Chinas KI-Talentmarkt zerfällt in zwei Welten. Für eine einzige Vermittlung kassiert ein Personalvermittler inzwischen rund 360.000 Euro Provision, während generalistische KI-Entwickler in der Mitte an Wert verlieren. Der Wechsel von Tencents Vortrainings-Chef Yao Xingsheng zum US-Labor von Mira Murati zeigt, wohin das große Geld fließt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 360.000 Euro Provision an einer einzigen Stelle zeigen, wie heiß Chinas KI-Talentmarkt an der Spitze läuft. Zugleich verlieren die generalistischen KI-Fachkräfte in der Mitte an Wert. Das Wirtschaftsmagazin TMTPost beschreibt einen Markt, der an den Enden wächst und in der Mitte schrumpft.
Das Wichtigste in Kürze
- Für eine einzige Top-Besetzung zahlen Firmen inzwischen rund 360.000 Euro Vermittlungsprovision.
- Ein Chief AI Scientist verdient in China im Median rund 420.000 Euro im Jahr, gut das Sechsfache eines gewöhnlichen Entwicklers.
- Generalistische KI-Entwickler verlieren an Wert, weil Standard-Werkzeuge ihre Aufgaben übernehmen.
- Der Abgang von Tencents Vortrainings-Chef Yao Xingsheng zu einem US-Labor markiert die Flucht der knappen Spitze.
Warum kassiert ein Vermittler 360.000 Euro für eine Stelle?

Kopfgeld an der Spitze. Für einen Algorithmus-Experten bei einer Firma für verkörperte KI kassierte ein Personalvermittler rund 3 Millionen Yuan, etwa 360.000 Euro (umgerechnet zu 0,12 Euro je Yuan am 19. September 2026). Die Stelle war mit rund 10,5 Millionen Yuan dotiert, gut 1,26 Millionen Euro, die Provision entsprach also rund einem Viertel des Pakets.[2]
Wenige Namen, viele Jäger. Um eine einzige Stelle jagen mitunter über hundert Vermittler gleichzeitig. Ein Chief AI Scientist kommt im Median auf 3,5 Millionen Yuan im Jahr, rund 420.000 Euro, ein Lead für Großmodell-Algorithmen auf 2,25 Millionen Yuan, etwa 270.000 Euro.[2] Solche Preise entstehen, weil das Angebot an echten Spitzenkräften winzig ist. Die Wanderung der KI-Köpfe nach Osten verschärft die Knappheit zusätzlich.
Warum wandert die knappe Spitze ins Ausland ab?
Die Flucht der Spitze. Yao Xingsheng, bis Juli 2026 für das Vortraining von Tencents Sprachmodell Hunyuan verantwortlich, wechselte zu Thinking Machines Lab, dem Start-up der früheren OpenAI-Technikchefin Mira Murati.[1] Zuvor hatte er bei Moonshot am Modell Kimi mitgebaut, dessen Börsengang französisches Kapital vorbereitet.
Die eigentliche Knappheit. Nur eine Handvoll Forscher hat je ein Modell über Monate durch das Training auf einem großen Rechencluster gebracht. Genau diese Erfahrung, nicht der Jobtitel, setzt den Preis. Auch westliche Labore zahlen dafür jeden Preis, wie der Wechsel von Nobelpreisträger John Jumper zu Anthropic zeigt.
Ein Konzern zahlt nicht für den Jobtitel KI-Ingenieur, sondern für die zwei, drei Leute, die ein Modell über Monate durch das Training gebracht haben. Alles darunter wird gerade zur Grundausstattung.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was der Riss für europäische Arbeitgeber bedeutet
Warum die Mitte kippt. Standard-Werkzeuge übernehmen die mittleren Aufgaben. Das Protokoll MCP verbindet Modelle mit Anwendungen, Coding-Agenten schreiben den Integrationscode, und damit werden Prompt-Bau, Schnittstellen und einfache Agenten zur Grundfertigkeit. Was gestern Spezialwissen war, beherrscht heute fast jede Fachkraft.
Für europäische Arbeitgeber gilt dieselbe Zweiteilung. Sinnvoll ist, nicht Spitzenpreise für bald alltägliche Fähigkeiten zu zahlen, sondern gezielt an den beiden Enden zu investieren: in echte Forschung und in Leute, die KI im Betrieb zum Laufen bringen. Den Kostendruck zeigt der Einstellungsstopp bei SAP, den Gegenpol die KI-Pflicht in acht von zehn Meituan-Stellen. Einen laufenden Überblick bietet das KI-Ressort von Dr. Web.
Quellen
[1] TMTPost: „Nach Yao Xingsheng: Die Mitte der KI-Talente beginnt an Wert zu verlieren“
[2] TMTPost: „Das magische Jahr der KI-Headhunter: 3 Millionen Provision für einen Auftrag, Hunderte jagen eine Stelle“
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