Mozilla legt eine zweite Untersuchung zur Browserwahl unter Windows vor. Der Bericht „Over the Edge 2.0″ attestiert dem Digital Markets Act eine messbare Wirkung im Europäischen Wirtschaftsraum, sieht außerhalb der EU aber unverändert manipulatives Interface-Design zugunsten von Edge. Für IT-Verantwortliche mit Standorten in mehreren Rechtsräumen hat das handfeste Folgen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Browserwahl unter Windows hängt inzwischen davon ab, in welchem Rechtsraum ein Rechner steht. Mozilla hat die Designforscher Harry Brignull und Cennydd Bowles beauftragt, ihre Untersuchung aus dem Jahr 2024 zu wiederholen. Das Ergebnis fällt zweigeteilt aus.
Das Wichtigste in Kürze
- Microsoft hat für den Europäischen Wirtschaftsraum einen eigenen Carve-out geschaffen und mehrere Taktiken zur Durchsetzung von Edge zurückgenommen.
- In allen Märkten ohne DMA-Geltung bleibt das Oberflächendesign laut Studie darauf ausgelegt, Nutzer in Richtung Edge zu lenken.
- Über den Browser bevorzugt Microsoft zusätzlich die eigene KI-Oberfläche Copilot.
- Regulierung wirkt, freiwillige Zugeständnisse bleiben aus.
Was hat sich im Europäischen Wirtschaftsraum geändert?

Nachgebessert hat Microsoft dort, wo Aufsichtsbehörden hinschauen. Um dem DMA zu entsprechen, existiert für den EWR eine gesonderte Windows-Variante, in der etliche der besonders problematischen Design-Taktiken entfallen. Die Aufsicht ersetzt damit das, was Mozilla seit Jahren vergeblich als freiwillige Selbstverpflichtung fordert.
Belegbar ist der Effekt auch in Zahlen. Nach Mozillas eigener Auswertung haben rund sechs Millionen Menschen in der EU über die Auswahlbildschirme des DMA zu Firefox gewechselt. Auch kleinere Anbieter profitieren, wie unsere Analyse zum Geschäftsmodell von Brave zeigt.
Warum bleibt der Rest der Welt außen vor?
Unverändert läuft das Spiel überall dort weiter, wo der DMA nicht greift. Die Forscher dokumentieren Oberflächen, die Nutzer zu Edge lenken, konkurrierende Browser benachteiligen und die Wahl des Standardbrowsers an vielen Stellen faktisch aushebeln. Wie tief diese Verzahnung reicht, hat Microsoft zuletzt selbst vorgeführt, als der Konzern die eigenständige Copilot-App zugunsten von Edge einstellte.
Ein Konzern, der in Brüssel plötzlich Wahlfreiheit zulässt und sie in Chicago verweigert, führt seine eigene Argumentation vor. Technisch möglich ist längst alles, es fehlt allein der Wille.“ Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten Entscheider jetzt prüfen?
Konzernweite Browser-Richtlinien gehören auf den Prüfstand. Wer Standorte in den USA, in Großbritannien oder in Asien betreibt, arbeitet dort mit einem Windows, das den Standardbrowser anders behandelt als die EWR-Variante. Gruppenrichtlinien und Protokoll-Handler sollten deshalb pro Region getestet werden, nicht einmalig zentral. Welche Alternativen im Unternehmenseinsatz taugen, ordnet unser Browser-Vergleich für den DACH-Raum ein.
Kush Amlani, Global Competition und Regulatory Lead bei Mozilla, fasst den Befund so zusammen:
Microsoft hat gezeigt, dass es die Wahlfreiheit der Nutzer:innen besser respektieren kann, wenn Regulierungsbehörden genau hinschauen. Wir würden Microsoft daher bitten, dies weltweit umzusetzen, anstatt sich darauf zu verlassen, dass Wettbewerbsregulierung das Unternehmen dazu zwingt.“ Kush Amlani, Global Competition und Regulatory Lead bei Mozilla
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Standardbrowser sollte laut Amlani nicht davon abhängen, in welchem Rechtsraum jemand sitzt. Sein Argument: dasselbe Windows, derselbe Edge, derselbe Copilot, aber unterschiedlich viel Respekt vor der Freiheit der Anwender.