Viele Besucher lesen KI-Bilder im Blog als Warnsignal für den Text daneben. Der Entwickler Nelson Figueroa beschreibt genau diesen Reflex, ein Versuch mit 43 Testpersonen belegt den Vertrauensverlust nach der Offenlegung. Über die Glaubwürdigkeit eines Beitrags entscheidet damit schon das Aufmacherbild.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZehn Prozent gegen 74 Prozent: So weit liegt das Vertrauen in vollständig generierte Abbildungen und in handgebaute Grafiken in einer Befragung von 1.063 Forschenden auseinander. Genau diese Lücke trifft jeden Blog, der KI-Bilder als Aufmacher setzt.
Das Wichtigste in Kürze
- KI-erzeugte Abbildungen erreichen bei 1.063 befragten Forschenden 10 Prozent Vertrauen, von Menschen erstellte 74 Prozent.
- Nach menschlicher Überarbeitung klettert der Wert auf 54 Prozent, die Nachbearbeitung holt also gut die Hälfte zurück.
- Ohne Hinweis auf die Herkunft gefallen KI-Bilder sogar besser als Fotos. Erst die Offenlegung kippt das Vertrauen zur Fotografie.
- Die KI-Verordnung verpflichtet seit dem 2. August 2026 die Anbieter der Generatoren zur maschinenlesbaren Kennzeichnung, nicht den Blogbetreiber zum Hinweis unter jedem Bild.
Warum schließen Leser von KI-Bildern auf den Text?

Das Aufmacherbild dient als Stellvertreter für die Sorgfalt im Text. Nelson Figueroa hat den Reflex in seinem Blog ausgeschrieben: Ein generiertes Bild lasse ihn zweifeln, ob der Beitrag daneben überhaupt von einem Menschen stamme.[1] Eine gezeichnete Illustration kostet Stunden, ein Prompt kostet Sekunden. Damit verliert das Bild seine alte Funktion als Beleg für Aufwand.
Ein Forschungsteam um Eleftherios Papachristos hat das gemessen. Im Versuch bewerteten 43 Personen sechs Websites, zuerst ohne Hinweis auf die Bildherkunft, danach mit. Ohne Hinweis bevorzugten die Testpersonen die Seiten mit KI-Bildern sogar; nach der Offenlegung verschob sich das Vertrauen klar zu den fotografierten Seiten.[2] Bei Behörden- und Gesundheitsseiten fiel der Abschlag am härtesten aus, bei Unterhaltung am mildesten. Über den ersten Eindruck einer Seite entscheiden ohnehin wenige Sekunden.
Wie stark trifft die Kennzeichnung das Vertrauen?
Der offene Hinweis auf KI wirkt zweischneidig und schadet ausgerechnet korrekten Inhalten. Teng Lin und Yiqing Zhang haben 433 Personen acht populärwissenschaftliche Texte bewerten lassen, vier richtige und vier irreführende. Mit dem Kennzeichnungshinweis sank die Glaubwürdigkeit der richtigen Texte, die der falschen stieg.[3]
Die Befragung von 1.063 Forschenden zeigt den Abstand: 10 Prozent Vertrauen für vollständig generierte Abbildungen, 74 Prozent für von Menschen erstellte, 54 Prozent für generierte und danach überarbeitete.[4] Dieselbe Grenze gilt in der Suche, seit Google generischen Massen-Content abwertet und Originalrecherche belohnt.
Ein generiertes Aufmacherbild spart zehn Minuten und kostet die Glaubwürdigkeit des ganzen Beitrags. Die 54 Prozent aus der BioRender-Befragung zeigen den Ausweg: Redaktionen müssen das generierte Bild anfassen, nicht nur durchwinken.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was verlangt die KI-Verordnung wirklich?
Die maschinenlesbare Kennzeichnung trifft seit dem 2. August 2026 die Anbieter der Generatoren, nicht den Blogbetreiber. Artikel 50 Absatz 2 der KI-Verordnung verlangt von Anbietern synthetischer Bild-, Ton-, Video- und Textinhalte, die Ausgabe maschinenlesbar als künstlich erzeugt erkennbar zu machen.[5] Technisch läuft das über den offenen Standard C2PA, den ausgerechnet Metas eigener Detektor nicht liest.
Die Offenlegungspflicht für Betreiber greift dagegen enger als oft angenommen. Absatz 4 erfasst nur Deepfakes, also Inhalte, die wirklichen Personen, Orten oder Ereignissen merklich ähneln und echt wirken. Ein abstraktes Aufmacherbild fällt regelmäßig nicht darunter. Strenger behandelt die Verordnung den Text: Veröffentlichte KI-Texte zu Angelegenheiten von öffentlichem Interesse verlangen einen Hinweis, sofern keine redaktionelle Kontrolle mit benannter Verantwortung dahintersteht.
Prüfen Sie deshalb zuerst, ob das Motiv echte Information trägt oder nur Fläche füllt. Ohne eigenen Informationswert ist gar kein Bild die bessere Wahl, und der Seite bleibt der generische KI-Look erspart. Generierte Motive gehören danach in menschliche Nachbearbeitung, denn genau dieser Schritt holt in der Befragung 44 Prozentpunkte Vertrauen zurück.
Quellen
[1] Nelson Figueroa: „AI-Generated Images Discourage Me from Reading Your Blog“
[2] Pia Sophie Thorshaug, Henriette Greve Schjelderup, Eleftherios Papachristos: „How AI-generated images affect human preference and trust in websites“, CHI 2026 Extended Abstracts
[3] Teng Lin, Yiqing Zhang: „Visible sources and invisible risks: exploring the impact of AI disclosure on perceived credibility of AI-generated content“, Journal of Science Communication 2026
[4] BioRender: „Is AI hurting scientific credibility?“ (2026)
[5] Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1689, Artikel 50
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