Den wertvollsten Rohstoff der SCHUFA liefern ihre eigenen Kunden. Banken, Mobilfunkanbieter und Händler melden Konten, Kredite und Zahlungsstörungen nach Wiesbaden und kaufen dafür Auskünfte und Prüfdienste, 2025 für 213,1 Millionen Euro. Ab dem 20. November muss die Auskunftei Ihnen auf Antrag erklären, wie Ihr Score zustande kommt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenDer Bundesgerichtshof hat am 21. Oktober 2026 vier Urteile des Oberlandesgerichts Dresden zur Auskunft über Scores aufgehoben, die SCHUFA sieht ihre Praxis in zentralen Punkten bestätigt. Einen Monat später tritt ein Gesetz in Kraft, das Anschriften und Kontobewegungen im Score verbietet. Verbraucher können dann eine Erklärung ihres Scores beantragen. Hier lesen Sie, wie die Wiesbadener Auskunftei an Daten verdient, die ihre Kunden selbst liefern, und was die neuen Regeln für Ihr Unternehmen und Ihre eigene Bonität bedeuten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die SCHUFA setzte 2025 im Konzern 304,0 Millionen Euro um, 83 Prozent davon mit Bonitätsauskünften. Unter dem Strich blieben 49,5 Millionen Euro, als Dividende schlägt der Vorstand 56,8 Millionen Euro vor.
- Die Daten liefern die Kunden selbst: Banken, Händler und Mobilfunkanbieter melden Verträge sowie Zahlungsstörungen und kaufen im Gegenzug Auskünfte aus einem Bestand zu 69,1 Millionen Menschen.
- Die Datenkopie ist kostenlos, trotzdem bestellten 2025 343.140 Menschen sie über kostenpflichtige Drittanbieter. 700.000 zahlten ein Abo bei der SCHUFA oder bei bonify.
- Der BGH knüpft die Auskunft über die Score-Logik an eine belastende Entscheidung, erleichtert aber den Nachweis. Ab dem 20. November verbietet Paragraf 37a BDSG unter anderem Anschriften und Kontobewegungen im Score.
- Bei Selbstständigen und kleinen Firmen kann eine private Zahlungsstörung des Inhabers die Firmenauskunft verschlechtern.
1 In welchem Jahr wurde die SCHUFA in Berlin gegründet? Aufklappen ↓
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2 Welchen Anteil am Konzernumsatz 2025 brachte das Geschäftsfeld Bonität? Aufklappen ↓
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3 Wie viele Menschen bestellten 2025 ihre kostenlose Datenkopie bei der SCHUFA? Aufklappen ↓
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4 Welche Daten darf ein Score ab dem 20. November 2026 nicht mehr nutzen? Aufklappen ↓
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5 Welche Skala hat der neue SCHUFA-Score? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter der SCHUFA und wie fing alles an?

Gegründet wurde die SCHUFA am 1. April 1927 in Berlin, auf Initiative der Berliner Elektrizitätswerke BEWAG. Hinter der Gründung standen drei jüdische Juristen und Unternehmer: Kurt Meyer, Walter Gerhard Meyer und Robert Kauffmann. Die drei wollten Händlern verlässliche Auskünfte über zahlungsfähige Kunden liefern.
Der erste Name „Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung und Kreditsicherung“ nennt das Motiv: Die Gemeinschaft sollte Händlern helfen, die Ware auf Kredit verkauften und vorher wissen wollten, ob der Käufer zahlt. Walter Meyer arbeitete in leitender Position bei der BEWAG, sein Bruder Kurt übernahm die Leitung der neuen Schutzgemeinschaft.
Die SCHUFA schildert ihre Anfänge in einer Chronik, die sie im August 2026 zum nahenden 100. Geburtstag veröffentlicht hat.
Gearbeitet wurde mit Karteikarten. 1929 berichtete die Berliner Börsenzeitung von 1,5 Millionen Karten im Archiv der Gemeinschaft. Zwei Jahre später schlossen sich die regionalen Gesellschaften zur REICHS-SCHUFA zusammen, 1934 erteilte allein die Berliner SCHUFA mehr als 464.000 Auskünfte.
Ab 1933 wurden die jüdischen Gründer aus dem Unternehmen gedrängt. Kurt Meyer emigrierte 1937 und kehrte erst 1955 zurück.
Ein Gutachten der Firmenhistoriker von D.I.E., das die SCHUFA in Auftrag gab, fand nach Darstellung des Unternehmens, das die Studie zum 100-jährigen Bestehen 2027 erstellen ließ, keine Hinweise auf eine bedeutende strukturelle Verstrickung in das NS-System und keinen nachweisbaren Missbrauch der Daten durch das Regime. Am 5. Februar 1945 zerstörte ein Bombenangriff das Berliner Büro samt Kartei.
Ein Verband der Kreditgeber, kein Start-up
Die SCHUFA brauchte nie Risikokapital, um aus einer Idee ein Unternehmen zu machen. Hinter der Auskunftei stand von Anfang an die Wirtschaft, die ihre Auskünfte brauchte: zuerst ein Stromversorger, später Banken, Sparkassen und Handel als Eigentümer. Nach einem Gutachten der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags von 2021 hielten Kreditinstitute zusammen rund 87 Prozent der Anteile, Handel und andere Unternehmen 13,1 Prozent.
Den größten Teil des Umsatzes zahlen heute Unternehmen wie Banken, Telekommunikationsanbieter und Onlinehändler, vor allem für Bonitätsauskünfte. Knapp 30 Prozent kommen inzwischen von Verbrauchern, die für Auskünfte und Abos über ihre eigenen Daten bezahlen.
Die SCHUFA entstand 1927 als Selbsthilfe von Händlern und Versorgern, die auf Kredit verkauften. Diese Herkunft aus dem Kreis der eigenen Kunden prägt die Eigentümerstruktur bis heute.
Wie wurde aus der Berliner Kartei ein Datenkonzern?

In vier Schritten: Nach dem Krieg entstand die SCHUFA als Bundesverband neu und zog 1957 nach Wiesbaden, 1972 lief die erste Auskunft per EDV, 1996 kam der Score als Produkt, 2000 die SCHUFA Holding AG. Heute führt der Konzern Daten zu 69,1 Millionen Menschen sowie 6,6 Millionen Unternehmen.
Nach dem Krieg entstanden die regionalen Gesellschaften neu, unter anderem in Hannover, Bremen und Saarbrücken. 1952 gründeten die Regionalgesellschaften die BUNDES-SCHUFA als eingetragenen Verein, 1957 zog der Hauptsitz nach Wiesbaden. Bis 1965 wuchs das Netz auf 13 rechtlich und wirtschaftlich selbstständige Gesellschaften mit 34 Geschäftsstellen.
Am 17. Juli 1972 lief die erste Auskunft aus dem EDV-System, per Fernschreiber. Elf Jahre später lagen alle Kundendaten digital vor, die Karteikarten hatten ausgedient.
Den Schritt, der das heutige Geschäft prägt, machte die SCHUFA 1996. Unter dem Namen Auskunft-Scoring-Service verkaufte die Auskunftei erstmals nicht nur einzelne Einträge, sondern eine errechnete Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kunde seine Raten zahlt. Aus dem Nachschlagewerk wurde ein Prognosedienst.
Die Aktiengesellschaft von 61 Gesellschaftern
Am 30. März 2000 unterschrieben 61 Gesellschafter die Gründungsurkunde der SCHUFA Holding AG mit Sitz in Wiesbaden. Bis 2002 verschmolzen die acht regionalen SCHUFA-Gesellschaften mit der Holding. Im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2001 setzte der Konzern rund 51 Millionen Euro um, bei der Gründung hatte die Holding rund 600 Beschäftigte.
Ebenfalls 2001 führte die Holding ein bundesweit einheitliches Preismodell ein. Vorher hatte jede Regionalgesellschaft eigene Konditionen.
2005 ging meineschufa.de an den Start, die Plattform, über die Verbraucher Auskünfte über sich selbst kaufen. Danach kamen Geschäftsfelder hinzu, die mit dem Ratenkauf nichts mehr zu tun haben: 2008 der IdentitätsCheck, 2014 ein gemeinsamer Datenpool gegen Betrug, 2020 die Tochter ClariLab für die Geldwäscheprüfung. Schon 2010 hatte die SCHUFA erstmals einen Ombudsmann eingesetzt.
Ende 2022 kaufte die SCHUFA die Berliner Forteil GmbH, die mit der App bonify Verbrauchern ihre Bonität zeigt und Kredite vermittelt. Den Kaufpreis hat die SCHUFA nicht veröffentlicht.
Im Mai 2025 verkaufte die SCHUFA ihre Tochter finAPI, die Kontodaten für Dritte aufbereitet, an den italienischen Zahlungsanbieter Fabrick.
Der Bieterstreit um einen Datenschatz
Im Herbst 2021 wurde bekannt, dass der schwedische Finanzinvestor EQT den Anteil der französischen Bank Société Générale von zehn Prozent übernehmen wollte. Das Handelsblatt bezifferte den Wert der SCHUFA damals auf zwei Milliarden Euro.
Die Volks- und Raiffeisenbanken übten ihr Vorkaufsrecht aus. Im Juni 2022 übernahm die genossenschaftliche Gruppe zusammen mit der Teambank 6,7 Prozent von der Société Générale. Im August 2022 hielten die Sparkassen laut SCHUFA 27,3 Prozent, die genossenschaftliche Finanzgruppe laut Handelsblatt 27,2 Prozent. Die beiden Verbünde besaßen damit gemeinsam die Mehrheit.
EQT verhandelte weiter mit der Deutschen Bank und der Commerzbank, die zusammen 18,6 Prozent hielten. Im Januar 2023 brach der Investor die Gespräche ab.
Die SCHUFA veröffentlicht keine aktuelle Aufstellung ihrer Aktionäre. Der Jahresabschluss 2025 nennt lediglich das Grundkapital von 5,4 Millionen Euro in vinkulierten Namensaktien, die nur mit Zustimmung der Gesellschaft den Besitzer wechseln.
Personen- und Unternehmenszahlen zum 31.12.2025. Im Lagebericht nennt die SCHUFA rund 340.000 bis 350.000 Bonitätsauskünfte am Tag.
Wie verdient die SCHUFA tatsächlich ihr Geld?

Mit Bonitätsauskünften, vor allem an Unternehmen, die der SCHUFA zuvor die Daten über ihre Kunden geliefert haben. Das Geschäftsfeld Bonität brachte 2025 rund 252 Millionen Euro, 83 Prozent des Konzernumsatzes. Am schnellsten wachsen Abos für Verbraucher, Betrugsprävention und Geldwäscheprüfung.
Ein Geschäftsfeld bringt 83 Prozent
Der Konzern setzte 2025 304,0 Millionen Euro um, 5,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Teil brachte das Geschäftsfeld Bonität mit Auskünften und Scores für Firmen wie für Verbraucher.
Nach Kundengruppen gerechnet stammen 213,1 Millionen Euro von Unternehmen und 89,7 Millionen Euro von Privatkunden. Der Umsatz mit Verbrauchern wuchs mit 7,8 Prozent doppelt so schnell wie das Firmengeschäft.
| Geschäftsfeld | 2025 in Mio. € | 2024 in Mio. € | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Bonität | 252,3 | 245,3 | +2,8 % |
| Identifizierung | 22,8 | 21,9 | +4,1 % |
| Betrugsprävention | 15,7 | 12,5 | +24,9 % |
| Compliance | 9,7 | 6,2 | +56,3 % |
| Sonstige | 3,5 | 3,5 | +0,3 % |
| Konzern | 304,0 | 289,5 | +5,0 % |
Der Umsatz mit Betrugsprävention stieg um ein Viertel, mit Compliance um mehr als die Hälfte, weil Banken wie Zahlungsdienstleister ihre Kunden auf Geldwäsche- und Sanktionsrisiken prüfen müssen. Für 2025 meldet die SCHUFA mehr als 250 Millionen Abgleiche mit Sanktionslisten, nach rund 85 Millionen im Vorjahr. Im Geschäftsfeld Identifizierung prüft die SCHUFA laut Lagebericht jährlich rund 49 Millionen Identitäten, etwa bei Kontoeröffnungen und Onlinebestellungen, und deckt dabei rund 10.000 Betrugsfälle auf. Gerade dieser Teil des Geschäfts hängt nicht davon ab, ob jemand einen Kredit will.
Die Kunden liefern die Ware
Den Kern des Modells nennt die SCHUFA Gegenseitigkeitsprinzip. Banken, Sparkassen, Mobilfunkanbieter, Versandhändler und Leasinggesellschaften melden der SCHUFA, wer einen Kredit, ein Konto oder einen Vertrag abschließt und ob er pünktlich zahlt. Im Gegenzug dürfen diese Vertragspartner Auskünfte abrufen, die aus den Meldungen aller anderen entstehen. Für die Rohware zahlt die SCHUFA also nichts. Die Kunden liefern die Daten bei jeder Kontoeröffnung und jedem Ratenkauf mit und bezahlen anschließend für die verdichtete Fassung.
2025 zählte die SCHUFA 232,6 Millionen Auskünfte und Nachmeldungen an ihre rund 11.000 Unternehmenskunden. Allein die Bonitätsauskünfte beziffert die Auskunftei auf rund 350.000 an einem durchschnittlichen Tag. Was ein Unternehmen pro Abruf zahlt, veröffentlicht die SCHUFA nicht. Als Überschlag: Teilte man den Umsatz mit Unternehmenskunden durch die Zahl der Auskünfte und Nachmeldungen, ergäben sich rund 92 Cent je Vorgang. Der Durchschnitt enthält allerdings auch Identitäts- und Betrugsprüfungen, und Nachmeldungen müssen nicht einzeln bezahlt werden.
Der Score ist das eigentliche Produkt
Unternehmen kaufen bei der SCHUFA vor allem eine Zahl, die vorhersagt, ob ein Kunde zahlt.
Die SCHUFA berechnet diese Zahl inzwischen mit einem neuen Score aus zwölf Kriterien auf einer Skala von 100 bis 999 Punkten. Unternehmen können den neuen Score seit April 2025 nutzen, Verbraucher sehen ihn seit dem 17. März 2026. Für die Umstellung aller Kunden hat die SCHUFA eine Frist bis Ende 2028 gesetzt.
Jedes Kriterium bringt Punkte, und die Höchstpunktzahl zeigt sein Gewicht. Am schwersten wiegen Zahlungsstörungen: Ohne Störung vergibt die SCHUFA 264 Punkte, nach einer erledigten Störung 100, ein Jahr später 135 und nach zwei Jahren 152. Bei einer offenen Zahlungsstörung berechnet die SCHUFA gar keinen Score.
Den Anteil der gespeicherten Personen mit ausschließlich positiven Einträgen beziffert die SCHUFA auf mehr als 90 Prozent, also Konten und Kredite, die vertragsgemäß laufen. Offene Zahlungsstörungen haben rund 8 Prozent.
Der Wert des Datenbestands liegt deshalb vor allem in den Positivdaten, denn erst diese Einträge unterscheiden den zuverlässigen Kunden vom unbekannten.
In der Bilanz taucht dieser Datenschatz nicht auf. Eigentum an den Daten erwirbt die Auskunftei nicht, die Datenschutz-Grundverordnung erlaubt ihr nur die Verarbeitung. Sichtbar wird der Wert der Daten in der Marge und in den zwei Milliarden Euro, auf die das Handelsblatt das Unternehmen 2021 taxierte.
Ein Fünftel bleibt als operativer Gewinn
Das Konzern-EBIT lag 2025 bei 72,2 Millionen Euro. Darin steckt ein Sondereffekt aus dem Verkauf von finAPI, ohne ihn erreichte das EBIT 61,0 Millionen Euro, 11,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Als Gründe nennt die SCHUFA hohe Investitionen in den Umbau des Geschäftsmodells und gestiegene Rechtskosten. Die EBIT-Marge des Konzerns betrug mit dem Sondereffekt 23,6 Prozent, ohne ihn rund 20 Prozent. Die Holding für sich kam auf 26,4 Prozent.
Unter dem Strich verdiente der Konzern 49,5 Millionen Euro, die SCHUFA Holding AG als Einzelgesellschaft mit 54,1 Millionen Euro mehr.
Der größte Kostenblock ist das Personal. Die Holding gab 2025 rund 97,7 Millionen Euro dafür aus, ein Drittel ihres Umsatzes. Werbung, Marketing und Imagepflege kosteten 14,7 Millionen Euro, Provisionen 15,3 Millionen Euro.
Die Holding verfehlte 2025 ihr eigenes Gewinnziel um 1,2 Millionen Euro. Als Grund nennt der Jahresabschluss höhere Rechtskosten als geplant, für Klagen gegen die Speicherung von Zahlungsstörungen, die längst erledigt sind.
Verbraucher als zweite Kundschaft
Mit Privatkunden setzte der Konzern 2025 rund 89,7 Millionen Euro um, davon 36,7 Millionen Euro mit Abonnements. Der Abo-Umsatz stieg um 23,5 Prozent, die SCHUFA nennt als Gründe neue Kunden und „Preismaßnahmen“. Ende 2025 zahlten 700.000 Menschen ein Abo bei der SCHUFA oder bei bonify.
Bonify verdient zusätzlich an der Vermittlung. Nach Darstellung der Verbraucherzentrale tritt Forteil mit der App als Makler auf, schlägt Kredite, Konten oder Versicherungen vor und erhält eine Provision, sobald ein Vertrag zustande kommt. Gibt ein Nutzer seine Bankdaten frei, verspricht bonify passendere Angebote.
Seit Dezember 2025 bietet die SCHUFA ein kostenloses Konto mit Score und Daten an, quartalsweise aktualisiert. Die Echtzeitfassung kostet Geld. Nach 100 Tagen mit dem neuen Score hatten sich rund 1,3 Millionen Menschen im SCHUFA-Konto oder bei bonify registriert.
Im Prognosebericht rechnet der Vorstand selbst damit, dass dieses Freemium-Modell aus kostenloser Grundversion und bezahlter Echtzeitfassung zunächst Umsatz mit den bisherigen Privatkundenprodukten kostet.
Jede weitere Abfrage kostet fast nichts
Der Datenbestand ist einmal aufgebaut, Auskünfte daraus verkauft die SCHUFA millionenfach. Eine zusätzliche Abfrage verursacht kaum Kosten, weil Rechenzentrum, Score-Modell und Personal ohnehin bezahlt sind. Jeder weitere Vertragspartner liefert zudem neue Daten und macht die Prognose für alle anderen genauer. Dieser Netzwerkeffekt erklärt, warum eine Bank lieber die Auskunftei mit den meisten Meldungen fragt als einen günstigeren Neuling.
Seit 2020 hat sich das Gewicht im Konzern verschoben. Mit finAPI gab die SCHUFA das Geschäft mit Kontodaten für Dritte ab, mit bonify kaufte sie den direkten Draht zum Verbraucher. Identifizierung, Betrugsprävention und Compliance brachten 2025 zusammen 48,2 Millionen Euro, knapp 16 Prozent des Umsatzes.
Der Anteil des Geschäftsfelds Bonität sank von 84,7 Prozent 2024 auf 83,0 Prozent 2025, die Abhängigkeit vom Kreditgeschäft der Banken geht also langsam zurück.
Umsatz in Millionen Euro und Anteil am Konzernumsatz, ohne die im Mai 2025 verkaufte Tochter finAPI. Ohne den Sondereffekt aus dem Verkauf lag das EBIT bei 61,0 Millionen Euro.
Wie groß ist die Marktmacht der SCHUFA?

Groß genug, dass kaum eine Bank an ihr vorbeikommt. Die SCHUFA führt Daten zu 69,1 Millionen Menschen, Marktanteile veröffentlicht keine Auskunftei. Die Stellung der SCHUFA beruht auf dem Datenpool, den ihre Kunden selbst füllen, und auf Score-Modellen, deren Wechsel bei Banken die Aufsicht genehmigen muss.
Belastbare Marktanteile für Wirtschaftsauskunfteien in Deutschland haben wir nicht gefunden, weder beim Branchenverband noch bei der Aufsicht. Die SCHUFA beschreibt sich im Jahresabschluss als führenden Informations- und Servicepartner der kreditgebenden Wirtschaft. Für diese Selbsteinschätzung sprechen 232,6 Millionen Auskünfte und Nachmeldungen im Jahr.
Der italienische CRIF-Konzern übernahm 2016 die Auskunftei Bürgel. Im März 2025 vereinbarte der Datenkonzern Experian die Übernahme der Creditreform-Tochter Boniversum, die Verbraucherdaten sammelt.
| Auskunftei | Eigentümer | Schwerpunkt | Belegte Eckdaten |
|---|---|---|---|
| SCHUFA Holding AG, Wiesbaden | Banken, Sparkassen und Handel (letzter bekannter Stand 2021/2022) | Verbraucher und Unternehmen | 69,1 Mio. Personen, 6,6 Mio. Unternehmen, 1.114 Beschäftigte |
| Boniversum | Experian (Übernahme im März 2025 vereinbart) | Verbraucherdaten | bis dahin Tochter von Creditreform |
| CRIF GmbH (früher Bürgel) | CRIF-Gruppe, Bologna | Unternehmen und Verbraucher | Bürgel seit 2016 im Besitz von CRIF, weltweit mehr als 6.600 Beschäftigte |
| Creditreform | Verband der Vereine Creditreform | Wirtschaftsauskünfte | Firmenauskünfte, Zahlen für Deutschland nicht veröffentlicht |
Aussteigen heißt blind entscheiden
Die stärkste Bindung entsteht aus dem Gegenseitigkeitsprinzip. Eine Bank, die keine Daten mehr an die SCHUFA meldet, bekommt keine Auskünfte mehr und entscheidet über Kredite mit weniger Wissen als die Konkurrenz. Ein Neuling müsste erst Millionen von Kreditverläufen sammeln, bevor seine Prognosen mithalten.
Bisher liefert die SCHUFA sechs Branchenscores, jeweils zugeschnitten auf Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel sowie Versandhandel und E-Commerce. Banken dürfen auf den neuen Score erst umsteigen, sobald sie den Wechsel bei der Bankenaufsicht angezeigt haben und diese ihn genehmigt hat, weil die Werte in ihre Risikomodelle einfließen. Die Branchenscores laufen deshalb bis Ende 2028 weiter. Im März 2026 nutzten rund 25 Prozent der Unternehmenskunden den neuen Score, bis Ende 2026 erwartet die SCHUFA rund die Hälfte.
Ein Wechsel zu einer anderen Auskunftei verlangt denselben Aufwand. Diese Schwelle schützt die SCHUFA wirksamer als jeder Vertrag.
Auch außerhalb der Banken hat sich der Name festgesetzt. Den digitalen BonitätsCheck bewirbt die SCHUFA als „Nummer 1 bei Vermietern“, und im Alltag heißt der Nachweis für die Wohnungsbewerbung schlicht Schufa, unabhängig davon, welche Auskunftei ihn ausstellt.
- Datenpool: Ein Neuling startet ohne die Kreditverläufe, die der SCHUFA seit Jahrzehnten zufließen
- Aufsicht: Banken brauchen für jeden Wechsel des Scores die Genehmigung der Bankenaufsicht
- Alltag: Vermieter verlangen den Nachweis unter dem Namen Schufa, egal welche Auskunftei ihn ausstellt
Wer ist bei der SCHUFA eigentlich das Produkt?

Das Produkt sind die rund 69 Millionen Menschen, deren Daten die SCHUFA speichert. Banken und Händler melden diese Daten ohne Einwilligung der Betroffenen und kaufen Auskünfte daraus. Zugleich wirbt die SCHUFA dieselben Menschen als Abonnenten, die für den Blick auf ihre eigenen Daten zahlen.
Als Verbraucher kommen Sie in diesem Geschäft in drei Rollen vor. Zuerst sind Sie Datenquelle: Jedes Girokonto, jede Kreditkarte und jeder Ratenkredit erzeugt Meldungen, die Ihre Bank an die SCHUFA schickt. Eine Einwilligung braucht die Bank dafür nicht.
Der Bundesgerichtshof entschied im Oktober 2025, dass Mobilfunkanbieter sogar Vertragsdaten ohne jede Zahlungsstörung zur Betrugsprävention an die SCHUFA melden dürfen, weil das berechtigte Interesse der Anbieter überwiegen kann.
Danach werden Sie zur Ware: Der Score über Sie geht an das Unternehmen, bei dem Sie einen Vertrag abschließen wollen. Banken mischen die Werte oft mit eigenen Daten. Die Smartphone-Bank N26 nutzt für Kreditentscheidungen ein eigenes Scoring, das SCHUFA-Daten einbezieht.
Schließlich sind Sie Kunde. 2025 bestellten rund 2,06 Millionen Menschen ihre kostenlose Datenkopie, 22 Prozent mehr als im Vorjahr, und 700.000 zahlten für ein Abo.
Der Streit um das Archiv
Wie lange alte Einträge gespeichert bleiben dürfen, ist seit Juli 2026 umstritten. Nach einer Recherche von NDR und Süddeutscher Zeitung, über die unter anderem beck-aktuell berichtete, führt die SCHUFA einen archivierten Datenbestand mit bis zu zehn Jahre alten Einträgen, darunter längst beglichene Schulden und Privatinsolvenzen. Ein SCHUFA-Sprecher nannte eine Größenordnung von 68 Millionen betroffenen Menschen realistisch.
Die Datenschutzorganisation noyb mahnte die SCHUFA im August ab und kündigte für den Fall, dass die Auskunftei nicht einlenkt, eine Unterlassungsklage an.
Die SCHUFA ließ die Frist am 9. September verstreichen und weist die Vorwürfe zurück: „Die SCHUFA hat keine geheime Schattendatenbank. Sie hat ein Datenarchiv – wie alle Unternehmen.“ Für das Archiv gälten zweckgebundene Speicherfristen von höchstens zehn Jahren, die Daten dienten Tests und Forschung, nicht Auskünften an Kunden.
Der Hessische Beauftragte für Datenschutz prüft die Rechtsgrundlage nach einem Bericht von tagesschau.de, den beck-aktuell zitiert, seit dem Frühjahr 2025. Ein Ergebnis ist nicht bekannt.
Die SCHUFA stützt ihren Risiko- und Kreditkompass vom Oktober 2026 ausdrücklich auf die historischen Daten aus diesem Archiv.
Ohne Ihre Einwilligung melden Banken Ihre Verträge an die SCHUFA, die daraus Scores für Unternehmen und Abos für Sie selbst macht. Wie lange alte Einträge im Archiv bleiben dürfen, ist offen.
Was kostet eine SCHUFA-Auskunft wirklich, und wer trägt die Kosten?

Verbraucher bekommen ihre Daten kostenlos, als Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO oder im SCHUFA-Konto. Den Nachweis für Vermieter verkauft die SCHUFA für 29,95 Euro, Abos kosten 59,40 bis 119,40 Euro im Jahr. Unternehmen zahlen im Schnitt unter einem Euro je Vorgang, tragen dürften die Kosten am Ende ihre Kunden.
| Produkt | Preis | Was Sie bekommen |
|---|---|---|
| Datenkopie nach Art. 15 DSGVO | kostenlos | alle gespeicherten Daten, per Post |
| SCHUFA-Konto | kostenlos | Score und Daten, quartalsweise aktualisiert |
| SCHUFA-BonitätsAuskunft | 29,95 € einmalig | Nachweis auf Papier, etwa für Vermieter |
| SCHUFA-BonitätsCheck | 29,95 € einmalig | digitaler Nachweis mit Echtheitsprüfung per Code |
| SCHUFA-UnternehmensAuskunft | 28,95 € einmalig | Auskunft über ein Unternehmen |
| meineSCHUFA kompakt | 4,95 € im Monat (59,40 € im Jahr) | Auskunft, tagesaktueller Score, Hinweis bei Anfragen |
| meineSCHUFA plus | 6,95 € im Monat (83,40 € im Jahr) | zusätzlich Identitätsschutz |
| meineSCHUFA premium | 9,95 € im Monat (119,40 € im Jahr) | zusätzlich Unternehmensauskunft und zwei Jahresgutscheine für meineSCHUFA plus |
Die Abos laufen mindestens zwölf Monate und verlängern sich danach auf unbestimmte Zeit, kündbar zum Monatsende. Für eine einzelne Wohnungssuche ist der BonitätsCheck günstiger als jedes Abo. Den Check können Vermieter über einen Code auf Echtheit prüfen, bei der kostenlosen Datenkopie fehlt diese Prüfung. 2025 bestellten 343.140 Verbraucher die kostenlose Kopie über kostenpflichtige Drittanbieter, die damit mehr als zehn Millionen Euro einnahmen, rechnerisch rund 29 Euro je Bestellung. Ein Jahr zuvor lief noch mehr als jede vierte Bestellung über solche Seiten.
Wohin das Geld der Unternehmen fließt
Für das Geschäftsjahr 2025 schlägt der Vorstand eine Dividende von 10,50 Euro je Aktie vor, insgesamt 56,8 Millionen Euro.
Rechnerisch entspricht die Ausschüttung gut einem Viertel dessen, was alle Unternehmenskunden im Jahr bezahlt haben (213,1 Millionen Euro). Nach dem letzten bekannten Stand der Aktionäre fließt das Geld zum größten Teil an Banken und Sparkassen, die zugleich Kunden sind. Die Ausschüttung liegt über dem Jahresüberschuss der Holding von 54,1 Millionen Euro, die Differenz deckt der Gewinnvortrag aus früheren Jahren.
Bezahlen dürften am Ende die Kunden der Banken. Eine Auskunft beim Kreditantrag ist für das Institut ein Kostenfaktor wie Personal oder Rechenzentrum, der in die Kalkulation von Zinsen und Gebühren einfließt. Wie groß der Anteil ist, legt keine Bank offen.
- Endkunden: Die Kosten der Firmenauskünfte landen vermutlich über Zinsen und Gebühren bei den Bankkunden
- Dividende: 56,8 Millionen Euro, mehr als der Jahresüberschuss der Holding
- Umweg: 343.140 Menschen zahlten 2025 Drittanbieter für die kostenlose Kopie
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Gewinner sind die Aktionäre aus der Kreditwirtschaft und die Kreditgeber, die Ausfälle besser vorhersagen. Menschen, über die wenig gespeichert ist, zahlen drauf, etwa nach einem Umzug oder ohne Kreditkarte, ebenso alle, deren Einträge fehlerhaft sind.
Als Kunden senken die Aktionärsbanken mit der SCHUFA ihr Kreditrisiko, als Eigentümer erhalten sie die Dividende. Für Kreditgeber lohnt sich die Auskunft, sobald sie einen einzigen Ausfall verhindert, denn ein geplatzter Ratenkredit kostet ein Vielfaches der Abfrage.
Gewinner sind auch Verbraucher mit langer, sauberer Vorgeschichte. Mehr als 60 Prozent ordnet die SCHUFA im neuen Score der besten Klasse „hervorragend“ zu. Bei der Umstellung auf den neuen Score stiegen laut Verbraucherzentrale rund 9 Prozent in eine bessere Klasse auf, 8 Prozent rutschten ab.
Kurze Kredithistorie, schlechter Wert
Die Kriterien des neuen Scores belohnen Dauer. Gezählt werden unter anderem das Alter des ältesten Bankvertrags, etwa eines Girokontos mit Dispo oder eines Kredits, das Alter der ältesten Kreditkarte und die Wohndauer an der aktuellen Adresse. Für die Wohndauer vergibt die SCHUFA bis zum siebten Monat null Punkte, nach zehn Jahren 63 und nach zwanzig Jahren 94.
Junge Erwachsene und frisch Umgezogene bekommen deshalb weniger Punkte, ohne je eine Zahlung versäumt zu haben.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat Einzelfälle aus den ersten Monaten ausgewertet und berichtet von Verschlechterungen „ohne erkennbare Verhaltensänderung“. Umzüge, Anbieterwechsel und fehlende Kredite wirkten sich aus Sicht der Betroffenen negativ aus. Vorständin Ramona Pop sagt: „Wer plötzlich einen schlechteren Score erhält, obwohl sich nichts geändert hat, zweifelt zurecht an der Fairness des Systems.“
2018 sammelten AlgorithmWatch und die Open Knowledge Foundation im Projekt OpenSCHUFA Auskünfte, Spiegel und Bayerischer Rundfunk werteten sie aus. Mehr als 3.000 Menschen spendeten ihre Daten, ausgewertet wurden rund 2.000. Einige Personen erhielten schlechte Werte, obwohl die SCHUFA keine negativen Einträge zu ihnen gespeichert hatte, und in einem Fall wich der Wert zwischen zwei Score-Versionen um bis zu zehn Prozent ab.
Als repräsentativ bezeichneten die Initiatoren ihre Daten nicht.
Bei einem Aufruf des vzbv gingen 2024 insgesamt 317 Meldungen über fehlerhafte Bonitäts-Scores ein, 79 Prozent davon betrafen die SCHUFA. Die Sammlung beruht auf freiwilligen Meldungen, eine verlässliche Fehlerquote für SCHUFA-Daten hat bisher niemand veröffentlicht.
| Gruppe | Bilanz | Was das in Zahlen heißt |
|---|---|---|
| Aktionäre aus der Kreditwirtschaft | gewinnen | 56,8 Mio. € Dividendenvorschlag für 2025 |
| Kreditgeber | gewinnen | Auskunft im Schnitt unter 1 € je Vorgang (Überschlagsrechnung) |
| Verbraucher mit langer, sauberer Historie | gewinnen | mehr als 60 % in der Klasse „hervorragend“ |
| Drittanbieter der Datenkopie | gewinnen | mehr als 10 Mio. € Einnahmen 2025 |
| Zugezogene und frisch Umgezogene | verlieren | 0 Punkte für die Wohndauer bis zum siebten Monat |
| Verbraucher bei der Umstellung | teils, teils | 8 % schlechter, rund 9 % besser eingestuft |
| Menschen mit fehlerhaften Einträgen | verlieren | 317 Meldungen beim vzbv, 79 % zur SCHUFA (nicht repräsentativ) |
Der Jahresabschluss 2025 beschreibt eine steigende Zahl von Verbraucherklagen, die nach Darstellung der SCHUFA vor allem auf eine Handvoll Kanzleien zurückgehe, die Massenklagen im Datenschutz zum Geschäftsmodell gemacht hätten. Das Unternehmen führt das Risiko im Risikobericht als eigenen Posten.
Aus der Selbsthilfe der Kreditgeber von 1927 ist eine SCHUFA geworden, die ihren Eigentümern 56,8 Millionen Euro Dividende ausschütten will.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie politisch ist die SCHUFA?

Die SCHUFA gab 2025 bis zu 570.000 Euro für Interessenvertretung aus und will die Löschfristen, die heute in einem Regelwerk der Branche stehen, im Gesetz verankern. Die wichtigsten Regeln für ihr Geschäft setzen aber Gerichte und ab dem 20. November ein neues Gesetz.
Im Lobbyregister des Bundestags führt die SCHUFA Holding AG für 2025 Aufwendungen von 560.001 bis 570.000 Euro für Interessenvertretung. Fünf Personen arbeiten daran, umgerechnet 1,65 Vollzeitstellen, aus einer Hauptstadtrepräsentanz am Pariser Platz in Berlin. Unter den 20 Mitgliedschaften stehen der Wirtschaftsrat der CDU und das Wirtschaftsforum der SPD.
Die Löschfristen, die für Verbraucher am meisten zählen, stehen in keinem Gesetz. Bis 2018 regelte das Bundesdatenschutzgesetz konkrete Fristen, die Datenschutz-Grundverordnung enthält keine. Seitdem gelten Verhaltensregeln der Branche nach Artikel 40 DSGVO, kurz Code of Conduct, die der Verband Die Wirtschaftsauskunfteien mit den Datenschutzbehörden ausgearbeitet hat. Die geltende Fassung genehmigte der Hessische Beauftragte für Datenschutz zum 1. Januar 2025.
Der Verband hat laut Lobbyregister fünf Mitglieder und dieselbe Adresse wie die SCHUFA in Wiesbaden, im Vorstand sitzt der Technikvorstand der SCHUFA.
Im Register fordert die SCHUFA, den Code of Conduct durch den Gesetzgeber aufzuwerten und die Fristen für erledigte Zahlungsstörungen gesetzlich festzuschreiben. Was heute eine genehmigte Selbstverpflichtung der Branche ist, würde damit Gesetz.
Die Gerichte setzen die Regeln
Den größten Einschnitt brachte der Europäische Gerichtshof am 7. Dezember 2023. Der Score sei, so die Richter, eine grundsätzlich verbotene automatisierte Entscheidung im Sinne von Artikel 22 DSGVO, sofern Banken ihm „eine maßgebliche Rolle“ bei der Kreditvergabe beimessen.
Am selben Tag entschied der Gerichtshof, dass Auskunfteien eine Restschuldbefreiung nicht länger speichern dürfen als das öffentliche Insolvenzregister, also sechs Monate.
Umkämpft sind auch die Positivdaten aus Verträgen ohne jede Störung. Die Datenschutzkonferenz von Bund und Ländern hielt 2021 einen geplanten Pool für Positivdaten von Energieversorgern für rechtswidrig. Das Landgericht München I untersagte 2023 Telefónica, solche Daten an die SCHUFA zu melden, das Urteil war im Mai 2023 noch nicht rechtskräftig. Ob die Mobilfunkdaten, die der BGH 2025 zuließ, auch in den Score einfließen, ließ das Urteil offen.
Der Bundesgerichtshof billigte im Dezember 2025 die Drei-Jahres-Frist für erledigte Zahlungsstörungen aus dem Code of Conduct als grundsätzlich angemessen. Das Oberlandesgericht Köln hatte zuvor eine sofortige Löschung für geboten gehalten. Die Drei-Jahres-Frist gilt damit weiter, Ausnahmen im Einzelfall bleiben möglich.
Am 21. Oktober 2026 folgten vier Urteile zur Auskunft über den Score. Der BGH verlangt für die Auskunft über die Logik des Scores, dass der Wert tatsächlich Grundlage einer belastenden Entscheidung war, erleichtert Verbrauchern aber den Nachweis: Lehnt ein Unternehmen kurz nach der Übermittlung eines Scores ab, wird vermutet, dass der Score maßgeblich war.
Besteht eine Auskunftspflicht, würden die Auskünfte, die die SCHUFA 2023 erteilt hatte, nach Auffassung des Senats nicht genügen.
| Datum | Gericht oder Regel | Was gilt |
|---|---|---|
| 07.12.2023 | EuGH, C-634/21 | Der Score kann eine automatisierte Entscheidung nach Art. 22 DSGVO sein, sofern Banken ihm eine maßgebliche Rolle beimessen |
| 07.12.2023 | EuGH, C-26/22 und C-64/22 | Restschuldbefreiung höchstens sechs Monate speichern |
| 01.01.2025 | Code of Conduct, genehmigt vom Hessischen Datenschutzbeauftragten | Zahlungsstörung binnen 100 Tagen beglichen: Löschung nach 18 statt 36 Monaten |
| 14.10.2025 | BGH, VI ZR 431/24 | Mobilfunkanbieter dürfen Positivdaten zur Betrugsprävention melden |
| 18.12.2025 | BGH, I ZR 97/25 | Drei Jahre Speicherung erledigter Zahlungsstörungen grundsätzlich angemessen |
| 21.10.2026 | BGH, I ZR 227/25 bis 230/25 | Auskunft über die Score-Logik nur bei maßgeblicher Entscheidung, Vermutung bei zeitnaher Ablehnung |
| 20.11.2026 | § 37a BDSG | Anschriften, Kontobewegungen, Social-Media-Daten, Alter und Geschlecht im Score verboten, Erklärung auf Antrag |
Was ab dem 20. November verboten ist
Mit dem Gesetz zur Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie tritt am 20. November 2026 der neue Paragraf 37a des Bundesdatenschutzgesetzes in Kraft. Für Scores sind dann Gesundheits- und andere sensible Daten tabu, ebenso Alter, Geschlecht, Name, Daten aus sozialen Netzwerken, Zahlungseingänge und -ausgänge auf Bankkonten sowie Anschriftendaten. Scores über Minderjährige sind verboten.
Auf Antrag muss eine Auskunftei die Kriterien nennen, die den Wert am stärksten beeinflussen, samt Gewichtung, und offenlegen, an wen sie Scores übermittelt hat. Die nötigen Informationen muss die Auskunftei ein Jahr lang aufbewahren. Beruht eine Entscheidung auf einem Score, können Betroffene sie anfechten, ihren Standpunkt darlegen und verlangen, dass ein Mensch entscheidet.
Bisher durften Auskunfteien Adressdaten im Score nutzen, solange der Wert nicht ausschließlich auf ihnen beruhte. Der Rechtsausschuss des Bundestags schrieb in seiner Beschlussempfehlung vom April 2026, Anschriftendaten zu nutzen sei nun „ausnahmslos unzulässig“.
Ob die Wohndauer, das vierte Kriterium des neuen SCHUFA-Scores, darunter fällt, ist offen. Eine Stellungnahme der SCHUFA dazu haben wir nicht gefunden.
Kriterien in der Reihenfolge der SCHUFA, zum Teil zusammengefasst. Die Punkte je Kriterium zeigen sein Gewicht, die SCHUFA veröffentlicht sie auf ihrer Website.
Die Union betonte laut Ausschussbericht mehr Rechtssicherheit, insbesondere für Banken, die SPD das Verbot von Adress- und Social-Media-Daten. Die Grünen nannten die Änderungen am Scoring überfällig. Die AfD lehnte ab und begründete das damit, die Vorschrift enthalte viel Text, aber wenig Wirkung, Verbote minderten zudem den Aussagewert des Scorings. Die Linke forderte in einem Entschließungsantrag, Transparenz über Scoring-Verfahren gesetzlich zu sichern und ein staatlich beaufsichtigtes Melderegister gegen Mehrfachkredite einzuführen. Der Ausschuss lehnte den Antrag mit den Stimmen von Union, SPD und AfD ab.
Mit dem neuen Score lege die SCHUFA alle zwölf Kriterien samt Gewichtung offen, erklärte das Unternehmen im September, „weit mehr, als im neuen § 37a BDSG gefordert wird“. Im Lobbyregister begrüßt die SCHUFA ausdrücklich die Pflicht zur Kreditwürdigkeitsprüfung auch bei Kleinstkrediten unter 200 Euro.
Jede neue Prüfpflicht bedeutet für eine Auskunftei zusätzliche Anfragen.
- Löschfristen: stehen in einem Regelwerk der Branche, nicht im Gesetz
- Gerichte: Der EuGH begrenzte 2023 Score und Speicherdauer, der BGH billigte 2025 die Drei-Jahres-Frist
- Lobby: 1,65 Vollzeitstellen am Pariser Platz, Mitglied im Wirtschaftsrat der CDU und im Wirtschaftsforum der SPD
Was könnte die SCHUFA zu Fall bringen?

Kein einzelnes Ereignis, sondern die Summe aus engeren Gesetzen, Klagen um gespeicherte Daten und Wettbewerbern, die Bonität aus eigenen Kaufdaten ablesen. Das Kerngeschäft mit den Banken schützen Datenpool und Aufsicht, verwundbar ist das Vertrauen der Verbraucher.
Klagen um das Archiv
Zu den Massenklagen, die der Jahresabschluss beschreibt, kommt die angekündigte Unterlassungsklage von noyb zum Archiv. Für eine spätere Sammelklage hält die Organisation einen Schadenersatz von rund 500 Euro pro Person für denkbar. Ob ein Gericht dem folgt, ist offen.
Die Wohndauer unter Vorbehalt
Fällt die Wohndauer ab November weg, muss die SCHUFA einen gerade eingeführten Score umbauen, den viele Banken erst mit Genehmigung der Aufsicht einsetzen dürfen.
Bonitätsprüfung an der Kasse
Zahlungsanbieter wie Klarna prüfen die Bonität bei jedem Kauf in Echtzeit, auch mit ihren eigenen Kaufdaten. Je mehr Kredit an der Kasse vergeben wird, desto größer wird der Teil des Marktes, den die SCHUFA nicht allein beliefert. Laut dem Kreditkompass der SCHUFA stieg die Zahl neuer Ratenkredite unter 1.000 Euro 2025 um elf Prozent auf 7,5 Millionen, auch wegen der Zahlungsaufschübe im Onlinehandel.
Mit Boniversum hat sich Experian 2025 einen Bestand an Verbraucherdaten gesichert, mit dem der Konzern der SCHUFA selbst Konkurrenz macht.
Ein Datenleck
Im September 2025 meldete die Tochter Forteil einen Sicherheitsvorfall, laut Risikobericht ohne Folgeschäden. Ein großes Datenleck beim Mutterkonzern würde das Geschäft mit Bonitätsdaten im Kern treffen.
Der Kreditzyklus
Im Kreditkompass meldet die SCHUFA für 2025 einen Anteil von 8,1 Prozent der Erwachsenen mit mindestens einer Zahlungsstörung, nach 7,9 Prozent im Vorjahr. Steigen die Ausfälle, fragen Banken mehr ab und vergeben zugleich weniger Kredite. Für das Geschäft der SCHUFA heben sich beide Effekte zum Teil auf.
Unsere Einordnung: Am wahrscheinlichsten ist das stabile Szenario mit Abstrichen aus dem zweiten. Banken wechseln ihre Auskunftei selten, die offenen Fragen um Archiv und Wohndauer klären eher Aufsicht und Gerichte als der Markt. Für die Marge der SCHUFA sind Rechtskosten und Umbauten deshalb das greifbarere Risiko als ein Konkurrent.
| Szenario bis 2031 | Was passiert | Folge für die SCHUFA |
|---|---|---|
| Stabil | Neuer Score bis 2028 bei allen Kunden, der Streit um das Archiv endet mit Auflagen | Umsatz wächst mit Identifizierung, Betrugsprävention und Compliance weiter |
| Regulierung zieht an | Aufsicht oder Gerichte beschränken das Archiv, die Wohndauer fällt aus dem Score | Umbau des Scores, Schadenersatzrisiken, sinkende Marge |
| Neue Konkurrenz | Zahlungsanbieter und Banken prüfen mit eigenen Daten, Experian gewinnt Bankkunden | Bonitätsgeschäft schrumpft, Verbraucherabos und Compliance werden wichtiger |
Das Bankgeschäft schützt der Datenpool. Verwundbar ist die SCHUFA bei den Verbrauchern, die sie als Kunden gewinnen will, denn deren Vertrauen hängt am Streit um das Archiv, den Aufsicht und Gerichte noch klären.
Was bedeutet die SCHUFA für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Verbraucher können ab dem 20. November eine Erklärung ihres Scores verlangen, auch ohne abgelehnten Kredit. In Firmenauskünfte kann das private Zahlungsverhalten von Inhabern und Geschäftsführern einfließen. Bei Ratenkauf und Rechnungskauf über Zahlungsdienstleister greifen ab dann häufiger Prüfpflichten.
Die BGH-Urteile vom 21. Oktober stärken Verbraucher vor allem im Streitfall. Folgt kurz nach einer Score-Abfrage eine Absage, können sich Betroffene auf die Vermutung stützen, dass der Score den Ausschlag gab. Ab dem 20. November reicht ein Antrag, um die wichtigsten Kriterien und ihre Gewichtung zu erfahren.
Bestellen Sie die kostenlose Datenkopie am besten direkt bei der SCHUFA, nicht über Drittanbieter, und prüfen Sie jeden Eintrag.
Eine Zahlungsstörung, die Sie binnen 100 Tagen begleichen, wird seit 2025 nach 18 statt nach 36 Monaten gelöscht, sofern keine weiteren Negativeinträge hinzukommen und kein Eintrag im Schuldnerverzeichnis oder eine Insolvenzbekanntmachung folgt.
| Eintrag | Wann die SCHUFA löscht |
|---|---|
| Anfrage eines Unternehmens | nach zwölf Monaten |
| Kredit ohne Störung | drei Jahre nach Vertragsende |
| Girokonto oder Kreditkarte ohne Störung | sofort nach Meldung der Kündigung |
| Erledigte Zahlungsstörung | drei Jahre nach Ausgleich, bei Ausgleich binnen 100 Tagen 18 Monate |
| Eintrag im Schuldnerverzeichnis | nach drei Jahren, bei Nachweis der Löschung früher |
| Insolvenzverfahren und Restschuldbefreiung | sechs Monate nach Abschluss oder Erteilung |
Die private Bonität steht in der Firmenauskunft
Die SCHUFA führt rund 3,6 Millionen Selbstständige, Freiberufler und Kleingewerbetreibende in ihrer Unternehmensdatenbank. Für Firmenauskünfte wirbt die Auskunftei damit, dass auch die Zahlungserfahrungen von Inhabern und Vertretungsberechtigten einfließen können, gerade bei kleinen Unternehmen. Eine unbezahlte Rechnung aus dem Privatleben kann so die Bewertung der eigenen Firma verschlechtern.
Beim Firmenkredit dürfen Banken die Prüfung der Kreditwürdigkeit nicht an Dritte abgeben, die SCHUFA selbst nennt ihren Score einen wichtigen Faktor, aber nicht die einzige Grundlage.
Gründer und Geschäftsführer kleiner GmbHs sollten ihre eigene Datenkopie deshalb vor dem Bankgespräch kennen, nicht erst danach. Ein alter Eintrag lässt sich dann erklären, bevor die Bank danach fragt.
Beim Handyvertrag melden Mobilfunkanbieter den Abschluss an die SCHUFA, seit dem BGH-Urteil von 2025 ausdrücklich auch ohne Zahlungsstörung zur Betrugsprävention. Der neue Score zählt außerdem Anfragen außerhalb des Bankensektors aus den vergangenen zwölf Monaten als eigenes Kriterium.
Für Onlinehändler gilt ab dem 20. November: Der Zahlungsaufschub gegenüber Verbrauchern fällt grundsätzlich unter das Verbraucherkreditrecht, mit Ausnahmen etwa für zinsfreie Zahlungsziele, die der Händler selbst gewährt. Händler, die Ratenzahlung oder Kauf auf Rechnung über Dienstleister anbieten, sollten mit ihrem Anbieter klären, welche Prüfpflichten künftig im Checkout greifen.
Für Wohnungssuchende bleibt der praktischste Rat schlicht: Fragt ein Vermieter nach dem Nachweis, genügt oft der BonitätsCheck für 29,95 Euro, ein Abo ist dafür nicht nötig.
| Szenario bis Herbst 2027 | Entwicklung | Was Sie tun können |
|---|---|---|
| Optimistisch | Die SCHUFA erklärt Scores ab 20. November verständlich, der Archivstreit wird geklärt | Datenkopie prüfen, Erklärung bei Bedarf beantragen |
| Realistisch | Erklärungen kommen, der Streit um Wohndauer und Archiv geht vor Gericht weiter | Einträge prüfen, Fehler beanstanden, Nachweise für Vermieter einzeln kaufen |
| Pessimistisch | Neue Prüfpflichten verlängern den Checkout, Händler lehnen mehr Käufe auf Rechnung ab | Händler prüfen Zahlungswege, Verbraucher kennen ihre Daten vor großen Anschaffungen |
Unsere Einschätzung: Die SCHUFA verdient gut an einem Rohstoff, den sie nicht selbst erzeugt, den Zahlungsdaten von 69 Millionen Menschen. Dass die wichtigste Auskunftei des Landes der Kreditwirtschaft gehört, ist historisch gewachsen und zahlt sich für die Banken aus.
Fair wird das System für Verbraucher erst, sobald jeder jederzeit sehen kann, was über ihn gespeichert ist, auch im Archiv, und der Score ohne Rätselraten erklärbar ist. Der 20. November bringt dafür das Werkzeug, die Urteile vom 21. Oktober die Beweiserleichterung.
- Datenkopie: regelmäßig kostenlos bei der SCHUFA bestellen, nicht über Drittanbieter
- Fehler: falsche Einträge schriftlich beanstanden, die SCHUFA muss sie prüfen
- Score-Erklärung: ab 20. November die wichtigsten Kriterien und ihre Gewichtung beantragen
- Unternehmer: private Zahlungsstörungen ernst nehmen, sie können in die Firmenauskunft einfließen
Glossar: 12 wichtige Fachbegriffe zum Geschäftsmodell der SCHUFA

Auskunftei
Auskunftei heißt ein Unternehmen, das Daten über das Zahlungsverhalten von Menschen und Firmen sammelt und an Kreditgeber, Händler oder Vermieter weitergibt. Neben der SCHUFA arbeiten in Deutschland unter anderem CRIF, Creditreform und Experian. Die Aufsicht über den Datenschutz liegt bei der Behörde des jeweiligen Bundeslands.
Branchenscore
Branchenscore nennt die SCHUFA einen Wert, der auf die Ausfallrisiken einer bestimmten Branche zugeschnitten ist. Sechs davon liefert die SCHUFA bisher, für Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Telekommunikation, Handel sowie Versandhandel und E-Commerce. Bis Ende 2028 soll der neue Score diese Werte bei allen Kunden ablösen.
Code of Conduct
Code of Conduct bezeichnet Verhaltensregeln einer Branche nach Artikel 40 DSGVO, die eine Datenschutzbehörde genehmigt. Für Auskunfteien legt das Regelwerk Prüf- und Speicherfristen fest, etwa drei Jahre für erledigte Zahlungsstörungen. Die geltende Fassung genehmigte der Hessische Datenschutzbeauftragte zum 1. Januar 2025.
EBIT-Marge
EBIT-Marge heißt der Anteil des Umsatzes, der vor Zinsen und Steuern als operativer Gewinn bleibt. Bei der SCHUFA lag die Marge 2025 im Konzern bei 23,6 Prozent, in der Holding bei 26,4 Prozent. Ein Sondereffekt aus dem Verkauf der Tochter finAPI hob das Konzernergebnis.
Freemium
Freemium nennt man ein Angebot, dessen Grundversion kostenlos ist, während Zusatzfunktionen Geld kosten. Die SCHUFA bietet seit Dezember 2025 ein kostenloses Konto mit Score und Daten, quartalsweise aktualisiert. Die Fassung mit Aktualisierung in Echtzeit ist kostenpflichtig.
Gegenseitigkeitsprinzip
Gegenseitigkeitsprinzip beschreibt die Regel, dass Vertragspartner einer Auskunftei Daten über ihre Kunden melden und dafür Auskünfte aus dem gemeinsamen Bestand abrufen dürfen. Banken, Händler und Mobilfunkanbieter sind damit Lieferanten und Abnehmer zugleich.
Netzwerkeffekt
Netzwerkeffekt heißt der Vorteil, dass ein Angebot für jeden Nutzer wertvoller wird, je mehr andere das Angebot nutzen. Bei einer Auskunftei verbessert jeder zusätzliche Vertragspartner mit seinen Meldungen die Prognosen für alle anderen. Neue Anbieter müssen diesen Vorsprung erst aufholen.
Positivdaten
Positivdaten sind Informationen über Verträge ohne Zahlungsstörung, etwa ein laufendes Girokonto, eine Kreditkarte oder ein planmäßig getilgter Kredit. Die SCHUFA beziffert den Anteil der gespeicherten Personen, zu denen nur solche Einträge vorliegen, auf mehr als 90 Prozent.
Restschuldbefreiung
Restschuldbefreiung heißt der Abschluss einer Privatinsolvenz, nach dem die verbliebenen Schulden erlassen sind. Der Europäische Gerichtshof entschied 2023, dass Auskunfteien diese Information nicht länger speichern dürfen als das öffentliche Insolvenzregister, also sechs Monate.
Scoring
Scoring bezeichnet ein Verfahren, das aus gespeicherten Daten einen Wahrscheinlichkeitswert berechnet, hier für die Frage, ob ein Mensch seine Rechnungen zahlt. Ab dem 20. November 2026 regelt Paragraf 37a des Bundesdatenschutzgesetzes, welche Daten dafür verboten sind.
Vinkulierte Namensaktie
Vinkulierte Namensaktie heißt eine Aktie, die auf einen Namen lautet und nur mit Zustimmung der Gesellschaft übertragen werden darf. Die SCHUFA hat ihr Grundkapital von 5,4 Millionen Euro in solchen Aktien ausgegeben, deshalb können Fremde nicht einfach Anteile kaufen.
Zahlungsstörung
Zahlungsstörung nennen Auskunfteien eine fällige Forderung, die trotz Mahnung nicht bezahlt wurde und gemeldet werden darf. Im neuen SCHUFA-Score wiegt kein Kriterium schwerer. Ist eine Störung noch offen, berechnet die SCHUFA gar keinen Score.
FAQ: Wie verdient die SCHUFA an 69 Millionen Menschen?

Was ist ein guter SCHUFA-Score?
Im neuen Score gelten Werte ab 776 von 999 Punkten als hervorragend, die SCHUFA ordnet mehr als 60 Prozent der Menschen dieser Klasse zu. Werte von 100 bis 641 Punkten gelten als ausreichend. Bei einer offenen Zahlungsstörung berechnet die SCHUFA keinen Score.
Wie bekomme ich meine SCHUFA-Auskunft kostenlos?
Die Datenkopie nach Artikel 15 DSGVO bestellen Sie direkt bei der SCHUFA, die Kopie kommt per Post und kostet nichts. Zusätzlich bietet die SCHUFA ein kostenloses Konto mit Score und Daten, das quartalsweise aktualisiert wird. Kostenpflichtig ist erst der Nachweis für Vermieter für 29,95 Euro.
Wie lange speichert die SCHUFA Einträge?
Anfragen von Unternehmen werden nach zwölf Monaten gelöscht, erledigte Zahlungsstörungen drei Jahre nach dem Ausgleich. Wird eine einmalige Störung binnen 100 Tagen beglichen, verkürzt sich die Frist auf 18 Monate. Eine Restschuldbefreiung bleibt sechs Monate gespeichert.
Wem gehört die SCHUFA?
Die SCHUFA Holding AG gehört überwiegend Banken und Sparkassen. 2022 bezifferte die SCHUFA den Anteil der Sparkassen auf 27,3 Prozent, die genossenschaftliche Finanzgruppe hielt laut Handelsblatt 27,2 Prozent. Die SCHUFA veröffentlicht keine aktuelle Aufstellung der Aktionäre.
Was hat der Bundesgerichtshof am 21. Oktober 2026 zur SCHUFA entschieden?
Der BGH hob vier Urteile des Oberlandesgerichts Dresden auf. Auskunft über die Logik eines Scores können Betroffene nur verlangen, sofern der Score für eine belastende Entscheidung maßgeblich war. Folgt kurz nach einer Score-Abfrage eine Ablehnung, wird das vermutet.
Was ändert sich ab dem 20. November 2026 beim Scoring?
Dann gilt Paragraf 37a des Bundesdatenschutzgesetzes. Scores dürfen unter anderem keine Anschriften, Kontobewegungen, Social-Media-Daten, Alter oder Geschlecht mehr nutzen. Auf Antrag muss die Auskunftei die wichtigsten Kriterien samt Gewichtung nennen.
Quellen
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- Deutscher BundestagLobbyregister, Eintrag Die Wirtschaftsauskunfteien e.V. (R000780)
- Deutscher BundestagDrucksache 21/5381, Beschlussempfehlung und Bericht des Rechtsausschusses
- Deutsche Rentenversicherung, rvRecht§ 37a BDSG Scoring, Fassung ab 20.11.2026
- BundesregierungRichtlinie über Verbraucherkreditverträge umgesetzt
- Gerichtshof der Europäischen UnionPressemitteilung Nr. 186/23 zu C-634/21, C-26/22 und C-64/22
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