Das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg bei Aachen hat am Dienstag, 3. November, beim Amtsgericht Aachen ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren beantragt.[1] Das ist eine Form des Insolvenzverfahrens: Die Geschäftsführung bleibt im Amt, ein gerichtlich bestellter vorläufiger Sachwalter überwacht sie.[1] Betroffen sind rund 1.200 Beschäftigte.[2]
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Der Krankenhausbetrieb läuft laut Alexianer-Gruppe uneingeschränkt weiter, Löhne und Gehälter seien abgesichert.[1] Ob Stellen wegfallen, hat die Geschäftsführung nicht gesagt. Stand ist Freitag, 6. November: Der Antrag liegt vor, eine Eröffnung des Verfahrens oder einen Sanierungsplan nennen die Quellen nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg hat am 3. November ein vorläufiges Eigenverwaltungsverfahren beantragt, rund 1.200 Beschäftigte sind betroffen.
- Die Verluste summierten sich laut WDR bis einschließlich 2024 auf knapp elf Millionen Euro, die Geschäftsführung nennt dazu Kosten für Energie, Medizinprodukte und Personal sowie das GKV-Gesetz.
- Der Betrieb läuft weiter, ob Stellen wegfallen, ist offen: Medienberichten zufolge strebt die Klinikleitung keinen pauschalen Abbau an, die Neuausrichtung soll bis 2029 dauern.
- Andere Standorte der Alexianer sind nach deren Angaben nicht betroffen.
Was hat die Alexianer-Gruppe zum Bethlehem mitgeteilt?

Geschäftsführer Tobias Holzschneider nennt gestiegene Kosten für Energie, Medizinprodukte und Personal als Ursache. Dazu komme ein Gesetz des Bundes: „Allein durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz gehen wir am Standort Stolberg von einem zusätzlichen Minus in Millionenhöhe aus.“[1] Eine Summe nennt er nicht, ebenso wenig die Gesamthöhe der Schulden.
Nach Angaben des WDR summierten sich die Verluste bis einschließlich 2024 auf knapp elf Millionen Euro, spätere Ergebnisse sind darin nicht berücksichtigt.[3] Die Alexianer halten seit dem 1. Juli 2021 die Mehrheit, zuvor gehörte das Zentrum der Stiftung Katholische Kirchengemeinde St. Lucia.[2] Die Gruppe beschäftigt 35.000 Menschen und setzte 2025 rund 2,5 Milliarden Euro um.[1]
Der Geschäftsführung stehen der vorläufige Sachwalter Dr. Mark Boddenberg von der Kanzlei Görg und Rechtsanwalt Till Forster von White & Case als Generalhandlungsbevollmächtigter zur Seite.[1] Forster nennt „die Ordnung der Leistungsbereiche und des Personalaufwands“ als zentrale Punkte der Sanierung. Welche Abteilungen betroffen sind, steht nicht in der Mitteilung. Medienberichten zufolge gehören sechs Fachkliniken, eine Radiologie und die größte Geburtsklinik der Städteregion Aachen zum Haus.
Die Aachener Zeitung nennt in der Überschrift eines Videobeitrags Stellenabbau, weniger Intensivbetten und die Geburtsklinik als Themen.[5] Den Inhalt konnten wir nicht prüfen, belegt ist davon bisher nichts. Nach Medienberichten sagt die Klinikleitung, sie strebe keinen pauschalen Stellenabbau an und prüfe, ob Beschäftigte in andere Bereiche oder Einrichtungen wechseln können.
Warum geraten Kliniken wie das Bethlehem unter Druck?
Krankenhäuser können ihre Preise nicht selbst anheben, die Vergütung folgt Fallpauschalen und den Landesbasisfallwerten. Steigen Energie, Material und Gehälter schneller als die Erlöse, wächst die Lücke von Jahr zu Jahr. Dazu kommt das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das der Bundesrat am 10. Juli passieren ließ und das die Krankenkassenbeiträge bis 2030 stabilisieren soll.[4] Sechs Länder, darunter Bremen und Niedersachsen, wollten den Vermittlungsausschuss anrufen und warnten vor Folgen für Kliniken in der Umsetzung der Krankenhausreform. Die Koalition sagte im Gegenzug finanzielle Entlastungen für Krankenhäuser und weniger Bürokratie zu.[4]
Wie viel davon in Stolberg ankommt, ist offen. Ein Teil der Zusage ist die geringere Prüfquote des Medizinischen Dienstes bei unauffälligen Abrechnungen, die die Koalitionsfraktionen auf rund 1.000 Euro Ersparnis je Klinik und Jahr beziffern. Neben knapp elf Millionen Euro Verlust bis 2024 ist das ein kleiner Posten.
Das Bethlehem ist nicht der einzige Fall. Der Bremer Klinikverbund Geno bekommt vom Senat einen Kredit über 293 Millionen Euro, im Gegenzug sollen rund 560 Stellen wegfallen. Auch dort nennt der Senat das GKV-Spargesetz unter den Ursachen. Das Fachmedium kma schreibt, mit dem Bethlehem gehe „das nächste Krankenhaus“ in die Eigenverwaltung.[2]
Was bedeutet das für Beschäftigte, Lieferanten und die Region?
Für die Beschäftigten ist zunächst die Lohnfortzahlung entscheidend. Bei einem Insolvenzverfahren zahlt die Agentur für Arbeit für bis zu drei Monate Insolvenzgeld (§ 165 SGB III), die Alexianer nennen die Löhne und Gehälter in ihrer Mitteilung „abgesichert“.[1] Bei konfessionellen Trägern vertritt in der Regel eine Mitarbeitervertretung die Beschäftigten, nicht ein Betriebsrat. Eine Stellungnahme von Mitarbeitervertretung oder Gewerkschaft liegt in den Quellen nicht vor.
Die Region reagiert besorgt. Die Bundestagsabgeordneten Catarina dos Santos-Wintz und Claudia Moll nennen das Haus eine wichtige Säule der Versorgung, besonders in der Geburtshilfe. Der Landtagsabgeordnete Daniel Scheen-Pauls fordert ein Konzept, das ernst gemeint ist: „Die Insolvenz in Eigenverwaltung darf keine Schließung auf Raten sein.“[6] Am Mittwochabend gab es eine Mahnwache vor dem Haus.[6]
Lieferanten zahlt die Klinik nach eigenen Angaben ab Verfahrensbeginn pünktlich.[1] Forderungen aus der Zeit davor gelten nach Eröffnung des Verfahrens als Insolvenzforderungen, die beim Sachwalter oder Insolvenzverwalter anzumelden sind. Dienstleister und Zulieferer in der Städteregion sollten ihre offenen Posten jetzt zusammenstellen und die Mitteilungen des Sachwalters verfolgen. Auch bei der Fiege-Gesellschaft für Galeria-Lager in Unna hängen nach dem Insolvenzantrag 1.250 Stellen in der Schwebe.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Alexianer-Verbund: „Bethlehem Gesundheitszentrum Stolberg saniert sich in Eigenverwaltung“ (Pressemitteilung)
- kma Online: „Alexianer-Verbund: Das Bethlehem in Stolberg ist insolvent“
- WDR: „Stolberger Krankenhaus insolvent“ (3. November 2026); die Verlustzahl wurde über die Wiedergabe von BibliomedManager (4. November 2026) geprüft
- Deutsches Ärzteblatt: „GKV-Reform passiert Bundesrat, Entlastung für Kliniken und Pharma versprochen“
- Aachener Zeitung: „Stellenabbau, weniger Intensivbetten, Sorge um die Geburtsklinik: Das steckt hinter der Bethlehem-Insolvenz“ (5. November 2026, Videobeitrag, nur Überschrift geprüft)
- Antenne AC: „Stolberg: Insolvenz beim Bethlehem Gesundheitszentrum“ (3. November 2026); zur Mahnwache: Nach Insolvenz: Mahnwache vorm Bethlehem-Gesundheitszentrum
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