KI-Plakate wirken oft wie aus derselben Vorlage: dieselben weichen Farbverläufe, dieselbe glatte Symmetrie. Der Softwareentwickler John Hartnup führt in einem Blogbeitrag vor, dass die Einheitsoptik nicht am Werkzeug liegt, sondern an der Bestellung.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie meisten Nutzer tippen dieselbe knappe Vorgabe ein und bekommen dasselbe Ergebnis. Für Firmen, die Bildmaterial im Marketing brauchen, entscheidet dieser eine Handgriff über Wiedererkennung oder Verwechselbarkeit.
Das Wichtigste in Kürze
- Rein KI-erzeugte Bilder wirken generisch, weil das Modell jede offene Gestaltungsfrage mit dem statistisch häufigsten Muster füllt.
- Eine benannte Stilrichtung im Prompt, etwa Bauhaus, Risografie oder Memphis-Design, bricht den Einheitslook sofort auf.
- John Hartnup erzeugte für einen einzigen Veranstaltungsauftrag mehr als acht klar unterscheidbare Plakatvarianten.
- Ab dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 des EU AI Act eine Kennzeichnung öffentlich genutzter KI-Inhalte; rein KI-erzeugte Bilder genießen zudem kein Urheberrecht.
Warum sehen KI-Plakate alle gleich aus?

Statistischer Mittelwert. Ein Bildmodell wählt für jede Vorgabe, die der Prompt offenlässt, die wahrscheinlichste Variante aus seinen Trainingsdaten. Eine vage Bestellung wie „ein Plakat für ein Sommerfest“ lässt fast alles offen, also greift das Modell zum Durchschnitt aus Millionen ähnlicher Bilder. Genau dieser Durchschnitt ist der glatte, farbverlaufslastige Look, den viele inzwischen als KI-Ästhetik erkennen.
Nicht nur Plakate. Die Einheitsoptik betrifft mehr als Veranstaltungswerbung. Auch beim Aufmacherbild eines Blogs schließen Leser vom Bild auf die Qualität des Textes. Im Webdesign trennt sich gutes Gestalten von schnell generierten Oberflächen.
Wie entstehen unterscheidbare Motive?
Stil benennen. John Hartnup nennt im Prompt eine konkrete Gestaltungsschule und bekommt ein eigenständiges Ergebnis. Für ein einziges Sommerfest erzeugte er so mehr als acht Plakate, vom strengen Bauhaus bis zum Punk-Fanzine.[1] Jede Version sieht anders aus, weil der genannte Stil die offenen Gestaltungsfragen vorab entscheidet.
Stilmenü abfragen. Bei Unsicherheit über die passende Richtung liefert ein Modell wie ChatGPT, Midjourney oder DALL-E auf Nachfrage eine Auswahl möglicher Stile mit kurzer Beschreibung. Welches Werkzeug wie arbeitet, zeigt der Vergleich von Adobe Firefly und Midjourney für Marketing-Teams.
Ein Bildgenerator liefert standardmäßig den Durchschnitt seiner Trainingsdaten. Erst die benannte Stilrichtung macht aus einem beliebigen Motiv ein wiedererkennbares.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen im DACH-Raum?
Kennzeichnungspflicht. Ab dem 2. August 2026 greift Artikel 50 des EU AI Act. Firmen, die KI-erzeugte Bilder öffentlich einsetzen, müssen den KI-Ursprung offenlegen.[2] Für erkennbar künstlerische Arbeiten wie ein stilisiertes Plakat genügt ein unaufdringlicher Hinweis, der die Wirkung nicht stört.
Kein Urheberrecht. Ein rein von der KI erzeugtes Bild gilt in Deutschland nicht als persönliche geistige Schöpfung und genießt deshalb keinen Schutz nach dem Urheberrecht.[3] Ein Wettbewerber darf ein solches Plakat also kopieren. Schutz entsteht erst durch spürbare eigene Gestaltung, etwa durch nachträgliche Bearbeitung oder die Kombination mehrerer Elemente.
Für Entscheider. Vor dem nächsten Bildauftrag lohnen eine feste Stilvorgabe im Prompt, ein interner Kennzeichnungshinweis für öffentliche KI-Motive und die Klärung, welche Bildrechte das Unternehmen überhaupt beanspruchen kann.
Quellen
[1] John Hartnup: „AI-generated posters don’t have to be horrible“
[2] Europäische Kommission: Leitlinien zu den Transparenzpflichten (Artikel 50 EU AI Act)
[3] Gesetze im Internet: § 2 UrhG, persönliche geistige Schöpfung
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