N26 hat 2025 zum ersten Mal ein ganzes Geschäftsjahr mit Gewinn abgeschlossen: 1,6 Millionen Euro bei gut 500 Millionen Euro Bruttoerträgen. Hinter der Smartphone-Bank aus Berlin liegen zwölf Jahre mit Verlusten, zwei Millionen-Bußgelder der Finanzaufsicht und ein Machtkampf, an dessen Ende beide Gründer gingen. Die Zahlen dahinter stehen nicht in der App, sondern in einem Konzernabschluss, den N26 im Lobbyregister des Bundestags hinterlegt hat.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür das Geschäftsmodell von N26 ist seit dem 12. Oktober 2026 klar, wer künftig die Zahlen verantwortet: Marc Heß, früher Finanzchef der Postbank und der Aareal Bank, wird am 15. Oktober Finanzvorstand. Damit ist der Vorstand der Berliner Bank wieder komplett. Vier Tage zuvor öffnete N26 seinen Geldmarktfonds für alle Kontomodelle, vorerst ohne eigene Servicegebühr.
Der Personalwechsel fällt in eine Phase, in der die Aufsicht die Bank eng führt. Am 10. September berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf mehrere Insider, N26 dürfe auf Drängen der BaFin nur begrenzt Geld für Werbung ausgeben. Seit September zahlen auch Bestandskunden für jede Aktien- oder ETF-Order 90 Cent, und für November hat N26 mit „N26 Aura“ ein neues Premiumangebot angekündigt, dessen Preis noch offen ist.
Werbebremse, Ordergebühr und künftige Fondsgebühr ergeben ein klares Bild: Unter dem früheren UBS-Manager Mike Dargan, Chef seit April, soll jeder bestehende Kunde mehr Ertrag bringen. Diese Analyse zerlegt den Abschluss 2025 und zeigt, womit N26 seine schmale Marge verdient, wer dafür zahlt und was das für deutsche Kontoinhaber und Mittelständler bedeutet.
Das Wichtigste in Kürze
- N26 erzielte 2025 Bruttoerträge von 501,6 Millionen Euro und einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor stand noch ein Verlust von 42,0 Millionen Euro zu Buche.
- Pro ertragsrelevantem Kunden setzte die Bank rechnerisch rund 89 Euro um und behielt davon etwa 29 Cent als Gewinn. Die Kosten für Personal, Software und Aufsichtsauflagen zehren fast alles auf.
- Knapp zwei Drittel der Kundeneinlagen von 10,6 Milliarden Euro sind unverzinst. Allein die Zinsen auf Guthaben bei der Bundesbank brachten 2025 rund 45 Millionen Euro.
- Den größten Zinsertrag nach dem Treasury lieferten nicht Kredite an deutsche Kunden, sondern niederländische Hypotheken. Das Neugeschäft damit ist seit Oktober 2025 auf Anordnung der BaFin gestoppt.
- Die BaFin hat einen Sonderbeauftragten eingesetzt und zusätzliches Eigenkapital verlangt. Interne Frühwarnschwellen für die Kernkapitalquote unterschreitet N26 seit Oktober 2025.
Fünf Fragen an die Smartphone-Bank
1 Unter welchem Namen starteten die Gründer von N26 im Jahr 2013? Aufklappen ↓
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2 Wie hoch war der Jahresüberschuss von N26 im Geschäftsjahr 2025? Aufklappen ↓
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3 Welche Zinsquelle brachte N26 2025 mehr Ertrag als die Guthaben bei der Bundesbank? Aufklappen ↓
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4 Was kostet bei N26 seit September 2026 eine Aktien- oder ETF-Order außerhalb des Freikontingents? Aufklappen ↓
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5 Wie viele Neukunden durfte N26 nach der BaFin-Anordnung vom Oktober 2021 höchstens pro Monat aufnehmen? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter N26 und wie fing alles an?
N26 gründeten 2013 die Österreicher Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, ursprünglich mit einer Prepaidkarte für Jugendliche namens „papayer“. Über ein Accelerator-Programm von Axel Springer kamen die beiden von Wien nach Berlin und bauten ein kostenloses Girokonto fürs Smartphone.
Die erste Idee hatte mit einer Bank wenig zu tun. Unter dem Namen papayer wollten Stalf und Tayenthal Eltern eine aufladbare Karte für ihre Kinder verkaufen, ein Taschengeld mit Plastikkarte statt Sparbuch. Im Plug-and-Play-Programm von Axel Springer schwenkten die Gründer 2013 um: Statt der Taschengeldkarte sollte ein vollwertiges Girokonto für Erwachsene entstehen. Mit dem Programm zog das Start-up von Wien nach Berlin. Stalf führte das Unternehmen fortan als Vorstandschef, Tayenthal, Absolvent der Wirtschaftsuniversität Wien, kümmerte sich zunächst als Finanzchef um die Zahlen.
Im Januar 2015 startete das Konto unter dem Namen Number26, mit einer Mastercard und ohne Kontoführungsgebühr. Eine eigene Banklizenz hatte das Start-up damals nicht. Die Konten lagen bei der Wirecard Bank, Number26 lieferte nur die App als Benutzeroberfläche. Für ein Gründerteam ohne Bankerfahrung war diese Arbeitsteilung der schnellste Weg in den Markt, weil sich Number26 ganz auf Design und Kundengewinnung konzentrieren konnte. Ein Konto, das sich vollständig in einer App eröffnen und verwalten ließ, hob sich 2015 deutlich von Sparkasse und Volksbank ab.
Das Startkapital kam aus der Welt der Wagnisgeber. Earlybird, Redalpine und Valar Ventures, der Fonds des Paypal-Mitgründers Peter Thiel, stiegen früh ein. Valar beteiligte sich im Sommer 2014 mit rund 2 Millionen Euro, 2015 folgte Thiel mit weiterem Geld. Die Investoren setzten auf ein bekanntes Muster aus dem Silicon Valley: erst Nutzer gewinnen, dann das Geldverdienen klären. Bei einem Girokonto hat diese Reihenfolge einen Nachteil: Jeder neue Kunde verursacht Kosten für Karte, Kundenservice und Geldwäscheprüfung, lange bevor er einen Euro einbringt.
- 2013Gründung als papayer in Wien, Umzug nach Berlin
- 2015Start als Number26, Konten bei der Wirecard Bank
- 2016Eigene Vollbanklizenz, neuer Name N26
- 2019Finanzierungsrunden, Bewertung rund 3,1 Mrd. €
- 2020Rückzug aus Großbritannien
- 2021Größte Finanzierungsrunde, Bewertung rund 7,9 Mrd. €
- 2022Rückzug aus den USA
- 2025Erster Jahresgewinn: 1,6 Mio. €, Gründer Stalf kündigt Rückzug an
- 2026Mike Dargan übernimmt als Vorstandschef
Im Juli 2016 erhielt das Start-up nach neun Monaten Prüfung eine Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank, drei Tage später hieß das Unternehmen nur noch N26. Zu diesem Zeitpunkt zählte die Bank rund 200.000 bis 250.000 Kunden. Mit der Lizenz löste sich N26 von Wirecard, Jahre bevor der Zahlungsdienstleister 2020 im Bilanzskandal unterging. Der Wechsel war die erste große Weichenstellung: N26 durfte Einlagen selbst verwalten, Kredite vergeben und Partnerprodukte unter eigener Regie anbieten.
Schon 2016 holte N26 den Überweisungsdienst Transferwise, heute Wise, als Partner für Auslandszahlungen in die App. Das Muster sollte sich durch die ganze Firmengeschichte ziehen: N26 baut die Oberfläche selbst und kauft Spezialleistungen wie Auslandsüberweisungen, Wertpapierhandel oder Versicherungen bei Partnern ein. Die Bank hält damit die Fixkosten niedrig und verdient an jeder Vermittlung mit. Am ursprünglichen Versprechen, Banking ohne Filiale und ohne Gebühren, hält N26 bis heute fest, während sich das Erlösmodell dahinter fast vollständig gewandelt hat.
Beide Gründer haben das operative Geschäft inzwischen verlassen. Stalf kündigte im August 2025 nach Druck von Investoren seinen Rückzug aus dem Vorstand an, Tayenthal zog sich zum Jahresende 2025 ebenfalls aus dem Vorstand zurück. Zusammen halten die beiden nach Medienberichten knapp 20 Prozent der Anteile. Seit dem 1. April 2026 führt Mike Dargan, zuvor Manager der Schweizer Großbank UBS, das Unternehmen. Den Aufsichtsrat leitet seit November 2025 der frühere Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret. Am 15. Oktober 2026 kommt Marc Heß als Finanzvorstand hinzu, der zuvor die Zahlen der Postbank und der Aareal Bank verantwortete.
- Arbeitsteilung: N26 baut die App, Partner wie Wise liefern Spezialleistungen
- Lizenz: seit 2016 Einlagen, Kredite und Partnerprodukte unter eigener Regie
- Gründer: halten laut Medienberichten knapp 20 Prozent, führen die Bank aber nicht mehr
- Neue Spitze: Mike Dargan als Vorstandschef, Marc Heß als Finanzvorstand, Andreas Dombret als Aufsichtsratschef
Wie wurde aus der Idee ein Imperium?

Mit knapp 1,5 Milliarden Euro Kapital von Investoren wuchs N26 zu einer Bank mit 10,6 Milliarden Euro Kundeneinlagen in 24 Märkten. Ein Imperium wurde daraus nicht: Die Bewertung fiel von umgerechnet rund 7,9 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf zuletzt etwa ein Drittel.
Der entscheidende Sprung kam mit dem Wagniskapital der Jahre 2019 bis 2021. Im Januar 2019 sammelte N26 in einer Runde unter Führung von Insight Partners umgerechnet rund 264 Millionen Euro ein, beteiligt waren auch die bisherigen Geldgeber Tencent, der chinesische Internetkonzern, und die Allianz-Beteiligungstochter Allianz X. Bei einer Erweiterung im Sommer 2019 bewerteten die Investoren die Bank mit umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro. Im Oktober 2021 folgte die größte Runde: knapp 800 Millionen Euro von Third Point Ventures, Coatue und Dragoneer, bei einer Bewertung von umgerechnet rund 7,9 Milliarden Euro.
Mit dem Geld finanzierte N26 die Expansion. Die Bank startete in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und den Niederlanden, dazu in Großbritannien, den USA und testweise in Brasilien. Drei dieser Abenteuer endeten mit dem Rückzug. N26 verließ Großbritannien im April 2020 nach dem Brexit mit rund 200.000 Kunden, die USA im Januar 2022 mit rund 500.000 Kunden; 2023 beendete die Bank auch den Produkttest in Brasilien. In Großbritannien und den USA zahlte N26 Lehrgeld: Rund 700.000 Kunden mussten sich eine neue Bank suchen, und die Aufbaukosten in beiden Ländern waren verloren.
Heute konzentriert sich N26 auf 24 europäische Märkte, mit Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien als wichtigsten Ländern. Die Bank zählte Ende 2025 rund 5,6 Millionen ertragsrelevante Kunden, 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Als ertragsrelevant gilt, wer das Konto tatsächlich nutzt und damit Umsatz bringt. Eine Gesamtzahl aller eröffneten Konten veröffentlicht N26 seit Jahren nicht mehr, zuletzt nannte die Bank Anfang 2021 rund sieben Millionen Kunden weltweit.
Die Eckdaten von 2025 bleiben weit hinter der Bewertung von 2021 zurück. Die Investoren der letzten Finanzierungsrunde zahlten für eine Wachstumsgeschichte, die später von der Aufsicht und vom Zinsumfeld ausgebremst wurde. Im April 2023 bot die Allianz-Tochter Allianz X ihren Anteil laut Financial Times zu einem Preis an, der einer Bewertung von umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro entsprach. Seither hat N26 keine neue Finanzierungsrunde mit öffentlich bekanntem Preis abgeschlossen. Im März 2026 einigten sich Gründer und Investoren laut Handelsblatt auf eine neue Vereinbarung, in der die Geldgeber der Runde von 2021 auf eine zugesicherte Mindestverzinsung ihres Einsatzes verzichten.
| Kennzahl | 2024 | 2025 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Bruttoerträge (Management-Sicht) | 445,4 Mio. € | 501,6 Mio. € | +13 % |
| Rohertrag (Gross Profit) | nicht ausgewiesen | 350,5 Mio. € | +33 % |
| Jahresergebnis | −42,0 Mio. € | +1,6 Mio. € | +43,6 Mio. € |
| Ertragsrelevante Kunden | 4,8 Mio. | 5,6 Mio. | +16 % |
| Kundeneinlagen | 10,4 Mrd. € | 10,6 Mrd. € | +2 % |
| Transaktionsvolumen | 149,7 Mrd. € | 170,7 Mrd. € | +14 % |
| Beschäftigte (Durchschnitt) | 1.530 | 1.579 | +3 % |
Gemessen an den Einlagen ist N26 inzwischen eine mittelgroße deutsche Bank. Die Bilanzsumme lag Ende 2025 bei 11,1 Milliarden Euro, das Eigenkapital bei 465,2 Millionen Euro. Für die Gründerjahre steht in der Bilanz ein aufgelaufener Verlust von gut einer Milliarde Euro, den die Kapitalrücklage aus den Finanzierungsrunden von knapp 1,5 Milliarden Euro auffängt. Mit dem ersten Gewinnjahr hat N26 davon gerade 1,6 Millionen Euro abgetragen. Im Tempo von 2025 bräuchte die Bank rechnerisch über 600 Jahre für die Altlast, der Überschuss von 9,8 Millionen Euro im ersten Quartal 2026 verkürzt diese Frist immerhin deutlich.
Das Wachstum der Einlagen ist zuletzt fast zum Stillstand gekommen, obwohl die Kundenzahl stieg. Die Wirtschaftswoche rechnete im Juli vor, dass jeder ertragsrelevante Kunde im Schnitt 1.893 Euro bei N26 liegen hat. Der Konzernabschluss zeigt eine Verschiebung: Die verzinsten Einlagen schrumpften 2025 um 448 Millionen Euro, die unverzinsten wuchsen um 679 Millionen Euro. Kunden zogen also Tagesgeld ab, während das Geld auf den Girokonten zunahm. Für das Zinsgeschäft von N26 ist genau diese Mischung die wichtigste Stellschraube, wie der Blick auf die Erlösquellen zeigt.
- Finanzierung: Bewertung 2021 umgerechnet rund 7,9 Milliarden Euro, 2023 laut Financial Times etwa 2,6 Milliarden Euro
- Rückzüge: Großbritannien 2020, USA 2022, Brasilien 2023
- Altlast: rund 1,0 Milliarden Euro aufgelaufener Verlust aus den Vorjahren
Wie verdient N26 tatsächlich sein Geld?

N26 verdient sein Geld zu 53 Prozent mit Gebühren und Provisionen, vor allem aus Kartenzahlungen und Premiumkonten, und zu 47 Prozent mit Zinsen aus angelegten Einlagen und aus Krediten. Von 501,6 Millionen Euro Bruttoerträgen blieben 2025 nach allen Kosten 1,6 Millionen Euro Gewinn.
Für die Analyse liegen zwei Zahlenwerke vor, die sich leicht unterscheiden. Die Pressemitteilung vom 25. Juni 2026 rechnet nach einem Management-Rahmen, der sich an den internationalen IFRS-Regeln orientiert, und kommt auf Bruttoerträge von 501,6 Millionen Euro. Der testierte Konzernabschluss nach deutschem Handelsrecht weist einen Bruttoumsatz von 498,1 Millionen Euro aus. Der Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro ist in beiden Rechnungen gleich, nur die Zuordnung einzelner Erträge zu Zins und Provision weicht ab. Dieser Artikel nennt bei Detailzahlen jeweils die Quelle.
3a: Zwei Säulen, fast gleich hoch
Nach der Management-Rechnung stieg der Provisionsüberschuss 2025 um 21 Prozent auf 184,2 Millionen Euro, der Zinsüberschuss um 49 Prozent auf 166,3 Millionen Euro. Zusammen ergeben beide Posten den Rohertrag von 350,5 Millionen Euro, also das, was nach direkten Kosten wie Kartenabwicklung und Zinsen für Sparer übrig bleibt. Solange die Europäische Zentralbank Banken für geparkte Guthaben Strafzinsen abverlangte, waren Einlagen für N26 eine Last. Erst die Zinswende ab Sommer 2022 machte aus 10 Milliarden Euro Kundengeld eine Ertragsquelle.
Der Konzernabschluss schlüsselt die Zinserträge von 203,9 Millionen Euro genauer auf. Das Treasury, also die Anlage von Kundengeld in Anleihen und Fonds, brachte 81,0 Millionen Euro. An zweiter Stelle folgen mit 48,8 Millionen Euro die Hypotheken in den Niederlanden, an dritter die Guthaben bei der Deutschen Bundesbank mit 45,1 Millionen Euro. Kredite an Privatkunden, also Dispo- und Ratenkredite, steuerten 29,0 Millionen Euro bei. Auf der Gegenseite zahlte N26 seinen Kunden 50,9 Millionen Euro Zinsen auf Tagesgeld, knapp ein Drittel weniger als im Vorjahr.
Bei den Provisionen dominiert der Zahlungsverkehr. Aus Kartenzahlungen, Abhebungen und Überweisungen flossen 2025 Provisionserträge von 151,0 Millionen Euro, denen 41,4 Millionen Euro Aufwand für Kartennetzwerk und Abwicklung gegenüberstanden. Ein großer Teil davon ist die Interchange-Gebühr: Bei jeder Zahlung mit der Mastercard-Debitkarte zahlt die Bank des Händlers einen Bruchteil des Betrags an N26. Die EU deckelt diese Gebühr seit 2015 bei Debitkarten auf 0,2 Prozent. Wie viel genau davon bei N26 ankommt, weist die Bank nicht gesondert aus.
Die zweite große Provisionsquelle sind die Monatsgebühren für Smart, Go und Metal. Kontoführungsgebühren für Premiumkonten brachten 2025 laut Konzernabschluss 92,1 Millionen Euro, nach 68,3 Millionen Euro im Vorjahr. Die Zahl der Kunden mit Premium-Mitgliedschaft stieg um 19 Prozent. Rechnerisch entspricht der Betrag gut 450.000 Metal-Konten zu 16,90 Euro im Monat oder rund 1,6 Millionen Smart-Konten zu 4,90 Euro. Wie sich die zahlenden Kunden auf die drei Stufen verteilen, veröffentlicht N26 nicht.
3b: Die Erlöse, die kaum jemand sieht
Neben Karte und Abo verdient N26 an einer Reihe von Diensten, die Partner im Hintergrund erbringen. Auslandsüberweisungen in 42 Währungen laufen seit 2016 über die Infrastruktur von Wise. Aktien und ETFs verwahrt und handelt der Berliner Dienstleister Upvest, Kryptowährungen wickelt Bitpanda ab, den Geldmarktfonds stellt Fidelity. Die Reiseversicherungen in Go und Metal kommen von Allianz Assistance, der Mobilfunktarif N26 SIM läuft im Vodafone-Netz.
Wie N26 solche Partnerprodukte zu Geld macht, zeigt der Geldmarktfonds. Seit dem 8. Oktober 2026 steht er allen Kontomodellen offen, die Rendite gab Fidelity an diesem Tag mit bis zu 2,57 Prozent pro Jahr an. Ab 2027 behält N26 jährlich 0,30 Prozent des Anlagebetrags bei Standard, 0,25 Prozent bei Smart und 0,20 Prozent bei Go ein, Metal bleibt frei. Bei 10.000 Euro sind das 30 Euro im Jahr, verdient als Provision auf Geld, das nicht mehr als Einlage in der Bilanz steht.
Beim Wertpapierhandel zeigt sich, wie schnell sich diese Nebenerlöse verschieben. 2025 stellte N26 den Handel mit Aktien und ETFs komplett gebührenfrei, das Depotvolumen wuchs auf 0,8 Milliarden Euro. Seit September 2026 kostet jede Order 90 Cent, nur Go-Kunden haben drei und Metal-Kunden zehn freie Trades im Monat. Kryptokäufe kosten 1,5 Prozent bei Bitcoin und 2,5 Prozent bei den meisten anderen Coins, für Bareinzahlungen über Cash26 an der Supermarktkasse berechnet N26 1,5 Prozent.
Ein weiterer, kaum bekannter Posten steckt in den sonstigen betrieblichen Erträgen von 46,5 Millionen Euro. Gut 30 Millionen Euro davon sind aktivierte Personalkosten für selbst entwickelte Software, also ein Buchungseffekt und keine Einnahme. Weitere 9,0 Millionen Euro stammen aus der Ausbuchung verjährter Verbindlichkeiten aus Betrugsfällen. Geld, das niemand mehr beansprucht, erhöht damit am Ende den Gewinn. Ohne diese Posten stünde unter dem Strich ein deutlicher Verlust.
3c: Was die App über ihre Nutzer weiß
Als reine App-Bank kennt N26 das Ausgabeverhalten seiner Kunden in Echtzeit. Die Datenschutzerklärung in der Fassung vom 3. September 2026 beschreibt eine Funktion namens KI-Insights, die mit Einwilligung die letzten 50 Transaktionen samt Händler, Ort und Kontostand auswertet und daraus auch Produktvorschläge ableitet. Für Direktmarketing zu eigenen Produkten und Partnerangeboten beruft sich N26 auf ein berechtigtes Interesse. Die Bank segmentiert ihre Kunden dafür und räumt ein, dass dies in Einzelfällen ein Profiling darstellen kann.
Einen Verkauf von Kundendaten an Dritte beschreibt die Erklärung nicht. Der Datenwert entsteht intern, weil die Auswertungen passende N26- und Partnerprodukte zur richtigen Zeit auf den Bildschirm bringen. Über Kredite entscheidet N26 mit einem eigenen Scoring, das Schufa-Daten einbezieht und für das die Bank auch maschinelles Lernen einsetzen kann. In der Bilanz taucht dieser Datenschatz nirgends auf. Sichtbar wird der Effekt nur indirekt, etwa über die 19 Prozent mehr Premiumkunden und die wachsenden Retailkredite.
Auch auf der Kostenseite setzt N26 auf Algorithmen. Die Zahl der Kontakte mit dem Kundenservice je monatlich aktivem Nutzer sank 2025 von 1,41 auf 1,17, für 2026 plant N26 ein weiteres Minus von rund 30 Prozent. Ein Chatbot beantwortet Standardfragen, eine eigene Abteilung für Kundenservice und KI-Einsatz soll die Servicekosten je Kunde drücken. Für eine Bank, die 2025 rund 23 Millionen Euro für Kundenbetreuung ausgab, ist jeder vermiedene Anruf bares Geld.
3d: Wo die Marge tatsächlich entsteht
Die einzelnen Erlösquellen unterscheiden sich stark in ihrer Ertragskraft. Die Guthaben bei der Bundesbank brachten 45,1 Millionen Euro Zinsen, ohne dass N26 dafür einen Kredit prüfen oder eine Karte drucken musste. Möglich macht das die Struktur der Einlagen: 7,0 von 10,6 Milliarden Euro liegen unverzinst auf Girokonten. Für dieses Geld zahlt N26 nichts, kassiert aber den Zins, den Notenbank und Anleihemärkte bieten. Bei Premiumgebühren fällt ebenfalls kaum Zusatzaufwand an, nur Reiseversicherung und Lounge-Zugang kosten Geld.
Der Zahlungsverkehr bringt dagegen eine magere Spanne. Den Provisionserträgen von 151,0 Millionen Euro stehen 41,4 Millionen Euro direkter Aufwand gegenüber, dazu kommen 8,0 Millionen Euro für physische Karten. Gemessen am Transaktionsvolumen von 170,7 Milliarden Euro verdient N26 brutto knapp 0,09 Cent je umgesetztem Euro. Für N26 zählt die Kartenzahlung damit vor allem als Anlass, das Konto täglich zu nutzen, weniger als eigene Gewinnquelle.
Die riskanteste Marge steckt im Kreditgeschäft. Die Risikovorsorge stieg 2025 auf 20,2 Millionen Euro, nach 15,1 Millionen Euro im Vorjahr. Für einen einzelnen Kredit, dessen Schuldnerin in Schieflage geriet, stehen inzwischen 4,0 Millionen Euro Vorsorge in den Büchern. Bei Dispozinsen von 13,4 Prozent bringen Privatkredite zwar viel ein, die Ausfälle wachsen aber mit dem Volumen. Dispo-, Raten- und sonstige Kredite summierten sich Ende 2025 auf 329,6 Millionen Euro, knapp die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor.
| Erlösquelle 2025 | Ertrag | Direkter Aufwand | Marge |
|---|---|---|---|
| Guthaben bei der Bundesbank | 45,1 Mio. € | kaum, Einlagen zu 66 % unverzinst | hoch |
| Gebühren für Premiumkonten | 92,1 Mio. € | Versicherungen, Lounges, Karten | hoch |
| Zahlungsverkehr | 151,0 Mio. € | 41,4 Mio. € plus 8,0 Mio. € für Karten | mittel |
| Dispo- und Ratenkredite | 29,0 Mio. € | Risikovorsorge, 2025 gesamt 20,2 Mio. € | schwankend |
| Hypotheken Niederlande | 48,8 Mio. € | Refinanzierung, Neugeschäft gestoppt | auslaufend |
3e: Das Gratiskonto als Lockangebot
Das kostenlose Standardkonto ist der klassische Verlustbringer des Modells. Jeder Kunde verursacht Kosten für Kundenservice, Geldwäscheprüfung, Software und Karte; für die physische Karte zahlen Standardkunden einmalig 10 Euro. Kostenlos sind zwei Abhebungen im Monat, danach kostet jede 2 Euro; außerhalb des Euroraums kommen 1,7 Prozent dazu. Die Rechnung geht nur auf, wenn ein Teil der Gratiskunden ein Premiumkonto bucht, sich das Gehalt auf das Konto überweisen lässt oder einen Kredit aufnimmt. Das Standardkonto ist also ein Freemium-Angebot, das von den zahlenden Kunden mitfinanziert wird.
Auch das Tagesgeld dient als Lockangebot: Metal-Neukunden erhielten 2025 Zinsen in Höhe des jeweils gültigen Einlagensatzes der EZB, Standardkunden bekommen derzeit 0,25 Prozent. Die Staffel ist bewusst steil, Metal-Kunden erhalten aktuell 1,50 Prozent. Der Zinsvorteil soll Kunden ins teuerste Kontomodell lenken. Für den Kunden rechnet sich Metal allein über den Zins erst ab gut 13.500 Euro Guthaben, denn darunter bleiben die Zinsen von 1,50 Prozent unter der Jahresgebühr von 202,80 Euro.
3f: Skaleneffekte, aber kein Netzwerkeffekt
Eine App-Bank hat hohe Fixkosten für Technik, Lizenz und Aufsicht, aber niedrige Kosten je zusätzlichem Kunden. Genau diesen Hebel nennt N26 als Grund für die Wende: Der Rohertrag stieg 2025 um 33 Prozent, die Bruttoerträge nur um 13 Prozent. Der Konzernabschluss zeigt aber auch die Grenze. Die Verwaltungskosten wuchsen um 51 Millionen Euro auf 389,4 Millionen Euro, getrieben von Personal, Kundenservice, Marketing sowie Prüfungs- und Beratungskosten für die Aufarbeitung der Mängel. Der Skaleneffekt existiert, doch die Kosten der Aufsichtsauflagen fressen ihn derzeit zu großen Teilen wieder auf.
Einen echten Netzwerkeffekt hat N26 nicht. Überweisungen zwischen N26-Kunden per Telefonnummer funktionieren seit Jahren, doch seit August 2026 bietet N26 mit Wero dieselbe Funktion auch für Kunden anderer Banken an. Der eigene Vorteil schrumpft damit, wenn auch zugunsten der Kunden. Mehr Kunden machen das Konto für den einzelnen Nutzer nicht wertvoller, sie senken nur die Stückkosten. Gegen Revolut, Trade Republic oder die Direktbanken großer Konzerne muss N26 jeden Kunden daher einzeln gewinnen.
3g: Die Verschiebung der letzten fünf Jahre
Zwischen 2021 und 2025 hat sich die Erlösbasis grundlegend verschoben. Heute steht der Zins fast gleichberechtigt neben der Provision, und mit den niederländischen Hypotheken ist ein klassisches Bankgeschäft zur zweitgrößten Zinsquelle aufgestiegen. Weggefallen sind im selben Zeitraum die Kunden in Großbritannien und den USA.
Die Richtung für 2026 legt der Konzernabschluss offen. N26 erwartet ein Plus von rund 12 Prozent beim Zins- und Provisionsüberschuss und 20 Prozent mehr ertragsrelevante Kunden, dank höherem Kartenumsatz, zusätzlichen Privatkrediten und neuen Premiumkunden. Die Annahme dahinter: Die Einschränkungen der BaFin bleiben bestehen, die EZB senkt die Zinsen vorerst nicht weiter. Gleich daneben stellt N26 die Zinsmarge ausdrücklich als Stabilisator dar. Was wäre N26 ohne die Zinsen der Notenbank? Allein die 45,1 Millionen Euro von der Bundesbank übersteigen den Jahresgewinn um ein Vielfaches, übrig bliebe ein Fintech mit hübscher App und dauerhaftem Verlust.
- Gebühren: Premiumkonten brachten 92,1 Millionen Euro, der Zahlungsverkehr 151,0 Millionen Euro Provisionserträge
- Zinsen: 45,1 Millionen Euro allein aus Guthaben bei der Bundesbank
- Risiko: Die Risikovorsorge für Kredite stieg auf 20,2 Millionen Euro
- Ausblick: plus 12 Prozent beim Zins- und Provisionsüberschuss für 2026 geplant
Wie groß ist die Marktmacht von N26?

Marktmacht im eigentlichen Sinn hat N26 nicht. Mit 10,6 Milliarden Euro Einlagen erreicht die Bank weniger als ein Zehntel des Volumens der ING Deutschland, und bei der Kundengewinnung in Deutschland wachsen Revolut und Trade Republic deutlich schneller.
Ein Vergleich der Kundenzahlen fällt bei Neobanken schwer, weil jede Bank anders zählt. N26 meldet 5,6 Millionen ertragsrelevante Kunden in 24 Märkten und nennt keine eigene Zahl für Deutschland. Revolut zählte Ende Januar 2026 erstmals mehr als drei Millionen Kunden in Deutschland, Trade Republic kommt laut Wirtschaftswoche auf fünf Millionen Nutzer im Heimatmarkt. Die ING Deutschland nennt mehr als zehn Millionen Kunden, die DKB rund 5,9 Millionen. Bei den Einlagen ist der Abstand am deutlichsten: Die ING verwaltet 156 Milliarden Euro Kundengeld, rund 15-mal so viel wie N26.
Revolut legte in Deutschland 2025 um 36 Prozent zu, N26 über alle Märkte um 16 Prozent. Im Konzernabschluss räumt N26 ein, dass das Kundenwachstum unter den Erwartungen lag und die Bruttoerträge um 11 Prozent hinter dem Plan blieben, weil das Marketingbudget kleiner ausfiel als vorgesehen. Der britische Konkurrent Revolut verdient mit einer ähnlichen App inzwischen Milliarden und zählt weltweit rund 70 Millionen Kunden.
Einen Vorteil hat N26 trotzdem. Kunden lassen bei der Berliner Bank im Schnitt deutlich mehr Geld liegen als bei Revolut, nach Berechnungen der Wirtschaftswoche 1.893 Euro gegenüber 831 Euro. Der Abstand spricht dafür, dass mehr Kunden N26 als Gehaltskonto nutzen und dort laufend Geld eingeht. Für die Bank ist dieses Guthaben wertvoller als jeder Neukunde, der nur ein Zweitkonto für den Urlaub eröffnet.
Echte Wechselbarrieren baut ein Girokonto kaum auf. Seit 2016 verpflichtet das Zahlungskontengesetz Banken zur Kontowechselhilfe, Lastschriften und Daueraufträge ziehen mit wenigen Klicks um. Etwas Bindung entsteht über Unterkonten, Sparpläne, ein Depot oder einen laufenden Kredit. Einen Lock-in wie bei einem Betriebssystem oder einem Cloud-Vertrag schaffen diese Produkte nicht, die Wechselkosten bleiben niedrig.
Kartellrechtlich spielt N26 deshalb keine Rolle, Verfahren von Bundeskartellamt oder EU-Kommission sind nicht bekannt. Die maßgebliche Instanz für das Geschäft ist die Finanzaufsicht, die in den vergangenen fünf Jahren zweimal das Wachstum der Bank begrenzt hat. Die Konkurrenz wächst unterdessen in einer Phase, in der N26 laut Handelsblatt auf Wunsch der BaFin bei der Werbung bremst.
- Einlagen: 10,6 Milliarden Euro gegenüber 156 Milliarden Euro bei der ING Deutschland
- Tempo: Revolut wuchs in Deutschland 2025 um 36 Prozent, N26 insgesamt um 16 Prozent
- Bindung: 1.893 Euro Guthaben je Kunde, mehr als doppelt so viel wie bei Revolut
Wer ist bei N26 eigentlich das Produkt?

Bei N26 sind die Kunden mit kostenlosem Konto zugleich Nutzer und Rohstoff: Ihr unverzinstes Guthaben speist den Zinsertrag, ihr Zahlungsverhalten liefert die Daten für Angebote. Bezahlen müssen vor allem die Premiumkunden mit ihren Monatsgebühren und die Händler mit der Interchange-Gebühr.
Ein Blick auf die Geldströme zeigt vier Rollen. Die Gratiskunden zahlen keine Kontoführungsgebühr, lassen aber Geld auf dem Girokonto liegen, das N26 verzinst anlegt. Die Premiumkunden zahlen zwischen 4,90 und 16,90 Euro im Monat und bekommen dafür Abhebungen, Versicherungen und höhere Zinsen. Bei jeder Kartenzahlung geben die Händler über ihre Bank einen kleinen Anteil an N26 ab. Die vierte Gruppe sitzt in den Niederlanden: Eigenheimkäufer, deren Hypotheken N26 von der Tochter N26 Hypotheken BV ankauft und deren Zinsen 2025 knapp 49 Millionen Euro brachten.
Ein Standardkunde mit 1.893 Euro auf dem Girokonto bekommt dafür keinen Cent Zinsen. Legt N26 das Geld bei der Bundesbank oder in Anleihen an, bringt jeder Prozentpunkt Zins rund 19 Euro im Jahr, und das bei einem Kunden, der sein Konto für kostenlos hält. Gratis ist das Produkt nur im wörtlichen Sinn: Bezahlt wird mit dem Zinsertrag, auf den der Kunde verzichtet, und mit der Aufmerksamkeit für Angebote in der App.
In welcher Rolle begegnen Leser der Bank typischerweise? Die meisten kennen N26 als Kunden mit kostenlosem Zweitkonto oder als Händler, die Kartenzahlungen annehmen. Beide liefern dem Geschäftsmodell mehr, als sie bewusst wahrnehmen. Ein Rechenbeispiel: Bei einem Marktzins von 2 Prozent entgingen einem Kunden mit 2.000 Euro auf dem Girokonto rund 40 Euro im Jahr an Zinsen, mehr als ein halbes Jahr Smart-Konto kostet.
- Gratiskunden: zahlen mit unverzinstem Guthaben und ihren Daten
- Premiumkunden: zahlen 4,90 bis 16,90 Euro im Monat
- Händler: zahlen bei jeder Kartenzahlung die Interchange-Gebühr
- Niederlande: Eigenheimkäufer brachten 48,8 Millionen Euro Zinsen
Was kostet ein N26-Konto wirklich, und wer trägt die Kosten?

Ein N26-Konto kostet zwischen 0 und 16,90 Euro im Monat, dazu kommen Gebühren für Abhebungen, Wertpapierorders und Kryptokäufe. Vor allem die Premiumkunden und alle Kunden, die ihr Geld unverzinst liegen lassen, tragen die Kosten der Bank.
Die vier Kontomodelle unterscheiden sich vor allem bei Abhebungen, Zinsen und Versicherungen. Das Standardkonto ist kostenlos, Smart kostet 4,90 Euro, Go 9,90 Euro und Metal 16,90 Euro im Monat. Für Geschäftskunden gelten dieselben Preisstufen. Mit „N26 Aura“ kommt im November ein weiteres Modell hinzu, das N26 bislang nur als Premiumangebot ankündigt.
| Leistung | Standard | Smart | Go | Metal |
|---|---|---|---|---|
| Monatsgebühr | 0 € | 4,90 € | 9,90 € | 16,90 € |
| Freie Euro-Abhebungen pro Monat (danach je 2 €) | 2 | 3 | 5 | 8 |
| Abhebung außerhalb des Euroraums | 1,7 % | 1,7 % | gebührenfrei | gebührenfrei |
| Zins aufs Tagesgeld | 0,25 % | 0,25 % | 0,55 % | 1,50 % |
| Freie Wertpapierorders pro Monat (sonst 0,90 €) | 0 | 0 | 3 | 10 |
Kartenzahlungen in fremder Währung sind bei allen Modellen kostenlos, N26 rechnet zum Mastercard-Kurs ohne Aufschlag ab. Teuer wird dagegen der Dispokredit mit einem festen Zinssatz von 13,4 Prozent im Jahr. Wer seinen Rahmen von 1.000 Euro ein Jahr lang voll ausschöpft, zahlt dafür 134 Euro Zinsen, mehr als ein Jahr Go-Konto kostet. Die physische Karte zum Standardkonto kostet einmalig 10 Euro, weitere virtuelle Karten 2,59 Euro.
Interessanter als die Preisliste ist die Frage, wohin das Geld eines Kunden im Schnitt fließt. Teilt man die Kostenblöcke aus dem Konzernabschluss durch die 5,6 Millionen ertragsrelevanten Kunden, ergibt sich ein grobes Bild. Die folgende Tabelle ist ein Rechenbeispiel mit gerundeten Werten auf Basis des Jahresendbestands, keine Angabe der Bank.
| Posten je ertragsrelevantem Kunden (2025) | Betrag | Anteil am Bruttoumsatz |
|---|---|---|
| Bruttoumsatz (Zinsen, Provisionen, Wertpapiererträge) | 88,95 € | 100 % |
| Zins- und Provisionsaufwand (Sparzinsen, Kartennetz, Partner) | −23,20 € | 26 % |
| Personal | −29,30 € | 33 % |
| Marketing | −7,55 € | 8 % |
| Software | −7,14 € | 8 % |
| Fremdleistungen (u. a. Prüfung, Beratung, Dienstleister) | −6,39 € | 7 % |
| Kundenbetreuung | −4,16 € | 5 % |
| Physische Karten | −1,43 € | 2 % |
| Übrige Verwaltungskosten und Abschreibungen | −13,55 € | 15 % |
| Sonstige betriebliche Erträge (u. a. aktivierte Software) | +8,30 € | 9 % |
| Risikovorsorge für Kredite | −3,61 € | 4 % |
| Steuern | −0,63 € | 1 % |
| Gewinn | 0,29 € | 0,3 % |
Die Rechnung zeigt, wie dünn das Polster ist. Von knapp 89 Euro Umsatz je Kunde bleiben 29 Cent übrig, eine Umsatzrendite von 0,3 Prozent. Personal frisst ein Drittel, Zinsen und Abwicklung ein Viertel. Ein Bußgeld in der Größenordnung von 2024, damals 9,2 Millionen Euro, hätte rechnerisch 1,64 Euro je Kunde gekostet und das Jahresergebnis tief ins Minus gedreht. Für die Preispolitik heißt das: N26 kann sich weder Preissenkungen noch großzügige Zinsen leisten, ohne an anderer Stelle zu sparen.
Die Kosten verteilen sich auf die drei Gruppen aus dem vorigen Kapitel: Premiumkunden zahlen sichtbar über ihre Gebühren, Gratiskunden unsichtbar über den Zins, den N26 auf ihr Guthaben verdient und nicht weitergibt. Die Händler wiederum reichen die Interchange-Gebühr in der Regel über ihre Preise an alle Kunden weiter, auch an Barzahler. Die Steuerzahler steuern dagegen nichts bei, öffentliche Zuschüsse hat N26 2025 nicht erhalten. Wie schnell N26 an der Preisschraube dreht, zeigt die neue Ordergebühr: Im Juli angekündigt, gilt sie seit September auch für Bestandskunden.
- Preise: 0 bis 16,90 Euro im Monat, Order 0,90 Euro, Dispo 13,4 Prozent
- Kostenblöcke: Personal ein Drittel, Zinsen und Abwicklung ein Viertel des Umsatzes
- Marge: rechnerisch 0,3 Prozent Umsatzrendite im Jahr 2025
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Profitiert haben vor allem die frühen Investoren und die Gründer, deren Anteile auch nach dem Wertverfall ein Vielfaches des Einsatzes wert sind. Draufgezahlt haben die Geldgeber der Runde von 2021, Hunderttausende Kunden in Großbritannien und den USA sowie die Beschäftigten im Streit um Mitbestimmung.
Die Gewinner sitzen am Anfang der Kapitalgeschichte. Valar Ventures, Earlybird und die übrigen frühen Investoren stiegen zu einer Bewertung ein, die nur einen Bruchteil der heutigen ausmacht. Selbst bei einem Wert von umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro, wie ihn das Verkaufsangebot der Allianz 2023 nahelegte, liegen diese Beteiligungen deutlich im Plus. Für die Gründer gilt dasselbe: Knapp 20 Prozent der Anteile sind auch nach dem Absturz ein Vermögen. Das Management profitiert über Gehälter, deren Höhe N26 nicht einzeln veröffentlicht.
Third Point, Coatue und Dragoneer stiegen 2021 zu einer Bewertung von umgerechnet rund 7,9 Milliarden Euro ein und liegen gemessen an den späteren Bewertungen deutlich unter ihrem Einstiegswert. Laut Handelsblatt verzichteten die drei Geldgeber im März 2026 sogar auf eine garantierte Mindestverzinsung, um die neue Investorenvereinbarung möglich zu machen. Die Gründer verloren im selben Zug Einfluss: Stalf und Tayenthal dürfen nur noch zwei statt vier Mitglieder für den Aufsichtsrat vorschlagen, der von sechs auf acht Sitze wächst.
| Gruppe | Gewinnt oder verliert | Warum |
|---|---|---|
| Frühe Investoren (Valar, Earlybird, Redalpine) | gewinnt | Einstieg zu niedrigen Bewertungen ab 2014 |
| Gründer Stalf und Tayenthal | gewinnt finanziell, verliert Einfluss | knapp 20 Prozent Anteile, weniger Sitze im Aufsichtsrat |
| Investoren der Runde 2021 | verliert | Einstieg bei rund 7,9 Milliarden Euro Bewertung |
| Premiumkunden | gemischt | höhere Zinsen und Versicherungen, aber bis 202,80 Euro Jahresgebühr |
| Gratiskunden mit hohem Guthaben | verliert | 0,25 Prozent Tagesgeld, null Zinsen auf dem Girokonto |
| Partner (Wise, Upvest, Bitpanda, Allianz Assistance) | gewinnt | Vertriebskanal zu Millionen Kunden ohne eigenes Marketing |
| Beschäftigte in Berlin | verliert | kein mitbestimmter Aufsichtsrat, Betriebsratsstreit |
| Standort Barcelona | gewinnt | 426 Vollzeitkräfte und ein Gewinn vor Steuern von 5,0 Millionen Euro |
Die Beschäftigten in Deutschland erlebten die Bank in den vergangenen Jahren vor Gericht. Eine Tochtergesellschaft stellte Anträge auf Auflösung des Betriebsrats und zog sie im Februar 2026 zurück. Im Juni 2026 entschied der Bundesgerichtshof, dass N26 keinen Aufsichtsrat mit Arbeitnehmervertretern bilden muss. Für die Schwelle von 500 Beschäftigten zählt jede Gesellschaft einzeln, und keine der Berliner Gesellschaften kommt für sich auf diese Zahl. Der Beschluss ist juristisch sauber, für die Mitbestimmung der Beschäftigten bedeutet er aber einen Rückschlag.
Der Plattform-Fluch, wie ihn Händler bei Amazon oder Hotels bei Booking kennen, trifft bei N26 die Partner in abgeschwächter Form. Upvest, Bitpanda oder Wise erreichen über die App Millionen potenzieller Kunden, die Kundenbeziehung bleibt aber bei N26. Ein Vergleich mit dem Ratenkauf-Anbieter Klarna zeigt das Gegenmodell: Klarna besitzt die Kundenbeziehung selbst und verkauft den Händlern die Reichweite. N26 dagegen kontrolliert den Kundenzugang und lässt die Partner dafür bezahlen.
Berlin profitiert als Sitz von N26 SE und N26 Bank SE vor allem über Arbeitsplätze und das Image als Fintech-Standort. Steuerlich spielt die Hauptstadt kaum eine Rolle: Die deutschen Gesellschaften schrieben 2025 vor Steuern einen Verlust von 10,1 Millionen Euro, während die spanische Gesellschaft 5,0 Millionen Euro Gewinn auswies. Der Konzern zahlte insgesamt 3,5 Millionen Euro Ertragsteuern. Der Standort Berlin stellt damit Zentrale und Lizenz, den Gewinn weisen bislang Gesellschaften in anderen Ländern aus.
N26 setzt mit jedem Kunden rund 89 Euro um und behält davon 29 Cent. Für Werbeschlachten mit Revolut fehlt N26 das Geld, also bleibt nur der mühsamere Weg, aus den vorhandenen 5,6 Millionen Kunden mehr Hauptbankkunden zu machen.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie politisch ist N26?

Politisch ist N26 vor allem als Dauerfall der Finanzaufsicht: Die BaFin verhängte zwei große Bußgelder von zusammen 13,45 Millionen Euro, deckelte von 2021 bis 2024 das Wachstum und setzte Ende 2025 erneut einen Sonderbeauftragten ein. Die eigene Lobbyarbeit kostete 2025 nur 370.001 bis 380.000 Euro.
Die Geschichte mit der Aufsicht beginnt 2021. Im September jenes Jahres machte die BaFin ein Bußgeld von 4,25 Millionen Euro öffentlich, weil N26 in 50 Fällen Verdachtsmeldungen zu möglicher Geldwäsche zu spät abgegeben hatte. Im Oktober 2021 ordnete die Behörde an, dass die Bank höchstens 50.000 Neukunden im Monat aufnehmen darf, und schickte einen Sonderbeauftragten nach Berlin. Im Mai 2024 folgte ein zweites Bußgeld von 9,2 Millionen Euro, wieder wegen verspäteter Verdachtsmeldungen. Wenige Tage später hob die BaFin die Wachstumsgrenze zum 1. Juni 2024 auf, N26 bezifferte seine Investitionen in Compliance bis dahin auf über 100 Millionen Euro.
- 09/2021Bußgeld von 4,25 Mio. € wegen verspäteter Geldwäsche-Verdachtsmeldungen
- 10/2021Wachstumsgrenze von 50.000 Neukunden im Monat, erster Sonderbeauftragter
- 05/2024Zweites Bußgeld von 9,2 Mio. €, erneut wegen verspäteter Verdachtsmeldungen
- 06/2024BaFin hebt die Wachstumsgrenze auf
- 10/2025Stopp für neue Hypotheken in den Niederlanden
- 12/2025Neuer Sonderbeauftragter, zusätzliche Eigenmittelanforderungen
- 09/2026Laut Handelsblatt begrenztes Werbebudget auf Druck der BaFin
Nach einer Sonderprüfung im Jahr 2024 stellte die BaFin gravierende Mängel im Risiko- und Beschwerdemanagement sowie in der Organisation des Kreditgeschäfts fest. Ende 2025 bestellte die Behörde erneut einen Sonderbeauftragten, verlangte zusätzliches Eigenkapital und untersagte neue Hypothekenkredite in den Niederlanden sowie deren Verbriefung. Die Bundesbank legte im Zuge der Prüfung höhere Kapitalpuffer fest. Laut Konzernabschluss unterschreitet N26 seit Oktober 2025 interne Frühwarnschwellen für die Kernkapitalquote, mit einem Kapitalplan will die Bank alle Schwellen bis Ende 2026 wieder einhalten.
Der Marketing-Deckel, über den das Handelsblatt am 10. September berichtete, fügt sich in dieses Bild. Eine formale Anordnung wie 2021 ist der Deckel laut den Insidern nicht, die Wirkung ist aber ähnlich: Die Bank soll Prozesse und Systeme in Ordnung bringen, bevor sie wieder in großem Stil um Neukunden wirbt. Für die Kundengewinnung wiegt die Werbebremse schwer, weil N26 neue Kunden vor allem über soziale Medien, Onlinewerbung und Empfehlungen anspricht. Gemessen an der Vorgeschichte wirkt die Vorsicht der Behörde nachvollziehbar. Eine Bank, die zweimal wegen derselben Schwäche Bußgeld zahlte, bekommt keinen Vertrauensvorschuss mehr.
Die klassische Lobbyarbeit ist überschaubar. Im Lobbyregister des Bundestags meldet die N26 SE für 2025 Ausgaben zwischen 370.001 und 380.000 Euro und eine Vollzeitstelle. N26 ist Mitglied im Digitalverband Bitkom, im Bundesverband Deutsche Startups, in der European Fintech Association, in der Atlantik-Brücke und im Wirtschaftsrat der CDU. Als konkretes Regelungsvorhaben nennt die Bank das Altersvorsorgereformgesetz, für das sie eine kapitalmarktbasierte private Vorsorge fordert. Ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot wäre für eine App-Bank mit Wertpapierhandel ein neues Geschäftsfeld.
Bei den Steuern fällt die Rechnung schlicht aus, weil lange kein Gewinn zu versteuern war. Die Ertragsteuern von 3,5 Millionen Euro lagen 2025 über dem Jahresgewinn. Steueroasen oder Holding-Konstruktionen außerhalb Europas sind im Konzernabschluss nicht zu erkennen, die Gesellschaften sitzen in Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. Seit Februar 2025 firmiert die Obergesellschaft als Europäische Aktiengesellschaft N26 SE, die Bank inzwischen als N26 Bank SE.
Was könnte N26 zu Fall bringen?

Das größte Risiko für N26 ist die Kombination aus knapper Marge und knappem Kapital: Fällt der Zins, schrumpft der wichtigste Ertragsblock, und jede neue Auflage der Aufsicht kostet Geld, das die Bank nicht verdient. Hinzu kommen Konkurrenten, die schneller wachsen und mehr Kapital haben.
Der erste Hebel ist der Zins. Die Zinserträge aus Bundesbankguthaben, Treasury und Hypotheken summierten sich 2025 auf rund 175 Millionen Euro. Senkt die EZB die Leitzinsen deutlich, schrumpft dieser Block schneller, als N26 Premiumgebühren oder Kreditvolumen steigern kann. Im Konzernabschluss geht N26 für 2026 davon aus, dass die EZB ihre Zinssenkungen wegen des Irankriegs und der höheren Inflation aussetzt. Eine weitere Zinssenkung entgegen dieser Annahme würde das Ergebnis unmittelbar treffen.
Der zweite Hebel ist das Kapital. Die Gesamtkapitalquote lag Ende 2025 bei 20,8 Prozent, die Verschuldungsquote bei 3,77 Prozent, beides über den gesetzlichen Mindestwerten. Die zusätzliche Eigenmittelempfehlung der Aufsicht unterschritt N26 jedoch, und die neuen Anforderungen der BaFin haben den Spielraum weiter verengt: Die internen Frühwarnschwellen sind gerissen. Eine Kapitalerhöhung wäre bei einer Bewertung weit unter dem Stand von 2021 für die Altinvestoren schmerzhaft. Als Ausweg bleibt mehr Gewinn, doch genau dieses Wachstum bremst der Marketing-Deckel.
Von außen drückt zusätzlich der Wettbewerb. Revolut wächst in Deutschland schneller, Trade Republic bietet Girokonto, Karte und Depot aus einer Hand, und große Konzerne drängen nach. Die spanische BBVA startete im Januar 2025 eine digitale Bank in Deutschland, JPMorgan kündigte für 2026 einen Markteintritt an. Am 26. September meldete Sky News, dass die brasilianische Nubank über eine Übernahme der britischen Neobank Monzo für umgerechnet rund 11,7 Milliarden Euro spricht. Bestätigt haben beide Seiten die Gespräche nicht. Der Konsolidierungsdruck unter Europas Digitalbanken steigt trotzdem sichtbar.
| Szenario bis 2031 | Annahme | Folge für N26 |
|---|---|---|
| Eigenständige Hauptbank | BaFin-Auflagen fallen bis 2027, Premium und Kredit wachsen zweistellig | Gewinn im zweistelligen Millionenbereich, späterer Börsengang denkbar |
| Übernahmekandidat | Wachstum bleibt unter Plan, Investoren wollen aussteigen | Verkauf an eine Großbank oder eine größere Neobank zu niedriger Bewertung |
| Schrumpfende Nischenbank | Zinsen fallen, neue Auflagen der Aufsicht, Kunden wandern ab | Rückkehr in die Verlustzone, Rückzug aus weiteren Märkten |
Hinzu kommen Abhängigkeiten, die selten im Blick sind. Mastercard als einziges Kartennetz, Upvest für Wertpapiere, Bitpanda für Krypto, Wise für Auslandsüberweisungen: Fällt einer dieser Partner aus oder erhöht seine Preise, fehlt ein Teil des Angebots. Ein Schwarzer Schwan wäre ein großer Cyberangriff oder ein Betrugsfall, der das Vertrauen in eine reine App-Bank erschüttert. Für ein Institut ohne Filiale ist Vertrauen das einzige Kapital, das sich durch keine Gebühr ersetzen lässt.
Das realistische Szenario liegt dazwischen. N26 bleibt profitabel, wächst aber langsamer als die Konkurrenz und muss die BaFin über Jahre überzeugen. Ob N26 Käufer oder Gekaufter wird, hängt weniger von der App ab als von der Kapitalausstattung und davon, wann der Sonderbeauftragte die Bank verlässt.
- Zins: rund 175 Millionen Euro Zinserträge hängen an der EZB
- Kapital: interne Frühwarnschwellen seit Oktober 2025 unterschritten
- Wettbewerb: Revolut, Trade Republic, BBVA und laut Sky News womöglich Nubank mit Monzo
Was bedeutet N26 für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Für Verbraucher bleibt N26 ein solides Girokonto mit Einlagensicherung bis 100.000 Euro, das Sparern aber kaum Zinsen bietet. Für Unternehmer zeigt die Bank, wie teuer Wachstum ohne funktionierende Kontrollen wird, und für Selbstständige ist das Geschäftskonto eine günstige, aber knapp ausgestattete Option.
Für Privatkunden ändert der aktuelle Umbau zunächst wenig. Einlagen bis 100.000 Euro je Kunde sichert die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken, die Sicherheit des Guthabens berühren Sonderbeauftragter und Marketing-Deckel nicht. Die Gebühren steigen dagegen schrittweise. Mit der Ordergebühr von 90 Cent ist der Gratishandel vorbei, und das angekündigte N26 Aura deutet auf ein weiteres, wohl teureres Kontomodell hin. Vielhändler sollten die Ordergebühr deshalb mit den Preisen der Neobroker vergleichen.
Für Selbstständige und Freiberufler bietet N26 Geschäftskonten in denselben Preisstufen wie für Privatkunden, ab 0 Euro im Monat. Dieses Angebot reicht für Einzelunternehmer, die Rechnungen per Überweisung bekommen und mit der Karte zahlen. Für Betriebsmittelkredite, große Bargeldmengen oder umfangreiche Lastschriftverfahren sind Sparkassen, Volksbanken und spezialisierte Anbieter von Geschäftskonten breiter aufgestellt.
Für Unternehmer jenseits der Bankbranche steckt in der N26-Geschichte eine allgemeine Lehre. Zehn Jahre lang galt Wachstum als wichtigste Kennzahl, Kontrollen und Prozesse wuchsen nicht mit. Der Preis dafür waren zwei Bußgelder, zwei Wachstumsbremsen, ein Machtkampf und eine Bewertung, die um zwei Drittel fiel. Mittelständler, die heute mit KI-Werkzeugen oder neuen Vertriebskanälen schnell skalieren, sollten Compliance und interne Kontrolle als Teil des Wachstums planen und nicht als spätere Reparatur.
Bis Herbst 2027 zeichnen sich drei Szenarien ab:
| Szenario bis Herbst 2027 | Annahme | Folge für Kunden und Markt |
|---|---|---|
| Optimistisch | BaFin lockert den Marketing-Deckel, N26 Aura gewinnt zahlende Kunden, 20 Prozent Kundenwachstum | N26 wirbt wieder sichtbar, Preiskampf mit Revolut und Trade Republic um Premiumkunden |
| Realistisch | Deckel bleibt, Wachstum einstellig bis niedrig zweistellig, Zinsen stabil | Gewinn im zweistelligen Millionenbereich, weitere Gebühren für Zusatzleistungen |
| Pessimistisch | Neue Prüfung verschärft Auflagen oder die EZB senkt die Zinsen | Ergebnis nahe der Nulllinie, Sparprogramm, Gespräche über Partner oder Käufer |
Drei konkrete Schritte lassen sich für Leser ableiten:
- Als Privatkunde Guthaben über dem monatlichen Bedarf auf ein verzinstes Tagesgeld oder in einen Geldmarktfonds verschieben, statt das Geld unverzinst auf dem Girokonto zu lassen
- Als Premiumkunde jährlich nachrechnen, ob Versicherungen, Abhebungen und Zinsen die Gebühr von bis zu 202,80 Euro im Jahr tatsächlich aufwiegen
- Als Geschäftspartner oder Fintech-Gründer die BaFin-Chronik von N26 als Warnung lesen und Geldwäscheprävention vom ersten Kunden an mit Personal und Budget ausstatten
Unser Fazit fällt gemischt aus. N26 hat bewiesen, dass sich eine Bank fürs Smartphone in Europa betreiben lässt, und 2025 erstmals gezeigt, dass sie Geld verdienen kann. Die Marge reicht aber nicht, um gleichzeitig Aufsicht, Kapital und Wachstum zu finanzieren. Für deutsche Kunden ist das kein Grund zur Sorge um ihr Geld, wohl aber ein Grund, den Preis des Gratiskontos zu kennen.
- Verbraucher: Einlagensicherung bis 100.000 Euro, wenig Zinsen auf dem Girokonto
- Selbstständige: Geschäftskonto ab 0 Euro, Kredite und Bargeld bei anderen Banken stärker
- Unternehmer: Kontrollen mitwachsen lassen, sonst bremst die Aufsicht
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zum N26-Geschäftsmodell

Bruttoerträge
Bruttoerträge: Summe der Zins- und Provisionserträge einer Bank vor Abzug der Zins- und Provisionsaufwendungen. N26 meldete für 2025 nach seiner Management-Rechnung 501,6 Millionen Euro, der Konzernabschluss nach Handelsrecht weist einen ähnlich definierten Bruttoumsatz von 498,1 Millionen Euro aus.
Freemium-Modell
Freemium-Modell: Geschäftsmodell, bei dem ein Basisangebot kostenlos ist und Zusatzfunktionen Geld kosten. Bei N26 ist das Standardkonto gratis, Smart, Go und Metal kosten zwischen 4,90 und 16,90 Euro im Monat. Die zahlenden Kunden finanzieren damit einen Teil der Kosten der Gratiskunden mit.
Interchange-Gebühr
Interchange-Gebühr: Entgelt, das die Bank eines Händlers bei jeder Kartenzahlung an die Bank des Karteninhabers zahlt. Eine EU-Verordnung von 2015 begrenzt die Gebühr bei Debitkarten auf 0,2 Prozent und bei Kreditkarten auf 0,3 Prozent des Betrags. Für Neobanken ist die Interchange-Gebühr eine der wichtigsten Einnahmequellen.
Kernkapitalquote
Kernkapitalquote: Verhältnis des hochwertigsten Eigenkapitals einer Bank zu ihren risikogewichteten Aktiva. Die Kennzahl zeigt, wie viel Verlust eine Bank aus eigener Kraft auffangen kann. N26 unterschreitet die internen Frühwarnschwellen für diese Quote seit Oktober 2025, ein Kapitalplan soll das bis Ende 2026 beheben.
Neobank
Neobank: Bank, die ihre Dienste ausschließlich digital über App und Website anbietet und keine Filialen betreibt. Manche Neobanken arbeiten mit der Lizenz einer Partnerbank, N26 besitzt seit 2016 eine eigene Vollbanklizenz. Bekannte Wettbewerber in Europa sind Revolut, Monzo und Bunq.
Provisionsüberschuss
Provisionsüberschuss: Differenz aus Provisionserträgen und Provisionsaufwendungen, also das, was eine Bank an Gebühren netto verdient. Bei N26 stammen die Erträge vor allem aus dem Zahlungsverkehr und den Monatsgebühren der Premiumkonten. Nach der Management-Rechnung lag der Wert 2025 bei 184,2 Millionen Euro.
Risikovorsorge
Risikovorsorge: Betrag, den eine Bank für erwartete Ausfälle von Krediten zurücklegt und als Aufwand verbucht. Mit wachsendem Kreditgeschäft steigt in der Regel auch die Vorsorge. N26 bildete 2025 für das Kreditgeschäft 20,2 Millionen Euro Risikovorsorge, nach 15,1 Millionen Euro im Vorjahr.
Rohertrag
Rohertrag: Bei N26 die Summe aus Zins- und Provisionsüberschuss, auch Gross Profit genannt. Die Kennzahl zeigt, was nach direkten Kosten wie Sparzinsen, Kartennetzwerk und Kreditausfällen übrig bleibt, bevor Personal, Technik und Verwaltung bezahlt werden. 2025 betrug der Rohertrag 350,5 Millionen Euro.
Sonderbeauftragter
Sonderbeauftragter: Von der BaFin eingesetzte Person, die in einer Bank überwacht, ob angeordnete Verbesserungen fristgerecht umgesetzt werden. Die Bank trägt die Kosten. Bei N26 setzte die Aufsicht 2021 und erneut Ende 2025 einen Sonderbeauftragten ein, zuletzt wegen Mängeln im Risiko- und Beschwerdemanagement.
Treasury
Treasury: Bereich einer Bank, der Liquidität steuert und Kundengeld anlegt, das nicht als Kredit vergeben ist, etwa in Anleihen oder Fonds. Bei N26 brachte das Treasury 2025 Zinserträge von 81,0 Millionen Euro und war damit die größte einzelne Zinsquelle der Bank.
Verbriefung
Verbriefung: Bündelung von Kreditforderungen zu handelbaren Wertpapieren, die an Investoren verkauft werden. Die Bank entlastet damit ihre Bilanz und ihr Eigenkapital. Die BaFin untersagte N26 neben dem Neugeschäft mit niederländischen Hypotheken auch die Verbriefung dieser Forderungen und machte das im Dezember 2025 öffentlich.
Verschuldungsquote
Verschuldungsquote: Verhältnis des Kernkapitals zur ungewichteten Bilanzsumme, international Leverage Ratio genannt. Anders als die Kernkapitalquote berücksichtigt die Kennzahl keine Risikogewichte. Banken müssen mindestens 3 Prozent erreichen, N26 meldete für Ende 2025 einen Wert von 3,77 Prozent.
Zinsüberschuss
Zinsüberschuss: Differenz aus Zinserträgen und Zinsaufwendungen einer Bank. Bei N26 entsteht der Ertrag aus Bundesbankguthaben, Anleihen, Privatkrediten und niederländischen Hypotheken, der Aufwand aus Zinsen auf Tagesgeld. Nach der Management-Rechnung stieg der Wert 2025 um 49 Prozent auf 166,3 Millionen Euro.
FAQ: N26 Geschäftsmodell

Ist N26 eine echte Bank?
Ja, N26 besitzt seit Juli 2016 eine Vollbanklizenz und wird von der BaFin und der Deutschen Bundesbank beaufsichtigt. Das Institut firmiert als N26 Bank SE mit Sitz in Berlin. Die Bank darf Einlagen annehmen, Kredite vergeben und Konten in 24 europäischen Märkten führen.
Wem gehört N26?
N26 gehört mehrheitlich Finanzinvestoren, die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal halten nach Medienberichten zusammen knapp 20 Prozent. Zu den Geldgebern aus den Finanzierungsrunden zählen unter anderem Valar Ventures, Tencent, Allianz X, Insight Partners, Third Point, Coatue und Dragoneer. Genaue Anteile veröffentlicht N26 nicht.
Ist N26 profitabel?
Ja, seit 2025: N26 erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen Euro, nach einem Verlust von 42,0 Millionen Euro im Jahr 2024. Im ersten Quartal 2026 lag der Überschuss nach vorläufigen Zahlen bei 9,8 Millionen Euro.
Wie viele Kunden hat N26?
N26 zählte Ende 2025 rund 5,6 Millionen ertragsrelevante Kunden in 24 Märkten, 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Eine Gesamtzahl aller eröffneten Konten und eine eigene Zahl für Deutschland veröffentlicht die Bank nicht. Zuletzt nannte N26 Anfang 2021 rund sieben Millionen Kunden weltweit.
Ist mein Geld bei N26 sicher?
Guthaben bei N26 sind bis 100.000 Euro je Kunde über die gesetzliche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken geschützt, bei Gemeinschaftskonten bis 200.000 Euro. Die Auflagen der BaFin betreffen Organisation, Kapital und Neugeschäft der Bank, nicht die Einlagensicherung der Kunden.
Was ist N26 Aura?
N26 Aura ist ein neues Premiumangebot, das N26 am 17. September 2026 angekündigt hat und das im November 2026 starten soll. Preis und Leistungen hat die Bank bislang nicht veröffentlicht. Auf der Ankündigungsseite spricht N26 von einem neu gedachten Banking-Erlebnis.
Quellen
44 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- N26 SEKonzernabschluss und zusammengefasster Lagebericht 2025 (Lagebericht vom 10.06.2026)
- N26Pressemitteilung: N26 erzielt 2025 Bruttoerträge von über 500 Mio. EUR
- HandelsblattRadikalumbau statt Wachstum: Marketing-Deckel bremst N26 aus
- N26N26 Aura, Ankündigungsseite
- payment & bankingN26 Aura startet, DEAN-Kennung kommt und EZB-Händlersuche
- HandelsblattN26 beendet kostenlosen Wertpapierhandel
- HandelsblattN26-Kundenwachstum unter den Erwartungen
- WirtschaftswocheN26: Nach dem Horrorjahr folgt bei der Berliner Neobank der Umbau
- WirtschaftswocheRevolut meldet erstmals drei Millionen Kunden in Deutschland
- HandelsblattNach Rückzug der Gründer: Neobank N26 verabschiedet Investorenvereinbarung
- N26Pressemitteilung: Marc Heß wird neuer Chief Financial Officer bei N26
- N26Pressemitteilung: N26 macht flexiblen Geldmarktfonds für alle Kontomodelle zugänglich
- N26Pressemitteilung: Marcus W. Mosen tritt nach Führungswechsel aus dem N26-Vorstand zurück
- N26Pressemitteilung: N26 treibt Neubesetzung der Rolle des Chief Financial Officer voran
- N26Pressemitteilung: N26 erweitert sein Angebot für Echtzeitzahlungen um Wero
- N26Pressemitteilung: N26-Gründer Stalf wechselt in den Aufsichtsrat
- N26Konten vergleichen
- N26 SupportWie oft kann ich kostenlos Bargeld abheben?
- N26Tagesgeldkonto
- N26Dispokredit
- N26Krypto
- N26Datenschutzerklärung, Version 13.8 vom 03.09.2026
- N26Einlagensicherung: So schützt du dein Geld auf dem Girokonto
- BaFinMaßnahme gegen die N26 Bank SE
- BaFinAnordnung von Maßnahmen gegenüber der N26 Bank
- BaFinGeldbuße gegen die N26 Bank AG
- BaFinGeldbuße gegen die N26 Bank GmbH
- N26Pressemitteilung: N26 begrüßt Aufhebung der Wachstumsbeschränkung durch die BaFin
- Deutscher BundestagLobbyregister, Eintrag N26 SE (R000493)
- BundesgerichtshofPressemitteilung 139/2026: Keine wechselseitige Zurechnung von Arbeitnehmern eines Gemeinschaftsbetriebs
- N26Pressemitteilung: N26 gibt neue Finanzierungsrunde bekannt
- Crunchbase NewsGerman challenger bank N26 nets 170M in Series D extension (07/2019)
- N26Blog: N26 Series D funding round (01/2019)
- Global Banking and Finance ReviewAllianz puts N26 stake up for sale (FT-Bericht, 19.04.2023)
- N26Pressemitteilung: N26 announces exit from UK banking market
- N26Pressemitteilung: N26 to discontinue US operations
- N26Pressemitteilung: N26 beendet Aktivitäten in Brasilien
- deutsche-startups.de5 Dinge, die jeder über Number26 wissen muss
- IT FinanzmagazinNumber26: Banklizenz, Umbenennung, neue Produkte
- ING DeutschlandPressemitteilung zum Geschäftsjahr 2025
- DKBPressemitteilung vom 05.03.2026
- BloombergMonzo in Talks on Possible Sale to Brazil’s Nubank, Sky Reports
- EUR-LexVerordnung (EU) 2015/751 über Interbankenentgelte für kartengebundene Zahlungsvorgänge
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse
