Die Zuckerernte 2026 fällt um rund ein Drittel schwächer aus. Mitschuld trägt ein winziges Insekt. Auf dem Südzucker-Versuchsgut Kirschgartshausen fahren deshalb solarbetriebene Roboter und Drohnen über 300 Hektar Rübenacker und suchen früh nach Befall. Die Technik soll sichern, was Dürre und die Schilf-Glasflügelzikade den Landwirten sonst kosten.

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Roboter im Zuckerrübenanbau sind bei Südzucker kein Pilotversuch mehr, sondern tägliche Praxis auf dem Versuchsgut bei Mannheim. Europas größter Zuckerhersteller sucht dort nach Antworten auf ein doppeltes Problem: ausbleibenden Regen und eine Zikade, die den Rüben den Zucker raubt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer erwartet für 2026 rund ein Drittel weniger Zucker, der Rübenertrag sinkt auf 71,3 Tonnen je Hektar.
  • Hauptursachen sind Dürre, Hitze bis 40 Grad und die Schilf-Glasflügelzikade, die die Zuckerkrankheit SBR überträgt.
  • Auf dem Südzucker-Versuchsgut Kirschgartshausen arbeiten solarbetriebene Feldroboter wie der FarmDroid FD20, Drohnen und Satellitendaten zusammen.
  • Ziel ist die frühe, punktgenaue Erkennung von Befall, damit weniger Pflanzenschutzmittel und Dünger nötig sind.

Warum bricht die Zuckerernte 2026 so stark ein?

Vergleich einer Rübe mit Schild „Gummirübe?“ und einem Agrarroboter mit Solarpanel
Zuckerertrag 2026 um ein Drittel gesunken: Trockenheit, Hitze und Schädlingsbefall reduzieren Rübenertrag auf 71,3 Tonnen je Hektar

Für 2026 rechnet der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer mit knapp 3,4 Millionen Tonnen Zucker, ein Drittel weniger als im Vorjahr. Der Rübenertrag fällt auf 71,3 Tonnen je Hektar, nach 80,3 Tonnen im Fünfjahresschnitt. Verantwortlich sind eine lange Trockenheit, Hitze bis 40 Grad und ein Schädling, der sich mit dem Klima nach Norden ausbreitet.

Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt beim Saugen an der Rübe die Bakterienkrankheit SBR, das Syndrome des basses richesses. Befallene Rüben lagern kaum noch Zucker ein und werden gummiartig weich, daher der Name Gummirübe. Ein chemisches Gegenmittel gegen die Zikade fehlt, seit die EU die Neonicotinoid-Beizen gestrichen hat.

Was leisten Roboter und Drohnen auf dem Rübenacker?

Südzucker hat den regulären Rübenhof Kirschgartshausen 2018 in ein Versuchsgut umgebaut und testet dort auf rund 300 Hektar digitale Werkzeuge für den Anbau.[1] Der solarbetriebene Feldroboter FarmDroid FD20 sät und hackt GPS-genau, ganz ohne Herbizid. Drohnen und Satellitendaten liefern ein präzises Bild jedes Feldes. Krankheiten oder Schädlingsbefall zeigen sich so früh.

Aus aktuellen Wetterdaten berechnen Prognosemodelle, wie sich die Pflanze und ein Befall weiterentwickeln. So lässt sich gezielt dort behandeln, wo ein Nest sitzt, statt den ganzen Acker zu spritzen.

Der Feldroboter ersetzt nicht den Landwirt, sondern das Pflanzenschutzmittel, das die EU verboten hat. Genau darin liegt der Grund, warum Südzucker die teure Forschungsflotte in Kirschgartshausen aufbaut.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?

Präzise Technik ersetzt zunehmend die Chemie, die der Gesetzgeber aus dem Verkehr gezogen hat. Wo Sensoren und Roboter den Boden kleinräumig kartieren, lassen sich Dünger und Pflanzenschutz gezielt statt flächig ausbringen.[2] Gezielte Ausbringung senkt für Betriebe zugleich Kosten und Auflagenrisiko, denn die EU verschärft ihre Vorgaben zur Pestizidreduktion weiter.

Der Fall zeigt, wie eng Klimawandel, Regulierung und Automatisierung inzwischen zusammenhängen. Dass die Branche dafür eigene KI-Werkzeuge braucht, zeigt sich gerade im Rübenanbau. Landwirtschaftsnahe Unternehmen sollten Robotik und Fernerkundung als Werkzeug gegen konkrete Ausfälle ernst nehmen. Südzucker will die Erkenntnisse aus Kirschgartshausen mittelfristig an die Vertragslandwirte weitergeben.

Zuckerrübe 2026: schwache Ernte, digitale Gegenwehr

Warum die Rübe leidet und womit Südzucker gegensteuert

3,4 Mio. t
Zuckerproduktion 2026, rund 1 Mio. t weniger als im Vorjahr
71,3 t
Rübenertrag je Hektar, nach 80,3 t im Fünfjahresschnitt
300 ha
Versuchsgut Kirschgartshausen, seit 2018 Südzuckers Freiluftlabor

Drei digitale Werkzeuge gegen die Gummirübe

Solar-Feldroboter
Der FarmDroid FD20 sät und hackt GPS-genau, angetrieben von Solarzellen und ganz ohne Herbizid.
Drohnen und Satellit
Luft- und Satellitenbilder erkennen Krankheiten und den Zikadenbefall früh und punktgenau.
Prognosemodelle
Algorithmen berechnen aus Wetterdaten, wie sich Pflanze und Befall weiterentwickeln.

Für die kommende Saison lohnt der Blick auf die Feldrobotik: Betriebe mit Rüben, Kartoffeln oder Gemüse können Fernerkundung und autonome Hacktechnik heute schon im Kleinen testen, bevor der nächste Zikadensommer Ertrag kostet.

Häufige Fragen zu Robotern im Zuckerrübenanbau

Was ist die Gummirübe?

Als Gummirübe gilt eine Zuckerrübe, die an der Krankheit SBR (Syndrome des basses richesses) leidet. Die Schilf-Glasflügelzikade überträgt beim Saugen ein Bakterium, die Rübe lagert dann kaum noch Zucker ein und wird gummiartig weich.

Welche Roboter nutzt Südzucker im Zuckerrübenanbau?

Auf dem Versuchsgut Kirschgartshausen fährt unter anderem der solarbetriebene FarmDroid FD20, der GPS-genau sät und hackt, ganz ohne Herbizid. Ergänzend werten Drohnen und Satellitendaten die Felder aus und erkennen Befall früh.

Warum fällt die Zuckerernte 2026 so schwach aus?

Der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer erwartet für 2026 rund ein Drittel weniger Zucker. Ursachen sind eine lange Trockenheit, Hitze bis 40 Grad und die Schilf-Glasflügelzikade; der Rübenertrag sinkt auf 71,3 Tonnen je Hektar.

Quellen

[1] Südzucker: „Agricultural Research @ Südzucker: For Sustainable and Innovative Sugar Beet Cultivation“

[2] Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: „Potenziale der Agrartechnik für eine nachhaltige Produktion in Kirschgartshausen“

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