SpaceX hat bei der US-Regulierungsbehörde FCC die Genehmigung für bis zu 100.000 Satelliten der dritten Generation beantragt. Der Antrag begründet diese Größenordnung nicht mit Internet für abgelegene Dörfer, sondern mit dem Datenhunger der KI. Für europäische Entscheider verschärft das eine Abhängigkeit, die längst strategisch ist.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen100.000 Starlink-Satelliten: So viele will SpaceX künftig über unseren Köpfen kreisen lassen, ein Vielfaches der heute aktiven Flotte. Am 6. Juli 2026 ist der entsprechende Antrag bei der FCC eingegangen, und das eigentliche Argument darin steht zwischen den Zeilen.
Das Wichtigste in Kürze
- Antrag: bis zu 100.000 Gen3-Satelliten (FCC-Aktenzeichen SAT-LOA-20260630-00264), erste Starts im zweiten Halbjahr 2026.
- Zweck laut Antrag: nicht Randregionen, sondern Uplink-Kapazität für KI-Anwendungen, jeder Satellit bis zu 1 Terabit pro Sekunde.
- Technik: sehr niedrige Umlaufbahnen um 323 bis 477 Kilometer, neue Funkbänder im W- und D-Bereich bis 275 Gigahertz.
- Europa: Die EU baut mit IRIS² eine eigene Konstellation für rund 10,5 Milliarden Euro, Dienste aber erst ab 2029.
Was steht im FCC-Antrag?

Der Betreiber SpaceX hat am 6. Juli 2026 beantragt, bis zu 100.000 Satelliten der dritten Generation zu betreiben[1]. Jeder Gen3-Satellit wiegt rund 2.000 Kilogramm und soll laut Antrag bis zu ein Terabit pro Sekunde zur Erde funken.
Neu ist weniger die Zahl als ihre Begründung. Der Antrag rückt nicht mehr das Internet für abgelegene Regionen in den Vordergrund, sondern die Kapazität für KI-Geräte. Die Satelliten-Policy-Managerin Madeleine Chang schreibt, KI brauche gewaltige Uplink-Kapazität für Echtzeit-Entscheidungen und industrielle Automatisierung.
Warum 100.000 Satelliten für die KI?
Der eigentliche Engpass sitzt nicht beim Herunterladen, sondern beim Hochladen. KI-Systeme schicken große Mengen an Sensor-, Bild- und Sprachdaten nach oben, und genau diese Uplink-Last treibt die Zahl der benötigten Satelliten.
Deshalb greift SpaceX zu bisher kaum genutzten Frequenzen. Die klassischen Ku- und Ka-Bänder sind überfüllt, also erschließt der Antrag das W- und D-Band bis 275 Gigahertz. Solche hohen Frequenzen tragen viel Bandbreite, reichen aber nur kurz, weshalb die Satelliten auf sehr niedrige Bahnen um 323 Kilometer sinken.
Der Schritt ist die dritte Eskalationsstufe. Auf die erste Generation folgten vor einem halben Jahr 7.500 zusätzliche Gen2-Satelliten, parallel plant SpaceX unter dem Namen Starmind sogar ein Rechenzentrum aus einer Million Satelliten. Der Ausbau im Orbit spiegelt den Wettlauf am Boden, wo Zulieferer wie Liebherr gerade ihre Fertigung für KI-Rechenzentren verdoppeln.
- Satelliten: bis zu 100.000
- Frequenzen: Ku, Ka, V, E plus neu W/D bis 275 GHz
- Dienste: erste Starts ab 2. Halbjahr 2026
- Aufsicht: US-Behörde FCC
- Satelliten: 282 (264 LEO, 18 MEO)
- Investition: rund 10,5 Milliarden Euro
- Dienste: erste Dienste ab 2029
- Aufsicht: EU / EUSPA
Ein einzelnes Unternehmen verlegt gerade das Nervensystem der KI ins All, und Europa schaut beim Genehmigen zu, weil die Anträge in Washington liegen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
Über die Umlaufbahnen entscheidet die FCC, nicht die EU. Europäische Regulierer haben auf die Konstellation, die auch über Deutschland kreist, keinen direkten Zugriff, und die Abhängigkeit von US-Anbietern reicht damit bis in den Orbit.
Die europäische Antwort heißt IRIS². Die EU lässt für rund 10,5 Milliarden Euro 282 Satelliten bauen, doch erste Dienste sind erst ab 2029 vorgesehen, kommerzielles Breitband noch später. Bis dahin bleibt Starlink für viele Funklöcher die schnellste Option, während der Glasfaserausbau der Telekom stockt und anderswo längst 25-Gigabit-Anschlüsse liegen.
Praktisch hat sich der Anbieter dort durchgesetzt, wo Leitungen fehlen, so wie in vielen Regionen Afrikas. In der Diskussion auf Hacker News wird allerdings eingewandt, dass damit faktisch ein einzelner Eigentümer den Nachthimmel und einen Großteil der Uplink-Infrastruktur kontrolliert; auch das Risiko von Kollisionstrümmern in niedriger Bahn kommt zur Sprache.
Für Unternehmen mit Standorten ohne Glasfaser bleibt Starlink damit vorerst konkurrenzlos schnell, die Kehrseite ist eine wachsende Abhängigkeit von einem US-Anbieter unter US-Recht. Als Absicherung empfiehlt sich ein zweiter, terrestrischer Anschluss für kritische Standorte sowie ein prüfender Blick auf die Datenhoheit, bevor sensible Verbindungen dauerhaft über den Orbit laufen. Den Fortschritt von IRIS² sollten strategische Planer parallel verfolgen.
Quelle
[1] Federal Communications Commission (IBFS): Antrag SAT-LOA-20260630-00264 „SpaceX Gen3 NGSO System“ ↩
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