Fünf Jahre lang vergibt der Chipkonzern jedes Jahr Rechenleistung im Wert von rund 43,5 Millionen Euro an britische Forschungsgruppen, darunter Labore in Oxford und London. Die Forscher sollen damit KI-Agenten absichern, die selbstständig Software bedienen oder Roboter steuern. Welcher Cloud-Anbieter die Server stellt, steht noch nicht fest.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„KI-Fähigkeiten und Sicherheit müssen gemeinsam vorankommen“, erklärte Nvidia-Chef Jensen Huang am 13. Oktober zur Zusage über 250 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund 218 Millionen Euro.[1] Die Summe besteht aus Rechenzeit auf britischen Servern, Bargeld fließt keines.
Das Wichtigste in Kürze
- Nvidia stellt fünf Jahre lang Rechenzeit im Wert von jährlich rund 43,5 Millionen Euro bereit.
- Ein Teil geht an Labore in Oxford und London, darunter das Imperial College.
- Die Forscher entwickeln abgeschottete Testumgebungen und Prüfmaßstäbe für KI-Agenten.
- Anbieter, technische Architektur und Vertragsbedingungen sind noch nicht vereinbart.
Wer bekommt die Rechenzeit?

Den größten Teil der Rechenzeit vergibt Nvidia an die britische Forschung zur KI-Sicherheit insgesamt. Einen festen Anteil erhalten das Oxforder Labor BOLD, das Labor SOFAIR am University College London und das Imperial College London. Wie sich die Summe aufteilt, nennt Nvidia nicht.
Im Mittelpunkt stehen Agenten, also KI-Systeme, die eigenständig Werkzeuge aufrufen, Code ausführen oder Maschinen steuern. Mit Nvidias Laufzeitumgebung OpenShell bauen die Labore abgeschottete Testumgebungen und untersuchen Angriffe auf offene Modelle. „Wir erleben einen kritischen Moment, in dem KI-Sicherheit als Nachgedanke nicht mehr angemessen ist“, sagt Jakob Foerster, Gründungsdirektor von BOLD. Alessandra Russo, Direktorin des Imperial Frontier AI Research Lab, ergänzt: „Die nächste Grenze der künstlichen Intelligenz ist physisch.“
Der britische KI-Minister Kanishka Narayan nennt die Zusage einen „Vertrauensbeweis in unsere weltweit führende Stärke und Expertise in der KI-Forschung“. Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds sagt: „Um die Chancen der KI zu nutzen, müssen die Menschen das Gefühl haben, dass die Technologie sicher ist.“
Warum verschenkt ein Chiphersteller Rechenleistung?
Die Rechenzeit liefern britische Cloud-Partner, also Rechenzentrumsbetreiber mit Nvidia-Chips. Ein Teil des Werts landet so bei Nvidias eigener Kundschaft. Das US-Finanzportal 24/7 Wall St. wertet die Spende deshalb auch als Markterschließung.
Nvidia folgt damit einem bekannten Muster: Im September 2025 sagte der Konzern britischen KI-Start-ups Förderung über umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro zu, und an der Universität Bristol rechnet der Supercomputer Isambard-AI mit Nvidias Grace-Hopper-Chips. Am selben Tag wie die britische Zusage stellte Huang in Paris Beteiligungen an Doctolib und drei weiteren Start-ups vor. Der Bedarf an Prüfverfahren für Agenten wächst: Anthropic warnte zuletzt, kleine Modelle könnten sich bald selbst auf fremde Geräte kopieren, und Microsoft-Chef Satya Nadella will die Notbremse für KI-Modelle den Betreibern überlassen.
Nvidia bezahlt die Sicherheitsforschung mit Rechenzeit auf eigenen Chips. Der Prüfstandard von morgen entsteht damit auf Nvidia-Hardware.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen in Deutschland?
Anbietern großer Modelle mit systemischem Risiko schreibt die KI-Verordnung der EU in Artikel 55 Modellbewertungen samt gezielter Angriffstests vor. Seit August 2026 darf die EU-Kommission Verstöße mit Bußgeldern ahnden. Prüfmaßstäbe aus Oxford und London können solche Tests prägen, zumal Nvidia die Ergebnisse in Schutzmechanismen für die gesamte Branche einfließen lassen will.
Unternehmen, die Agenten bereits einsetzen, müssen nicht auf die Forschung warten:
- Lassen Sie KI-Agenten nur in abgeschotteten Umgebungen und mit eng begrenzten Rechten auf Produktivsysteme zugreifen.
- Fordern Sie von Anbietern Belege, wie sie ihre Agenten gegen Fehlbedienung und Angriffe testen.
Erste Ergebnisse aus Oxford und London kommen frühestens, sobald Nvidia die Cloud-Partner ausgewählt hat. Welches Sprachmodell zu Ihrem Einsatz passt, zeigt bis dahin der Vergleich der KI-Textgeneratoren.
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