Chinas Chip-Reinigung liefert gerade das beste Beispiel dafür, wie eine schöne Gewinnzahl das Kerngeschäft verdeckt. ACM Shanghai meldet für das erste Halbjahr 2026 satte 42 Prozent mehr Nettogewinn, doch der bereinigte Wert aus dem laufenden Betrieb sinkt um 15 Prozent. Für Infineon und die europäische Chip-Ausrüstung steckt darin eine unbequeme Nachricht.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Ein Halbleiter-Ausrüster aus Schanghai zeigt gerade, wo Chinas Chip-Reinigung technisch schon steht. ACM Shanghai, die börsennotierte Tochter des US-Konzerns ACM Research, hat für das erste Halbjahr 2026 einen Umsatz von rund 478 Millionen Euro und einen Rekordgewinn vorgelegt. Hinter der Zahl liegt allerdings eine Geschichte über Exportkontrollen, Kapitalerträge und die letzte Bastion namens Lithografie.

Das Wichtigste in Kürze

  • ACM Shanghai steigert den Halbjahresgewinn 2026 auf rund 127 Millionen Euro, ein Plus von 42 Prozent.
  • Der bereinigte Kerngewinn fällt dagegen um 15 Prozent, denn rund 61 Millionen Euro des Ergebnisses stammen aus Kapitalerträgen.
  • Bei Reinigungsanlagen rangiert die Firma weltweit auf Platz vier und im chinesischen Inlandsmarkt auf Platz eins.
  • Seit Dezember 2024 steht ACM Shanghai auf der US-Entity-List, das Wachstum treibt Pekings Kurs zur eigenen Chip-Ausrüstung.

Warum wächst der Gewinn schneller als das Geschäft?

Eine Wafer-Skulptur mit Sockel, Plakette (H1 2026), Münzen und Logo auf weißem Grund
ACM Shanghai steigert Umsatz um 14 Prozent auf 478 Millionen Euro, Nettogewinn springt um 42 Prozent auf 127 Millionen Euro

ACM Shanghai hat im ersten Halbjahr 2026 rund 478 Millionen Euro umgesetzt, ein Plus von knapp 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.[1] Der ausgewiesene Nettogewinn springt um 42 Prozent auf rund 127 Millionen Euro. Kapitalerträge statt Kerngeschäft tragen diesen Sprung, denn der um Sondereffekte bereinigte Gewinn liegt nur bei etwa 73 Millionen Euro und sinkt um 15 Prozent. Rund 61 Millionen Euro davon stammen aus Bewertungsgewinnen und Finanzanlagen.

Das operative Geschäft wächst also langsamer, als die Schlagzeile verspricht. Wechselkursverluste von rund 19 Millionen Euro und eine Forschungsquote von fast 18 Prozent des Umsatzes drücken zusätzlich auf die Marge. Die 42-Prozent-Zahl gewinnt ihre Bedeutung erst neben dem bereinigten Kerngewinn.

Was macht die Chip-Reinigung so strategisch?

Zwischen zwei Fertigungsschritten muss ein Wafer viele Male von Partikeln und Chemikalienresten befreit werden, sonst bricht die Ausbeute ein. Reinigung vor jeder Schicht ist damit kein Nebenprozess, sondern das Nadelöhr jeder Chipfabrik. Genau hier hat ACM Shanghai mit seiner Ultraschalltechnik aufgeschlossen und hält im chinesischen Inlandsmarkt schon rund 60 Prozent, weltweit Platz vier mit etwa 8 Prozent.

Der Rückenwind kommt aus der Politik. Seit Dezember 2024 steht ACM Shanghai auf der US-Entity-List, während Peking den Umstieg auf heimische Chip-Ausrüstung mit Subventionen vorantreibt.[2] Selbst verschärfte Exportkontrollen bremsen diesen Kurs kaum. Ähnlich verläuft es beim Ätz-Spezialisten AMEC mit seiner neuen Fabrik in Wuhan sowie bei jenen Anlagen, die Samsung und SK Hynix längst im Stillen testen.

ACM Shanghai: Halbjahr 2026 in Euro
Wie ein glänzender Gewinn ein langsameres Kerngeschäft verdeckt
477,7 Mio €
Halbjahresumsatz +13,9 %
127,1 Mio €
ausgewiesener Nettogewinn +42,1 %
73,4 Mio €
bereinigter Kerngewinn −15,3 %
60,8 Mio € des Gewinns stammen aus Bewertungs- und Kapitalerträgen, nicht aus dem laufenden Betrieb.

Marktposition bei Reinigungsanlagen

Platz 4
weltweit, rund 8 % Marktanteil
Platz 1
in China, rund 60 % des Inlandsmarkts

Chinas Ausrüster erobern zuerst die unspektakulären Prozessschritte, nicht die Lithografie; genau dort spürt Infineon den Wettbewerb als Erstes. Ein Gewinnsprung aus der Kapitalanlage belegt noch kein gesundes Kerngeschäft.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Infineon und Europa?

Für europäische Marktführer verschiebt sich der Wettbewerb von unten. Chinas Ausrüster besetzen zuerst die unspektakulären Nassprozesse. Die Lithografie als eigentlicher Engpass bleibt beim niederländischen Konzern ASML. Infineon, ON Semiconductor und STMicroelectronics halten zusammen noch rund 40 Prozent des Leistungshalbleiter-Marktes, der Abstand schrumpft aber genau dort, wo China lokalisieren kann.

Für deutsche Entscheider ist die Lehre unbequem. Ausrüstungssouveränität entscheidet sich nicht an einem spektakulären Chip, sondern an dutzenden unscheinbaren Prozessschritten, die China einen nach dem anderen besetzt. Beim Planen der Lieferketten zählt die Herkunft der Anlagen deshalb genauso wie die der Chips. Ein Blick auf die Fortschritte bei Reinigung, Galvanik und Ätzen gehört von jetzt an dazu.

FAQ: Chinas Chip-Reinigung und ACM Shanghai

Was ist ACM Shanghai?

ACM Shanghai ist ein an der Börse Schanghai notierter Hersteller von Anlagen für die Halbleiterfertigung, spezialisiert auf die Reinigung von Wafern. Kontrolliert wird die Firma vom US-Konzern ACM Research, der 1998 in Kalifornien gegründet wurde und sein Geschäft seit 2005 vor allem über die chinesische Tochter betreibt.

Warum steht ACM Shanghai auf der US-Entity-List?

Das US-Handelsministerium setzte ACM Shanghai am 2. Dezember 2024 auf die Entity-List, zusammen mit rund 140 weiteren Firmen aus Chinas Halbleiterumfeld. Der US-Mutterkonzern ACM Research selbst wurde nicht gelistet. Eine konkrete Begründung für die einzelne Firma nannte die Behörde nicht.

Welche Firmen führen bei Wafer-Reinigungsanlagen?

Den weltweiten Markt für Reinigungsanlagen führen die japanischen Konzerne SCREEN und Tokyo Electron sowie das US-Unternehmen Lam Research an. ACM Shanghai liegt mit rund 8 Prozent auf Platz vier, im chinesischen Inlandsmarkt hält die Firma dagegen etwa 60 Prozent.

Wie schlägt Chinas Chip-Ausrüstung auf Europa durch?

Chinas Ausrüster lokalisieren zuerst einfachere Prozessschritte wie Reinigung, Galvanik und Ätzen, während die Lithografie ein Engpass des Niederländers ASML bleibt. Für europäische Anbieter wie Infineon wächst der Preisdruck von unten, vor allem bei Leistungshalbleitern und im Servicegeschäft.

Quellen

[1] Shanghai Stock Exchange: Ankündigungen und Halbjahresbericht 2026 der ACM Shanghai (688082)

[2] ACM Research: „ACM Research Comments on Updated U.S. Export Restrictions“

Mehr Newshunger?

4,6 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?