Der Anlagenbauer Friedrich Vorwerk hat sein operatives Ergebnis im ersten Halbjahr 2026 um 70 Prozent gesteigert und die Jahresprognose angehoben. Der Umsatz hat im gleichen Zeitraum nur um 11 Prozent zugelegt. Diese Lücke zwischen Ergebnis und Umsatz ist die eigentliche Nachricht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFriedrich Vorwerk verlegt Erdkabel, baut Umspannwerke und stellt Gasleitungen auf Wasserstoff um, also genau die Infrastruktur, über die in Berlin seit Jahren gestritten wird. Am 22. Juli 2026 hat das Unternehmen aus dem niedersächsischen Tostedt gezeigt, wie profitabel dieser Umbau inzwischen ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Das EBITDA im ersten Halbjahr 2026 lag bei 92,6 Millionen Euro, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Der Umsatz stieg nur um 11 Prozent auf 337,3 Millionen Euro, die Marge sprang von 18 auf gut 27 Prozent.
- Die neue EBITDA-Prognose für 2026 liegt bei 180 bis 200 Millionen Euro, die Umsatzerwartung von 730 bis 780 Millionen Euro bleibt unverändert.
- Der Auftragsbestand von rund einer Milliarde Euro wird von Stromnetz- und Wasserstoffprojekten getragen.
Warum steigt der Gewinn schneller als der Umsatz?

Der Projektmix hat sich verschoben: mehr margenstarke Strom- und Wasserstoffvorhaben, weniger einfache Tiefbaulose, dazu der Hebel fixer Kosten auf höhere Auslastung.
Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist im ersten Halbjahr auf 92,6 Millionen Euro geklettert, nach 54,5 Millionen Euro ein Jahr zuvor.[1] Der Umsatz hat im gleichen Zeitraum nur um 11 Prozent auf 337,3 Millionen Euro zugelegt.
Aus beiden Zahlen ergibt sich der eigentliche Befund: Die EBITDA-Marge ist von 18 auf gut 27 Prozent gestiegen. Ein Bauunternehmen, das mehr Ergebnis aus fast gleichem Umsatz zieht, hat seine Aufträge besser ausgewählt, nicht bloß mehr davon angenommen.
Was füllt den Auftragsbestand über eine Milliarde?
Der gleichzeitige Ausbau der Stromnetze und der Aufbau des Wasserstoff-Kernnetzes: zwei staatlich verankerte Großprojekte, die über ein Jahrzehnt laufen und genau Friedrich Vorwerks Gewerke abrufen.
Der Auftragsbestand liegt bei rund einer Milliarde Euro, mit den Gemeinschaftsprojekten sogar bei 1,45 Milliarden Euro.[1] Gefüllt wird er von zwei Wellen. Die erste ist der Stromnetzausbau, den der Bundesbedarfsplan über Jahre festschreibt, von der Erdkabeltrasse bis zum Umspannwerk.
Die zweite Welle ist das Wasserstoff-Kernnetz. Die Bundesnetzagentur hat es im Oktober 2024 genehmigt: 9.040 Kilometer Leitung für 18,9 Milliarden Euro, schrittweise bis 2032 in Betrieb.[2] Rund 60 Prozent entstehen durch die Umstellung bestehender Gasleitungen, ein Geschäft, das Friedrich Vorwerk direkt bedient.
Ein dritter Treiber kommt hinzu: Die neuen KI-Rechenzentren brauchen Netzanschlüsse im Gigawatt-Maßstab. Manche Betreiber bestellen dafür sogar eigene Kraftwerke. Die Firmen, die die Leitungen legen, profitieren unabhängig davon, welche Technologie am Ende den Strom liefert.
Die Energiewende wird als Streit über Technologien geführt, verdient wird an den Kabeln und Rohren, die jede Variante braucht.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Entscheider im DACH-Raum?
Der Infrastrukturausbau ist ein mehrjähriger Investitionszyklus mit politischer Rückendeckung. Das größte Risiko liegt nicht in der Nachfrage, sondern in der Regulierung der Netzentgelte, also in der Frage, wer den Ausbau bezahlt.
Finanziert wird das Wasserstoff-Kernnetz privat und über Entgelte der späteren Nutzer, geregelt im Energiewirtschaftsgesetz.[2] Weil anfangs nur wenige Abnehmer angeschlossen sind, deckelt die Bundesnetzagentur diese Entgelte. Über die künftige Verteilung der Kosten wird weiter politisch gerungen, und daran hängt das Tempo des Ausbaus.
Für Unternehmen, die auf planbare Strom- und Wärmeversorgung angewiesen sind, zählt weniger die Quartalszahl eines Zulieferers als das Signal dahinter: Der Umbau der Netze läuft, und er beschleunigt sich. Ähnliche Prognoseanhebungen anderer Energiewende-Zulieferer deuten in dieselbe Richtung.
Bei der Standortplanung und bei langfristigen Energieverträgen lohnt es sich, den Netzausbau als eigene Variable mitzudenken. Dort, wo neue Trassen und Wasserstoffleitungen entstehen, verschieben sich Anschlusskosten und Versorgungssicherheit über Jahre.
Quellen
[1] Friedrich Vorwerk Group SE: „FRIEDRICH VORWERK increases EBITDA by 70 % to €93 million in the first half of the year“, EQS-Ad-hoc, 22. Juli 2026. ↑
[2] Bundesnetzagentur: „Bundesnetzagentur genehmigt Wasserstoff-Kernnetz“, 22. Oktober 2024. ↑
Mehr Newshunger?
- Vom Millionenverlust zum Gewinnsprung: Warum SMA Solar die Prognose für 2026 kräftig anhebt
- Solarstrom ohne Förderung: dm bindet sich zehn Jahre an einen eigenen Solarpark
- 2,45 Gigawatt Brennstoffzellen: Warum Oracle in New Mexico die Gasturbinen abbestellt
- Fliegende Brennstoffzelle: MTU startet 2026 die Erprobung des 600-Kilowatt-Wasserstoffantriebs
- Erst Dänemark, jetzt Schweden: EnBW verkauft sein Ökostromgeschäft im Norden
- 43 Milliarden Euro, 5 Gigawatt: Hochtief baut Metas größtes KI-Rechenzentrum