KI-Penetrationstests verlagern die Suche nach Sicherheitslücken an einen Agenten, der Angriffswege selbst plant und ausführt. Tencent Cloud gießt diesen Ansatz nun in ein Produkt und meldet aus eigenen Tests 200 Prozent mehr gefundene Lücken sowie eine Prüfdauer von drei Stunden statt drei Tagen. Der Zeitpunkt passt, denn geprüfte Sicherheitsfachleute fehlen weltweit millionenfach.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKI-Penetrationstests waren bis vor Kurzem ein Forschungsthema, jetzt werden sie ein Kaufprodukt. Tencent Cloud stellt nach Berichten chinesischer Wirtschaftsmedien ein System vor, das den klassischen Schwachstellen-Scan durch einen handelnden Agenten ersetzt. Die eigentliche Nachricht steckt nicht in der Marke, sondern im Bruch mit dem bisherigen Prüfmodell.
Das Wichtigste in Kürze
- Tencent Cloud bündelt KI-gesteuerte Penetrationstests in einem Produkt. Ein Agent plant Angriffswege, steuert Standardwerkzeuge und weist Lücken selbst nach.
- Aus einer eigenen Testreihe nennt der Konzern 200 Prozent mehr gefundene Schwachstellen, eine Abdeckung von 95 statt 60 Prozent und drei Stunden Prüfzeit statt drei Tagen.
- Der Ansatz folgt einem Trend: XBOW führte 2025 als erste Maschine die US-Rangliste von HackerOne an, Googles Big Sleep fand eine echte Zero-Day-Lücke.
- Für BSI-Prüfpflichten und NIS2 bleibt der Mensch die Kontrollinstanz. Die Maschine liefert Breite, nicht die Freigabe.
Was macht den KI-Pentest anders als einen Scanner?

Handeln statt scannen: Ein klassischer Scanner gleicht bekannte Muster ab und meldet Verdachtsfälle. Der KI-Agent dagegen erschließt das Ziel selbst, verkettet einzelne Schritte zu einem Angriffsweg und steuert dabei die üblichen Werkzeuge von der Portanalyse bis zum Datenbank-Exploit. Am Ende weist er nach, ob eine Lücke wirklich ausnutzbar ist, statt nur einen Alarm zu hinterlassen.[1]
Agent mit Werkzeugkasten: Tencent Cloud beschreibt eine Schleife aus Planen, Handeln und Beobachten, die sich selbst weitertreibt. In der dokumentierten Testreihe des Konzerns stieg die Zahl gefundener Schwachstellen um 200 Prozent, die Abdeckung kletterte von 60 auf 95 Prozent und die Prüfung schrumpfte von drei Tagen auf drei Stunden. Solche Werte kennt die Branche bereits aus KI-Agenten für die Sicherheitszentrale.
Ist die Maschine wirklich schon so weit?
Erster nichtmenschlicher Spitzenreiter: Im Juni 2025 führte der autonome Angreifer XBOW als erste Maschine die US-Rangliste der Bug-Bounty-Plattform HackerOne an, mit fast 1.060 gemeldeten Schwachstellen in wenigen Monaten. Googles Agent Big Sleep wiederum fand eine echte, bis dahin nur Angreifern bekannte Zero-Day-Lücke in SQLite. Ähnliche kritische Cyberfähigkeiten treiben inzwischen mehrere KI-Modelle.
Breite ja, Urteil nein: Der nüchterne Stand von 2026 lautet trotzdem: Autonome Agenten decken viel Fläche ab und prüfen ohne Pause, doch Bewertung, Kontext und Freigabe bleiben beim Menschen. Ein Agent ersetzt die Grundabdeckung, nicht den erfahrenen Prüfer.
Ein Agent, der eigenständig angreift, findet Lücken schneller als jedes Team. Über die Freigabe entscheidet trotzdem ein Mensch, und genau da liegt die Verantwortung der Sicherheitschefs.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Sicherheitsteams im DACH-Raum?
Lücke bei den Fachkräften: Der Personalmangel in der IT-Sicherheit macht solche Werkzeuge attraktiv. Laut der ISC2-Studie 2025 melden 95 Prozent der Befragten mindestens eine fehlende Kompetenz, und 88 Prozent erlebten binnen eines Jahres einen sicherheitsrelevanten Vorfall, der auf diese Lücke zurückging.[2] Ein Agent, der rund um die Uhr prüft, füllt genau diese Dauerabdeckung.
Kontrolle bleibt Pflicht: NIS2 verlangt regelmäßige Sicherheitsprüfungen und ein sauberes Risikomanagement, und Pentests nach BSI-Grundschutz brauchen akkreditierte Prüfer. Ein Maschinenfund braucht deshalb die menschliche Gegenprüfung, bevor er in einen Bericht wandert. Sicherheitsteams klären vor dem Einsatz einer ausländischen Cloud den Datenfluss und den Gerichtsstand, wie es die jüngsten Angriffe auf kritische Infrastruktur nahelegen.
Für Entscheider heißt das: KI-Penetrationstests als laufende Grundabdeckung erproben, jeden Fund menschlich gegenprüfen, die akkreditierte Prüfung für die Freigabe behalten. Der Agent nimmt Arbeit ab, die Verantwortung bleibt im Haus.
Quellen
[1] Tencent Cloud (Entwickler-Community): „用 Agent 做渗透测试:AI 驱动的安全攻防实战(漏洞发现率提升 200%)“
[2] ISC2: „2025 ISC2 Cybersecurity Workforce Study“
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