Die Plattform CiviSmart verwaltet in Italien jetzt 500.000 vernetzte Straßenlaternen und macht damit sichtbar, wo die Smart City wirklich beginnt: an der Laterne. Hinter der Zahl steht der deutsche Immobilien- und Infrastrukturmanager PATRIZIA, der drei Beleuchtungsbetreiber zu einem nationalen Netz gebündelt hat. Für Kommunen im DACH-Raum liefert der Fall eine überraschend praktische Blaupause.

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Die Smart City wird selten am Rathaus entschieden, sondern am Straßenrand gebaut. Genau dort setzt CiviSmart an, weil die Straßenlaterne bereits Strom, Standort und eine flächendeckende Präsenz mitbringt, die kein anderes Stadtmöbel bietet.

Das Wichtigste in Kürze

  • CiviSmart verwaltet rund 500.000 Lichtpunkte in etwa 200 italienischen Kommunen (Stand Juli 2026).
  • PATRIZIA hat die Anbieter Ottima, Selettra und Atlantico zu einer nationalen Plattform zusammengeführt.
  • Das italienische Investitionsprogramm für smarte Beleuchtung umfasst rund 750 Millionen Euro.
  • Die vernetzte Laterne dient als Träger für Sensorik, Ladepunkte und Datennetze, nicht nur für Licht.

Was steckt hinter den 500.000 Laternen?

Eine moderne Laterne mit Sensoren und dem Schild „Smart City ab hier“ vor weißem Grund
PATRIZIA bündelt italienische Beleuchtungsspezialisten Ottima, Selettra und Atlantico unter Marke CiviSmart. Verwaltete Lichtpunkte wuchsen von 380.000 auf 500.000

Drei Betreiber, eine Plattform: PATRIZIA hat die italienischen Beleuchtungsspezialisten Ottima, Selettra und Atlantico übernommen und unter der Marke CiviSmart gebündelt.[1] Zum Start im April 2025 waren es rund 380.000 Lichtpunkte, jetzt sind es etwa 500.000.

Konzession statt Kauf: Die Kommunen vergeben langfristige Lichtkonzessionen, der Betreiber modernisiert auf eigene Rechnung und refinanziert sich über die Energieeinsparung der LED-Technik. Das italienische Programm dahinter umfasst rund 750 Millionen Euro.[2]

Warum ausgerechnet die Straßenlaterne?

Gratis-Backbone: Kein anderes Objekt steht so dicht und so verlässlich im öffentlichen Raum wie die Laterne, und sie hängt bereits am Stromnetz. Genau das macht den Mast zum günstigsten Träger für Sensorik und Verkehrssteuerung, für Ladepunkte und für Funkzellen.

Licht finanziert Daten: Der Umstieg auf LED senkt den Stromverbrauch oft um mehr als die Hälfte, und diese Einsparung trägt die Modernisierung. Auf dem so bezahlten Mast lassen sich Datennetz und Messtechnik später fast beiläufig ergänzen, ähnlich wie die vernetzte Bushaltestelle zum Datenpunkt wird.

Rechnung geht auf: Dass sich solche Projekte betriebswirtschaftlich lohnen, hat zuletzt auch das BBSR nachgerechnet, wie unsere Analyse zu den wirtschaftlichen Effekten der Smart City zeigt.

Die Smart City beginnt nicht im Rathaus, sondern an der nächsten Laterne. Sensorik, Ladepunkte und Datennetz finden ihre günstigste Infrastruktur längst am Straßenrand.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
CiviSmart: Italiens Laternennetz in Zahlen
Stand Juli 2026
500.000
vernetzte Lichtpunkte verwaltet die Plattform inzwischen in ganz Italien.
rund 200
Kommunen sind an CiviSmart angebunden, von der Kleinstadt bis zur Region.
750 Mio. €
umfasst das Investitionsprogramm für Italiens smarte Beleuchtung.
3
Anbieter (Ottima, Selettra, Atlantico) wuchsen zu einer nationalen Plattform zusammen.

Was heißt das für deutsche Kommunen?

Kostendruck als Hebel: Viele deutsche Städte betreiben noch alte Natriumdampf-Leuchten, deren Stromkosten sich jährlich bemerkbar machen. Ein Konzessionsmodell wie in Italien verlagert die Investition auf den Betreiber und macht den Umbau auch bei knappen Haushalten möglich.

Nach der Förderung: Gerade weil viele Fördertöpfe auslaufen, gewinnen selbsttragende Modelle an Bedeutung, wie unsere Übersicht zu den überlebensfähigen Smart-City-Projekten und die BBSR-Studie zu 50 Ankerorten zeigen.

Datenschutz mitdenken: Sobald Kameras oder Bewegungssensoren an den Masten hängen, gilt die DSGVO, und die Kommune bleibt für die Daten verantwortlich. Beim Aufrüsten der Laterne gehören Zweckbindung und Löschfristen deshalb von Anfang an in den Vertrag.

Jetzt prüfen: Kommunale Entscheider sollten den nächsten Beleuchtungsvertrag als Smart-City-Einstieg behandeln und Datennetz, Ladepunkte und Sensorik als Option gleich mitverhandeln. Der italienische Fall zeigt, dass sich der Einstieg über die Energieeinsparung selbst tragen kann.

Quellen

[1] PATRIZIA: „PATRIZIA launches CiviSmart, a new major player in Italy’s smart urban infrastructure sector“

[2] PATRIZIA: „PATRIZIA acquires third Italian smart streetlighting company to complete EUR 750 million smart cities investment programme“

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