Anthropic und der Londoner Finanzinvestor Hg wollen bis Jahresende eine gemeinsame KI-Beratung für europäische Unternehmen starten, mit Standorten in London und Berlin. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Eingeweihte. Berater und Entwickler der neuen Firma sollen direkt in den Kundenunternehmen arbeiten.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen1.600 KI-Projekte laufen nach Angaben von Hg in den rund 60 Firmen, an denen der Finanzinvestor beteiligt ist.[2] Seit Anfang 2024 arbeitet Hg dabei mit Anthropic zusammen, jetzt soll daraus ein eigenes Unternehmen werden. Es rückt Anthropic nah an das Geschäft von Beratungshäusern wie Accenture, Deloitte und PwC, die Claude bisher als Partner bei Großkunden einführen.
Das Wichtigste in Kürze
- Anthropic und Hg gründen laut Financial Times eine eigenständige KI-Beratung, die bis Ende 2026 in London und Berlin starten soll.
- Anthropic zahlt aus eigenen Mitteln, Hg über seine Fonds. Eine Summe ist nicht bekannt, offiziell bestätigt ist das Vorhaben noch nicht.
- Nach der KI-Verordnung bleibt der Auftraggeber Anbieter seines KI-Systems, auch wenn externe Entwickler es bauen.
Was planen Anthropic und Hg?

Laut Financial Times haben sich beide auf ein unabhängiges Unternehmen geeinigt, das KI-Berater und Entwickler in europäische Firmen schickt.[1] Dort sollen sie neue KI-Produkte entwerfen oder laufende Projekte unterstützen, auch bei Firmen aus dem Portfolio von Hg. Auf den Nachrichtenseiten von Anthropic und Hg stand dazu bis Freitagmittag nichts.
Anthropic zahlt laut dem Bericht aus eigenen Mitteln, Hg investiert über seine Fonds, darunter den an der Londoner Börse notierten HgCapital Trust. Hg verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 110 Milliarden Dollar, rund 95,7 Milliarden Euro (Kurs 0,87, Stand 23. Oktober 2026).[2] Im September hatten beide angekündigt, dass Hgs KI-Einheit Hg Catalyst gemeinsam mit Anthropic KI-Agenten in die Software der Beteiligungen einbaut.
Warum baut ein Modellhersteller eine Beratung auf?
Ein Sprachmodell bringt erst Umsatz, wenn Unternehmen es im Alltag nutzen. Bis dahin ist Handarbeit nötig, vom Anschluss an gewachsene Systeme bis zur Prüfung der Ergebnisse. Für diese Arbeit fehlen die Fachleute, und jede Anwendung, die nicht in Betrieb geht, verbraucht keine Rechenleistung bei Anthropic.
Anthropic hat den Engpass selbst benannt. Im Mai gründete die Firma mit Blackstone, Hellman & Friedman und Goldman Sachs einen ähnlichen Dienstleister für mittelgroße Unternehmen. „Die Nachfrage der Unternehmen nach Claude übersteigt deutlich, was ein einzelner Vertriebsweg leisten kann“, sagte Finanzchef Krishna Rao damals.[3] Anfang Oktober folgte die Claude Frontier Academy: 100 Millionen Dollar, rund 87 Millionen Euro, für die Ausbildung von 10.000 Entwicklern bei Partnerfirmen bis Ende 2027, die direkt beim Kunden arbeiten sollen.[4]
Wenn der Modellhersteller mitberät, gehört der spätere Wechsel zu einem anderen Modell in den Vertrag.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Welche Konzerne arbeiten ähnlich?
Das Vorbild ist Palantir, dessen Entwickler seit Jahren direkt beim Kunden sitzen. SAP hat dieses Modell im September übernommen, und Anthropics US-Dienstleister mit Blackstone setzt nach dem Grundsatz „Claude first“ vorrangig Anthropics Modelle ein. Bei der Academy bildet Anthropic außerdem Entwickler von Accenture, Capgemini, Deloitte und McKinsey aus.[4] Die KI-Hersteller schulen die Beratungshäuser also und machen ihnen zugleich mit eigenen Dienstleistern Konkurrenz.
Was bedeutet das für Unternehmen in der DACH-Region?
Mit Berlin bekommt die neue Beratung einen Standort in Deutschland. An der Verantwortung ändern externe Entwickler nichts: Als Anbieter gilt nach der KI-Verordnung auch, wer ein KI-System „entwickeln lässt“ und unter eigenem Namen in Betrieb nimmt. Nach Artikel 4 müssen Anbieter und Betreiber zudem für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen.[5]
Auftraggeber sollten deshalb vor Vertragsschluss klären:
- welche Modelle die Beratung neben Claude einsetzt und ob ein Wechsel möglich bleibt,
- wem Programmcode, Prompts und Auswertungen nach Projektende gehören,
- wer die Dokumentation für die Pflichten aus der KI-Verordnung erstellt,
- wie das eigene Team das Wissen übernimmt, bevor die externen Entwickler gehen.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Financial TimesAnthropic strikes deal to launch European consultancy (23. Oktober 2026, beruft sich auf Eingeweihte, hinter Bezahlschranke)
- HgHg extends collaboration with Anthropic to bring agentic AI capabilities across the portfolio (Pressemitteilung)
- AnthropicBuilding a new enterprise AI services company with Blackstone, Hellman & Friedman, and Goldman Sachs
- AnthropicAnthropic invests $100 million to train 10,000 engineers and tackle the enterprise AI talent gap
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 3 Nummer 3 und Artikel 4
Mehr Newshunger?
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