Die Schweiz verkauft 25-Gigabit-Glasfaser als Standard-Heimanschluss für unter 60 Euro im Monat, während Deutschland noch die Hälfte seiner Haushalte ans schnelle Netz bringt. 25-Gigabit-Internet gibt es in der Schweiz nicht als Prestigeprojekt, sondern als reguläres Abo beim Anbieter Init7, symmetrisch und dediziert. Möglich macht das laut Blogger Stefan Schüller ein Regulierungsmodell, das Glasfaser-Leitungen als geteilte, Anbieterneutrale Infrastruktur behandelt.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Init7 verkauft 25 Gbit/s symmetrisch für CHF 64.75 (rund 58 Euro) im Monat, als normales Heim-Abo.
  • Der Schlüssel ist Open-Access auf Layer 1: dedizierte Fasern pro Haus, Anbieterwechsel per Anruf.
  • Die Schweizer Wettbewerbsbehörde stoppte 2020 den Umbau von Swisscom auf geteilte Netze und verhängte 18 Millionen Franken Strafe.
  • Deutschland kommt auf 52,8 Prozent Glasfaser-Abdeckung

Warum ist 25-Gigabit-Internet in der Schweiz bezahlbar?

Miniaturfigur, Schweizer Taschenmesser, Lichtleiter, Würfel mit „25 Gbit/s“ vor weißem Hintergrund
Neutrales Glasfasernetz ermöglicht Wettbewerb zwischen Diensteanbietern ohne doppelte Infrastruktur und senkt Preise

Geteilte Infrastruktur. Das Glasfasernetz entsteht einmal als neutrales Fundament, auf dem alle Anbieter konkurrieren. Der Wettbewerb läuft über den Dienst, nicht über den Graben. Das drückt die Preise, ohne dass jemand die Straße doppelt aufreißt.

Eigene Fasern pro Haus. Die Schweiz setzt auf eine Punkt-zu-Punkt-Architektur. Jeder Haushalt bekommt eigene, ungeteilte Faserstränge bis zur Vermittlungsstelle. Die volle Bandbreite gehört einem Anschluss allein, statt sie mit dem halben Wohnblock zu teilen.

Wechsel per Anruf. Für den Anbieterwechsel genügt die OTO-Nummer und ein kurzes Telefonat. Kein Bagger, keine neue Leitung nötig. Dieser offene Zugang auf der physischen Ebene, im Fachjargon Layer 1, hält den Markt beweglich und die Anbieter unter Druck.

Was unterscheidet die Schweiz von Deutschland und den USA?

Drei Modelle. Die Schweiz liegt zwischen dem US-Ansatz und dem deutschen. In den USA herrschen regionale Monopole, die Bandbreite teilt sich die Nachbarschaft und Konkurrenten bleiben vom Netz ausgesperrt. Ergebnis: kaum echte Auswahl, seit Jahren steigende Preise.

Gräben statt Geräte. Deutschland wählte den Infrastruktur-Wettbewerb und ließ mehrere Firmen parallele Leitungen verlegen. Das kostet Milliarden für doppelte Netze, die anderswo in Tempo oder ländliche Anschlüsse fließen könnten. Die Schweiz baute stattdessen einmal und öffnete das Netz für alle.

Die Schweiz hat begriffen, dass Infrastruktur ein natürliches Monopol ist.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Rückstand mit Ansage. In Deutschland liegt die Glasfaser-Abdeckung bei 52,8 Prozent, doch nur 13,8 Prozent buchen den Anschluss wirklich. Auf dem Land sind es 43 Prozent Abdeckung. Die Gigabitstrategie zielt auf 100 Prozent bis 2030, gebremst von Zinsen, Baukosten und Fachkräftemangel im Tiefbau.

Für den Mittelstand heißt das: Prüfen Sie die reale Faserverfügbarkeit am Standort vor jeder Miet- oder Kaufentscheidung, denn Cloud-Backups und Videokonferenzen brauchen symmetrischen Upload. Fragen Sie beim Anbieter gezielt nach Punkt-zu-Punkt statt geteiltem Netz. Und kalkulieren Sie Homeoffice-Standorte nach Anschlussqualität, nicht allein nach Miete.

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