Der OpenAI-Börsengang hat jetzt eine Jahreszahl: 2027, notfalls früher. Finanzchefin Sarah Friar nannte sie am Mittwoch vor der Belegschaft. Geprüfte Zahlen liefert dieser Termin allerdings nicht, dafür zählt ein Datum aus dem Regelwerk der US-Börsenaufsicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Börsengang sei keine Ziellinie, sondern ein Meilenstein und eine weitere Finanzierungsrunde, sagte Friar laut CNBC auf der Betriebsversammlung.[1] Ein früherer Start bleibe möglich, sofern das Geschäft weiter anziehe. Den Entwurf des Verkaufsprospekts hat OpenAI der Börsenaufsicht SEC bereits im Juni vertraulich vorgelegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Termin: Finanzchefin Sarah Friar nennt 2027 als Börsenjahr, ein früherer Start bleibt offen.
- Frist: Der vertrauliche Entwurf muss mindestens 15 Tage vor jeder Roadshow öffentlich eingereicht werden.
- Ausgangslage: Im zweiten Quartal stehen 5,83 Milliarden Euro Umsatz einem operativen Verlust von 10,7 Milliarden Euro gegenüber.
- Rivale: Anthropic kam im selben Quartal auf 10,09 Milliarden Euro und einen kleinen operativen Gewinn.
Warum sagt die Jahreszahl nichts über die Bilanz?

Die Frist steckt im Verfahren der SEC, nicht im Terminplan des Unternehmens. Seit 2017 nimmt die Behörde Entwürfe von Registrierungserklärungen aller Emittenten vertraulich entgegen, vorher galt das nur für junge Wachstumsfirmen. Bedingung ist eine Zusage im Anschreiben: Das Unternehmen reicht die Registrierungserklärung samt sämtlicher vertraulicher Entwürfe mindestens 15 Tage vor jeder Roadshow öffentlich ein.[2]
Erst mit dieser Veröffentlichung liegen geprüfte Abschlüsse, Risikofaktoren und die eingegangenen Rechenzentrums-Verpflichtungen offen. Bis dahin kursieren Hochrechnungen aus Investorenrunden. Genau daran hatte sich schon die Debatte um Anthropics Umsatzlauf vor dem eigenen Börsengang entzündet.
Wie steht OpenAI vor dem Prospekt da?
Das Wachstum hat sich verlangsamt. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz laut Wall Street Journal auf 6,7 Milliarden Dollar, umgerechnet 5,83 Milliarden Euro und 18 Prozent mehr als im Vorquartal. Der operative Verlust wuchs im selben Zeitraum von 9,3 auf 12,3 Milliarden Dollar, also von 8,09 auf 10,7 Milliarden Euro. Anthropic zog demselben Bericht zufolge erstmals vorbei, mit 11,6 Milliarden Dollar oder 10,09 Milliarden Euro und einem kleinen operativen Gewinn.
Friar hielt dagegen. Der Umsatzlauf liege im laufenden Quartal 35 Prozent höher, im Geschäftskundengeschäft 50 Prozent, das Coding-Produkt zähle 20 Millionen wöchentliche Nutzer. Die Finanzierungsrunde vom 31. März über 122 Milliarden Dollar, umgerechnet 106,1 Milliarden Euro, verschaffe Spielraum.[1]
Die Verpflichtungen auf der anderen Seite wachsen mit. Nvidia hat die Kreditgarantie für das Rechenzentrum in Ohio mehr als halbiert, während Oracle für die Gasversorgung eines OpenAI-Standorts eine neue Trasse sucht. Wie teuer die Absicherung von Rechenleistung geworden ist, zeigt auch Google mit einem Aktienpaket bei Marvell. Solche Zusagen landen im Prospekt.
Eine Jahreszahl aus einer Betriebsversammlung ersetzt keine Bilanz. Für die Anbieterbewertung zählt bei OpenAI der Tag, an dem der Prospekt öffentlich wird, und der liegt Wochen vor dem ersten Kurs.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Entscheider im DACH-Raum?
Die Anbieterprüfung bekommt damit ein Datum. Finanzunternehmen müssen nach der Verordnung über die digitale operationale Resilienz seit dem 17. Januar 2025 vor jedem Vertrag prüfen, ob er das Konzentrationsrisiko nach Artikel 29 erhöht.[3] Ein öffentlicher Prospekt liefert dafür erstmals testierte Zahlen statt Schätzungen.
Unabhängig davon läuft die Pflicht aus der KI-Verordnung weiter. Anbieter aus Drittländern benennen vor dem Inverkehrbringen eines Modells mit allgemeinem Verwendungszweck schriftlich einen Bevollmächtigten in der Union, der die technische Dokumentation zehn Jahre bereithält.[4] Am Rechtsstatus dieser Pflicht ändert eine Notierung in New York nichts.
Zwei Schritte lohnen sich jetzt. Prüfen Sie die Ausstiegs- und Preisanpassungsklauseln in laufenden OpenAI-Verträgen. Setzen Sie sich außerdem eine Wiedervorlage auf den Tag, an dem ein Roadshow-Termin bekannt wird, denn dann steht der Prospekt binnen zwei Wochen im EDGAR-Archiv der SEC.
Quellen
[1] CNBC: „OpenAI ‚will be a public company in 2027‘ or sooner, CFO Friar tells employees“ (19.08.2026)
[2] U.S. Securities and Exchange Commission, Division of Corporation Finance: „Draft Registration Statement Processing Procedures Expanded“
[3] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2022/2554 über die digitale operationale Resilienz im Finanzsektor
[4] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2024/1689 zur Festlegung harmonisierter Vorschriften für künstliche Intelligenz, Artikel 54
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