12,8 Prozent: Solar überholt erstmals US-Kohle

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
12,8 Prozent: Solar überholt erstmals US-Kohle

In den USA hat sich der Strommix an einer symbolträchtigen Stelle gedreht. Im Mai 2026 lieferte Photovoltaik dort erstmals in einem Kalendermonat mehr Strom als Kohle, und der Abstand dürfte weiter wachsen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Dass Solar Kohle überholt, belegt eine Auswertung des Energie-Thinktanks Ember auf Basis von US-Behördendaten. Solar kam im Mai auf 12,8 Prozent des Strommix, Kohle nur noch auf 12,2 Prozent. Vor fünf Jahren lag das Verhältnis im selben Monat noch bei 5,4 zu 19,7 Prozent.

Das Wichtigste in Kürze

  • Solar erzeugte im Mai 2026 ein Allzeithoch von 45,5 Terawattstunden, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
  • Kohle fiel auf 43,4 Terawattstunden und lag damit 11 Prozent unter dem Mai-Wert von 2025.
  • Solar war im Mai erstmals die drittgrößte Einzelquelle im US-Netz, hinter Erdgas und Kernkraft.

Wie kam es zu dem Wechsel?

Waage mit Solarpanel und Kohle, geneigt zu Solarpanel (+0,6% Anzeige)
Solar- und Speicherkraftwerke stellten im Q1 2026 rund 91 Prozent der neuen US-Kraftwerkskapazität, während Kohleproduktion im April auf Allzeittief sank

Zubau trifft Saison. Solarstrom erreicht seinen höchsten Anteil meist im Frühjahr, wenn viel Sonne auf moderate Nachfrage trifft. Der eigentliche Treiber liegt aber im rasanten Zubau. Solar und Speicher stellten im ersten Quartal 2026 rund 91 Prozent der neuen US-Kraftwerkskapazität.

Kohle rutschte derweil im April auf ein Allzeit-Monatstief von 39,3 Terawattstunden. „US-Solarstrom stellt weiter neue Rekorde auf“, sagt Nicolas Fulghum, Senior Data Analyst bei Ember. Die vollständige Auswertung steht bei Ember bereit.

Was sagt das über den Markt?

Ein kleines Solarpanel mit Metallrahmen und Digitalanzeige (12,8 %) liegt neben einem Stück Kohle
Erneuerbare Energien verdrängen in den USA Kohle und Gas durch niedrigere Kosten, nicht durch Politik. Im März übertraf ihre Stromerzeugung erstmals Erdgas

Ökonomie schlägt Politik. Der Umschwung gelingt, obwohl die US-Regierung gezielt Kohle fördert. Investoren von Texas bis Kalifornien setzen dennoch auf Solar, weil die Kosten dort längst niedriger liegen. Schon im März lieferten Erneuerbare zusammen erstmals mehr Strom als Erdgas.

Der Trend zeigt zugleich, wie stark der Strombedarf insgesamt steigt. Einen wesentlichen Treiber beleuchtet unser Bericht zum Stromhunger der KI, der bis 2030 fast doppelt so hoch ausfallen soll wie der Verbrauch Deutschlands.

Die USA zeigen unter denkbar schlechten politischen Vorzeichen, dass die Wirtschaftlichkeit von Solar den Ausschlag gibt. Für deutsche Unternehmen ist das ein klares Signal, die eigene Energiebeschaffung neu zu rechnen.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für DACH-Betriebe?

Ein Stück Kohle mit einer kleinen Solarpaneel-Fahne darauf, auf weißem Hintergrund
KI-Stromverbrauch könnte sich verdoppeln, russische Hacker zielen auf Solaranlagen, Großstädte müssen Wärmepläne bis 30. Juni vorlegen

Planungsgröße Solar. Für Unternehmen hierzulande wächst der Anreiz, eigene Photovoltaik und Speicher in die Energieplanung aufzunehmen. Sinkende Erzeugungskosten verbessern die Kalkulation, und die Versorgungssicherheit steigt. Zugleich rückt die Absicherung der Anlagen in den Fokus, wie die BSI-Warnung vor ungeschützten Solaranlagen zeigt.

Behalten Sie die US-Zahlen als Frühindikator im Blick, statt sie als Randnotiz abzutun. Prüfen Sie bei anstehenden Investitionen, ob eine Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher Ihre Strombilanz verbessert. Die Absicherung der Steuerungstechnik gehört dabei von Anfang an mit auf die Liste.

Mehr Newshunger?

4,5 16 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
885 Artikel veröffentlicht
Alle Artikel

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Newsletter

Mehr solcher Artikel?
Jetzt kostenlos abonnieren.

Jeden Dienstag die besten Artikel aus dem Dr. Web-Magazin direkt in Ihr Postfach – kein Spam, jederzeit abmeldbar.

Einmal pro Woche, kein täglicher Spam
Jederzeit mit einem Klick abmeldbar
DSGVO-konform via Brevo