Rocket Lab übernimmt den Satellitenbetreiber Iridium für rund acht Milliarden US-Dollar. Damit wird aus dem Raketenbauer ein voll integrierter Weltraumkonzern. Für Europa wirft der Deal eine alte Frage neu auf.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRocket Lab kauft den Satellitenbetreiber Iridium für etwa acht Milliarden US-Dollar und steigt damit ins Geschäft mit Satellitendiensten ein. Beide Unternehmen kündigten die Übernahme am 29. Juni an, wie die offizielle Mitteilung belegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Rocket Lab übernimmt Iridium für rund acht Milliarden US-Dollar, je zur Hälfte in bar und in Aktien, mit 24 Prozent Aufschlag.
- Iridium betreibt 66 Satelliten, hält global lizenziertes L-Band-Spektrum und zählt 2,55 Millionen Abonnenten.
- Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet, vorbehaltlich behördlicher und aktionärsseitiger Zustimmung.
- Rocket Lab folgt damit dem Vorbild von SpaceX und bündelt Start, Bau und Betrieb unter einem Dach.
Was steckt hinter dem Deal?

Integration. Rocket Lab baut und startet Raketen sowie Satelliten, jetzt kommt mit Iridium der Betrieb eines fertigen Netzes dazu. Ein eigener Start spart Kosten, ein laufendes Netz bringt sofort Umsatz und Kundschaft. Diese Bündelung kopiert das Modell, mit dem SpaceX seinen Dienst Starlink groß gemacht hat.
Warum kauft Rocket Lab statt selbst zu bauen?

Abkürzung. Ein neues Satellitennetz von null aufzubauen kostet ein Jahrzehnt und viel Geld, bevor der erste Umsatz fließt. Iridium liefert all das sofort: Spektrum, eine aktive Konstellation und zahlende Kunden aus Behörden, Luftfahrt und Schifffahrt. Der Kauf überspringt damit die mühsamen Anfangsjahre.
Was heißt das für Europa?

Souveränität. Nach Amazons Kauf von Globalstar wandert mit Iridium ein weiteres kritisches Satellitennetz in einen US-Konzern. Europäische Firmen und Behörden hängen damit noch stärker an Infrastruktur jenseits des Atlantiks. Welche Rolle eigene digitale Infrastruktur spielt, zeigt unser Beitrag zu den größten Rechenzentren Deutschlands.
Wer Satellitennetze kontrolliert, kontrolliert ein Stück kritischer Infrastruktur. Europa sollte sich fragen, wie viel davon der Kontinent dauerhaft aus der Hand geben will.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sollten Entscheider beobachten?

Konsolidierung. Der Satellitenmarkt ballt sich zu wenigen, vertikal integrierten Anbietern zusammen. Für Firmen mit Bedarf an weltweiter Anbindung lohnt der Blick auf Abhängigkeiten und Alternativen. Ein einzelner Anbieter für alles gleicht einem Haus mit nur einer Tür: bequem, bis die Tür klemmt. Wie Märkte solche Umbrüche verarbeiten, erklärt unser Ökonomie-Überblick.