Unten das schlechteste Leben, das Sie sich vorstellen können, oben das beste: Auf welcher von elf Sprossen stehen Sie gerade? Diese eine Frage stellt Gallup jedes Jahr mindestens 1.000 Menschen in jedem Land. Seit 2018 antworten die Finnen am zufriedensten, obwohl Amerikaner je Kopf knapp ein Drittel mehr erwirtschaften.
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- Was ist der Weltglücksbericht, und warum geht er Ihren Betrieb an?
- Wie misst der Bericht das Glück?
- Woher kommt die Idee, Glück statt Wachstum zu messen?
- Wie viel vom Glück erklärt das Geld?
- Wer gewinnt, wer verliert beim Glück?
- Was sagen die Belege über Geld und Zufriedenheit?
- Wie messen andere Länder ihren Wohlstand?
- Was geht beim Glücksranking nicht auf?
- Welche Wege gibt es?
- Was heißt das für Ihr Unternehmen?
- Unsere Einordnung
- Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zur Messung von Glück und Wohlstand
- FAQ: Im Weltglücksbericht liegt Costa Rica vor den reichen USA
Die Größen, die Länder im Glücksranking nach oben bringen, heißen Vertrauen, Entscheidungsfreiheit und Zusammenhalt. Dieselben Größen entscheiden darüber, ob Fachkräfte bleiben. Deutschland steht 2026 auf Platz 17, fünf Plätze höher als im Vorjahr, während die Bundesregierung ihre Wohlfahrtsindikatoren gerade aus dem Jahreswirtschaftsbericht gestrichen hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Der World Happiness Report ordnet 147 Länder allein nach der Selbsteinschätzung ihrer Bürger auf einer Leiter von 0 bis 10. Finnland führt zum neunten Mal in Folge, Costa Rica steht auf Platz 4, die USA auf Platz 23.
- Das Einkommen ist die größte von sechs Einflussgrößen. Unter reichen Ländern entscheiden aber Vertrauen, Freiheit und Gesundheit: Sie bringen Finnland rund siebenmal so viel Vorsprung, wie die USA beim Einkommen gewinnen.
- Deutschland gehört zu nur vier westlichen Industrieländern, in denen die Zufriedenheit seit 2006 gestiegen ist, auch weil der Abstand zwischen Ost und West verschwunden ist. Verloren haben vor allem junge Menschen.
- Neuseeland hat 2026 seinen Bericht zum Wohlergehen der Bevölkerung abgeschafft, Deutschland das Wohlfahrtskapitel im Jahreswirtschaftsbericht. Für Betriebe bleiben Vertrauen, Spielraum und Zugehörigkeit die billigsten Hebel.
1 Wie bildet der World Happiness Report die Rangliste der Länder? Aufklappen ↓
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2 Auf welchem Platz liegt Costa Rica im Bericht 2026? Aufklappen ↓
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3 Wie viele westliche Industrieländer haben seit 2006 signifikant an Lebenszufriedenheit gewonnen? Aufklappen ↓
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4 Was hat die Bundesregierung im Jahreswirtschaftsbericht 2026 gestrichen? Aufklappen ↓
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5 Um wie viel produktiver waren Versuchspersonen, die vorher glücklicher gemacht wurden? Aufklappen ↓
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Was ist der Weltglücksbericht, und warum geht er Ihren Betrieb an?

Eine Rangliste der Lebenszufriedenheit in 147 Ländern, die seit 2012 erscheint. Der Bericht zeigt jedes Jahr aufs Neue, dass die Wirtschaftsleistung die Plätze an der Spitze nicht erklärt und benennt, was stattdessen zählt: Vertrauen, Entscheidungsfreiheit, Gesundheit und Menschen, auf die man sich verlassen kann.
Am 19. März 2026 erschien der World Happiness Report 2026, einen Tag vor dem Internationalen Tag des Glücks. Herausgeber ist das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford, zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Gallup und dem Netzwerk für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDSN). Zu den Herausgebern gehören die Ökonomen John Helliwell, Richard Layard, Jeffrey Sachs und Jan-Emmanuel De Neve.
Finnland führt mit 7,764 von 10 Punkten, zum neunten Mal in Folge.
Dahinter folgen Island mit 7,540 und Dänemark mit 7,539 Punkten. Auf Platz 4 steht Costa Rica mit 7,439 Punkten, die beste Platzierung, die ein lateinamerikanisches Land je erreicht hat. Die übrigen Plätze unter den ersten zehn gehen an Schweden, Norwegen, die Niederlande, Israel, Luxemburg und die Schweiz.
Deutschland liegt mit 6,882 Punkten auf Platz 17, fünf Plätze besser als im Vorjahr und vor Österreich (19), den USA (23), Großbritannien (29) und Frankreich (35). Wie es um die Stimmung im Land jenseits dieser Rangliste steht, haben wir in Geht Deutschland den Bach runter? nachgerechnet.
Am Ende der Liste steht Afghanistan mit 1,446 Punkten. Für das Land liegen nur Daten aus dem Jahr 2023 vor, in den beiden Jahren danach war keine Befragung möglich.
Zwischen Spitze und Schluss liegen mehr als sechs Punkte, die ersten 20 Länder trennt dagegen weniger als ein Punkt.
Für Unternehmer ist die Rangliste mehr als eine Kuriosität aus der Wirtschaftspresse. Die Größen, mit denen der Bericht die Unterschiede zwischen Ländern erklärt, entscheiden auch im Betrieb über Bindung und Leistung. Ein Arbeitgeber, der seine Leute halten will, konkurriert um genau das, was Finnland und Dänemark an die Spitze bringt.
Und die Zahl der Länder, in denen Menschen ihr Leben heute besser bewerten als vor 15 Jahren, ist größer als die Zahl derer, in denen es schlechter wurde. Im Westen gilt das nur für vier Länder. Deutschland ist eines davon.
Wirtschaftsleistung je Kopf: BIP je Einwohner 2024 nach Kaufkraftparitäten laut Weltbank, als Anteil am Wert der USA. Herausgeber des Berichts: Wellbeing Research Centre der Universität Oxford mit Gallup und dem UN-Netzwerk SDSN.
Wie misst der Bericht das Glück?

Mit einer einzigen Frage: Auf welcher Stufe einer Leiter von 0 bis 10 steht Ihr Leben gerade? Der Rang eines Landes ergibt sich allein aus dem Durchschnitt dieser Antworten über drei Jahre, nicht aus dem BIP und nicht aus einem gewichteten Index.
Die Frage geht auf den amerikanischen Sozialforscher Hadley Cantril zurück und heißt deshalb Cantril-Leiter. Gallup stellt sie im Gallup World Poll so: Stellen Sie sich eine Leiter vor, deren Sprossen von 0 ganz unten bis 10 ganz oben nummeriert sind. Oben steht das bestmögliche Leben für Sie, unten das schlechtestmögliche. Auf welcher Sprosse stehen Sie nach Ihrem Gefühl gerade?
Befragt werden in jedem Land mindestens 1.000 Menschen ab 15 Jahren, in großen Ländern wie China mindestens 2.000, am Telefon oder persönlich. Gallup gewichtet die Antworten so, dass sie der Bevölkerung entsprechen.
Für die Rangliste 2026 haben die Autoren die Jahre 2023 bis 2025 zusammengefasst. Mit rund 3.000 Antworten je Land wird der Mittelwert genauer als mit 1.000.
Viele Leser halten den Bericht für einen Index aus Einkommen, Lebenserwartung und Korruption. Die Herausgeber widersprechen ausdrücklich: Viele Menschen glaubten fälschlich, man nutze die sechs erklärenden Faktoren, um die Rangliste zu bilden.
„Das tun wir nicht.“
Jeder Index, so die Begründung, spiegele die Urteile seiner Macher darüber, was hineingehört. Die Rangliste solle stattdessen allein das Urteil der Befragten über ihr eigenes Leben abbilden.
Gemessen wird also keine Laune, sondern eine Bilanz.
Der Bericht unterscheidet zwischen dem Gefühl im Moment und der Bewertung des Lebens als Ganzes. Die Befragten antworten je nach Frage deutlich verschieden. Gefühle schwanken mit dem Wochentag, das Urteil über das Leben kaum. Eine Frage nach dem Glück von gestern ergibt deshalb eine andere Rangliste als der Weltglücksbericht.
Auch ein Mittelwert aus 3.000 Antworten bleibt unscharf. Der Bericht weist deshalb für jedes Land ein 95-Prozent-Konfidenzintervall für den Rang aus. Finnland liegt mit hoher Sicherheit auf Platz 1, die Plätze 2 bis 4 sind statistisch nicht zu trennen.
Deutschland könnte mit derselben Sicherheit irgendwo zwischen Platz 10 und Platz 26 liegen, die USA zwischen 12 und 30.
- Frage: eine einzige, die Cantril-Leiter von 0 bis 10
- Stichprobe: mindestens 1.000 Befragte je Land und Jahr, gemittelt über drei Jahre
- Rang: allein aus den Antworten, nicht aus BIP oder Index
- Unschärfe: Deutschland liegt mit 95 Prozent Sicherheit zwischen Platz 10 und 26
Woher kommt die Idee, Glück statt Wachstum zu messen?

Aus der Wirtschaftswissenschaft der 1970er-Jahre und aus Bhutan. Der Ökonom Richard Easterlin zeigte 1974, dass die Amerikaner seit dem Zweiten Weltkrieg trotz steigender Einkommen im Schnitt kaum zufriedener geworden waren. Bhutan brachte die Frage 2011 vor die Vereinten Nationen.
Easterlins Aufsatz trug den Titel „Does Economic Growth Improve the Human Lot?“, auf Deutsch etwa: Verbessert Wirtschaftswachstum das Los der Menschen? Sein Befund hat zwei Seiten. Innerhalb eines Landes sind Menschen mit höherem Einkommen zufriedener als ärmere. Über die Jahrzehnte aber stieg das Durchschnittsglück in den USA ab 1946 kaum, obwohl das Einkommen kräftig wuchs. Dieser Widerspruch heißt seither Easterlin-Paradox.
Das Königreich Bhutan im Himalaja misst sein Bruttonationalglück mit einer eigenen Erhebung, die Verfassung von 2008 verpflichtet den Staat darauf. Auf Initiative Bhutans nahm die UN-Generalversammlung am 19. Juli 2011 die Resolution 65/309 an. Die Resolution lädt die Mitgliedstaaten ein, das Glück ihrer Bürger zu messen und in der Politik zu berücksichtigen.
Der erste World Happiness Report wurde am 2. April 2012 bei einem UN-Treffen in New York vorgestellt. Im selben Jahr erklärte die Generalversammlung den 20. März zum Internationalen Tag des Glücks.
Parallel hatte der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy 2008 eine Kommission um die Ökonomen Joseph Stiglitz, Amartya Sen und Jean-Paul Fitoussi eingesetzt. Ihr Bericht vom September 2009 nennt zwölf Empfehlungen. Statistiker sollen Einkommen und Konsum der Haushalte stärker beachten als die bloße Produktion, die Verteilung ausweisen, unbezahlte Arbeit erfassen und das subjektive Wohlbefinden der Menschen erheben. Die EU-Kommission antwortete im selben Jahr mit einer Mitteilung unter dem Titel „Das BIP und mehr“.
Die Idee, Glück zu messen, stammt aus Easterlins Paradox von 1974 und aus Bhutans Bruttonationalglück. Seit der UN-Resolution von 2011 erscheint der Weltglücksbericht jedes Jahr zum 20. März.
Wie viel vom Glück erklärt das Geld?

Viel, aber nicht die Reihenfolge an der Spitze. Sechs Faktoren erklären gut drei Viertel der Unterschiede zwischen den Ländern, das Einkommen erklärt davon am meisten. Unter den reichen Ländern entscheiden jedoch Vertrauen, Freiheit und Gesundheit.
Der Bericht zerlegt die Werte der Länder statistisch in sechs Bestandteile: das logarithmierte BIP pro Kopf, die soziale Unterstützung (Haben Sie Verwandte oder Freunde, auf die Sie in der Not zählen können?), die gesunde Lebenserwartung, die Freiheit, über das eigene Leben zu entscheiden, die Großzügigkeit, gemessen an Spenden, und die wahrgenommene Korruption in Staat und Wirtschaft.
Mit Daten aus den Jahren 2006 bis 2025 erklären diese sechs Größen nach Rechnung der Autoren mehr als drei Viertel der Unterschiede zwischen Ländern und Jahren. Der Rest bleibt unerklärt.
Als Vergleichsmaßstab dient ein erfundenes Land namens Dystopia, das bei allen sechs Faktoren den schlechtesten Wert aller Länder hat. Die Menschen dort kämen auf 1,16 Punkte. Jeder Balken im Bericht zeigt, wie viele Punkte ein Land über Dystopia hinaus jedem Faktor verdankt.
Beim Einkommen liegen die reichsten Länder vorn: Singapur verdankt seiner Wirtschaftsleistung 2,17 Punkte, Luxemburg 2,16, die USA 2,00, Finnland 1,92 und Costa Rica 1,70.
In der Rangliste steht Singapur trotzdem nur auf Platz 36, Costa Rica auf Platz 4.
Dass der Abstand beim Einkommen in Punkten so klein wirkt, liegt am Logarithmus. Jede Verdopplung des Einkommens bringt ungefähr gleich viel Zufriedenheit: der Schritt von 10.000 auf 20.000 Euro so viel wie der von 50.000 auf 100.000.
Je reicher ein Land schon ist, desto teurer wird jeder weitere Zehntelpunkt.
Laut Weltbank erwirtschaftete ein Amerikaner 2024 kaufkraftbereinigt knapp ein Drittel mehr als ein Finne. Trotzdem liegt Finnland im Weltglücksbericht 0,95 Punkte vorn. Die Zerlegung zeigt, woher der Abstand kommt.
| Bestandteil | Finnland (1) | Deutschland (17) | USA (23) | Costa Rica (4) |
|---|---|---|---|---|
| Einkommen (BIP pro Kopf) | 1,92 | 1,95 | 2,00 | 1,70 |
| Soziale Unterstützung | 1,64 | 1,49 | 1,52 | 1,48 |
| Gesunde Lebenserwartung | 0,94 | 0,88 | 0,68 | 0,74 |
| Entscheidungsfreiheit | 1,10 | 0,95 | 0,78 | 1,10 |
| Großzügigkeit | 0,09 | 0,14 | 0,15 | 0,06 |
| Wahrgenommene Korruption | 0,49 | 0,35 | 0,15 | 0,12 |
| Dystopia und Restgröße | 1,58 | 1,13 | 1,53 | 2,24 |
| Gesamtwert | 7,764 | 6,882 | 6,816 | 7,439 |
Beim Einkommen liegen die USA 0,09 Punkte vorn, bei der Großzügigkeit 0,06. Finnland holt rund siebenmal so viel wieder herein: 0,34 Punkte bei der wahrgenommenen Korruption, 0,33 bei der Entscheidungsfreiheit, 0,26 bei der gesunden Lebenserwartung und 0,12 bei der sozialen Unterstützung.
Das Vertrauen in Staat und Wirtschaft ist dabei keine weiche Größe.
Misstrauen gegenüber Behörden und Gerichten kostet Zeit, Anwälte und Absicherung, wie unser Artikel Mit der Gewerbeimmobilie kaufen Sie ein Rechtssystem mit am Beispiel von Investoren zeigt.
Bei Costa Rica erklären die sechs Faktoren nur einen Teil des Werts: Der Rest, den der Bericht als Dystopia plus Restgröße ausweist, beträgt 2,24 Punkte, bei Singapur 0,25. Die Costa-Ricaner bewerten ihr Leben also deutlich besser, als Einkommen, Gesundheit und Vertrauen vorhersagen.
Deutschland liegt beim Einkommen mit 1,95 Punkten sogar knapp vor Finnland, bei Entscheidungsfreiheit, sozialer Unterstützung und Korruption dahinter. Den größten Einzelposten im Abstand von 0,88 Punkten erklären die sechs Faktoren aber gar nicht: 0,45 Punkte stecken in der Restgröße.
Ob Deutsche strenger urteilen oder ihnen etwas fehlt, das der Bericht nicht misst, lässt sich aus den Daten nicht sagen.
Ob für den Einzelnen eher das Einkommen oder das Vermögen den Ausschlag gibt, haben wir in Macht Vermögen zufriedener als ein hohes Einkommen? untersucht.
- Einkommen: größter Einzelfaktor, aber mit abnehmendem Ertrag je Euro
- Finnland gegen USA: 0,95 Punkte Vorsprung, vor allem durch Vertrauen, Freiheit und Gesundheit
- Costa Rica: 2,24 Punkte, die keiner der sechs Faktoren erklärt
- Deutschland: beim Einkommen vor Finnland, bei Freiheit und Zusammenhalt dahinter
Wer gewinnt, wer verliert beim Glück?

Gewonnen haben seit 2006 die meisten Länder der Welt, im Westen aber nur vier, darunter Deutschland. Verloren haben vor allem junge Menschen in Nordamerika, Australien, Neuseeland und Westeuropa.
Der Bericht vergleicht die Jahre 2006 bis 2010 mit 2023 bis 2025. Von 136 Ländern mit Daten aus beiden Zeiträumen bewerten die Menschen ihr Leben heute in 79 Ländern signifikant besser, in 41 signifikant schlechter.
Unter den westlichen Industrieländern sieht die Bilanz anders aus. 15 haben signifikant verloren, nur vier gewonnen: Portugal, Island, Deutschland und Finnland.
Ein Teil des deutschen Gewinns ist ein Stück Wiedervereinigung.
In den Jahren 2008 bis 2010 bewerteten Ostdeutsche ihr Leben noch 0,46 Punkte schlechter als Westdeutsche. In den Jahren 2023 bis 2025 lag der Abstand bei 0,01 Punkten, also praktisch bei null. Weil rund ein Fünftel der Deutschen im Osten lebt, hebt das den Landesdurchschnitt nach Rechnung der Autoren um etwa 0,08 Punkte. Im dichten Mittelfeld der Rangliste entspricht das ungefähr sechs Plätzen.
Im Bericht von 2013 stand Deutschland auf Platz 26, im Jahr 2021 mit 7,155 Punkten auf Platz 13, dem besten Wert bisher. 2024 rutschte das Land auf Platz 24, 2025 lag es auf Platz 22, 2026 wieder auf Platz 17.
Seit dem Bericht von 2013 stieg Finnland von Platz 7 auf Platz 1, Island von 9 auf 2. Kanada fiel von Platz 6 auf 25, Österreich von 8 auf 19.
Die größten Verlierer sind die Jungen.
In 85 von 136 Ländern sind Menschen unter 25 Jahren heute zufriedener als vor 15 Jahren. In den USA, Kanada, Australien und Neuseeland sank ihr Wert dagegen im Schnitt um 0,86 Punkte. Bei der Veränderung des Glücks der Jungen landen diese vier Länder auf den Plätzen 122 bis 133 von 136.
Nur dort und in Westeuropa ist das Wohlbefinden der Jungen gesunken, sowohl absolut als auch im Vergleich zu den Älteren. In acht von zehn Weltregionen stieg es.
Schon der Bericht von 2024 hatte die Rangliste nach Alter getrennt. Bei den Unter-30-Jährigen lag Litauen vorn, Deutschland auf Platz 47, die USA auf Platz 62. Vor 1965 Geborene bewerten ihr Leben bei gleichem Alter und gleichen Umständen etwa 0,25 Punkte besser als nach 1980 Geborene.
Der Schwerpunkt 2026 sucht einen Teil der Erklärung in den sozialen Medien. Daten der PISA-Schulstudie aus 47 Ländern zeigen: Jugendliche, die mehr als sieben Stunden am Tag in sozialen Netzwerken verbringen, sind deutlich unzufriedener als solche mit weniger als einer Stunde. Bei Mädchen in Westeuropa beträgt der Unterschied fast einen ganzen Punkt, bei Jungen fast einen halben. In den übrigen Ländern ist er bei Jungen praktisch null.
Plattformen, deren Beiträge ein Algorithmus auswählt, hängen bei starker Nutzung eher mit geringerer Zufriedenheit zusammen, Dienste zum Austausch mit Bekannten eher mit höherer. Stärker als die Bildschirmzeit wirkt die Zugehörigkeit. Steigt das Gefühl, in der Schule dazuzugehören, vom unteren auf das obere Zehntel, gewinnen Mädchen in Großbritannien und Irland viermal so viel Lebenszufriedenheit wie durch eine entsprechende Senkung der Social-Media-Nutzung. Über alle 47 Länder ist der Effekt sechsmal so groß.
Der Bericht von 2025 hatte dieselbe Lücke von der anderen Seite vermessen. 2023 hatten 19 Prozent der jungen Erwachsenen weltweit niemanden, auf den sie in der Not zählen konnten, 39 Prozent mehr als 2006. Etwa jeder vierte Amerikaner aß am Vortag alle Mahlzeiten allein, 53 Prozent mehr als 2003.
Bei gemeinsamen Mahlzeiten liegt Deutschland auf Platz 91.
Den größten Abstand zwischen Frauen und Männern, den der Bericht je gemessen hat, zeigt Afghanistan: Frauen bewerten ihr Leben mit 1,26 Punkten, Männer mit 1,63. Weltweit liegen Frauen sonst leicht vorn.
Im Westen gewannen nur Portugal, Island, Deutschland und Finnland, 15 Industrieländer verloren. Den Wert für Mädchen hat der Bericht aus der PISA-Studie berechnet, verglichen mit weniger als einer Stunde am Tag.
Was sagen die Belege über Geld und Zufriedenheit?

Mehr Einkommen geht mit höherer Lebenszufriedenheit einher, auch in reichen Ländern und ohne erkennbare Sättigung. Umstritten bleibt, ob Wachstum über Jahrzehnte ganze Gesellschaften zufriedener macht.
In einer Studie von 2010 in der Fachzeitschrift der amerikanischen Akademie der Wissenschaften (PNAS) bekräftigte Easterlin mit Koautoren seinen Befund. Die Autoren fanden über zehn Jahre und mehr keinen Zusammenhang zwischen Wachstum und Glück, auch nicht in Entwicklungs- und Transformationsländern. Kurzfristig dagegen bewegen sich Glück und Konjunktur gemeinsam: In der Rezession sinkt die Zufriedenheit, im Aufschwung steigt sie.
Die Ökonomen Betsey Stevenson und Justin Wolfers widersprachen 2008 in den Brookings Papers on Economic Activity. Mit neueren und breiteren Daten fanden sie einen klaren Zusammenhang zwischen Lebenszufriedenheit und BIP pro Kopf und keinen Sättigungspunkt, ab dem mehr Geld nichts mehr bringt. Der Zusammenhang zwischen Ländern ist ähnlich stark wie der zwischen Arm und Reich innerhalb eines Landes.
Für den Einzelnen gingen Daniel Kahneman und Angus Deaton 2010 der Frage neu nach. Die beiden werteten mehr als 450.000 Antworten aus den USA aus. Die Bewertung des eigenen Lebens auf der Cantril-Leiter stieg mit dem Einkommen stetig. Das Wohlbefinden im Alltag, also Freude, Stress und Sorgen, wuchs dagegen ab einem Jahreseinkommen von etwa 75.000 Dollar nicht mehr, damals umgerechnet rund 57.000 Euro.
Diese Schwelle machte Karriere. Gehalten hat sie nicht.
Der Psychologe Matthew Killingsworth fragte 2021 per App mehrmals täglich nach der Stimmung und fand keinen Knick: Das Wohlbefinden stieg auch oberhalb der Schwelle weiter. Zwei Jahre später werteten Killingsworth, Kahneman und die Psychologin Barbara Mellers die Daten gemeinsam neu aus. Die Abflachung gibt es, aber nur bei den unglücklichsten 20 Prozent der Bevölkerung. Für die meisten steigt das Wohlbefinden mit jeder Verdopplung des Einkommens weiter.
Geld wirkt, aber mit abnehmendem Ertrag.
Ein armes Land gewinnt durch Wachstum viel, ein reiches pro Euro wenig. Ab einem bestimmten Wohlstand entscheiden andere Dinge über die Reihenfolge. Dort setzen Vertrauen, Freiheit und Gesundheit an.
Mehr Geld bringt auch in reichen Ländern mehr Zufriedenheit, eine feste Sättigungsgrenze ist nicht belegt. Ob Wachstum ganze Gesellschaften über Jahrzehnte glücklicher macht, ist dagegen offen.
Wie messen andere Länder ihren Wohlstand?

Bhutan misst das Glück per Verfassungsauftrag, Neuseeland richtete 2019 seinen Haushalt am Wohlergehen der Bevölkerung aus und schaffte die Berichtspflicht 2026 wieder ab. Deutschland hat das Wohlfahrtskapitel aus dem Jahreswirtschaftsbericht 2026 gestrichen.
Bhutans Zentrum für Bhutan- und Bruttonationalglück-Studien erhebt den Index mit 33 Indikatoren in neun Bereichen, von psychischem Wohlbefinden über Gesundheit und Bildung bis zu Zeitverwendung und Umwelt. Für 2022 meldete es einen Wert von 0,781 auf einer Skala bis 1, nach 0,756 im Jahr 2015 und 0,743 im Jahr 2010. Als sehr glücklich gelten 9,5 Prozent der Bevölkerung, als unglücklich 6,4 Prozent.
Neuseeland legte 2019 einen Wellbeing Budget genannten Haushalt vor, der Ausgaben an Zielen für das Wohlergehen ausrichtete. Ein Gesetz von 2020 verpflichtete das Finanzministerium, mindestens alle vier Jahre einen Bericht zum Wohlergehen des Landes vorzulegen. Der erste erschien im November 2022.
Am 31. März 2026 verabschiedete das Parlament in Wellington eine Reform des Haushaltsrechts, die diese Pflicht wieder abschafft. Finanzministerin Nicola Willis begründete das so: Eine starke Wirtschaft und bessere öffentliche Leistungen förderten das Wohlergehen des Landes. Das Finanzministerium solle sich deshalb auf seine Kernaufgabe konzentrieren, die wirtschaftliche und finanzpolitische Beratung, statt auf „vage Wohlfühlideen“, die gut klängen, aber keine besseren Ergebnisse brächten.
Die Enquete-Kommission „Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität“ des Bundestags schlug 2013 zehn Leitindikatoren und neun Warnlampen vor. Die Bundesregierung startete 2016 das Projekt „Gut leben in Deutschland“ mit 46 Indikatoren in zwölf Bereichen, dessen Daten auf dem Stand von März 2020 stehen geblieben sind.
Ab 2022 enthielt der Jahreswirtschaftsbericht ein eigenes Kapitel mit mehr als 30 Wohlfahrtsindikatoren.
Im Jahreswirtschaftsbericht vom 28. Januar 2026 fehlt es.
Die Bundesregierung begründet das in Ziffer 19: Die Mehrzahl der bislang abgebildeten Indikatoren verzeichne „keine nennenswerten Bewegungen im Vergleich zweier aufeinander folgender Berichtsjahre“. Geprüft werde, wie dem „berechtigten öffentlichen Interesse an einer breiten Wohlfahrtsbetrachtung“ künftig Rechnung getragen werden könne.
Die OECD veröffentlicht seit 2011 den Better Life Index mit elf Bereichen, von Wohnen bis Lebenszufriedenheit, und überlässt die Gewichtung bewusst den Nutzern. Am 7. Mai 2026 legte eine Expertengruppe des UN-Generalsekretärs unter Vorsitz der Ökonomen Nora Lustig und Kaushik Basu ihren Bericht „Counting What Counts“ vor. Er schlägt einen Satz von Kennzahlen zu Wohlergehen, Teilhabe und Nachhaltigkeit vor, die das BIP ergänzen soll, nicht ersetzen.
Auch in Deutschland gibt es ein Gegenmodell zum BIP aus der Wissenschaft. Der Nationale Wohlfahrtsindex, den die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) für das gewerkschaftsnahe Institut IMK berechnet, zieht vom privaten Konsum unter anderem Umweltschäden ab und rechnet Hausarbeit und Ehrenamt hinzu. Seit 1991 stieg er nach eigener Rechnung um 24 Prozent, das BIP um 48 Prozent.
BIP je Einwohner 2024 nach Kaufkraftparitäten laut Weltbank. Punkte für Einkommen und Restgröße aus der Zerlegung des Berichts im Vergleich zum Tiefstwert-Land Dystopia.
Berlin streicht 2026 die Wohlfahrtsindikatoren, im selben Jahr steigt Deutschland im World Happiness Report um fünf Plätze.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was geht beim Glücksranking nicht auf?

Drei Dinge. Die Leiter lenkt den Blick auf Geld und Status, die Stichproben sind für feine Rangunterschiede zu klein und ein hoher Durchschnitt verdeckt, wem es schlecht geht.
Forscher der Universität Lund und der Stanford University ließen 1.581 Erwachsene aus Großbritannien beschreiben, woran sie bei der Frage denken, und veröffentlichten die Studie 2024 in der Fachzeitschrift Scientific Reports. Das Bild einer Leiter mit dem besten und schlechtesten Leben an den Enden weckte vor allem Gedanken an Macht und Wohlstand, weniger an Beziehungen. Fragten die Forscher nach Harmonie statt nach einer Leiter, gingen diese Gedanken am stärksten zurück. Untersucht wurde allerdings nur ein Land.
Fragt die Leiter auch nach Status, misst der Bericht in Teilen genau das, wovon er sich absetzen will.
Grundsätzlicher ist die Kritik der Ökonomen Timothy Bond und Kevin Lang im Journal of Political Economy von 2019. Antworten auf einer Skala von 0 bis 10 verraten nur eine Reihenfolge, nicht die Abstände. Vorausgesetzt, der Schritt von 6 auf 7 bedeutet für alle Menschen gleich viel, lassen sich Gruppen vergleichen. Mit anderen, ebenso plausiblen Annahmen drehen sich manche Ergebnisse um. Die Ökonomen Caspar Kaiser und Andrew Oswald halten in PNAS von 2022 dagegen, dass solche Angaben spätere Handlungen wie einen Jobwechsel oder einen Umzug zuverlässig vorhersagen.
Der finnische Philosoph und Psychologe Frank Martela schrieb 2018 in einem Gastbeitrag für Scientific American, die Leiter messe Zufriedenheit, keine Glücksgefühle. Bei positiven Gefühlen wie Lachen und Freude lägen Paraguay, Guatemala und Costa Rica vorn, Finnland weit dahinter.
Bei Konfidenzintervallen wie Platz 10 bis 26 für Deutschland sind Schlagzeilen über fünf Plätze Aufstieg oder Absturz meist Rauschen. Für Afghanistan stammen die Zahlen nur aus einem einzigen Jahr.
Ein Durchschnitt zeigt zudem nicht, wie das Glück verteilt ist. Der Bericht von 2025 stellte fest, dass die Ungleichheit der Lebenszufriedenheit innerhalb der Länder in 20 Jahren um etwa ein Viertel gestiegen ist. Ökonomen um Mary Daly fanden 2011, dass die bereinigten Suizidraten in den zufriedensten US-Bundesstaaten am höchsten sind, und bestätigten das für Länder in Europa. Die Autoren erklären das mit dem Vergleich: Unglück wiegt schwerer, wo ringsum alle zufrieden wirken.
Ein Indikator, der sich von Jahr zu Jahr kaum bewegt, taugt schlecht zur Steuerung, so begründet Berlin den Wegfall des Wohlfahrtskapitels. Gegner der Glücksmessung sehen darin ihren Einwand bestätigt. Befürworter halten dagegen, dass langsame Größen wie Vertrauen gerade deshalb ein eigenes Messgerät brauchen, weil kein Quartalsbericht sie zeigt.
- Leiter: weckt Gedanken an Geld und Status
- Statistik: fünf Plätze Unterschied sind im Mittelfeld meist Rauschen
- Verteilung: die Ungleichheit des Glücks stieg in 20 Jahren um etwa ein Viertel
Welche Wege gibt es?

Drei Richtungen stehen sich gegenüber: das BIP um weitere Kennzahlen ergänzen, Lebenszufriedenheit zum Maßstab für Haushaltsentscheidungen machen oder beim BIP bleiben und Wohlergehen über Wachstum und gute öffentliche Leistungen anstreben.
- Ergänzen: Die UN-Expertengruppe um Lustig und Basu und die Stiglitz-Kommission wollen das BIP behalten und daneben Verteilung, unbezahlte Arbeit, Umwelt und subjektives Wohlbefinden ausweisen. Das entspricht dem Ansatz der Enquete-Kommission des Bundestags.
- Abwägen: Die Herausgeber des Weltglücksberichts sehen in der Lebenszufriedenheit den übergeordneten Maßstab. Eine Liste einzelner Faktoren helfe Ministerien, sich auf konkrete Vorschläge zu konzentrieren. Konkurrierende Vorschläge sollten Regierungen aber daran messen, wie stark sie die Lebenszufriedenheit der Menschen erhöhen.
- Wachsen: Neuseelands Regierung und die Bundesregierung setzen auf die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung als Kern. Wohlergehen folgt in dieser Sicht aus Wachstum, Beschäftigung und funktionierenden Behörden und muss nicht eigens gesteuert werden.
Die drei Wege schließen sich weniger aus, als die Debatte vermuten lässt.
Auch der Weltglücksbericht bestätigt, dass Einkommen der größte Einzelfaktor ist. Und auch die Wachstumsseite misst Gesundheit, Bildung und Kriminalität längst mit, nur verstreut über einzelne Berichte statt in einer Zahl.
Der eigentliche Streit gilt der Frage, ob eine einzige Zahl wie die Lebenszufriedenheit über Ausgaben mitentscheiden darf. Dafür spricht, dass sie die Urteile der Menschen selbst bündelt. Dagegen spricht, dass sie sich langsam bewegt, von Stichproben abhängt und schwer einer einzelnen Maßnahme zuzuordnen ist.
Ergänzen, abwägen oder auf Wachstum setzen: Die drei Wege trennt weniger das Ziel als die Frage, ob eine einzige Zufriedenheitszahl über Ausgaben mitentscheiden darf.
Was heißt das für Ihr Unternehmen?

Die Faktoren, die Länder an die Spitze bringen, wirken auch im Betrieb: Vertrauen, Spielraum für eigene Entscheidungen und Kollegen, auf die man zählen kann. Zufriedenere Beschäftigte arbeiten in Studien messbar produktiver. An der Börse zahlt sich das vor allem dort aus, wo Beschäftigte leicht wechseln können.
Andrew Oswald, Eugenio Proto und Daniel Sgroi machten 2015 im Labor zufällig ausgewählte Teilnehmer glücklicher, etwa mit einem kurzen Comedy-Film. Danach lösten diese rund 12 Prozent mehr Rechenaufgaben als die Vergleichsgruppe. Umgekehrt senkten echte Schicksalsschläge wie ein Trauerfall die Leistung.
Im echten Betrieb maßen Clément Bellet, Jan-Emmanuel De Neve und George Ward den Effekt bei rund 1.800 Verkäufern in elf Callcentern von British Telecom. Das Wetter diente als Zufallsgenerator für die Laune. In glücklicheren Wochen schlossen die Verkäufer mehr Verträge ab. Mehr Stunden arbeiteten sie dabei nicht, aber mehr ihrer Anrufe endeten mit einem Abschluss. Im Arbeitspapier von 2019 verkauften sie in sehr glücklichen Wochen rund 13 Prozent mehr als in sehr unglücklichen.
An der Börse fand der Finanzökonom Alex Edmans 2011 einen Vorsprung: Die Unternehmen der US-Liste „100 Best Companies to Work For“ übertrafen ihre Branchen von 1984 bis 2009 um 2,1 Prozent im Jahr. In einer Folgestudie über 30 Länder zeigten Edmans und Koautoren 2024: Der Vorsprung wächst mit der Flexibilität des Arbeitsmarkts, also dort, wo Betriebe leichter einstellen und entlassen und Beschäftigte leichter wechseln. Die Autoren erklären das damit, dass Zufriedenheit dort stärker beim Anwerben, Halten und Motivieren hilft.
Für Deutschland mit seinem starken Kündigungsschutz ist das kein Grund, Zufriedenheit für überflüssig zu halten.
Wo der Kündigungsschutz Leute im Betrieb hält, zeigt sich Unzufriedenheit eher als innere Kündigung denn als Abgang. Laut Gallup waren Ende 2025 nur 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland eng an ihren Arbeitgeber gebunden, 13 Prozent hatten innerlich gekündigt, wie unser Artikel Den Sinn des Lebens finden Sie nicht auf dem Konto ausführt.
Aus dem Weltglücksbericht lassen sich drei Hebel ableiten, die wenig kosten. Der erste ist Vertrauen. In Toronto erwarteten Befragte, dass nur 23 Prozent verlorener Geldbörsen zurückkommen, tatsächlich waren es mehr als 80 Prozent. Die erwartete Ehrlichkeit der anderen wirkt auf die Zufriedenheit fast doppelt so stark wie eigene gute Taten.
Der zweite Hebel ist Entscheidungsspielraum, bei dem Deutschland im Ländervergleich 0,16 Punkte hinter Finnland liegt. Der dritte ist Zugehörigkeit, die bei Jugendlichen vier- bis sechsmal so viel bewirkt wie weniger Bildschirmzeit.
Dass dieser Befund aus der Schule sich auf den Betrieb übertragen lässt, ist unsere Einschätzung, keine Messung.
Ob Ihre Leute ihre Arbeit für sinnvoll halten, beeinflusst ihre Zufriedenheit zusätzlich. Wie viele Beschäftigte daran zweifeln, haben wir in Genug sinnvolle Jobs trotz KI und Bürokratie? zusammengetragen. Und wie viel Wohlstand ohnehin an der Produktivität hängt, zeigt Arbeit für alle: Uns fehlen keine Jobs, sondern Zahler.
- Leistung: 12 Prozent mehr im Labor, 13 Prozent mehr Verkäufe im Callcenter
- Börse: Vorsprung umso größer, je leichter Beschäftigte wechseln können
- Hebel: Vertrauen, Entscheidungsspielraum und Zugehörigkeit kosten wenig
Unsere Einordnung

Der Weltglücksbericht ist das beste verfügbare Messgerät für etwas, das das BIP nicht sieht. Er fragt Menschen selbst, wie ihr Leben läuft, und er zeigt seit 14 Jahren, dass reiche Länder mit wenig Vertrauen und wenig Freiheit hinter ärmere Länder zurückfallen, in denen beides stimmt. Costa Rica auf Platz 4 und die USA auf Platz 23 sind kein Zufall der Stichprobe, das Muster wiederholt sich.
Ein Steuerungsinstrument mit Platzgenauigkeit ist er nicht. Fünf Plätze Aufstieg sind meist Rauschen, keine Erfolgsmeldung. Ein reines Glücksgefühl misst die Leiter auch nicht. Und der Schluss, Wachstum sei egal, widerspricht dem größten Einzelfaktor des Berichts selbst.
Die Bundesregierung hat das Wohlfahrtskapitel gestrichen, weil sich die Indikatoren kaum bewegten. Das halten wir für den falschen Schluss.
Vertrauen, Gesundheit und Zusammenhalt verändern sich langsam und erklären doch mehr vom Abstand zu Finnland als jede Wachstumsrate. Eine Regierung, die nur misst, was sich schnell bewegt, sieht genau das nicht, worauf es an der Spitze der Rangliste ankommt.
Für Unternehmer ist die Lehre einfacher als für die Politik. Gehalt bleibt wichtig, aber die nächsten Punkte Zufriedenheit liegen woanders: im Vertrauen, das man Mitarbeitern schenkt, im Spielraum, den man ihnen lässt, und im Team, auf das sie zählen können.
Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zur Messung von Glück und Wohlstand

Better Life Index
Better Life Index heißt das Online-Werkzeug der OECD, das seit 2011 den Wohlstand ihrer Mitgliedsländer in elf Bereichen vergleicht, von Einkommen und Wohnen bis Gesundheit und Lebenszufriedenheit. Eine Gesamtrangliste gibt es bewusst nicht: Die Nutzer gewichten die Bereiche selbst und sehen, wie sich die Reihenfolge dadurch verschiebt.
Bruttonationalglück
Bruttonationalglück ist das Staatsziel Bhutans und zugleich der Name seines Index. Er misst mit 33 Indikatoren in neun Bereichen, darunter psychisches Wohlbefinden, Gesundheit, Bildung, Zeitverwendung und Umwelt, wie gut es der Bevölkerung geht. Der Wert für 2022 lag bei 0,781 auf einer Skala bis 1.
Cantril-Leiter
Cantril-Leiter heißt die Frage, auf der der Weltglücksbericht beruht, benannt nach dem Sozialforscher Hadley Cantril. Befragte stellen sich eine Leiter von 0 bis 10 vor, oben das beste, unten das schlechteste mögliche Leben, und nennen die Sprosse, auf der sie gerade stehen. Gemessen wird ein Urteil, keine Stimmung.
Dystopia
Dystopia nennt der World Happiness Report ein erfundenes Vergleichsland, das bei allen sechs erklärenden Faktoren den schlechtesten Wert aller Länder hat. Seine Bewohner kämen auf 1,16 Punkte. Die Balken im Bericht zeigen, wie viele Punkte ein reales Land jedem Faktor über diesen Tiefstwert hinaus verdankt.
Easterlin-Paradox
Easterlin-Paradox heißt der Befund des Ökonomen Richard Easterlin von 1974: Innerhalb eines Landes sind Reichere zufriedener als Ärmere, über Jahrzehnte steigt das Durchschnittsglück mit dem Einkommen aber kaum. Ob das Paradox hält, ist bis heute umstritten, Stevenson und Wolfers widersprachen 2008 mit breiteren Daten.
Gallup World Poll
Gallup World Poll ist die weltweite Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup, aus der der Weltglücksbericht seine Daten bezieht. Gallup befragt in jedem Land jährlich mindestens 1.000 Menschen ab 15 Jahren, in großen Ländern mindestens 2.000, am Telefon oder persönlich, und gewichtet die Antworten nach der Bevölkerung.
Gesunde Lebenserwartung
Gesunde Lebenserwartung bezeichnet die Zahl der Jahre, die ein Mensch voraussichtlich bei guter Gesundheit verbringt, also ohne schwere Krankheit oder Behinderung. Im Weltglücksbericht ist sie einer der sechs erklärenden Faktoren. Finnland liegt hier 0,26 Punkte vor den USA, ein großer Teil des Abstands zwischen beiden Ländern.
Innere Kündigung
Innere Kündigung beschreibt Beschäftigte, die im Betrieb bleiben, sich aber kaum noch einsetzen und mit ihrem Arbeitgeber gebrochen haben. Gallup zählt in Deutschland Ende 2025 rund 13 Prozent der Beschäftigten dazu. In Ländern mit starkem Kündigungsschutz zeigt sich Unzufriedenheit häufiger so als in einem Wechsel.
Kaufkraftparität
Kaufkraftparität rechnet Einkommen verschiedener Länder so um, dass sie dieselbe Menge an Waren und Dienstleistungen kaufen. Derselbe umgerechnete Betrag reicht in Costa Rica weiter als in Luxemburg, die Umrechnung gleicht das aus. Die Weltbank gibt das BIP je Einwohner deshalb auch kaufkraftbereinigt an.
Konfidenzintervall
Konfidenzintervall heißt der Bereich, in dem ein geschätzter Wert mit einer festgelegten Wahrscheinlichkeit liegt, beim Weltglücksbericht mit 95 Prozent. Weil jede Stichprobe zufällig schwankt, weist der Bericht für jedes Land auch einen Bereich möglicher Ränge aus, für Deutschland 2026 die Plätze 10 bis 26.
Lebenszufriedenheit
Lebenszufriedenheit ist das Urteil eines Menschen über sein Leben als Ganzes, im Unterschied zu Gefühlen wie Freude oder Stress im Moment. Der Weltglücksbericht misst vor allem dieses Urteil. Gefühle schwanken mit dem Wochentag, die Lebenszufriedenheit kaum, deshalb ergeben beide Fragen verschiedene Ranglisten.
Nationaler Wohlfahrtsindex
Nationaler Wohlfahrtsindex (NWI) heißt ein deutsches Gegenmodell zum BIP aus der Wissenschaft. Er nimmt den privaten Konsum, gewichtet ihn nach der Verteilung, rechnet Hausarbeit und Ehrenamt hinzu und zieht Umweltschäden ab. Seit 1991 stieg er nach eigener Rechnung halb so stark wie das BIP.
Soziale Unterstützung
Soziale Unterstützung misst der Weltglücksbericht am Anteil der Befragten, die Verwandte oder Freunde haben, auf die sie in der Not zählen können. Der Faktor zählt zu den stärksten Erklärungen für Unterschiede zwischen Ländern. 2023 hatten 19 Prozent der jungen Erwachsenen weltweit niemanden, auf den sie zählen konnten.
Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission
Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission heißt die Expertengruppe um die Ökonomen Joseph Stiglitz, Amartya Sen und Jean-Paul Fitoussi, die Frankreichs Regierung 2008 einsetzte. Ihr Bericht von 2009 empfahl unter anderem, Einkommen und Konsum der Haushalte, die Verteilung und das subjektive Wohlbefinden neben dem BIP zu erfassen.
Wellbeing Budget
Wellbeing Budget nannte Neuseeland seinen Haushalt von 2019, der Ausgaben an Zielen für das Wohlergehen der Bevölkerung ausrichtete. Ein Gesetz von 2020 verpflichtete das Finanzministerium zu regelmäßigen Berichten über das Wohlergehen. Diese Pflicht hat das Parlament im März 2026 wieder abgeschafft.
FAQ: Im Weltglücksbericht liegt Costa Rica vor den reichen USA

Welches Land ist laut World Happiness Report das glücklichste?
Finnland, zum neunten Mal in Folge. Im Bericht 2026 kommt das Land auf 7,764 von 10 Punkten, vor Island, Dänemark und Costa Rica. Gemessen wird der Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025.
Auf welchem Platz liegt Deutschland im World Happiness Report 2026?
Auf Platz 17 mit 6,882 Punkten, fünf Plätze besser als im Vorjahr. Statistisch liegt Deutschland mit 95 Prozent Sicherheit irgendwo zwischen Platz 10 und Platz 26. Österreich steht auf Platz 19, die Schweiz auf Platz 10.
Wie wird Glück im World Happiness Report gemessen?
Mit einer einzigen Frage aus dem Gallup World Poll. Die Befragten ordnen ihr Leben auf einer Leiter von 0 bis 10 ein, der Durchschnitt über drei Jahre ergibt den Rang. Das BIP und fünf weitere Faktoren erklären die Unterschiede nur, sie bestimmen den Rang nicht.
Macht ein höheres BIP ein Land glücklicher?
Bis zu einem gewissen Grad ja. Das Einkommen ist im Bericht der größte Einzelfaktor, wirkt aber mit abnehmendem Ertrag. Unter reichen Ländern entscheiden Vertrauen, Freiheit und Gesundheit, deshalb liegen Finnland und Costa Rica vor den reicheren USA.
Wer gibt den World Happiness Report heraus?
Das Wellbeing Research Centre der Universität Oxford, zusammen mit Gallup und dem Netzwerk für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Zu den Herausgebern gehören John Helliwell, Richard Layard, Jeffrey Sachs und Jan-Emmanuel De Neve. Der erste Bericht erschien 2012.
Was ist an der Glücksrangliste umstritten?
Die Leiterfrage weckt laut einer Studie von 2024 vor allem Gedanken an Geld und Status. Die Stichproben sind für feine Rangunterschiede zu klein, und ein Durchschnitt zeigt nicht, wie das Glück verteilt ist. Gefühle wie Freude ergeben zudem eine andere Rangliste.
Quellen
39 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 30.10.2026
- Wellbeing Research Centre, Gallup und UN SDSNWorld Happiness Report 2026
- Wellbeing Research Centre, Gallup und UN SDSNWorld Happiness Report 2026, Daten zu Abbildung 2.1
- Wellbeing Research Centre, Gallup und UN SDSNWorld Happiness Report 2026, Statistical Appendix
- World Happiness ReportPressemitteilung zum World Happiness Report 2026
- World Happiness ReportAbout: Geschichte des Berichts, UN-Resolutionen 65/309 und 66/281
- Wellbeing Research Centre, Gallup und UN SDSNWorld Happiness Report 2025: Caring and Sharing
- Wellbeing Research Centre, Gallup und UN SDSNWorld Happiness Report 2024
- GallupUnderstanding How Gallup Uses the Cantril Scale
- GallupHow Does the Gallup World Poll Work?
- WeltbankBIP je Einwohner nach Kaufkraftparitäten 2024, Indikator NY.GDP.PCAP.PP.CD
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- Killingsworth (PNAS)Experienced well-being rises with income, even above 75,000 per year
- Killingsworth, Kahneman und Mellers (PNAS)Income and emotional well-being: A conflict resolved
- Europäische Kommission, EurostatReport by the Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress
- Europäische KommissionDas BIP und mehr, KOM(2009) 433
- Oxford Poverty and Human Development InitiativeBhutan GNH Index 2022
- New Zealand LegislationPublic Finance (Wellbeing) Amendment Act 2020
- New Zealand LegislationPublic Finance Amendment Act 2026
- Nicola Willis, Finanzministerin NeuseelandFiscal responsibility and disclosure beefed up
- Deutscher BundestagJahreswirtschaftsbericht 2026 der Bundesregierung, Drucksache 21/3700
- Deutscher BundestagEnquete-Kommission legt Schlussbericht vor (hib, Mai 2013)
- BundesregierungGut leben in Deutschland
- OECDBetter Life Index
- Vereinte NationenCounting What Counts: A Compass of Progress for People and Planet
- FEST und IMKNationaler Wohlfahrtsindex 2025, IMK Study 103
- Nilsson u. a. (Scientific Reports)The Cantril Ladder elicits thoughts about power and wealth
- Bond und Lang (Journal of Political Economy)The Sad Truth about Happiness Scales
- Kaiser und Oswald (PNAS)The scientific value of numerical measures of human feelings
- Scientific AmericanMartela: Finland Is the Happiest Country in the World, and Finns Aren’t Happy about It
- Daly, Oswald, Wilson und Wu (Journal of Economic Behavior and Organization)Dark contrasts: The paradox of high rates of suicide in happy places
- Oswald, Proto und Sgroi (Journal of Labor Economics)Happiness and Productivity
- Bellet, De Neve und Ward (Management Science)Does Employee Happiness Have an Impact on Productivity?
- Centre for Economic Performance, LSEBellet, De Neve und Ward: Discussion Paper 1655
- Edmans (Journal of Financial Economics)Does the stock market fully value intangibles? Employee satisfaction and equity prices
- Edmans, Pu, Zhang und Li (Management Science)Employee Satisfaction, Labor Market Flexibility, and Stock Returns Around the World
- GallupEngagement Index Deutschland 2025, Pressemitteilung
