Artikel teilen

In Nordenham an der Weser entstehen seit 1899 Seekabel, jetzt will der italienische Kabelkonzern Prysmian dort bis zu 300 Menschen zusätzlich einstellen. Das Werk der früheren NSW soll seine Kapazität für Telekom-Seekabel verdoppeln, unter anderem für eine 6.552 Kilometer lange Leitung von New Jersey nach England. Eine Investitionssumme und einen Zeitplan nennt der Konzern nicht.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Prysmian kündigte den Ausbau am Dienstag an, zusammen mit dem Abschluss der Übernahme des Seekabel-Spezialisten Xtera.[1] Kämen alle 300 Stellen, wüchse die Stammbelegschaft in Nordenham um mehr als die Hälfte: Im April zählte der Betriebsrat laut Nordwest-Zeitung rund 520 Stammbeschäftigte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prysmian verdoppelt in Nordenham die Kapazität für Telekom-Seekabel und will bis zu 300 Menschen einstellen.
  • Im Werk entstehen die Kabel für das Transatlantiksystem EXA Meridian, das 2029 in Betrieb gehen soll.
  • Den Ausbau verknüpft Prysmian mit der Übernahme von Xtera, bewertet mit rund 57 Millionen Euro.
  • Investitionssumme, Zeitplan und mögliche Fördermittel hat der Konzern bisher nicht genannt.

Was plant Prysmian in Nordenham?

Schnittbild eines Seekabels mit Schild „Umleitung wg. Wassereinschlag“ und blauen Lichtfasern
Werk Nordenham fertigt Telekom-Seekabel EXA Meridian zwischen New Jersey und Südwestengland mit 24 Faserpaaren und über 500 Terabit pro Sekunde

Nordenham ist im Konzern das Kompetenzzentrum für Telekom-Seekabel. Für das System EXA Meridian zwischen New Jersey und Brean in Südwestengland fertigt das Werk die Kabel, Xtera liefert optische Technik und Verstärker. Die Leitung bündelt 24 Faserpaare mit mehr als 500 Terabit pro Sekunde.[1]

Bisher liegt nur die Ankündigung vor. Das Werk produziert bereits, Einstellungen laufen seit dem Frühjahr: Damals rechnete der Betriebsrat mit 80 zusätzlichen Stammstellen für 2026. Wie viel Geld in neue Maschinen und Hallen fließt und bis wann alle 300 Stellen besetzt sein sollen, hat Prysmian offengelassen.

Warum baut Prysmian die Seekabel-Fertigung aus?

Den Ausbau begründet Prysmian mit der wachsenden Nachfrage nach Seekabeln durch KI, Cloud-Dienste und neue Rechenzentren. „Die Unterwasser-Telekommunikation ist eine wichtige Wachstumschance für Prysmian“, sagt Raul Gil, der als Executive Vice President das Übertragungsgeschäft verantwortet. Der Konzern prüft zudem ein neues Verlegeschiff eigens für Telekom-Seekabel.[1] Große Cloud-Anbieter finanzieren solche Leitungen inzwischen selbst, Google baut gleich drei neue Systeme.

Mit Xtera schließt Prysmian eine Lücke. Bisher lieferte der Konzern Kabel und Verlegung, die Verstärker im Meer kamen von anderen. Komplette Systeme aus einer Hand bieten seit Jahren vor allem ASN, SubCom und NEC an. Gekauft hat Prysmian gemeinsam mit der Werft Fincantieri, die 20 Prozent hält, zu einem Unternehmenswert von umgerechnet rund 57 Millionen Euro.

Nordenham: doppelte Kapazität für Seekabel
Was Prysmian angekündigt hat und welche Angaben noch fehlen
bis zu 300
neue Beschäftigte will Prysmian in Nordenham einstellen
rund 520
Stammbeschäftigte zählte der Betriebsrat im April 2026, dazu kamen Leiharbeiter
6.552 km
lang wird EXA Meridian zwischen New Jersey und Südwestengland, Start 2029
rund 57 Mio. €
Unternehmenswert von Xtera, umgerechnet aus 65 Millionen Dollar (Kurs 0,87)
Wo der Ausbau steht
Seit 1899
In Nordenham entstehen Seekabel, seit 2018 gehört das Werk zu Prysmian.
April 2026
Der Betriebsrat meldet 80 geplante Stammstellen für dieses Jahr.
13. Oktober 2026
Prysmian kündigt die doppelte Kapazität und bis zu 300 Einstellungen an.
Offen
Investitionssumme, Zeitplan und Förderung hat der Konzern nicht genannt.
2029
EXA Meridian soll mit Kabeln aus Nordenham in Betrieb gehen.

Ohne Seekabel bleibt jedes KI-Rechenzentrum eine Insel. Für Nordenham heißt das: Die Aufträge kommen aus der Cloud, die Arbeitsplätze bleiben an der Weser.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Was bedeutet der Ausbau für die Region?

An der Unterweser wächst damit ein kleiner Kabel-Cluster. Nebenan baut der dänische Hersteller NKT sein Werk für Zubehör von Mittelspannungskabeln aus, die Produktion soll um mehr als die Hälfte steigen, die neuen Anlagen noch 2026 voll laufen.[2] Prysmian sucht laut Stellenbörse der NSW unter anderem Maschinen- und Anlagenführer sowie Elektroniker.

Ähnlich wie Claas in Paderborn erweitert Prysmian einen gewachsenen Standort, statt auf der grünen Wiese neu zu bauen. Solche Erweiterungen haben bessere Chancen als Neuansiedlungen wie die abgesagte Intel-Fabrik in Magdeburg, weil Fläche und Fachleute schon vorhanden sind. Für Zulieferer und Dienstleister in der Region lohnt jetzt die Anfrage beim Werk, bevor die neuen Linien bestellt sind.

Für Rechenzentren wie das geplante von Schwarz Digits bei Rostock zählt die Anbindung nach Übersee. Neue Kapazität aus Nordenham geht allerdings erst gegen Ende des Jahrzehnts ans Netz, EXA Meridian soll 2029 starten. Vom KI-Boom profitieren schon heute Hersteller optischer Netztechnik wie Adtran Networks.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. PrysmianPrysmian completes Xtera acquisition and accelerates expansion in submarine telecom13.10.2026
  2. NKTNKT expands capacity at German cable accessories site in Nordenham24.11.2025

Mehr Newshunger?

4,6 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?