Vier der größten Netzbetreiber Europas haben eine Absichtserklärung unterzeichnet: Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica prüfen ein gemeinsames Gebot für das EU-Band für Satellitenfunk aufs Handy. Die Satelliten selbst soll ein Partner liefern, der noch nicht feststeht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVor einer Woche fragte Telekom-Chef Tim Höttges noch, warum ein Handysignal 400 Kilometer ins All und zurück laufen solle, wenn die Antenne 100 Meter entfernt steht. Am Montag teilte sein Konzern zusammen mit drei Konkurrenten mit, dass sie gemeinsam um Frequenzen für mobile Satellitendienste bieten wollen.[1] Die Kritik des Telekom-Chefs galt allerdings der Großstadt, als Lückenfüller im Funkloch akzeptiert er Satelliten.
Das Wichtigste in Kürze
- Die vier Netzbetreiber prüfen ein gemeinsames Gebot für das 2-GHz-Band, das die EU neu vergeben will.
- Satelliten bauen sie nicht, einen Satellitenpartner wählen sie erst noch aus.
- Jeder Mobilfunkbetreiber in Europa soll den Dienst seinen Kunden anbieten können.
- Die Kanzlei Greenberg Traurig erwartet die Vergabe der neuen Genehmigungen erst 2029.
Was haben die vier Konzerne vereinbart?

Mit der Absichtserklärung vereinbaren die vier Konzerne, ein gemeinsames Gebot zu prüfen. Abgegeben haben sie noch keines. Der geplante Dienst verbindet das Smartphone direkt mit dem Satelliten, im Fachjargon Direct-to-Device. Alle Mobilfunkbetreiber in Europa sollen ihn ihren Kunden offen und diskriminierungsfrei anbieten dürfen. Bodenstationen sowie Koordinierung und Steuerung wollen die vier Konzerne in Europa aufbauen, die Satelliten soll ein Partner stellen.[1]
Im September hatte Bloomberg über die Gespräche berichtet, damals wollten die Konzerne nichts dazu sagen. Ein europäisches Satellitennetz gegen Starlink ist mit der Erklärung aber nicht beschlossen. Ihre bisherigen Satellitenpartnerschaften behalten die Unternehmen nach eigenen Angaben,[1] die Telekom arbeitet in Europa seit März 2026 mit Starlink zusammen.
Warum bieten die Netzbetreiber um Frequenzen statt um Satelliten?
Eine eigene Satellitenflotte kostet Milliarden. Ein Satellit im niedrigen Orbit hält nur rund fünf Jahre. Mehr zu Technik und Kosten solcher Netze lesen Sie in unserem Hintergrund Wem gehört das Internet aus dem All? Knapp sind dagegen die Frequenzen: Ohne Nutzungsrecht darf kein Anbieter ein Handy in Europa per Satellit erreichen.
In den USA hat SpaceX diesen Engpass mit Geld gelöst. Das Unternehmen kaufte Frequenzen von EchoStar und zuletzt das 800-MHz-Paket von Grain Management. Einen Vertrag über Kapazität im Netz eines etablierten Betreibers bekam Elon Musk laut Höttges nicht. Der Telekom-Chef riet den US-Betreibern, SpaceX keine Kapazität im eigenen Netz zu vermieten. Erhalten die vier Konzerne den Zuschlag, wäre der Satellitenbetreiber in Europa ihr Dienstleister und kein Konkurrent um dieselben Kunden.
Die vier Konzerne bieten für die Frequenz und mieten die Satelliten dazu. So bleibt der Kunde beim Netzbetreiber.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Die EU-Kommission will das Band in einem einzigen EU-weiten Verfahren vergeben.
Bloomberg berichtet über die Pläne, die Konzerne äußern sich nicht.
Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica bestätigen die Prüfung eines gemeinsamen Gebots.
Greenberg Traurig rechnet mit der Vergabe der neuen Genehmigungen.
Wann erreicht der Dienst die Funklöcher?
Nach dem Vorschlag der EU-Kommission vom Mai geht ein Drittel des Bandes an einen EU-Betreiber für staatliche Nutzung, gekoppelt an das Satellitenprogramm IRIS². Zwei Drittel sind für kommerzielle Dienste vorgesehen, davon die Hälfte für EU-Anbieter, die neu in den Markt eintreten.[2] Die Genehmigungen der heutigen Inhaber Viasat und EchoStar laufen im Mai 2027 aus und können um bis zu zwei Jahre verlängert werden. Die Kanzlei Greenberg Traurig rechnet mit der Vergabe der neuen Rechte 2029.[3] Im selben Jahr sollen die ersten Satelliten für das EU-Netz IRIS² starten.
Unternehmen mit Beschäftigten auf Baustellen oder im Wald planen deshalb besser nicht vor 2029 mit einem europäischen Satellitendienst fürs Handy. Bis dahin bleiben Satellitentelefone und Satellitenterminals die Lösung für Gegenden ohne Mobilfunknetz. Betreiber kritischer Anlagen fragen in Ausschreibungen am besten schon jetzt, wo Bodenstation und Steuerung eines Satellitendienstes stehen.
Quellen
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- Deutsche Telekom AGVier europäische Netzbetreiber wollen sich gemeinsam um Spektrum für mobile Satellitendienste (MSS) in Europa bewerben.
- Europäische KommissionKommission schlägt neue Genehmigung für Satellitenmobilfunkdienste für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der EU vor
- Greenberg Traurig LLPEU Commission Proposes New Authorization Regime for Mobile Satellite Services
Mehr Newshunger?
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