Plan A skizziert einen Fahrplan, mit dem sich die KI-Entwicklung bis 2040 international steuern ließe, statt sie einem ungebremsten Rennen zu überlassen. Hinter dem Papier stehen dieselben Autoren, die mit dem Szenario „AI 2027“ eine weltweite Debatte ausgelöst haben. Für europäische Entscheider steht darin mehr auf dem Spiel als eine ferne Zukunftsfrage.

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Sechs Forscher des AI Futures Project haben mit „Plan A“ einen konkreten Fahrplan für die KI-Entwicklung bis 2040 vorgelegt. Das Team um den früheren OpenAI-Governance-Forscher Daniel Kokotajlo beschreibt darin, wie zwei rivalisierende Großmächte den Wettlauf zur Superintelligenz bewusst verlangsamen könnten. Der Text versteht sich ausdrücklich als Empfehlung, nicht als Prognose.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das AI Futures Project schlägt einen US-China-Pakt vor, der neues Frontier-Training ab etwa 2029 drosselt und erst 2040 zur Superintelligenz zurückkehrt.
  • Kern des Plans sind Transparenzpflichten, eine Verifikation allein über laufende Modelle und ein Deckel auf den Rechenanteil für die KI-Forschung.
  • Die größte Gefahr sieht das Papier in der Konzentration von Macht bei einer winzigen Gruppe, noch vor dem Risiko der Auslöschung.
  • Europa taucht in dem bilateralen Szenario praktisch nicht auf, obwohl rund 80 % der digitalen Dienste aus den USA stammen.

Was schlägt Plan A konkret vor?

Mann in Arbeitskleidung schiebt Metallwählscheibe mit Jahreszahlen und Haftnotiz auf Weiß
USA und China einigen sich 2029 auf Gleichstand bei KI-Entwicklung. Beide pausieren Mitte der 2030er auf Niveau menschlicher Spitzenfachleute. Offenlegung soll Abkommen sichern

Der Fahrplan setzt auf einen ausgehandelten Gleichstand statt auf ein Verbot. Im Szenario einigen sich die USA und China 2029 darauf, den rücksichtslosen Wettlauf zur Superintelligenz zu vermeiden, und pausieren Mitte der 2030er auf dem Niveau menschlicher Spitzenfachleute.[1]

Drei Hebel sollen den Gleichstand absichern:

  • Offenlegung: KI-Firmen legen Modellspezifikationen, interne Nutzung und Sicherheitsbewertungen offen.
  • Verifikation über Inferenz: Ein Prüfmechanismus an laufenden Modellen macht neues Frontier-Training kontrollierbar, ohne bestehende Systeme abzuschalten.
  • Rechen-Deckel: Der Anteil der Rechenleistung für die KI-Forschung selbst wird begrenzt, weil große Labore rund die Hälfte ihres Budgets dafür verwenden.

Das Papier rechnet zudem vor, dass etwa ein Drittel der chinesischen Rechenkapazität über Schmuggel ins Land gelangt, und pocht auf schärfere Exportkontrollen. Wie knapp der eigentliche Engpass wird, zeigt der Streit um Strom und Chips: Anthropic hat sich gerade erst per 20-Jahre-Vertrag ein ganzes Rechenzentrum gesichert, und längst gilt die Stromversorgung als das eigentliche Nadelöhr des KI-Booms.

Warum ist Machtkonzentration der eigentliche Kern?

Nicht die Auslöschung der Menschheit steht im Zentrum der Warnung, sondern die Konzentration von Macht. Am Ende, so das Papier, könnte eine winzige Gruppe oder eine einzelne Person die weltweit einzige Armee von Superintelligenzen kontrollieren.

Mit dieser Sorge steht das Projekt nicht allein. Schon im April hat OpenAI selbst gewarnt, Superintelligenz könne ohne Dezentralisierung die Macht bei wenigen Firmen bündeln. Genau diese Logik prägt bereits die Gegenwart, etwa beim kontrollierten Marktstart von GPT-5.6, den erst Behörden und dann alle nutzen durften.

In der Diskussion auf Hacker News wird dagegen eingewandt, ein freiwilliger Stopp sei unrealistisch, weil schlicht zu viel Geld auf dem Tisch liege. Ein zweiter Einwand dreht die Logik um: Ein Zugang nur für Regierungen und wenige Konzerne erhöhe das Risiko autoritären Missbrauchs, statt das Risiko zu senken.

Plan A: Der KI-Fahrplan bis 2040 in Zahlen

Wie sechs Forscher den Wettlauf zur Superintelligenz bremsen wollen

2029
USA und China vereinbaren, den Wettlauf bewusst zu bremsen.
Mitte 30er
Pause auf dem Niveau menschlicher Spitzenfachleute.
2040
Geplante, kontrollierte Rückkehr zur Superintelligenz.
Ohne Pakt
Superintelligenz käme im Szenario schon Ende 2030.
≈ 33 %
der chinesischen Rechenkapazität stammen laut Plan A aus Schmuggel.
≈ 50 %
des Rechenbudgets großer Labore fließen in die KI-Forschung selbst.
80 %
der digitalen Dienste in Europa kommen aus den USA.

Plan A ist ein Gedankenexperiment aus dem Silicon Valley, in dem Europa nicht einmal am Tisch sitzt. Genau das sollte deutsche Entscheider alarmieren, denn ungeschriebene Regeln bekommt man am Ende diktiert.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was heißt das für Europa?

Für europäische Unternehmen ist die Leerstelle im Plan die eigentliche Nachricht. Das Szenario verhandelt die Zukunft der KI als Sache zwischen Washington und Peking, während Europa Regelnehmer bleibt. Rund 80 % der digitalen Dienste kommen aus den USA, und die europäische Rechenzentrumskapazität lag 2024 bei etwa einem Drittel des US-Werts.

Gegen dieses Gefälle laufen mehrere Vorhaben. Die EU hat mit „InvestAI“ 200 Mrd. € mobilisiert, die Bundesagentur SPRIND fördert ein europäisches KI-Flaggschiff, und der EU AI Act greift ab August 2026 voll.

Für den Mittelstand bleibt der praktische Hebel kleiner, aber konkret: die eigene Abhängigkeit von US-Modellen dort verringern, wo Daten sensibel sind, und die kommenden AI-Act-Pflichten früh einplanen. Plan A wird die Weltpolitik kaum über Nacht verändern. Als Kompass taugt das Papier trotzdem, weil der Text zeigt, wo die Kontrolle über die mächtigste Technologie unserer Zeit gerade zusammenläuft.

Quelle

[1] AI Futures Project: „AI 2040: Plan A“

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