Der TUI-Aufsichtsrat bekommt einen neuen Vorsitzenden: Johan Lundgren, bis Ende 2024 Chef der Fluggesellschaft easyJet, übernimmt den Posten nach der Hauptversammlung im Februar 2027 und folgt damit auf Dieter Zetsche. Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter nominierten den 59-Jährigen einstimmig.

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Der Wechsel an der Spitze ist keine Personalie am Rand. Lundgren führte Teile des Konzerns schon einmal, als stellvertretender TUI-Konzernchef bis 2015, kehrte zehn Jahre später in den Aufsichtsrat zurück und rückt nun an dessen Spitze.

Das Wichtigste in Kürze

  • Johan Lundgren, früherer easyJet-Chef, wird nach der Hauptversammlung im Februar 2027 Aufsichtsratsvorsitzender der TUI AG.
  • Der bisherige Vorsitzende Dieter Zetsche, einst Daimler-Chef, tritt mit 73 Jahren nicht erneut zur Wahl an.
  • Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter stimmten geschlossen für Lundgren; die bestätigende Wahl steht auf der Hauptversammlung 2026 an.
  • Lundgren arbeitete bis 2015 fast drei Jahrzehnte für TUI und leitete danach die Airline easyJet bis Ende 2024.

Wer folgt auf Dieter Zetsche?

Brauner Leder-Bürostuhl vor weißem Hintergrund mit einem Anhänger an der Armlehne
Dieter Zetsche gibt seinen Aufsichtsratsvorsitz 2027 ab. Johan Lundgren rückt in das Kontrollgremium auf

Dieter Zetsche steht seit Mai 2019 an der Spitze des Kontrollgremiums, dem Aufsichtsrat gehört der frühere Daimler-Chef seit 2018 an. Mit 73 Jahren tritt Zetsche zur nächsten Wahl nicht mehr an und übergibt den Vorsitz nach der Hauptversammlung im Februar 2027.[1]

Johan Lundgren sitzt seit 2025 im Aufsichtsrat und bekam das Votum von Anteilseigner- und Arbeitnehmervertretern geschlossen. Auf der Hauptversammlung 2026 schlägt TUI die bestätigende Wahl des 59-Jährigen als Vertreter der Anteilseigner vor, ein Jahr vor dem eigentlichen Amtsantritt.[1]

Schon beim Einzug in den Aufsichtsrat 2025 begründete Zetsche die Personalie mit Lundgrens Nähe zum Konzern. „Johan Lundgren bringt vier Jahrzehnte Tourismuserfahrung in unseren Aufsichtsrat. Er kennt den Sektor und die TUI bestens“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende damals.[2]

Warum ein easyJet-Mann und kein Manager von außen?

Die Antwort liegt in TUIs Umbau zur Plattform. Der Konzern verkauft längst nicht mehr nur Pauschalreisen aus dem Katalog, sondern baut mit TUI Musement einen digitalen Marktplatz für Ausflüge und Aktivitäten auf, mehr als 130.000 Angebote in über 50 Ländern. Für die Rundreisen kooperiert TUI mit dem Reise-Start-up Nezasa, für die Transferplanung mit dem KI-Anbieter Mobi.

Diesen Kurs soll ein Manager begleiten, der Direktvertrieb und Kostendisziplin aus der Billigfliegerei kennt. Bei easyJet steuerte Lundgren von 2017 bis Ende 2024 ein Geschäft, das ohne Reisebüro auskommt und jede Marge über Auslastung und Kosten holt. Davor verantwortete er als stellvertretender Konzernchef die Märkte und Airlines der TUI. Einen ähnlichen Griff nach Betreiber-Wissen zeigt der Handel: Redcare Pharmacy holte sich einen Chef von eBay und AutoScout24 statt aus der Apotheke.

Lundgren kennt beide Seiten von TUIs Zukunft: die Airline-Logik der schmalen Marge und den Plattformhandel, der über Auslastung entscheidet. Für einen Konzern, der sich vom Katalogverkäufer zum digitalen Marktplatz umbaut, wiegt diese Doppelerfahrung an der Aufsichtsratsspitze schwerer als ein branchenfremder Aufseher.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Wechsel an der TUI-Aufsichtsratsspitze
Wer geht, wer kommt und ab wann.
Feb 2027
Amtsantritt als Aufsichtsratschef, direkt nach der Hauptversammlung
59
Jahre: das Alter des designierten Vorsitzenden Johan Lundgren
2017–2024
Lundgren als CEO der Billig-Airline easyJet, davor bis 2015 bei TUI
einstimmig
Votum von Anteilseigner- und Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat

Was heißt das für TUIs Wettbewerb?

Für Entscheider im Reisegeschäft steckt in der Personalie ein Signal. TUI konkurriert nicht mehr allein mit anderen Veranstaltern, sondern mit den großen Buchungsplattformen. Booking scheiterte vor dem EU-Gericht mit dem 1,63-Milliarden-Kauf von eTraveli, und Expedia sicherte sich mit dem Berliner KI-Reiseplaner Layla frische Technik fürs Direktgeschäft. Bestehen lässt sich dort nur mit eigener Reichweite und eigenen Kundendaten, damit die Marge nicht bei den Plattformen landet.

Auch die Machtfrage im Aufsichtsrat gehört dazu. Governance-Wechsel bewegen gerade mehrere deutsche Konzerne: Bei flatexDEGIRO ging der Aufsichtsratschef im Strategiestreit, bei Hugo Boss sicherte sich Großaktionär Frasers die Kontrolle über das Gremium. TUIs Übergang läuft dagegen geräuschlos und einstimmig, ein Jahr im Voraus geplant.

Für die Reisebranche im DACH-Raum lohnt der Blick auf das Tempo: TUI besetzt die Kontrollspitze mit einem Betreiber, der den Plattformumbau versteht, und macht den Wechsel ein Jahr vor dem Amtsantritt öffentlich. Partner und Zulieferer des Konzerns sollten den Kurs hin zu Direktvertrieb und digitalem Marktplatz jetzt in ihre Planung aufnehmen.

Quellen

[1] TUI Group: „Change in the TUI Supervisory Board“

[2] TUI Group: „Wechsel im Aufsichtsrat der TUI“

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