In den USA hat sich der Strommix an einer symbolträchtigen Stelle gedreht. Im Mai 2026 lieferte Photovoltaik dort erstmals in einem Kalendermonat mehr Strom als Kohle, und der Abstand dürfte weiter wachsen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDass Solar Kohle überholt, belegt eine Auswertung des Energie-Thinktanks Ember auf Basis von US-Behördendaten. Solar kam im Mai auf 12,8 Prozent des Strommix, Kohle nur noch auf 12,2 Prozent. Vor fünf Jahren lag das Verhältnis im selben Monat noch bei 5,4 zu 19,7 Prozent.
Das Wichtigste in Kürze
- Solar erzeugte im Mai 2026 ein Allzeithoch von 45,5 Terawattstunden, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
- Kohle fiel auf 43,4 Terawattstunden und lag damit 11 Prozent unter dem Mai-Wert von 2025.
- Solar war im Mai erstmals die drittgrößte Einzelquelle im US-Netz, hinter Erdgas und Kernkraft.
Wie kam es zu dem Wechsel?

Zubau trifft Saison. Solarstrom erreicht seinen höchsten Anteil meist im Frühjahr, wenn viel Sonne auf moderate Nachfrage trifft. Der eigentliche Treiber liegt aber im rasanten Zubau. Solar und Speicher stellten im ersten Quartal 2026 rund 91 Prozent der neuen US-Kraftwerkskapazität.
Kohle rutschte derweil im April auf ein Allzeit-Monatstief von 39,3 Terawattstunden. „US-Solarstrom stellt weiter neue Rekorde auf“, sagt Nicolas Fulghum, Senior Data Analyst bei Ember. Die vollständige Auswertung steht bei Ember bereit.
Was sagt das über den Markt?

Ökonomie schlägt Politik. Der Umschwung gelingt, obwohl die US-Regierung gezielt Kohle fördert. Investoren von Texas bis Kalifornien setzen dennoch auf Solar, weil die Kosten dort längst niedriger liegen. Schon im März lieferten Erneuerbare zusammen erstmals mehr Strom als Erdgas.
Der Trend zeigt zugleich, wie stark der Strombedarf insgesamt steigt. Einen wesentlichen Treiber beleuchtet unser Bericht zum Stromhunger der KI, der bis 2030 fast doppelt so hoch ausfallen soll wie der Verbrauch Deutschlands.
Die USA zeigen unter denkbar schlechten politischen Vorzeichen, dass die Wirtschaftlichkeit von Solar den Ausschlag gibt. Für deutsche Unternehmen ist das ein klares Signal, die eigene Energiebeschaffung neu zu rechnen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für DACH-Betriebe?

Planungsgröße Solar. Für Unternehmen hierzulande wächst der Anreiz, eigene Photovoltaik und Speicher in die Energieplanung aufzunehmen. Sinkende Erzeugungskosten verbessern die Kalkulation, und die Versorgungssicherheit steigt. Zugleich rückt die Absicherung der Anlagen in den Fokus, wie die BSI-Warnung vor ungeschützten Solaranlagen zeigt.
Behalten Sie die US-Zahlen als Frühindikator im Blick, statt sie als Randnotiz abzutun. Prüfen Sie bei anstehenden Investitionen, ob eine Kombination aus Photovoltaik und Batteriespeicher Ihre Strombilanz verbessert. Die Absicherung der Steuerungstechnik gehört dabei von Anfang an mit auf die Liste.