Rohstoff-Engpässe zählen für die deutsche Industrie zu den größten Risiken. Eine BDI-Umfrage zeigt, dass die meisten Unternehmen längst eigene Strategien fahren. Beim entscheidenden Hebel aber kommen sie allein nicht weiter.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Rund die Hälfte der großen Industrieunternehmen sieht in Lieferengpässen bei Rohstoffen ein großes oder sehr großes Risiko. Das ergab eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Industrie unter 154 Firmen des produzierenden Gewerbes mit mindestens 500 Mitarbeitenden oder 100 Millionen Euro Jahresumsatz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund die Hälfte der Befragten sieht große Risiken bei Transportwegen, Rohstoffen und Energieversorgung.
  • 77 Prozent fahren bereits eine eigene Resilienzstrategie, weitere 16 Prozent bereiten eine vor.
  • Mehr als 80 Prozent halten die eigene Widerstandsfähigkeit für hoch.
  • BDI-Präsident Peter Leibinger fordert von der Politik Lagebilder und Frühwarnsysteme.

Wo die Unternehmen an Grenzen stoßen

Graue Metallkette diagonal auf weiß, ein Glied leuchtet hellorange
Acht von zehn Betrieben bewerten ihre Resilienz als hoch, doch systemische Risiken wie blockierte Transportwege bleiben bestehen

Das Stimmungsbild wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Acht von zehn Betrieben schätzen die eigene Resilienz hoch ein, gleichzeitig bleiben die systemischen Risiken hoch. Aufgelöst wird der scheinbare Widerspruch durch die Bauart der Gefahr, denn gegen blockierte Transportwege oder einen Lieferstopp aus einem einzigen Land hilft kein noch so gutes Risikomanagement im eigenen Haus.

Genau diese Konzentration macht den Kern des Problems aus. Wie stark Europa bei den 34 kritischen Rohstoffen an wenigen Lieferländern hängt, zeigt unser Zeugnis zu Europas Rohstoffabhängigkeit. Bei Seltenen Erden, Magnesium und Gallium führt die Spur fast immer nach China, wie auch der Sonderbericht des Europäischen Rechnungshofs belegt.

Die Industrie hat ihre Hausaufgaben gemacht, Lager aufgebaut, Lieferanten gestreut, Recycling geprüft. Den Lieferstopp aus Peking aber wendet kein Einkäufer im Alleingang ab, dafür braucht es den Staat.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was der BDI von der Politik fordert

Geöffneter Tresor mit Rohstoffgläsern, orangefarbenem Stempel auf einem Papier an der Tür
BDI-Präsident Leibinger: Unternehmen brauchen staatliche Unterstützung bei Energie, Infrastruktur und globalen Abhängigkeiten

In der aktuellen Mitteilung des BDI benennt Präsident Peter Leibinger die Leerstelle deutlich. „Unternehmen können viel leisten, aber nicht im Alleingang. Gerade bei Energie, Infrastruktur und globalen Abhängigkeiten stoßen sie an systemische Grenzen“, sagte Leibinger.

Der Verband fordert einen strategischen Handlungsrahmen. Dazu zählen staatliche Analysen kritischer Abhängigkeiten, Frühwarn- und Krisensysteme sowie ein strukturierter Informationsfluss zwischen Behörden und Betrieben. Als Vorbild dient Japan, wo die Regierung Lagebilder erstellt und Krisenstäbe koordiniert.

Für Entscheider lohnt der nüchterne Blick auf die eigene Lieferkette. Prüfen Sie, welche Vorprodukte an einem einzigen Lieferland hängen, und ob sich Bezugsquellen oder Recyclinganteile verbreitern lassen. Die Risiken liegen bereits heute auf dem Tisch, nicht erst beim nächsten Exportstopp.

Mehr Newshunger?

4,6 21 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?