Knorr-Bremse gibt die Verantwortung für seine komplette Anwendungslandschaft an den IT-Dienstleister Infosys ab, von der SAP-Kernsoftware bis zu den Systemen mit den Konstruktionsdaten. Den laufenden Betrieb steuert künftig nicht mehr allein eine Servicemannschaft, sondern eine Schicht aus generativer und agentischer KI. Beide Konzerne gaben die langfristige Zusammenarbeit am 18. August 2026 bekannt.

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Für einen Zulieferer, dessen Bremsen in Zügen und Lkw über Sicherheit entscheiden, war die eigene IT bislang Handarbeit an vielen gewachsenen Systemen. Genau diese Systeme bündelt Knorr-Bremse jetzt unter einem Programm mit dem Namen Tech4Value.

Das Wichtigste in Kürze

  • Infosys übernimmt die gesamte Anwendungslandschaft von Knorr-Bremse für die Sparten Schiene und Nutzfahrzeug, inklusive SAP-Kernsystem, Datenplattformen und Produktdaten-Management (PLM).
  • Den Betrieb steuert Infosys über die Plattform Topaz mit generativer und agentischer KI, nicht mehr allein über menschliche Service-Teams.
  • Der Umbau läuft unter dem Knorr-Bremse-Programm Tech4Value, das die gewachsene IT vereinheitlichen und auf ein wertorientiertes Betriebsmodell umstellen soll.
  • Vertragswert und Laufzeit haben beide Unternehmen nicht genannt.

Was übernimmt Infosys bei Knorr-Bremse?

Bremsscheibe mit Aufschrift „KI“ und ein Schlüsselbund mit einem Etikett „Betrieb: extern“
Infosys betreibt und modernisiert künftig die gesamte IT-Landschaft von Knorr-Bremse: ERP, Datenplattformen und Product-Lifecycle-Management als Komplettpaket

Der Vertrag reicht über die ganze Anwendungslandschaft beider Sparten, von der Kern-ERP über die Datenplattformen bis zum Product-Lifecycle-Management, also den Systemen, in denen die Konstruktionsdaten der Bremsen stecken.[1] Infosys betreibt und modernisiert diese Systeme künftig als Komplettpaket.

Neu ist die Betriebslogik. Statt einer Ticketschlange, die Menschen abarbeiten, sollen Agenten aus der Infosys-Plattform Topaz Störungen erkennen, einordnen und einfache Fälle selbst schließen. Generative KI schreibt Testfälle und Dokumentation, agentische KI greift in wiederkehrende Abläufe ein. Jasmeet Singh, bei Infosys global für die Fertigung zuständig, verspricht „tiefe Fertigungsexpertise, fortgeschrittene Automatisierung und KI-gestützte Servicebereitstellung“.

Warum kommt der Umbau ausgerechnet jetzt?

Der Zeitpunkt hat einen harten Stichtag. Ende 2027 stellt SAP die Wartung für die alte Business-Suite ECC ein, danach fehlen Sicherheits-Patches. Solche Migrationen dauern oft 18 bis 36 Monate, weshalb der Umstieg gerade eine ganze Industrie zugleich erfasst.

Knorr-Bremse steht damit nicht allein. Wie schon beim SAP-Sprung von Nestlé zielt der Umbau darauf, eine über Zukäufe gewachsene IT zu vereinheitlichen, und beim S/4HANA-Umstieg liegen spezialisierte Drittanbieter oft vorn. Auch Siemens und Festo ordnen ihre Digital- und KI-Basis gerade neu.

Knorr-Bremse macht die eigene IT-Abteilung zum Kunden eines Dienstleisters und einer KI. Der Gewinn an Tempo ist real, doch die Kontrolle über die Konstruktionsdaten der Bremsen entscheidet, wie klug der Tausch war.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Knorr-Bremse gibt die IT ab
Was der Managed-Services-Vertrag mit Infosys umfasst und warum der Zeitpunkt kein Zufall ist. Die Zusammenarbeit gaben beide Unternehmen am 18. August 2026 bekannt.

Der Deal in drei Punkten

Umfang der Auslagerung
2 Sparten
Schiene und Nutzfahrzeug: Infosys betreibt die komplette Anwendungslandschaft von SAP-ERP über Datenplattformen bis zum Produktdaten-Management
Wer den Betrieb steuert
Topaz
generative und agentische KI aus der Infosys-Plattform übernimmt Überwachung, Fehlersuche und wiederkehrende Abläufe
Name des Programms
Tech4Value
unter diesem Programm vereinheitlicht Knorr-Bremse die gewachsene IT und stellt auf ein wertorientiertes Betriebsmodell um

Der Zeitdruck dahinter

Wartungsende SAP ECC
31.12.2027
danach liefert SAP für die alte Business-Suite keine Sicherheits-Patches mehr, der Umstieg auf S/4HANA wird zur Pflicht
Dauer eines S/4HANA-Umzugs
18 bis 36
Monate braucht ein typisches Migrationsprojekt, weshalb der Umbau eine ganze Industrie zugleich erfasst
Was offen bleibt
Vertragswert und Laufzeit haben Knorr-Bremse und Infosys nicht genannt. Wo die ausgelagerten Konstruktions- und Kundendaten liegen und wer sie nutzen darf, entscheidet der Vertrag, nicht die Ankündigung.

Was bedeutet das für den Mittelstand?

Datenhoheit wird zur Kernfrage. Gibt ein Betrieb sein ERP und die Konstruktionsdaten an einen externen Anbieter und dessen KI, muss der Vertrag festlegen, wo diese Daten liegen und wer sie zum Training verwenden darf. Der EU AI Act stuft KI im internen IT-Betrieb meist als risikoarm ein, verlangt aber Transparenz, sobald Beschäftigte direkt mit den Agenten arbeiten; die strengen Pflichten für industrielle Hochrisiko-KI greifen ohnehin erst ab 2027.

Der zweite Treiber ist der Fachkräftemangel. Spezialisten für SAP-Altsysteme sind kaum zu finden, KI-gestützte Managed Services füllen die Lücke. Für kleinere Betriebe folgt daraus ein enger Fahrplan. Zuerst gehört der eigene ECC-Stichtag terminiert. Parallel dazu lohnt sich eine Klassifizierung der kritischen Konstruktions- und Kundendaten, denn nur klassifizierte Daten lassen sich auslagern, ohne die Kontrolle zu verlieren. Und die Ausstiegsklauseln stehen besser im Vertrag, bevor eine KI den Betrieb steuert, nicht danach.

Quelle

[1] Infosys: „Infosys Collaborates with Knorr-Bremse to Accelerate AI-Enabled Enterprise Transformation“ (18. August 2026)

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