Leapmotor setzt in der eigenen Softwareentwicklung auf TRAE, das KI-Programmierwerkzeug von ByteDances Cloudsparte Volcano Engine. Der chinesische Elektroautobauer lässt sich zusichern, dass sein Quellcode nicht ins Training der Modelle fließt. Beim Datenschutz hat TRAE allerdings eine Vorgeschichte.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Leapmotor-Entwickler schreiben ihren Code künftig mit TRAE. Die Zusammenarbeit gaben der Hersteller aus Hangzhou und Volcano Engine am 29. September bekannt.[1] Das Werkzeug soll auch dort funktionieren, wo KI-Assistenten selten zum Einsatz kommen: in abgeschotteten Firmennetzen, unter den Normen der Autoindustrie und in großen Codebasen, an denen viele Teams gleichzeitig arbeiten.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Leapmotor bettet ByteDances KI-Coding-Werkzeug TRAE in seine gesamte Eigenentwicklung ein.
- Laut beiden Unternehmen dient der Code nur der jeweiligen Anfrage und nicht dem Modelltraining.
- Im Jahr 2025 übertrug TRAE in einem unabhängigen Test auch bei abgeschalteter Telemetrie Daten an ByteDance.
- Das Europageschäft von Leapmotor führt Stellantis, ab Oktober montiert der Hersteller Autos in Spanien.
Wie tief greift TRAE in die Entwicklung von Leapmotor ein?

Eigenentwicklung prägt das Geschäftsmodell von Leapmotor. Nach einer Analyse des Portals Caiwen kontrolliert der Hersteller rund 65 Prozent der Fahrzeugkosten selbst, von der Batteriezelle bis zur Steuerelektronik.[3] Entsprechend groß fällt die Codebasis aus, in die TRAE nun Einblick erhält. Ende 2025 zählte das Werkzeug über sechs Millionen registrierte Nutzer, bei ByteDance selbst programmieren laut Konzern mehr als 92 Prozent der Ingenieure damit.[4]
Die Abschottung regeln beide Firmen technisch und vertraglich. Client, Cloud-Dienst und Modell kommunizieren über firmeneigene Domains und unterliegen den Netzrichtlinien von Leapmotor. Mandantentrennung und verschlüsselte Übertragung sollen verhindern, dass Code abfließt.[2] Eine Installation im eigenen Rechenzentrum erwähnen die Meldungen nicht. Nach dieser Beschreibung rechnet das Modell weiterhin bei Volcano Engine. Jeder Codeausschnitt verlässt für die Antwort also das Firmennetz.
Warum schaut die Branche bei TRAE genau hin?
Ein Test aus dem Juli 2025 prägt den Ruf des Werkzeugs. Ein Sicherheitsforscher zählte damals rund 500 Verbindungen zu ByteDance-Servern in sieben Minuten und bis zu 26 Megabyte übertragene Daten, obwohl die Telemetrie in den Einstellungen abgeschaltet war. Übermittelt wurden unter anderem Geräte-IDs und verschleierte Dateipfade. ByteDance erklärte, der Schalter gelte nur für den zugrunde liegenden Editor VS Code.[5]
Chinesische Coding-Tools stehen seither unter Beobachtung. Im September stellte sich heraus, dass Zhipus ZCode die komplette Git-Historie heimlich in die Cloud lädt. Die Vereinbarung von Leapmotor klärt die Frage nach dem Training, nicht die nach dem Datenfluss. Ob der Code das Netz nur für die einzelne Anfrage verlässt, belegt allein ein Mitschnitt des Netzwerkverkehrs.
Die Zusage, nicht mit fremdem Code zu trainieren, gehört bei KI-Werkzeugen längst zum Standard. Welche Daten tatsächlich die Firma verlassen, beantwortet kein Vertrag, sondern nur der Mitschnitt des Netzwerkverkehrs.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Kooperation für Europa?
Stellantis steuert über das Gemeinschaftsunternehmen Leapmotor International den Vertrieb außerhalb Chinas und hält daran 51 Prozent. Ab Oktober montiert Leapmotor die Modelle B10 und B05 in Spanien. Die Software dieser Autos entsteht in Hangzhou, künftig mit TRAE. Für die EU-Typgenehmigung verlangt die UN-Regelung Nr. 155 seit Juli 2024 bei allen Neuwagen ein Managementsystem für Cybersicherheit, das Entwicklung und Zulieferer einschließt.[6] Die USA gehen weiter: Ab Modelljahr 2027 dürfen dort keine vernetzten Autos mit Software von Firmen unter chinesischer Kontrolle verkauft werden.[7]
IT-Leiter in DACH-Unternehmen können die Leapmotor-Klauseln als Mindeststandard für eigene Verträge mit Anbietern von KI-Coding-Tools nutzen: kein Training mit Kundencode, Mandantentrennung, verschlüsselte Übertragung und eigene Netzrichtlinien. Vor dem Zugriff auf produktive Repositorys empfiehlt sich im Testbetrieb ein Mitschnitt des ausgehenden Verkehrs. Zugangsdaten gehören nie in den Arbeitsbereich eines Assistenten. Selbst GitHub Copilot schickte im August Zugangsdaten aus .env-Dateien in die Cloud.
Was ist TRAE?
TRAE ist ein KI-Programmierwerkzeug von Volcano Engine, der Cloudsparte von ByteDance. Der Editor basiert auf VS Code und schreibt oder prüft Code per Chat und Agent. Ende 2025 zählte TRAE über sechs Millionen registrierte Nutzer, bei ByteDance arbeiten laut Konzern mehr als 92 Prozent der Ingenieure damit.
Trainiert ByteDance seine Modelle mit dem Code von Leapmotor?
Nach Angaben beider Unternehmen nicht. Der Code dient nur der jeweiligen Anfrage, Mandantentrennung und verschlüsselte Übertragung sollen einen Abfluss verhindern. Eine unabhängige Prüfung dieser Zusage liegt nicht öffentlich vor. Die Berechnung läuft nach den Meldungen weiterhin in der Cloud von Volcano Engine.
Betrifft die Kooperation Leapmotor-Autos in Europa?
Indirekt. Die Fahrzeugsoftware entsteht in China, auch für die Modelle, die Leapmotor ab Oktober in Spanien montiert. Für die EU-Typgenehmigung müssen Hersteller nach UN-Regelung Nr. 155 Cyberrisiken in der Entwicklung und bei Zulieferern nachweislich steuern.
Quellen
[1] Phoenix Auto (凤凰网汽车), Meldung der Agentur Netcom (网通社): „零跑汽车与火山引擎合作将TRAE嵌入全域自研体系“
[2] Sina (新浪): „零跑汽车引入火山引擎 AI 编程工具“
[3] Tencent News (腾讯新闻), Caiwen (财闻): „零跑的底气:‚全域自研‘从标签变成生意“
[4] Volcano Engine (火山引擎): „TRAE CN 企业版正式发布“
[5] The Register: „ByteDance AI IDE Trae telemetry continues even after opt-out“
[6] UNECE: „UN Regulation No. 155: Cyber security and cyber security management system“
[7] Bureau of Industry and Security: „Connected Vehicles (CV)“
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