Granola verspricht saubere Meeting-Notizen, ohne dass ein sichtbarer Bot in der Videokonferenz auftaucht. Der KI-Notizblock zapft dafür still das Systemaudio an. Genau diese heimliche Aufzeichnung kann in Deutschland an §201 StGB und der DSGVO scheitern, weshalb vor dem Rollout im Team die Einwilligung aller Beteiligten steht.

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Granola läuft inzwischen auf macOS, Windows und dem iPhone, ganz ohne Aufnahme-Bot in der Videokonferenz. Stattdessen greift der KI-Notizblock direkt den Ton Ihres Rechners ab und fasst das Gesagte hinterher zusammen. Im Kalenderchaos klingt das praktisch, in Deutschland wird daraus aber schnell ein juristischer Stolperstein.

Das Wichtigste in Kürze

  • Granola erstellt Meeting-Notizen ohne Bot, indem der Notizblock das Systemaudio Ihres Rechners aufzeichnet (macOS, Windows, iPhone).
  • Die Basis-Version kostet nichts, das Business-Paket rund 12 Euro, die Enterprise-Stufe rund 30 Euro je Nutzer und Monat.
  • Das stille Mitschneiden fremder Stimmen kann §201 StGB verletzen und braucht eine Rechtsgrundlage nach DSGVO.
  • Rechtssicher wird der Einsatz erst mit Einwilligung aller Teilnehmer, dem Betriebsrat und einem Blick auf lokale Alternativen.

Was macht Granola anders als ein Meeting-Bot?

Silbernes Aufnahmegerät mit „Kein Bot dabei“-Notiz ist per Paketband an Tischkante befestigt
Granola zeichnet Videokonferenzen auf, ohne einen sichtbaren Bot einzuschleusen, sondern durch direktes Abgreifen des Systemaudio

Klassische Mitschnitt-Dienste wie Otter.ai oder Fireflies schicken einen eigenen Teilnehmer in die Videokonferenz, sichtbar für alle in der Runde. Granola kommt ohne diesen Bot aus und greift direkt das Systemaudio ab, also den Ton aus Ihren Lautsprechern. Für Sie bleibt die Bot-Warnung aus, im Call steckt keine zusätzliche Software.

Aus den Rohnotizen formt das Tool hinterher strukturierte Zusammenfassungen mit Aufgaben und Entscheidungen, ein Chat beantwortet Rückfragen über mehrere Termine hinweg. Lokal bleibt die Aufnahme dagegen bei einer quelloffenen Spracherkennung, die den Ton nicht in die Cloud schickt. Genau die Unsichtbarkeit ist bei Granola der Verkaufsvorteil und zugleich der Haken.

Was kostet Granola, und für wen lohnt sich der Notizblock?

Granola bietet drei Preisstufen. Die Basis-Version kostet nichts und liefert KI-Notizen, eine begrenzte Historie und den Chat. Das Business-Paket kostet rund 12 Euro je Nutzer und Monat, dazu kommen unbegrenzte Historie, Integrationen für Notion, Slack oder HubSpot sowie API- und MCP-Zugang. Für rund 30 Euro ergänzt die Enterprise-Stufe Single-Sign-on und Admin-Kontrollen.[1]

Schon die Gratis-Stufe lässt Sie dem Training der KI-Modelle widersprechen, ein Datenschutz-Detail mit Gewicht. Anders als ein Allround-Assistent wie Google Gemini ist Granola allein auf Meetings spezialisiert. Bot-Dienste wie Fireflies oder Fathom verlangen ähnliche Preise, machen die Aufzeichnung aber sichtbar.

Granola auf einen Blick
KI-Meetingnotizen ohne Bot: Preise, Prinzip und das deutsche Rechtsrisiko.

Drei Preisstufen (je Nutzer und Monat)

0 €
Basis
KI-Notizen, begrenzte Historie, Widerspruch gegen KI-Training
rund 12 €
Business
unbegrenzte Historie, Integrationen, API und MCP
rund 30 €
Enterprise
Single-Sign-on und Admin-Kontrollen

Bot oder kein Bot?

Granola

Greift still das Systemaudio ab. Kein sichtbarer Teilnehmer, keine Bot-Warnung in der Runde.

Bot-Dienste

Otter.ai oder Fireflies schicken einen eigenen Teilnehmer in den Call, für alle sichtbar.

Rechtsrisiko in Deutschland: Das Mitschneiden fremder Stimmen ohne Einwilligung verletzt §201 StGB (bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe) und braucht nach DSGVO eine Rechtsgrundlage. Im Betrieb entscheidet der Betriebsrat mit.

Ist Granola mit dem deutschen Recht vereinbar?

In Deutschland schützt §201 StGB das nichtöffentlich gesprochene Wort.[2] Zeichnet Granola die Stimmen der anderen Teilnehmer ohne deren Einwilligung auf, drohen bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. Der stille Mitschnitt aus dem Systemaudio fällt genau in diese Kategorie.

Dazu kommt die DSGVO: Sprachaufnahmen und Transkripte sind personenbezogene Daten. Solche Daten brauchen eine Rechtsgrundlage, meist die Einwilligung aller Beteiligten. Im Unternehmen redet zusätzlich der Betriebsrat mit, weil eine mithörende Software unter die Mitbestimmung bei technischer Überwachung fällt.

Ein Werkzeug, das den Aufnahmehinweis wegoptimiert, schiebt das Rechtsrisiko vollständig auf den Anwender. In Deutschland ersetzt kein noch so guter Algorithmus die Einwilligung der Menschen am anderen Ende der Leitung.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Für den Alltag folgt daraus eine klare Reihenfolge. Vor jeder Aufzeichnung holen Sie die Zustimmung aller Teilnehmer ein und weisen sichtbar darauf hin. Im Unternehmen gehört der Einsatz zusätzlich mit dem Betriebsrat geregelt. Bei sensiblen Gesprächen lohnt der Griff zu einer lokalen Alternative, die die Daten gar nicht erst aus dem Haus gibt.

Granola nimmt Ihnen die Tipparbeit im Meeting ab, die rechtliche Verantwortung aber nicht. Für Teams in der EU bleibt der Notizblock brauchbar, sobald Einwilligung, Betriebsrat und eine saubere Rechtsgrundlage stehen. Alles andere verschiebt das Problem nur nach hinten.

Quellen

[1] Granola: Preisübersicht (Basic, Business, Enterprise)

[2] §201 StGB: Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes

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