Die Commerzbank hat im dritten Quartal 859 Millionen Euro Nettogewinn verdient, 45 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Kosten lagen mit 1.677 Millionen Euro exakt auf dem Vorjahreswert. Rund ein Drittel des Zuwachses beim operativen Ergebnis stammt nach Rechnung der Redaktion aus geringeren Vorsorgen für Rechtsrisiken der polnischen Tochter mBank. Beim Zinsüberschuss senkt die Bank ihre Jahresprognose sogar.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 4 Abschnitte
Die Commerzbank hat am 5. November ihre Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt und nach neun Monaten das beste Ergebnis ihrer Geschichte gemeldet: 2,7 Milliarden Euro Nettoergebnis, 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.[1] Der Vorstand bestätigt das Gewinnziel von mindestens 3,4 Milliarden Euro für 2026 und senkt die Prognose für den Zinsüberschuss leicht.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Das Nettoergebnis stieg im dritten Quartal um 45 Prozent auf 859 Millionen Euro, nach neun Monaten um 41 Prozent auf 2.669 Millionen Euro.
- Die Erträge wuchsen im Quartal um 9 Prozent auf 3.199 Millionen Euro, die Kosten blieben mit 1.677 Millionen Euro unverändert.
- Das Gewinnziel für 2026 von mindestens 3,4 Milliarden Euro gilt weiter, die Prognose für den Zinsüberschuss sinkt von 8,6 auf 8,5 Milliarden Euro.
- Die Übernahme durch UniCredit soll im vierten Quartal oder spätestens Anfang 2027 abgeschlossen sein, weitere Freigaben stehen noch aus.
Woher kommt der Gewinnsprung im dritten Quartal?

Die Erträge stiegen um 9 Prozent auf 3.199 Millionen Euro, die Kosten blieben mit 1.677 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahresquartals.[1] Das operative Ergebnis wuchs dadurch um 25 Prozent auf 1.312 Millionen Euro, das Nettoergebnis um 45 Prozent auf 859 Millionen Euro.[1]
Einen Teil des Zuwachses erklärt die polnische Tochter. Die mBank buchte für Rechtsrisiken aus Fremdwährungskrediten nur noch 18 Millionen Euro Vorsorge, im Vorjahresquartal waren es 107 Millionen Euro.[1] Nach Rechnung der Redaktion macht diese Differenz von 89 Millionen Euro rund ein Drittel des Zuwachses beim operativen Ergebnis aus, der 265 Millionen Euro beträgt. Ohne diesen Effekt läge das Plus rechnerisch bei etwa 17 Prozent.
Im Kerngeschäft wuchs der Provisionsüberschuss um 9 Prozent auf 1.072 Millionen Euro, der Zinsüberschuss um gut 3 Prozent auf 2.115 Millionen Euro.[1] In Euro gerechnet brachte das Gebührengeschäft mit 87 Millionen Euro mehr Zuwachs als die Zinsen mit 71 Millionen Euro. Bei Privat- und Unternehmerkunden in Deutschland trieben das Wertpapiergeschäft und das neue Preismodell für das Girokonto die Erträge, das Segment erzielte mit 485 Millionen Euro sein bestes operatives Quartalsergebnis.[1] Auch die Deutsche Bank wuchs im dritten Quartal vor allem mit Kundengeld.
Was ändert sich an der Prognose für 2026?
Das Gewinnziel bleibt bei mindestens 3,4 Milliarden Euro, die Erträge sollen unverändert rund 13,2 Milliarden Euro erreichen.[1] Beim Zinsüberschuss rechnet die Bank nun mit rund 8,5 statt 8,6 Milliarden Euro und nennt den verstärkten Wettbewerb um Einlagen als Grund. Dafür erwartet sie aus Fair-Value-Ergebnis und sonstigen Erträgen rund 0,4 statt 0,3 Milliarden Euro.[1]
Nach neun Monaten steht das Nettoergebnis bei 2.669 Millionen Euro. Für das Ziel von 3,4 Milliarden Euro bleiben rechnerisch mindestens 731 Millionen Euro für das vierte Quartal, weniger als die 859 Millionen Euro im dritten und auch weniger als die 898 Millionen Euro im zweiten.[1] Das ist eine Rechnung der Redaktion, eine Quartalsprognose nennt die Bank nicht.
Im Vorjahreszeitraum hatten Restrukturierungsaufwendungen das Nettoergebnis gedrückt, ohne sie lag es bei 2,3 Milliarden Euro.[1] Gegen diesen Wert wächst der Gewinn nach Rechnung der Redaktion um rund 16 statt um 41 Prozent.
Aktionäre bekommen weiter Geld zurück: Seit Anfang September läuft ein Aktienrückkauf über bis zu 1,2 Milliarden Euro, von dem die Bank Aktien im Umfang von rund 70 Prozent zurückgekauft hat. Insgesamt will sie für 2026 rund 3,2 Milliarden Euro an Aktionäre zurückgeben.[1]
Die Erträge wachsen um 9 Prozent, die Kosten um null. Aus dieser Schere entsteht der Gewinnsprung.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie geht es mit der UniCredit-Übernahme weiter?
Die Freigabe der EZB ohne Obergrenze für UniCredit gilt seit dem 15. Oktober. Der Abschluss des Übernahmeangebots steht noch unter dem Vorbehalt weiterer Freigaben, die Commerzbank rechnet damit im vierten Quartal oder spätestens Anfang 2027.[1] Vorstandschefin Bettina Orlopp sagte: „Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit UniCredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen.“[1]
Für Firmenkunden mit hohen Guthaben ist der Wettbewerb um Einlagen die wichtigste Zahl im Bericht: Die Bank selbst begründet damit ihre gesenkte Zinsprognose. Mittelständler können damit bei der nächsten Verhandlung bessere Konditionen auf Tagesgeld und Festgeld verlangen. Die Empfehlung ist eine Einschätzung der Redaktion; die Commerzbank nennt in der Mitteilung keine Konditionen.
Quelle
[1] Commerzbank AG: „Commerzbank erzielt bestes Neunmonatsergebnis der Konzerngeschichte“ (Pressemitteilung, 5. November 2026)
Mehr Newshunger?
- Commerzbank: So nah ist UniCredit an der Kontrolle
- Die Deutsche Bank verdient 1,9 Mrd. Euro und meldet das dritte Rekordquartal in Folge
- Wie verdient die Commerzbank im Zinsumbruch?
- Commerzbank-Übernahme: BaFin verhängt 320.000 Euro Bußgeld gegen Nomura
- Lebt die Deutsche Bank noch vom Investmentbanking?
- Frühstartrente: Anbieter stellen die Anträge, der Bund erstattet 5,7 Millionen Euro nicht
