Die RTL Group gibt der künstlichen Intelligenz einen festen Platz an der Konzernspitze. Jan Peter Lacher berät ab sofort allein Vorstandschef Clément Schwebig zum Thema KI, nachdem er den Umbau drei Jahre lang vorangetrieben hat. Für Medienunternehmen im DACH-Raum ist das ein Signal, wie ernst die Branche die Technik nimmt.

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Eine eigene KI-Rolle direkt beim Vorstandschef ist in einem europäischen Medienkonzern neu. Die RTL Group schuf diese Position am 18. August 2026 und trennte sie bewusst vom klassischen Strategiegeschäft. Damit rückt die Technik von der Projektebene in die Chefetage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Jan Peter Lacher wird Senior Advisor des Vorstandschefs für KI, eine neu geschaffene Rolle.
  • Hendrik von der Linden übernimmt Strategie, Transformation und Geschäftsentwicklung.
  • RTL Technology synchronisierte erstmals eine ganze Serie mit synthetischen Stimmen.
  • Seit dem 2. August 2026 verlangt die EU-KI-Verordnung eine Kennzeichnung KI-erzeugter Inhalte.

Warum bekommt KI bei der RTL Group einen eigenen Berater?

Sessel mit Filmklappe (KI-BERATUNG), Schlüsselschild (KI-Berater) und Quietscheente
KI-Verantwortung bei Lacher neu strukturiert: von Content und Geschäftsentwicklung zu reiner Technik, Strategieberatung für Schwebig und Strategieübernahme durch von der Linden

Die Zäsur liegt weniger in der Personalie als in der Struktur. Bislang steckte die Verantwortung für künstliche Intelligenz im Ressort Content und Geschäftsentwicklung, das Lacher seit Anfang 2025 führte. Jetzt konzentriert er sich ausschließlich auf die Technik und berät Schwebig direkt, während Hendrik von der Linden die Strategie übernimmt.[1]

Einen vergleichbaren Zug machte zuletzt SAP, wo Vorstandschef Christian Klein die KI-Produktentwicklung selbst übernahm. Bei der RTL Group ist die Botschaft ähnlich klar: KI ist kein Sonderprojekt mehr, sondern eine Daueraufgabe der Führung.

Was verändert KI in der Fernsehproduktion?

Am sichtbarsten wird der Umbau in der Synchronisation. RTL Technology vertonte die dreiteilige Dokumentarreihe „Myths and Monsters“ erstmals komplett mit synthetischen Stimmen und behielt den festen Stamm menschlicher Sprecher für die übrigen Produktionen.[2] Parallel testet RTL Deutschland KI für Programmübergänge, und der Streamingdienst RTL+ soll nach dem Plan des Konzerns bis Ende 2026 zusammen mit dem niederländischen Videoland zehn Millionen zahlende Abonnenten erreichen.

Die Rechnung dahinter ist betriebswirtschaftlich. Synthetische Stimmen, automatisierte Übergänge, maschinelle Untertitel und personalisierte Empfehlungen senken die Kosten pro Sendeminute und beschleunigen die Lokalisierung für mehrere Märkte. Genau solche Abläufe baute Lacher in drei Jahren entlang der Wertschöpfungskette um, meist gemeinsam mit großen Technologiepartnern.

Ein KI-Berater im Vorzimmer des Vorstands zeigt, dass die Medienbranche die Technik nicht mehr an die IT-Abteilung delegiert. Die automatisierte Synchronstimme verschiebt am Ende die Kostenbasis des ganzen Konzerns.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
RTL Group: KI wird zur Chefsache
Wie ein Medienkonzern die künstliche Intelligenz in die Führung holt
1
neue KI-Rolle direkt beim Vorstandschef der RTL Group
3 Jahre
KI-Umbau entlang der Wertschöpfungskette unter Jan Peter Lacher
10 Mio.
zahlende Abonnenten als Ziel für RTL+ und Videoland bis Ende 2026
Art. 50
EU-KI-Verordnung: Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte seit dem 2. August 2026

Was bedeutet der KI-Vorstoß für Medienunternehmen im DACH-Raum?

Für deutschsprachige Anbieter verschärft sich vor allem die Transparenzpflicht. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, dass klar erkennbar wird, sobald Stimmen, Bilder oder Videos künstlich erzeugt oder verändert wurden. Synthetische Synchronstimmen fallen damit unter eine Kennzeichnungspflicht, die RTL und jeder Wettbewerber sauber umsetzen muss.

Der zweite Hebel ist die Nachvollziehbarkeit. Wie sich maschinell erzeugte Inhalte sauber auszeichnen lassen, zeigt die Debatte um eine Quellenpflicht für KI-Content. Für Entscheider in kleineren Medienunternehmen zählt am Ende die Reihenfolge: Automatisiert ein Anbieter heute Synchronisation, Untertitel oder Empfehlungen, gehören eine Kennzeichnungslogik und eine klare Zuständigkeit von Anfang an dazu, sonst holt die Regulierung den Effizienzgewinn wieder ein.

FAQ: RTL Group macht KI zur Chefsache

Was macht ein KI-Berater in einem Medienkonzern?

Ein KI-Berater verantwortet die konzernweite KI-Strategie und berät die Geschäftsführung direkt. Bei der RTL Group konzentriert sich Jan Peter Lacher seit August 2026 allein auf dieses Thema und berät Vorstandschef Clément Schwebig. Zuvor führte er das Ressort Content und Geschäftsentwicklung.

Ersetzt KI die Synchronsprecher bei RTL?

Nein, RTL setzt KI-Stimmen bislang ergänzend ein und behält den festen Stamm menschlicher Synchronsprecher. RTL Technology vertonte die Dokumentarreihe „Myths and Monsters“ erstmals komplett mit synthetischen Stimmen, nutzt die Technik sonst aber nur für ausgewählte internationale Produktionen.

Was schreibt die EU-KI-Verordnung für KI-Inhalte vor?

Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der EU-KI-Verordnung, dass künstlich erzeugte oder veränderte Stimmen, Bilder und Videos klar als solche erkennbar sind. Anbieter müssen synthetische Inhalte kennzeichnen, damit das Publikum sie von echten Aufnahmen unterscheiden kann.

Wem gehört die RTL Group?

Die RTL Group gehört mehrheitlich zu Bertelsmann mit Sitz in Gütersloh. Der Konzern betreibt Fernsehsender, den Streamingdienst RTL+ und Produktionsgeschäfte in mehreren europäischen Ländern und schloss 2026 die Übernahme von Sky Deutschland ab.

Quellen

[1] RTL Group: „RTL Group announces a new leadership“

[2] Bertelsmann: „RTL Technology Reports First-Time Use Of AI For Synchronization“

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