Merck verdient am KI-Boom, ohne einen einzigen Chip zu bauen. Der Darmstädter Konzern liefert die Chemie für jeden Fertigungsschritt und steigert damit seine Electronics-Sparte organisch um 11,7 Prozent. Nach einem Quartalsgewinn über den Erwartungen hebt der DAX-Wert jetzt die Jahresprognose an.

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Vom KI-Boom profitiert Merck auf eine Weise, die selten im Rampenlicht steht. Der Darmstädter Konzern baut keine Chips, liefert aber die Spezialchemie für ihre Fertigung. Mit jeder KI-Chip-Generation wird diese Chemie aufwendiger und wertvoller.

Das Wichtigste in Kürze

  • Merck steigert den Umsatz im zweiten Quartal 2026 organisch um 4,1 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro.
  • Das EBITDA pre wächst organisch um 9,3 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro, die Marge klettert auf 29,4 Prozent.
  • Treiber ist die Electronics-Sparte mit plus 11,7 Prozent organisch, angetrieben von der KI-Nachfrage nach modernsten Fertigungsprozessen.
  • Merck hebt die Jahresprognose an und erwartet 2026 einen Umsatz zwischen 21,0 und 21,8 Milliarden Euro.

Warum treibt der KI-Boom ausgerechnet Merck an?

Stapeltorte aus weißen Zylindern mit Mikrochip oben und Anhänger „Material €“ unten
Merck beliefert Chipfertigung mit Spezialmaterialien für Advanced Nodes, die modernsten Fertigungsprozesse mit kleinsten Strukturgrößen für leistungsstarke KI-Chips

Advanced Nodes heißt der Fachbegriff, an dem Mercks Quartal hängt. Gemeint sind die modernsten Fertigungsprozesse mit den kleinsten Strukturgrößen, wie sie leistungsstarke KI-Chips verlangen. Je feiner ein Chip strukturiert ist, desto mehr Prozessschritte durchläuft er. Jeder dieser Schritte braucht eigene Spezialmaterialien, und die liefert Merck von der Abscheidung dünner Schichten über das Ätzen bis zur Politur der Wafer.

Diese Nachfrage schlug direkt auf die Zahlen durch. Die Electronics-Sparte wuchs organisch um 11,7 Prozent, obwohl der berichtete Umsatz durch den Verkauf einer Randsparte auf 871 Millionen Euro sank.[1] Von diesem KI-Sog lebt gerade die halbe deutsche Halbleiterbranche, vom Rekordquartal bei Infineon bis zu den vollen Auftragsbüchern von Aixtron.

Wie verdient Merck an jedem KI-Chip?

Materialschicht statt Chipfabrik lautet Mercks Geschäftsmodell. Der Konzern beliefert Chiphersteller wie TSMC und Samsung mit Depositionsmaterialien, Ätzchemie, Schleifsuspensionen und Spezialgasen, statt selbst um die Fertigung zu konkurrieren. Steigt die Zahl der Chips und ihre Komplexität, wächst der Materialverbrauch je Wafer fast automatisch mit.

Dieses Modell macht Merck vom Auf und Ab einzelner Chiphersteller weitgehend unabhängig. Wächst der Bedarf an Rechenleistung für neue KI-Modelle, verteilt sich der zusätzliche Absatz über die ganze Kundschaft. Weil die Rezepturen für jeden Prozessschritt über Jahre qualifiziert werden, wechselt kein Hersteller den Lieferanten über Nacht.

Merck sitzt im KI-Boom an einer Stelle, die kein Wettbewerber über Nacht besetzen kann: bei der Chemie, ohne die kein moderner Chip entsteht. Dieser Materialvorsprung hält länger als der nächste spektakuläre Modell-Launch.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was Mercks Materialvorsprung für Europa bedeutet

Für den Standort ist Merck ein seltener Gewinner in der Chip-Lieferkette. Während Europa bei der eigentlichen Fertigung hinterherhinkt und Infineon eine zweite TSMC-Fabrik für den Kontinent fordert, gehört der Darmstädter Konzern bei Elektronikmaterialien zur Weltspitze. Diese Position macht ihn zu einem strategischen Baustein, den der EU Chips Act gern stärker im Inland verankert hätte.

Merck steht damit für ein Muster: Deutschlands Industrie verdient am KI-Boom oft weniger mit eigenen Modellen als mit der physischen Schicht darunter. Evonik liefert die Reinstchemie für die Chipfertigung, Infineon die Leistungshalbleiter für die Rechenzentren.

Merck: das Geschäft eine Schicht unter dem KI-Chip

Wie der KI-Boom die Kennzahlen des Darmstädter Konzerns treibt

Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026

5,4 Mrd. €
Konzernumsatz Q2 2026
organisch plus 4,1 Prozent
1,6 Mrd. €
EBITDA pre
organisch plus 9,3 Prozent, Marge 29,4 Prozent
2,16 €
Ergebnis je Aktie pre
Vorjahresquartal: 2,02 Euro
+11,7 %
Electronics organisch
getrieben von der KI-Nachfrage nach Advanced Nodes
21,0–21,8 Mrd. €
Umsatzprognose 2026
angehoben, EBITDA pre 5,9 bis 6,3 Mrd. Euro

Für die Einschätzung der KI-Konjunktur zählen deshalb nicht allein die Chiphersteller, sondern auch ihre Materiallieferanten. Mercks Quartal zeigt den KI-Boom von unten, dort wo er physisch beginnt.

FAQ: Merck verdient am KI-Boom

Baut Merck selbst Computerchips?

Nein. Merck stellt keine Chips her, sondern liefert die Spezialmaterialien und Chemikalien für deren Fertigung, etwa zum Abscheiden, Ätzen und Polieren der Wafer. Chiphersteller wie TSMC oder Samsung sind Mercks Kunden, nicht seine Wettbewerber.

Gehört Merck KGaA zur US-Firma Merck & Co.?

Nein. Die Merck KGaA aus Darmstadt und die US-Gesellschaft Merck & Co. sind nach einem alten Namensstreit getrennte Unternehmen. In den USA und Kanada tritt der deutsche Konzern als EMD auf, die US-Firma außerhalb Nordamerikas als MSD.

Wie hoch ist die Jahresprognose von Merck für 2026?

Merck erwartet für 2026 einen Umsatz zwischen 21,0 und 21,8 Milliarden Euro sowie ein EBITDA pre zwischen 5,9 und 6,3 Milliarden Euro. Der Konzern hat diese Prognose nach dem zweiten Quartal angehoben.

Was macht die Electronics-Sparte von Merck?

Die Electronics-Sparte liefert Materialien und Chemikalien für die Halbleiter- und Displayindustrie. Ihr größter Bereich, Semiconductor Solutions, versorgt Chiphersteller mit Stoffen für nahezu jeden Fertigungsschritt moderner Prozessoren und Speicher.

Quelle

[1] Merck KGaA, Darmstadt: „Robustes Ergebnis im 2. Quartal 2026, Merck hebt Prognose für das Gesamtjahr an“

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