Shopify-Chef Tobi Lütke ließ seine Beschäftigten ab 2025 im Beurteilungsbogen einschätzen, wie selbstverständlich Kollegen mit einem per KI gebauten Prototyp ankommen. Heute sagt Lütke, die Antworten hätten nie gezählt. In Deutschland bräuchte schon dieser Fragebogen die Zustimmung des Betriebsrats.
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Lütke sprach im Podcast „Sources“ des Tech-Journalisten Alex Heath, aufgenommen im Büro der Shop-Plattform in Toronto und am 28. Oktober veröffentlicht.[1] Die Frage stammt aus seinem Memo vom April 2025, das KI-Nutzung zur Selbstverständlichkeit für alle Beschäftigten erklärte.[2] Neu ist, wie offen der Gründer heute über den Zweck spricht und über die Folgen für Beschäftigte, die mit KI wenig anfangen können.
Das Wichtigste in Kürze
- Shopify fragt seit 2025 in Leistungs- und Kollegenbeurteilungen nach der KI-Nutzung.
- Lütke sagt, die Antworten hätten für die Bewertung nie gezählt.
- KI-Skeptiker, die nicht auffallen wollen, gehören bei Shopify laut Lütke nie zu den Besten.
- Hierzulande braucht ein solcher Fragebogen die Zustimmung des Betriebsrats.
Warum fragt Shopify nach etwas, das nicht zählt?

Heath wollte wissen, ob die beiden Regeln aus dem Memo noch gelten: die KI-Fragen im Beurteilungsbogen und die Pflicht, vor jedem Antrag auf zusätzliche Stellen zu begründen, warum KI die Arbeit nicht erledigen kann. Lütke antwortete, beides laufe inzwischen von selbst, durchsetzen müsse er nichts mehr. Ob die Frage im aktuellen Bogen noch stehe, wisse er nicht.[1]
Manchmal greife man da zu kleinen Tricks, sagte Lütke über die Frage an die Kollegen. „Natürlich spielte die Antwort keine Rolle“, witzig finde er, dass die Frage überhaupt im Bogen stehe: „Manchmal kann man einem Unternehmen einfach einen Ruf verschaffen, dem es dann gerecht werden muss.“
Als Gründer habe er Werkzeuge, die ein angestellter Manager nicht besitze, sagte Lütke, etwa ein Memo an die ganze Firma, das verlangt, bei jeder Aufgabe zuerst zur KI zu greifen. Außerhalb der Firma sei das Memo umstritten gewesen, intern nicht, sagte der Shopify-Chef.[1]
Was erwartet Lütke von KI-Skeptikern?
„Ein KI-Skeptiker, der einfach versucht, nicht aufzufallen, wird in einer Firma, in der alle um ihn herum ein ganzes Rechenzentrum voller Agenten für ihre Aufgaben einsetzen, nie zu den Leistungsträgern gehören“, sagte er. Bewerbern, die nicht zur Firma passen, früh klarzumachen, dass sie dort falsch sind, hält Lütke für fast wichtiger als eine gute Karriereseite. Beschäftigten, die keine Aussicht haben, zu den Besten zu gehören, will Shopify nach seinen Worten helfen, anderswo eine passende Stelle zu finden.[1]
Duolingo ging den umgekehrten Weg. Konzernchef Luis von Ahn hatte im April 2025 ebenfalls angekündigt, die KI-Nutzung fließe in die Beurteilung ein. Im April 2026 sagte von Ahn, Duolingo habe die Regel wieder gestrichen. Beschäftigte hätten gefragt, ob sie KI nur um der KI willen einsetzen sollten. Am wichtigsten sei, die eigene Aufgabe so gut wie möglich zu erledigen.[3]
Was gilt für eine solche Frage in Deutschland?
Eine Frage zur KI-Nutzung im Beurteilungsbogen fällt hierzulande unter die Mitbestimmung. Nach § 94 des Betriebsverfassungsgesetzes brauchen Personalfragebögen und allgemeine Beurteilungsgrundsätze die Zustimmung des Betriebsrats, ohne Einigung entscheidet die Einigungsstelle.[4] Liest der Arbeitgeber die KI-Nutzung automatisch aus den Protokollen der Werkzeuge aus, gilt zusätzlich § 87 für technische Einrichtungen zur Überwachung von Verhalten und Leistung.[5]
Eine Beurteilungsfrage, deren Antwort nicht zählt, misst nichts und erzieht trotzdem.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die EU verlangt etwas anderes: Seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, nach Artikel 4 der KI-Verordnung für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen.[6] Wie groß der Schulungsbedarf werden kann, zeigt Volkswagen, das mehr als 330.000 Beschäftigte mit Copilot ausstattet. Sofern Sie KI-Fragen in der Beurteilung planen, binden Sie den Betriebsrat am besten vor dem ersten Entwurf ein und bewerten Sie Ergebnisse statt Klicks.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Sources mit Alex HeathShopify CEO on why using AI isn’t optional (Video, 28.10.2026, englisch, Passage ab 49:05)
- Tobi Lütke auf XReflexive AI usage is now a baseline expectation at Shopify (07.04.2025, englisch)
- Silicon Valley GirlDuolingo CEO: What I Tell Every Employee About Surviving AI (Video, 10.04.2026, englisch, Passage ab 4:23)
- Bundesministerium der Justiz§ 94 Betriebsverfassungsgesetz, Personalfragebogen, Beurteilungsgrundsätze
- Bundesministerium der Justiz§ 87 Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmungsrechte
- EUR-LexVerordnung (EU) 2024/1689 über künstliche Intelligenz, Artikel 4
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