Die iCloud-Verschlüsselung britischer Nutzer beschäftigt erneut das Investigatory Powers Tribunal in London. Apple hat im Juli 2026 Beschwerde gegen eine geheime Anordnung eingereicht, die diesmal nur britische Konten erfassen soll. Brüssel arbeitet an einer eigenen Technologie-Roadmap zur Verschlüsselung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie iCloud-Verschlüsselung nach Apples Verfahren Advanced Data Protection lässt sich in Großbritannien seit dem 21. Februar 2025 nicht mehr einschalten.[2] Apple hat den Schutz damals im Land zurückgezogen, statt eine Hintertür einzubauen. Anderthalb Jahre später liegt der Streit wieder vor Gericht, weil das Innenministerium eine zweite Anordnung nachgeschoben hat.
Das Wichtigste in Kürze
- Apple hat im Juli 2026 beim Investigatory Powers Tribunal Beschwerde gegen eine geheime Anordnung des Innenministeriums eingereicht.
- Die zweite Anordnung beschränkt sich auf britische Konten, nachdem Washington gegen die weltweite Fassung protestiert hatte.
- Rechtsgrundlage ist Section 253 des Investigatory Powers Act, die ausdrücklich das Entfernen von Verschlüsselung und eine Wirkung außerhalb Großbritanniens erlaubt.
- Die EU-Kommission legt 2026 eine Technologie-Roadmap zur Verschlüsselung vor, Europol soll ab 2030 neue Entschlüsselungstechnik erhalten.
Was verlangt London von Apple?

Das britische Innenministerium stützt sich auf eine Technical Capability Notice nach Section 253 des Investigatory Powers Act. Verlangt wird der Zugriff auf verschlüsselte iCloud-Backups britischer Konten.
Section 253 erlaubt Auflagen, die ausdrücklich das Entfernen des elektronischen Schutzes umfassen, den ein Betreiber selbst auf seine Daten legt. Absatz 8 derselben Vorschrift stellt klar, dass eine Anordnung an Adressaten außerhalb Großbritanniens ergehen und Handlungen außerhalb des Landes verlangen darf.[1] Über eine solche Anordnung darf keine Seite sprechen, auch nicht über ihre bloße Existenz.
Die erste Fassung erfasste auch Konten außerhalb Großbritanniens und fiel nach dem Protest Washingtons weg, die zweite trifft allein britische Nutzer. Apple hat sich schon im Streit um die Pflicht zur Prüfung von iCloud-Inhalten gegen Auflagen dieser Art gewehrt.
Warum schützt eine Beschränkung auf Briten niemanden?
Ein Zweitzugang lässt sich nicht auf ein Land begrenzen, weil der Zugriffsweg im Verfahren liegt und nicht im einzelnen Konto. Sobald Apple die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für eine Gruppe aufhebt, steckt der Weg im Produkt.
Bei Advanced Data Protection liegen die Schlüssel ausschließlich auf den Geräten der Kundschaft, Apple selbst kann die Daten nicht lesen. Eine Anordnung zwingt den Konzern also zu einer Schlüsselkopie oder zu einem behördlichen Zweitzugang. Die Länderkennung entscheidet danach nur noch, wo dieser Baustein scharf geschaltet wird.
Apple wählte im Februar 2025 den Ausweg, den Schutz in Großbritannien gar nicht mehr anzubieten. Privacy International und die Bürgerrechtsorganisation Liberty greifen dieselbe Rechtsgrundlage an. Das Tribunal hat dafür sieben Verhandlungstage angesetzt.[3] Staatlicher Druck trifft auch kleinere Anbieter, etwa als Indien die Mesh-App Bitchat sperren ließ oder als die US-Justiz einen Reisenden mit gelöschtem GrapheneOS-Handy anklagte.
Stand 3. August 2026
Was die EU beim Datenzugang plant
Eine Anordnung, über die niemand sprechen darf, lässt sich weder politisch noch technisch auf ein Land begrenzen. Genau deshalb entscheidet der Londoner Prozess mit darüber, was Brüssel 2026 in seine Verschlüsselungs-Roadmap schreibt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen im DACH-Raum?
Brüssel bereitet einen eigenen Zugriffspfad vor. Die Europäische Kommission beschloss am 24. Juni 2025 einen Fahrplan für den rechtmäßigen Datenzugang und legt 2026 eine Technologie-Roadmap zur Verschlüsselung nach.
Nach Angaben der Kommission stützen sich 85 Prozent der strafrechtlichen Ermittlungen in der EU auf elektronische Beweismittel. Europol soll ab 2030 eine Entschlüsselungsfähigkeit der nächsten Generation bekommen.[4] Parallel läuft der Streit um das Scannen privater Nachrichten, den das EU-Parlament per Eilverfahren neu aufrollte und im Juli bis 2028 verlängerte.
Für Firmen im DACH-Raum zählt zuerst, welcher Rechtsordnung der eigene Cloud-Anbieter untersteht. Sensible Geschäftsdaten gehören in einen Speicher mit Schlüsseln im eigenen Haus. Die Sicherheitsleitlinie sollte den Fall beschreiben, dass ein Anbieter eine Schutzfunktion für ein ganzes Land abschaltet. Den Rahmen dafür liefern die Cybersecurity-Grundlagen für den Mittelstand.
FAQ: iCloud-Verschlüsselung und Apples Klage in London
Was ist Apples Advanced Data Protection?
Advanced Data Protection ist eine Zusatzstufe der iCloud-Verschlüsselung, bei der die Schlüssel für Backups, Fotos, Notizen und weitere Kategorien ausschließlich auf den Geräten der Nutzer liegen. Apple selbst kann diese Daten dann nicht mehr lesen und auch nicht an Behörden herausgeben.
Ist Advanced Data Protection in Großbritannien noch verfügbar?
Nein. Seit dem 21. Februar 2025 lässt sich die Funktion in Großbritannien nicht mehr neu aktivieren. Alle Konten mit bereits aktiviertem Schutz mussten ihn abschalten, um iCloud weiter zu nutzen. Apple hat den Schritt mit den Forderungen der britischen Regierung begründet.
Was ist eine Technical Capability Notice?
Eine Technical Capability Notice ist eine Anordnung des britischen Innenministeriums nach Section 253 des Investigatory Powers Act. Damit lassen sich Betreibern technische Auflagen machen, ausdrücklich auch das Entfernen des selbst angelegten elektronischen Schutzes. Über Inhalt und Existenz einer solchen Anordnung darf der Adressat nicht sprechen.
Betrifft die britische Anordnung auch deutsche Apple-Nutzer?
Die aktuelle Anordnung zielt nach übereinstimmenden Berichten allein auf britische Konten. Apple argumentiert allerdings, dass ein behördlicher Zweitzugang im Produkt selbst angelegt werden müsste und damit die Sicherheit aller Kundinnen und Kunden senkt. Genau diese Frage klärt das Investigatory Powers Tribunal.
Plant die EU eigene Regeln zum Zugriff auf verschlüsselte Daten?
Ja. Die Europäische Kommission hat am 24. Juni 2025 einen Fahrplan für den rechtmäßigen Zugang zu Daten vorgelegt und kündigt darin für 2026 eine Technologie-Roadmap zur Verschlüsselung an. Europol soll ab 2030 eine neue Entschlüsselungsfähigkeit erhalten.
Quellen
[1] The National Archives: Investigatory Powers Act 2016, Section 253 „Technical capability notices“
[2] Apple Support: „Apple can no longer offer Advanced Data Protection in the United Kingdom to new users“
[3] Privacy International: „Update: Our case against UK Government’s secret surveillance orders to be heard in 2026“
[4] Europäische Kommission: „Commission presents Roadmap for effective and lawful access to data for law enforcement“
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