Artikel teilen

Siemens Healthineers verkauft seit dem 12. Oktober keine Ultraschallgeräte für die allgemeine Bildgebung mehr, betroffen sind die Baureihen Acuson Sequoia, Redwood, Juniper und Maple. Der Erlanger Konzern behält nur den Ultraschall für Eingriffe am Herzen. Bestandskunden bekommen weiter Wartung, Updates und Sonden.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

In vielen Arztpraxen steht ein Ultraschallgerät, ein neues von Siemens Healthineers kommt dort nicht mehr dazu. Gut 600 Millionen Euro Umsatz brachte das Ultraschallgeschäft dem Konzern 2025, laut Reuters neun Prozent der Sparte Precision Therapy. Den Teil für die allgemeine Bildgebung nimmt der Konzern nun aus dem Programm.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 12. Oktober 2026 vertreibt Siemens Healthineers die Ultraschallsysteme Acuson Sequoia, Redwood, Juniper und Maple nicht mehr.
  • Weiter im Angebot bleiben Acuson Origin, das ICE-System P500 und Freestyle samt Software und Kathetern.
  • Als Grund nennt der Konzern den harten Wettbewerb, laut Reuters führen Philips, GE HealthCare, Fujifilm und Canon den Markt an.
  • Bestandskunden erhalten Wartung, Software-Updates und Sonden über den gesamten Produktlebenszyklus.

Warum zieht sich Siemens Healthineers zurück?

Ultraschallsensor mit Kabel und einem Tag mit der Aufschrift NUR SERVICE
Siemens Healthineers verliert im Ultraschallmarkt gegen Konkurrenten wie Philips, GE HealthCare, Fujifilm und Canon an Boden

Den allgemeinen Ultraschall führen andere an. Philips, GE HealthCare, Fujifilm und Canon bilden laut Reuters die Spitzengruppe, Siemens Healthineers gehört nicht dazu, und das drückt auf die Marge. „Obwohl wir erheblich in General Imaging investiert haben, ist der Markt äußerst wettbewerbsintensiv, und wir konnten uns gegenüber großen und neu aufkommenden Anbietern nicht behaupten“, sagte eine Sprecherin.

Dahinter steckt die Stückzahl. Praxen und Kliniken kaufen ein Ultraschallgerät nur alle paar Jahre, Kliniken oft per Ausschreibung, in der Preis und Servicenetz den Ausschlag geben. Entwicklung und Zulassung kosten jeden Hersteller ähnlich viel, verteilen sich bei einem kleineren Anbieter aber auf weniger verkaufte Geräte.

Was bleibt vom Ultraschall bei Siemens Healthineers?

Weiter verkauft der Konzern die Herzplattform Acuson Origin, das System P500 für die intrakardiale Echokardiographie (ICE) und das kabellose Freestyle, dazu Software und Katheter. Bei der ICE schiebt der Arzt einen Ultraschallkatheter über eine Vene bis ins Herz und sieht während des Eingriffs, wo er behandelt. Die Kunden sind vor allem Elektrophysiologen und interventionelle Kardiologen.[1]

„Bildgebung wird mehr und mehr zu einem Teil der Therapie, nicht nur der Diagnose“, sagt Sourabh Pagaria, Leiter des Ultraschallgeschäfts. Damit verschiebt sich das Geschäftsmodell: Ein Gerät kauft die Klinik einmal, Katheter dagegen laufend mit jedem Eingriff.

Ein Konzern muss nicht jedes Gerät bauen, das in eine Klinik passt. Wo er nur mitläuft, ist der Ausstieg die ehrlichere Rechnung.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen
Siemens Healthineers sortiert den Ultraschall neu
Vertriebsende für allgemeine Bildgebung zum 12. Oktober 2026
600 Mio. €
Umsatz des gesamten Ultraschallgeschäfts 2025 (gut)
9 %
Anteil am Umsatz der Sparte Precision Therapy
3 Länder
Fertigung der Ultraschallgeräte: USA, Südkorea, Slowakei
Nicht mehr im Verkauf
  • Acuson Sequoia
  • Acuson Redwood
  • Acuson Juniper
  • Acuson Maple
  • Service, Updates und Sonden laufen weiter
Bleibt im Programm
  • Acuson Origin (kardiovaskuläre Bildgebung)
  • P500 (intrakardiale Echokardiographie)
  • Freestyle (kabelloser Ultraschall)
  • Software und Katheter

Passt der Schritt ins Muster des Konzerns?

Der Ausstieg reiht sich in einen Portfolio-Umbau ein. Siemens Healthineers will die Diagnostik abspalten, über die Trennung stimmen die Aktionäre voraussichtlich im Februar 2027 ab. Für das indische Klinikgeschäft aus der Varian-Übernahme sucht der Konzern Berichten zufolge einen Käufer. Ähnlich ordnen BASF und Knorr-Bremse ihre Konzerne neu.

Neu ist die Debatte nicht. 2022 kursierten Berichte über einen Verkauf der Ultraschallsparte, Finanzchef Jochen Schmitz widersprach damals und kündigte hohe Investitionen an. Nun beendet der Konzern den Vertrieb, einen Käufer nennt er nicht. Im Konzern bleiben Felder mit technischem Vorsprung, etwa die Photon-Counting-CT oder die Strahlentherapie.

Was bedeutet der Ausstieg für Praxen und Kliniken?

Laufende Geräte bleiben versorgt: Siemens Healthineers sagt Wartung, Software-Updates und Sonden über den gesamten Produktlebenszyklus zu.[1] Als Hersteller bleibt der Konzern nach der EU-Medizinprodukteverordnung zudem für die Überwachung seiner Geräte im Markt verantwortlich.

Betreiber sollten sich die Zusage für ihre Seriennummern schriftlich geben lassen, mit einem Enddatum für Sonden und Updates. Bei der nächsten Ausschreibung fehlt ein Anbieter. Ein Wechsel braucht Vorlauf: Befundvorlagen und die Anbindung ans Bildarchiv ändern sich, das Personal braucht eine Schulung. Kardiologische Abteilungen mit Acuson Origin trifft der Schritt nicht.

Quelle

[1] Siemens Healthineers: „Siemens Healthineers fokussiert Ultraschallgeschäft auf Zukunftstechnologien für interventionelle Bildgebung“ (Pressemitteilung, 12.10.2026)

Mehr Newshunger?

4,4 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?