35 Prozent mehr Umsatz haben Datadog am Mittwoch nicht gereicht: Die Aktie verlor rund 14 Prozent. Für das vierte Quartal plant das Unternehmen mit einem ungenannten KI-Großkunden, der nur noch die vertragliche Mindestsumme zahlt, obwohl er im dritten Quartal deutlich mehr abrief.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 5 Abschnitte
Der Softwareanbieter Datadog hat am 4. November seine Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht: Der Umsatz stieg auf 1,04 Mrd. € (1,20 Mrd. Dollar), 35 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.[1] Laut Wall Street Journal bremst die geringere Nutzung eines großen KI-Kunden das Wachstum. Eine Mitschrift der Telefonkonferenz lag bis Redaktionsschluss nicht vor (Stand: Freitag, 6. November 2026).
Das Wichtigste in Kürze
- Das bereinigte Betriebsergebnis lag bei 291 Mio. €, das entspricht 28 % vom Umsatz. Der freie Cashflow betrug 218 Mio. €.[1]
- Für das vierte Quartal erwartet Datadog 1,04 Mrd. €, für das Gesamtjahr 3,93 bis 3,94 Mrd. €.[1]
- Der größte Kunde zahlt im Schlussquartal laut Börsenberichten zur Telefonkonferenz nur seine Mindestabnahme.
- Ohne diesen Kunden wuchs der Umsatz nach Angaben von Datadog im hohen 20-Prozent-Bereich.
Warum trifft ein einzelner Kunde Datadog so hart?

Datadog rechnet nach Nutzung ab: Das Unternehmen überwacht für Firmen, ob Server, Anwendungen und Datenbanken laufen. Je mehr Messdaten ein Kunde schickt, desto höher fällt die Rechnung aus. KI-Firmen betreiben riesige Rechenflotten und erzeugen entsprechend viele Daten, deshalb kann ein einziger Großkunde einen spürbaren Teil des Umsatzes tragen. Datadog nennt den Kunden nicht, in der Pressemitteilung kommt er nicht vor.[1]
Dazwischen liegt die Mindestabnahme. Große Kunden verpflichten sich vertraglich zu einer Mindestsumme und bekommen dafür bessere Preise, darüber hinaus zahlen sie, was sie verbrauchen. Im dritten Quartal lag der KI-Kunde laut Börsenberichten weit über diesem Boden. Für das vierte Quartal rechnet Datadog nur noch mit dem Boden und erwartet deshalb 1,04 Mrd. €, ungefähr so viel wie im dritten Quartal.[1]
Wie abhängig ist Datadog von KI-Kunden?
Datadog zählt nach Angaben aus der Telefonkonferenz inzwischen mehr als 850 KI-Kunden, ein Quartal zuvor waren es rund 750. Die Zahl der Kunden mit mehr als 100.000 Dollar Jahresumsatz stieg binnen eines Jahres um 20 Prozent auf 4.860.[1] Das Geschäft verbreitert sich also, nur der größte Einzelposten schrumpft.
Die Anleger reagieren seit dem Sommer empfindlich. Nach dem zweiten Quartal, in dem die Kürzung des Großkunden erstmals Thema war, verlor die Aktie laut Börsenberichten rund 17 Prozent. Nach dem ersten Quartal hatte sie noch um 39 Prozent zugelegt.
Ein Kunde, der weit über seinen Mindestvertrag hinaus nutzt, ist für den Anbieter eine Wette, keine Planungsgröße.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Ist das ein Einzelfall bei Softwareanbietern?
Die Börse bestraft derzeit jede Bremsspur im Wachstum, auch bei guten Zahlen. ServiceNow verlor Ende Oktober 18 Prozent, weil der Auftragsbestand langsamer wachsen soll. Cloudflare dagegen hob die Jahresprognose an. Palantir erhöhte die Umsatzprognose ebenfalls. Datadog selbst hatte im Oktober noch knapp 4 Mrd. Dollar für das Start-up Upwind geboten.
Was heißt das für Unternehmen in Europa?
Auch Mittelständler, die Datadog einsetzen, zahlen nach Verbrauch. Prüfen Sie im Vertrag die Mindestabnahme und die Staffelpreise, denn der Boden schützt den Anbieter und nicht Sie. Richten Sie Kostenwarnungen für Logs und Metriken ein, damit ein Programmfehler nicht über Nacht die Rechnung verdoppelt.
Ab dem 12. Januar 2027 verbietet Art. 29 des EU Data Act Wechselentgelte bei Datenverarbeitungsdiensten. Fragen Sie Ihren Anbieter, ob Ihr Vertrag darunter fällt, bevor Sie Mindestmengen für 2027 verlängern.
Quelle
[1] Datadog, Inc.: Pressemitteilung zu den Ergebnissen des dritten Quartals 2026 (Form 8-K, Exhibit 99.1), SEC (4. November 2026); Umrechnung 0,87 Euro je US-Dollar
Mehr Newshunger?
- ServiceNow-Aktie fällt um 18 Prozent: Der Auftragsbestand soll langsamer wachsen
- Cloudflare wächst um 39 Prozent und hebt die Jahresprognose an
- Palantir hebt die Umsatzprognose auf 8,5 Mrd. Dollar, getragen von US-Unternehmen
- AMD erwartet 17 Mrd. Dollar Umsatz im vierten Quartal, Rechenzentren treiben das Wachstum
- Datadog bot laut The Information knapp 4 Mrd. Dollar für das Start-up Upwind
- CrowdStrike zahlt laut WSJ 495 Mio. Dollar für zwei KI-Start-ups
- Dropbox kauft Speicher-Start-up Tigris für 350 Mio. Dollar
