentlich: Ein solcher Deckel würde Kreditlinien schrumpfen lassen und die Zahl der Karten im Markt verringern. Umgesetzt wurde die Forderung bisher nicht.

Drei Tage später, am 13. Januar 2026, unterstützte Trump den Credit Card Competition Act der Senatoren Dick Durbin und Roger Marshall. Der Gesetzentwurf würde große Banken verpflichten, auf ihren Karten ein zweites Netz neben Visa oder Mastercard anzubieten. Dreiparteiensysteme wie American Express wären davon nach Lesart der Gegner ausgenommen, der Konzern könnte als zusätzliches Netz sogar profitieren.

Lobbyarbeit in Berlin

Im Lobbyregister des Bundestags meldet die deutsche Niederlassung für 2025 Ausgaben zwischen 340.001 und 350.000 Euro, für 2022 standen dort noch 150.001 bis 160.000 Euro. Für die Interessenvertretung setzt die Niederlassung 0,8 Vollzeitstellen ein. Der Konzern ist Mitglied im Digitalverband Bitkom, in der Interessengemeinschaft Kreditkarten und im Mittelstandsverband BVMW. Mitglied ist American Express auch im Wirtschaftsrat der CDU, im Wirtschaftsforum der SPD und in der Wirtschaftsvereinigung der Grünen. Als Themen nennt der Eintrag unter anderem Zahlungsdiensterecht, Verbraucherschutz und europäische Gesetzgebung.

Zwei Verfahren in zwei Jahren

Im Januar 2025 einigte sich American Express mit dem US-Justizministerium und der Federal Reserve auf Zahlungen von zusammen umgerechnet rund 206 Millionen Euro. Ermittelt wurde wegen irreführender Verkaufspraktiken gegenüber Kleinunternehmen, darunter das Eröffnen von Konten mit erfundenen Steuernummern. Der Konzern akzeptierte eine Nichtverfolgungsvereinbarung mit der Staatsanwaltschaft in Brooklyn.

Am 8. Oktober 2026 folgten die Anordnungen von OCC und Federal Reserve. Die OCC wirft der American Express National Bank vor, Personal und Prüfung seien zu schwach gewesen und die Risikoanalyse auf das kleine Einlagengeschäft statt auf das Kartengeschäft zugeschnitten.

Wegen dieser Lücken blieben nach Darstellung der Aufsicht rund 11,6 Milliarden Euro mutmaßlich handelsbasierter Geldwäsche zu lange unentdeckt.

American Express hat die Vorwürfe weder eingeräumt noch bestritten. Squeri erklärte, der Konzern habe Fortschritte gemacht, wisse aber, dass noch Arbeit bleibe.

Steuerlich wirkt der Konzern unauffällig. Die effektive Steuerquote lag 2025 bei 21,5 Prozent, im zweiten Quartal 2026 bei 23,6 Prozent. Im Vorjahresquartal hatten Sondereffekte die Quote auf 18,7 Prozent gedrückt.

Auf den PunktMehr Lobby, mehr Aufsicht
  • USA: 2,8 Millionen Euro Lobbyausgaben 2025, Widerstand gegen den 10-Prozent-Zinsdeckel.
  • Deutschland: Gemeldete Ausgaben seit 2022 mehr als verdoppelt, Mitglied in Wirtschaftsverbänden dreier Parteien.
  • Aufsicht: Zwei Verfahren in zwei Jahren, zuletzt 313 Millionen Euro Strafe der OCC.

Was könnte American Express zu Fall bringen?

Silbernes Kartenhaus auf weißem Sockel mit oranger Karte und Aufschrift „Kosten“
Die Kosten für Kartenleistungen stiegen im zweiten Quartal 2026 um 50 Prozent, die Gebühren um 15 Prozent.

Akut droht dem Modell vor allem die Kostenspirale bei Prämien und Leistungen. Mittelfristig wiegen Regeln schwerer, die Händlern das Ablehnen oder Verteuern von Premiumkarten erlauben. Ein harter Zinsdeckel in den USA würde das Kreditgeschäft treffen, das ein Viertel des Umsatzes liefert.

Die Ausgaben für Kartenleistungen wachsen weiterhin dreimal so schnell wie die Gebühreneinnahmen. Der Konzern hält dagegen, dass die aufgewertete Platinum Card inzwischen das am schnellsten wachsende Produkt im US-Privatkundengeschäft ist. Geht die Rechnung nicht auf, sinkt die Marge genau dort, wo American Express seine Zukunft sieht.

Der geplante Vergleich zwischen Visa, Mastercard und US-Händlern sieht mehr Freiheit beim Aufschlag für Kartenzahlungen vor und lässt Händler bei Kartenkategorien wählen. Setzt sich diese Regelung durch, könnte der Druck auf die Provisionen von American Express steigen.

In Australien untersagt American Express seit dem 1. Oktober 2026 Aufschläge auf eigene Karten, nachdem die Notenbank RBA solche Aufschläge für Bankkarten verboten hatte.

Ein Klumpenrisiko ist Delta Air Lines. Die Karten der Fluglinie stehen für 13 Prozent des weltweiten Kartenumsatzes und 21 Prozent der Kredite, der Vertrag läuft bis 2029. Den Verlust von Costco hat American Express 2016 verkraftet, damals standen 8 Prozent des Kartenumsatzes auf dem Spiel. Ein Abschied von Delta wöge schwerer: Beim Kartenumsatz wären 13 statt 8 Prozent betroffen, bei den Krediten mit 21 Prozent ähnlich viel wie damals bei Costco mit 20 Prozent.

Die Anordnungen der Aufsicht vom Oktober 2026 setzen keine Obergrenze für das Wachstum, verlangen aber Nachbesserungen bei Personal und Kontrollen. Die Kosten berühren nach Erwartung des Konzerns die Prognose für 2027 nicht. Weitere Mängel könnten eine solche Grenze nach sich ziehen, wie sie die Fed 2018 gegen Wells Fargo verhängte, die 1852 von Wells und Fargo gegründete Bank.

Risiken
Was American Express gefährden kann
Fünf Risiken, sortiert nach zeitlicher Nähe (Einschätzung der Redaktion).
Akut
Kosten der Leistungen
Ausgaben für Kartenleistungen im zweiten Quartal 2026 plus 50 Prozent, Gebühren plus 15 Prozent.
Akut
Auflagen der Aufsicht
Anordnungen von Fed und OCC seit 08.10.2026, Nachbesserung bei Personal und Kontrollen.
Mittelfristig
Freiheiten für Händler
Geplanter Vergleich von Visa und Mastercard mit US-Händlern soll Aufschläge und Kartenwahl erleichtern.
Mittelfristig
Zinsdeckel
Trump forderte im Januar 2026 maximal 10 Prozent, ein Viertel des Umsatzes stammt aus Zinsen.
Bis 2029
Partner Delta
13 Prozent des Kartenumsatzes und 21 Prozent der Kredite hängen an einem Vertrag.

Drei Szenarien für die nächsten fünf Jahre

Im günstigsten Fall bleiben die Premiumkunden trotz Gebührenerhöhung treu, die junge Kundschaft wächst wie bisher, und das Kreditrisiko bleibt bei einer Abschreibungsquote um 2 Prozent. American Express könnte dann die Prognose von 10 Prozent Umsatzwachstum über Jahre halten.

Realistisch erscheint uns ein langsameres Wachstum: Die Kosten für Leistungen steigen weiter, die Händlerprovision sinkt leicht, und der Wettbewerb um Premiumkunden mit JPMorgan und Citi drückt die Margen.

Im ungünstigsten Fall treffen ein Zinsdeckel, eine Rezession mit höheren Kreditausfällen und neue Freiheiten für Händler gleichzeitig ein. Dann gerät das Gleichgewicht zwischen Gebühren, Prämien und Provisionen ins Wanken, auf dem das Geschäftsmodell beruht.

Auf den PunktDie Gefahr kommt von innen

Die größte Bedrohung sind die eigenen Kosten: Leistungen wachsen schneller als Gebühren. Von außen drohen Freiheiten für Händler, ein Zinsdeckel und die Abhängigkeit von Delta.

Was bedeutet American Express für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Ein Teller mit Münzen und Karte sowie Schild „BAR ODER KARTE“ steht auf einem weißen Sockel
In Deutschland lag Bargeld 2025 bei 45 Prozent der Zahlungen, die Kreditkarte spielt nur eine Nebenrolle.

Für deutsche Verbraucher ist American Express ein Premiumangebot mit Jahresgebühren bis 720 Euro, für Händler eine vergleichsweise teure Zahlungsart. Die Strafe der US-Aufsicht richtet sich gegen die amerikanische Banktochter, Kartenverträge in Deutschland laufen über die Europa-Gesellschaft mit Sitz in Madrid.

Die Kreditkarte spielt im deutschen Alltag eine Nebenrolle. Laut der Studie „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“ der Bundesbank lag Bargeld bei 45 Prozent der Zahlungen, die Debitkarte bei 26 Prozent. In der Vorgängerstudie für 2023 entfielen auf Kreditkarten 6 Prozent der Bezahlvorgänge und 9,7 Prozent der Umsätze.

American Express konkurriert hierzulande also nicht nur mit Visa und Mastercard, sondern auch mit der Girocard und dem Bargeld. Für den Massenmarkt setzt der Konzern in Deutschland auf die kostenlose Payback-Karte.

Was Verbraucher wissen sollten

Für Vielreisende kann sich die Platinum Card rechnen. American Express beziffert die Guthaben für Reisen, Restaurants und Mobilität in Deutschland auf zusammen rund 650 Euro im Jahr, bei einer Gebühr von 720 Euro. Der Wert hängt davon ab, ob Sie die Guthaben bei den vorgegebenen Partnern tatsächlich nutzen. Lounges und Versicherungen kommen hinzu.

Vor dem Abschluss sollten Sie prüfen, ob Ihre Restaurants, Hotels und Online-Shops die Karte akzeptieren. Bei Zahlungen in Fremdwährung und am Geldautomaten fallen je nach Karte zusätzliche Entgelte an, die im Preisverzeichnis stehen.

Was Händler wissen sollten

Händler entscheiden selbst, ob sie American Express akzeptieren. In der EU ist nur bei Visa und Mastercard das Interbankenentgelt für Verbraucher-Kreditkarten auf 0,3 Prozent gedeckelt, für American Express gilt dieser Deckel grundsätzlich nicht, Ausnahmen sind etwa Partnerkarten. Ein Aufschlag für Amex-Zahlungen ist bei den meisten Karten zulässig, darf die tatsächlichen Kosten nicht übersteigen und sollte an der Kasse deutlich angekündigt sein, damit der Kunde vor dem Bezahlen davon weiß.

Gastronomen betrifft eine geplante Übernahme: Im zweiten Quartal 2026 kündigte American Express den Kauf von TheFork an, einer europäischen Reservierungsplattform mit 50.000 Restaurants in elf Ländern. Der Konzern baut damit seine Stellung bei Restaurantbuchungen in Europa aus.

In den USA lösen Platinum-Kunden ihre Restaurantguthaben bereits über die Plattform Resy ein.

Am 1. Oktober 2026 stellte American Express eine neue Generation der Corporate Card vor, mit Cashback, eigener Software für die Spesenabrechnung und einer neuen App. Mittelständler sollten damit nachrechnen, ob die Ersparnis bei der Abrechnung die Gebühren der Firmenkarte übersteigt.

Die nächsten zwölf Monate

Optimistisch betrachtet bestätigt American Express am 23. Oktober die Prognose, die Aufsicht bescheinigt bis Mitte 2027 erste Fortschritte, und der Konzern schließt die Übernahme von TheFork ab. Für deutsche Kunden bleiben Gebühren und Leistungen stabil.

Realistisch erwarten wir weitere Gebührenerhöhungen bei Premiumkarten, weil die Kosten für Leistungen schneller wachsen als die Einnahmen. Eine Anhebung der Platinum-Gebühr in Europa nach US-Vorbild wäre keine Überraschung.

Pessimistisch gedacht verschärfen die Aufseher ihre Auflagen, ein US-Zinsdeckel kommt doch, und der Konzern spart bei den Leistungen. Ihre Karte würde dann teurer, ohne mehr zu bieten.

Ausblick
Drei Szenarien für die nächsten zwölf Monate
Was bis Herbst 2027 auf American Express und deutsche Kunden zukommen kann (Einschätzung der Redaktion).
Optimistisch
Prognose hält
Umsatz plus 10 Prozent, TheFork-Kauf abgeschlossen, stabile Gebühren in Deutschland.
Realistisch
Gebühren steigen
Leistungskosten wachsen weiter, Premiumkarten in Europa werden teurer.
Pessimistisch
Doppelter Druck
Strengere Auflagen und ein US-Zinsdeckel treffen zusammen, Leistungen werden gekürzt.
23.10.2026
Zahlen zum dritten Quartal
15,46 bis 16,00 €
Prognose Gewinn je Aktie 2026
720 €
Jahresgebühr Platinum Card Deutschland

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von American Express

Geöffnetes Buch mit Lesezeichen, auf dem oben
Von Anti-Steering-Klausel bis zweiseitiger Markt: die wichtigsten Fachbegriffe zum Geschäftsmodell von American Express.

Anti-Steering-Klausel

Eine Anti-Steering-Klausel verbietet Händlern vertraglich, Kunden an der Kasse zu einer günstigeren Zahlungsart zu drängen, etwa mit Rabatten für Bankkarten. Der Oberste Gerichtshof der USA hat solche Klauseln von American Express 2018 mit fünf zu vier Stimmen für zulässig erklärt.

Billed Business

Das Billed Business ist der Kartenumsatz, den Karteninhaber mit den von American Express selbst ausgegebenen Karten tätigen. Die Kennzahl ist die Basis der Händlerprovision. 2025 lag der Wert bei umgerechnet rund 1,49 Billionen Euro, 8 Prozent mehr als im Vorjahr.

Card Member Services

Unter Card Member Services verbucht American Express die Kosten für Leistungen an Karteninhaber, etwa Flughafen-Lounges, Reiseguthaben und Versicherungen. Der Posten stieg von 2023 bis 2025 um 53 Prozent auf umgerechnet 5,4 Milliarden Euro, getrieben von der aufgewerteten Platinum Card.

Charge Card

Eine Charge Card ist eine Kreditkarte ohne Ratenzahlung: Der Karteninhaber begleicht den gesamten Monatsumsatz auf einmal. American Express startete 1958 mit diesem Modell und verdiente zunächst nur an Jahresgebühr und Händlerprovision, Zinsen kamen erst mit späteren Kreditkarten hinzu.

Co-Branding-Karte

Eine Co-Branding-Karte gibt ein Kartenanbieter gemeinsam mit einem Partner heraus, meist einer Fluglinie oder Hotelkette. Der Partner liefert Meilen oder Punkte und erhält dafür Zahlungen. Bei American Express entfallen 26 Prozent des weltweiten Kartenumsatzes auf solche Karten.

Discount Revenue

Die Discount Revenue ist die Provision, die American Express bei jeder Kartenzahlung vom Rechnungsbetrag einbehält, bevor der Händler sein Geld erhält. Mit umgerechnet 33,4 Milliarden Euro ist dieser Posten die größte Erlösquelle. 2025 entsprach der Abschlag im Schnitt 2,24 Prozent des Kartenumsatzes.

Dreiparteiensystem

In einem Dreiparteiensystem gibt ein Unternehmen die Karte selbst aus, betreibt das Netz und rechnet mit dem Händler ab. Beteiligt sind nur Karteninhaber, Händler und Kartenanbieter. American Express arbeitet so, Visa und Mastercard dagegen als Vierparteiensysteme mit Banken auf beiden Seiten.

Eigenkapitalrendite

Die Eigenkapitalrendite setzt den Jahresgewinn ins Verhältnis zum durchschnittlich eingesetzten Eigenkapital. Die Kennzahl zeigt, wie viel ein Unternehmen mit dem Geld seiner Eigentümer verdient. American Express kam 2025 auf 33,9 Prozent, im zweiten Quartal 2026 auf 36,4 Prozent.

Interbankenentgelt

Das Interbankenentgelt, englisch Interchange, ist die Gebühr, die die Bank des Händlers bei Kartenzahlungen an die Bank des Karteninhabers zahlt. In der EU ist das Entgelt für Verbraucher-Kreditkarten seit 2015 auf 0,3 Prozent gedeckelt. Dreiparteiensysteme wie American Express fallen nur in Sonderfällen darunter.

Membership Rewards

Membership Rewards ist das Punkteprogramm von American Express. Karteninhaber sammeln Punkte für Umsätze und lösen sie für Flüge, Hotels, Waren oder Gutschriften ein. American Express rechnet damit, dass am Ende 96 Prozent aller ausgegebenen Punkte eingelöst werden.

Net Write-off Rate

Die Net Write-off Rate gibt an, welchen Anteil seiner Kartenkredite ein Anbieter nach Abzug wieder eingetriebener Beträge abschreiben muss. Bei American Express lag die Quote 2025 bei 2,3 Prozent der Kredite und Forderungen, Zinsen und Gebühren eingerechnet.

Nettozinsertrag

Der Nettozinsertrag ist die Differenz zwischen Zinseinnahmen aus Krediten und Zinsaufwand für Einlagen und Anleihen. Bei American Express stammt der Ertrag vor allem aus Kartensalden, die Kunden in Raten abzahlen. 2025 lag der Nettozinsertrag bei umgerechnet 15,5 Milliarden Euro.

Surcharging

Beim Surcharging verlangt ein Händler einen Aufschlag, sobald der Kunde mit einer bestimmten Karte zahlt. So gibt er die Kosten der Kartenzahlung an den Kunden weiter. Bei Zahlungen von Verbrauchern ist ein solcher Aufschlag in Deutschland nur für Karten erlaubt, die nicht unter die EU-Deckelung fallen.

Zweiseitiger Markt

Ein zweiseitiger Markt verbindet zwei Kundengruppen, die einander brauchen, etwa Karteninhaber und Händler. Ein Kartennetz wird für Händler wertvoller, je mehr Karteninhaber das Netz hat, und umgekehrt. Der Supreme Court bewertete das Kartengeschäft 2018 ausdrücklich als solchen Markt.

FAQ: Wer bezahlt bei American Express die Prämien?

Display, Kordelabsperrung, Schild mit Aufschrift
Häufige Fragen zu American Express: Aktionäre, Preise in Deutschland, Akzeptanz, Bank, Strafe und nächste Zahlen.

Wer ist der größte Aktionär von American Express?

Größter Aktionär ist Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett. Berkshire hielt Ende Juni 2026 151,6 Millionen Aktien, etwa 22,5 Prozent. Buffetts frühere Partnerschaft stieg kurz nach dem Salatöl-Skandal von 1963 ein.

Was kostet eine Kreditkarte von American Express in Deutschland?

Die Payback American Express Karte ist dauerhaft ohne Jahresgebühr. Die Gold Card kostet 240 Euro im Jahr, die Platinum Card 720 Euro. Hinzu kommen je nach Karte Entgelte für Zahlungen in Fremdwährung und für Bargeld am Automaten.

Warum akzeptieren nicht alle Händler eine Amex-Karte?

Für American Express gilt in der EU kein Deckel wie für das Interbankenentgelt bei Visa und Mastercard, die Provision handelt der Konzern direkt mit den Händlern aus. Händler wägen ab, ob die zusätzlichen Umsätze mit Amex-Kunden die Kosten aufwiegen.

Ist American Express eine Bank?

Ja. American Express ist seit 2008 als Bankholding von der Federal Reserve zugelassen, in den USA betreibt der Konzern die American Express National Bank. In Europa gibt die American Express Europe S.A. mit Sitz in Madrid die Karten aus, mit einer Niederlassung in Frankfurt am Main.

Warum muss American Express 2026 eine Strafe zahlen?

Die US-Bankenaufsicht OCC verhängte am 8. Oktober 2026 umgerechnet 313 Millionen Euro, weil die Bank verdächtige Zahlungen über Jahre nicht rechtzeitig erkannt und gemeldet haben soll. American Express hat die Vorwürfe weder eingeräumt noch bestritten.

Wann legt American Express die nächsten Quartalszahlen vor?

American Express veröffentlicht die Zahlen zum dritten Quartal 2026 am 23. Oktober 2026 gegen 13 Uhr deutscher Zeit. Die Telefonkonferenz mit Analysten beginnt um 14:30 Uhr deutscher Zeit.

Quellen

43 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 14.10.2026
  1. American ExpressAnnual Report on Form 10-K for the fiscal year 2025Geschäftsbericht 2025
  2. American ExpressQuarterly Report on Form 10-Q, Q2 2026
  3. American ExpressAmerican Express Q2 2026 Results (Pressemitteilung vom 24.07.2026)
  4. American ExpressForm 8-K vom 08.10.2026 zu den Consent Orders von Fed und OCC
  5. American ExpressStatement Regarding the FRB and OCC’s Consent Orders08.10.2026
  6. American ExpressProxy Statement 2026 (Vergütungsbericht)
  7. American ExpressPlans Live Audio Webcast of Third-Quarter 2026 Earnings Conference Call
  8. American ExpressU.S. Consumer Platinum Card Fact Sheet18.09.2025
  9. American ExpressAmex Gold Card vs. Platinum Card (Deutschland)
  10. American ExpressIn 1850, three business rivals came together to form American Express
  11. American ExpressInside the heated debate that led to American Express‘ first credit card in 1958
  12. American ExpressPolicy Engagement and Political Activity
  13. Smithsonian National Postal MuseumAmerican Express: Timeline of Key Milestones
  14. Wells FargoA partnership born to solve challenges (Unternehmensgeschichte)
  15. TIMEWall Street: Boiling in Oil13.12.1963
  16. TIMEAmerican Express: Charge!Mai 1991
  17. Berkshire HathawayChairman’s Letter 1994
  18. Berkshire HathawayShareholder Letter 2025
  19. SECBerkshire Hathaway, Form 13F-HR zum 30.06.2026
  20. Federal Reserve BoardPress Release: Approval of American Express as Bank Holding Company10.11.2008
  21. Federal Reserve BoardEnforcement action against American Express Company08.10.2026
  22. Office of the Comptroller of the CurrencyOCC Assesses $350 Million Civil Money Penalty Against American Express08.10.2026
  23. Reuters via BNN BloombergAmerican Express fined US$350M for insufficient anti-money laundering program09.10.2026
  24. Global Trade ReviewAmex processed US$13bn in trade-based money laundering transactions, US alleges09.10.2026
  25. TechCrunchAmex introduces a framework to prevent AI agents from making unauthorized purchases13.10.2026
  26. Business Travel ExecutiveAmerican Express Launches Next Generation of Amex Corporate01.10.2026
  27. U.S. Department of JusticeAmerican Express Agrees to Pay $108.7M to Settle Allegations of Deceptive MarketingJanuar 2025
  28. Supreme Court of the United StatesOhio v. American Express Co., No. 16-145425.06.2018
  29. Nilson ReportGlobal Brand Cards in the US 2025Februar 2026
  30. Nilson ReportMastercard and Visa Cards in the US 2025
  31. NBC NewsJPMorgan Chase unveils new Sapphire Reserve card perks and $795 annual fee17.06.2025
  32. BloombergCiti Charges $595 for Strata Elite Credit Card to Rival Amex, Chase27.07.2025
  33. Payments DiveAmex buoyed by big spendersJanuar 2026
  34. Sen. Dick DurbinDurbin, Marshall Reintroduce the Credit Card Competition Act13.01.2026
  35. Europäische UnionVerordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge
  36. Bundesministerium der JustizBürgerliches Gesetzbuch, Paragraf 270a
  37. Deutscher BundestagLobbyregister, Eintrag R002171 American Express Europe S.A. (Germany branch)
  38. Deutsche BundesbankZahlungsverhalten in Deutschland 2023
  39. PAYBACK GmbHDie kostenlose PAYBACK American Express Kreditkarte
  40. Europäische ZentralbankEuro foreign exchange reference rates (Referenzkurs vom 13.10.2026)
  41. Capital OneCapital One Completes Acquisition of Discover18.05.2025
  42. Federal Reserve BoardEnforcement action against Wells Fargo & Company02.02.2018
  43. Deutsche BundesbankZahlungsverhalten in Deutschland 2025 (Pressemitteilung)
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