Baidu verkauft künftig nicht nur die Software zum App-Bauen, sondern gleich die Aufträge dazu. Auf der neuen Plattform Miaoda beschreiben Firmen ihre App-Idee, Laien setzen sie per KI zusammen, abgesichert über ein Alipay-Treuhandkonto. Der Schritt macht aus dem programmierfreien Entwickeln einen Marktplatz mit Preisschild und Abnahme.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Ein Jahr nach dem Start meldet Baidus No-Code-Plattform Miaoda das 200-Fache an Nutzern und über fünf Millionen gebaute Anwendungen. Auf einer Entwicklerveranstaltung in Hangzhou hängte der Konzern am 11. September einen Auftragsmarkt daran, der Firmen mit App-Bauern zusammenbringt. Die Meldung reiht sich in Baidus breiten Vorstoß rund um kommerzielle KI ein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Baidu koppelt seine No-Code-KI Miaoda an einen Auftragsmarkt: Firmen beschreiben eine App, sogenannte OPC-Kreative bauen sie gegen Bezahlung.
  • Ein Alipay-Treuhandkonto, Live-Vorschau, Abnahme und After-Sales sollen den Handel absichern.
  • In drei Jahren peilt Baidu 30 Millionen vermittelte Aufträge, eine Million Entwickler und rund 12,8 Millionen Euro Auftragsvolumen an.
  • Für den DACH-Raum bleibt Miaoda vorerst tabu: Das Modell ERNIE liegt außerhalb der EU, Haftung und Datenschutz sind ungeklärt.

Was macht Baidus No-Code-Marktplatz anders?

Weiße Box mit Aufschrift
Miaoda wandelt Alltagsbeschreibungen mit Baidus KI-Modell ERNIE in lauffähige Apps um. Firmen beauftragen App-Entwicklung, OPC-Kreative setzen diese um

Miaoda erzeugt aus einer Beschreibung in Alltagssprache eine lauffähige App, weil im Hintergrund Baidus Sprachmodell ERNIE mehrere KI-Agenten für Entwurf, Test und Schnittstellen koordiniert. Der eigentliche Bruch steckt aber im Geschäftsmodell. Miaoda verbindet zwei Seiten: Firmen stellen einen App-Auftrag ein oder übergeben eine bestehende Anwendung, sogenannte OPC-Kreative übernehmen den Bau. Bezahlung, Live-Vorschau, Abnahme und After-Sales laufen über die Plattform, das Geld parkt bis zur Abnahme auf einem Alipay-Treuhandkonto, wie das Wirtschaftsportal Jiemian berichtet.[1]

Wo Baidu über die westlichen App-Baukästen hinausgeht?

No-Code-Baukästen mit KI gibt es reichlich. Lovable, Replit und Base44 erzeugen aus einem Satz komplette Web-Apps, Wix kaufte Base44, Google testet mit Opal Ähnliches, und der Markt füllt inzwischen einen ganzen Vergleich der KI-Webdesign-Tools. Alle verkaufen jedoch Werkzeug, nicht Vermittlung. Baidu dreht daraus einen Gig-Markt, auf dem die KI baut und ein Marktplatz mit Treuhand die Aufträge verteilt.

Der Haken zeigt sich in der zweiten Woche. Generierte Software braucht Sicherheitsprüfung, Tests, Backups und Pflege, und genau diese Last verschiebt ein Auftragsmarkt vom Anbieter zum Besteller. Auf drweb.de führt der Fall Vibecoding vor, wie KI-Agenten das gemeinsame Code-Wissen im Team aushöhlen.

Baidu verkauft nicht mehr das Werkzeug, sondern den fertigen Auftrag. Damit wird aus dem Bau-billig-Versprechen der KI ein Markt, auf dem am Ende der Besteller die Wartung zahlt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was der Auftragsmarkt für Agenturen im DACH-Raum bedeutet?

Für deutsche Agenturen und Freelancer bleibt Miaoda vorerst kein Kanal. ERNIE steht außerhalb der EU, eine datenschutzkonforme Nutzung ist ungeklärt, und die Haftung für eine per Marktplatz bestellte App bleibt beim Betreiber statt bei der KI. Der Trend rückt trotzdem näher, deshalb gehören Verantwortung und Gewährleistung für generierten Code künftig in jeden Vertrag. Wichtiger noch wiegt die Pflege: Der GitLab-Ansatz gegen die Flut an KI-Code zeigt, dass geprüfte Agenten und Freigaben nötig werden, bevor generierte Software in Produktion geht.

Baidus No-Code-Marktplatz in Zahlen
Erreicht im ersten Jahr und die Ziele für die nächsten drei Jahre
5 Mio.
Apps bauten Nutzer im ersten Jahr auf Miaoda
200-fach
wuchs die Nutzerzahl von Miaoda binnen eines Jahres
30 Mio.
vermittelte Aufträge peilt Baidu in drei Jahren an
12,8 Mio. €
Auftragsvolumen soll der Marktplatz in drei Jahren vermitteln

Konkret heißt das: Herkunft des Modells und Datenschutz klären, den Wartungsvertrag einpreisen, bevor die erste per KI gebaute App live geht. Für Baidu selbst ist der Marktplatz vor allem der Versuch, aus einem Gratis-Werkzeug ein Geschäft zu machen, wie schon bei den KI-Kurzdramen des Konzerns.

Häufige Fragen

Was ist Baidu Miaoda?

Miaoda ist Baidus No-Code-Plattform: Aus einer Beschreibung in Alltagssprache erzeugt sie per Sprachmodell ERNIE eine lauffähige App, Website oder ein kleines Spiel, ohne dass Nutzer programmieren. Seit dem 11. September 2026 kommt ein Auftragsmarkt hinzu, der Firmen mit App-Bauern zusammenbringt.

Wie funktioniert der Auftrags-Marktplatz von Miaoda?

Firmen stellen einen App-Auftrag ein oder übergeben eine bestehende Anwendung, sogenannte OPC-Kreative übernehmen den Bau. Bezahlung, Live-Vorschau, Abnahme und After-Sales laufen über die Plattform. Das Honorar parkt bis zur Abnahme auf einem Alipay-Treuhandkonto.

Ist Baidu Miaoda in Deutschland nutzbar?

Praktisch nicht. Das zugrunde liegende Modell ERNIE wird außerhalb der EU betrieben, eine datenschutzkonforme Nutzung im DACH-Raum ist ungeklärt. Für eine per Marktplatz bestellte App bleibt zudem die Haftung beim Betreiber, nicht bei der KI.

Quelle

[1] Jiemian: „Baidu Miaoda veröffentlicht AI-Auftragsplattform und verbindet Firmenbedarf mit OPC-Kreativen“

Mehr Newshunger?

4,5 18 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?