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Behörden, Streitkräfte und Betreiber kritischer Infrastruktur sollen die Workflow-Software von ServiceNow nutzen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten an den US-Konzern abzugeben. Den Betrieb übernimmt Secunet in Rechenzentren in Deutschland. Wie viel Kontrolle das Modell bringt, hängt an einer Vorgabe des BSI zum Personal.

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Auf der Smart Country Convention in Berlin gaben Secunet und ServiceNow am 13. Oktober ihre Partnerschaft bekannt.[1] Secunet wird damit autorisierter Sovereign Partner Cloud Provider und bietet die Plattform für automatisierte Arbeitsabläufe als Teil seines eigenen Cloud-Portfolios an. „Digitale Souveränität bedeutet, moderne Technologie unter eigener Kontrolle einsetzen zu können“, sagt Secunet-Chef Marc-Julian Siewert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Secunet betreibt die ServiceNow-Plattform in einer eigenen Umgebung mit kontrollierten Betriebs- und Zugriffsprozessen.
  • Die Partner entwickeln das Angebot auch für Informationen der Einstufung VS-NfD (Verschlusssache, nur für den Dienstgebrauch).
  • Der BSI-Katalog C3A erlaubt Kunden, für den Betrieb Personal mit Hauptwohnsitz in Deutschland zu verlangen.
  • Preise und erste Kunden nennen beide Unternehmen nicht.

Warum braucht eine US-Plattform einen deutschen Betreiber?

Glasglocke mit Wolke und Vorhängeschloss (Schild: „SCHLÜSSEL BLEIBT HIER“) auf weiß
Secunet verwaltet ServiceNow-Cloud-Daten in Deutschland, um Zugriffe durch US-Behörden gemäß CLOUD Act zu verhindern

Der Standort des Rechenzentrums allein schützt die Daten nicht. Der amerikanische CLOUD Act von 2018 verpflichtet US-Unternehmen, auf Anordnung von US-Behörden Daten herauszugeben, auch wenn diese Daten in Europa liegen. Im Partner-Cloud-Modell liefert ServiceNow deshalb nur die Software. Administration, Support und Zugriffsrechte verantwortet ein deutsches Unternehmen, hier Secunet.[1]

Den Maßstab dafür setzte das BSI im April mit dem Kriterienkatalog C3A.[2] Kunden können darin unter anderem verlangen, dass alle Beschäftigten mit Zugriff auf die Infrastruktur, den Kundensupport und die Steuerung des Dienstes EU-Bürger mit Hauptwohnsitz in Deutschland sind. Diese Personalvorgabe kann ein Konzern mit weltweitem Support kaum zusagen, ein deutscher Betreiber schon. Bindend ist der Katalog nicht, das BSI versteht ihn als Werkzeug für Kunden und Ausschreibungen.

Was hat Secunet davon?

Im Juli kündigte Secunet eine ähnliche Partnerschaft mit Cloudflare an, im Oktober folgte Bechtle als Partner für Managed Services. Das Geschäft mit dem Staat dominiert: Im ersten Halbjahr 2026 kamen 192,7 von 204,7 Millionen Euro Umsatz aus dem Segment Public Sector, der Business Sector schrumpfte um 47,4 Prozent auf 12,0 Millionen Euro.[3] Am Übergewicht des Staatsgeschäfts ändert die neue Partnerschaft wenig, denn auch das ServiceNow-Angebot richtet sich zuerst an Behörden und Streitkräfte.

Für ServiceNow ist Secunet ein weiterer Zugang zum deutschen Staat. T-Systems betreibt die Plattform seit September auf der eigenen T Cloud.[4] Robert Rosellen, bei ServiceNow Vice President Sales und Country Manager Deutschland, beschreibt den Bedarf so: „Organisationen im öffentlichen Sektor und Unternehmen mit strengen Sicherheitsanforderungen müssen die Automatisierung ausbauen, ohne die Kontrolle über ihre Daten aufzugeben.“ Wie das Geschäftsmodell von ServiceNow funktioniert, lesen Sie in unserer Analyse.

Secunet macht den Betrieb souverän, den Code schreibt weiter ServiceNow in Kalifornien. Unabhängig wird die Verwaltung dadurch nicht.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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ServiceNow-Plattform, deutscher Betrieb
Was Secunet anbietet und wer die Plattform in Deutschland bereits betreibt
2027
geplante Verfügbarkeit des Angebots von Secunet und ServiceNow
VS-NfD
Einstufung, für die die Partner das Angebot ebenfalls entwickeln
94 %
Anteil des Public Sector am Secunet-Umsatz im ersten Halbjahr 2026 (192,7 von 204,7 Mio. €)
95 Mrd.
Workflows laufen nach Angaben von ServiceNow jährlich auf der Plattform
September 2026
T-Systems

betreibt die ServiceNow-Plattform als zertifizierter Sovereign Partner Cloud Provider auf der T Cloud

Oktober 2026
Secunet

wird autorisierter Sovereign Partner Cloud Provider, Start im Lauf des Jahres 2027

April 2026
BSI-Katalog C3A

Kunden können Rechenzentren in Deutschland und Personal mit Hauptwohnsitz in Deutschland verlangen

Was heißt das für Behörden und regulierte Unternehmen?

Die Auswahl an deutsch betriebenen US-Diensten wächst, während der Bund den Rahmenvertrag mit Mistral und SAP für Verwaltungs-KI auf Eis gelegt hat. Legen Sie in Ausschreibungen gerne vorab fest, welche C3A-Kriterien Sie verlangen, und fragen Sie den Betreiber, wer Administratorrechte hält und wo der Support sitzt. Für Verschlusssachen taugt das Angebot erst nach einer Freigabe, einen Termin dafür nennt Secunet nicht.

Laut Bloomberg will die EU-Kommission zudem AWS und Azure zu Gatekeepern erklären. Wo die Rechenkapazität in Deutschland steht, zeigt unsere Übersicht der zehn größten Rechenzentren.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. secunet Security Networks AGsecunet und ServiceNow: Digitale Workflows aus einer souveränen Partner Cloud (Pressemitteilung vom 13.10.2026)
  2. Bundesamt für Sicherheit in der InformationstechnikC3A: BSI veröffentlicht Souveränitätskriterien für Cloud-Dienste (Pressemitteilung vom 27.04.2026)
  3. secunet Security Networks AGsecunet wächst im ersten Halbjahr 2026 deutlich und verzeichnet starken Ergebnissprung im zweiten Quartal (Pressemitteilung vom 13.08.2026)
  4. ServiceNowT-Systems geht live als Sovereign Partner Cloud Provider in Deutschland (Pressemitteilung vom 08.09.2026)

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