Analysten von Bank of America und JPMorgan sehen in KI-Agenten wie Metas Muse eine Gefahr für Anzeigenportale. Die Aktie von Scout24 geriet dadurch unter Druck. Die eigenen Zahlen des Immobilienportals zeigen ein anderes Bild: Über externe KI-Chatbots kommt bislang weniger als 1 % des Traffics.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Debatte über KI-Agenten drückte die Scout24-Aktie am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Laut dpa-AFX notierte das Papier am Nachmittag 1,6 % schwächer bei 69,65 €. David Amira von der Bank of America schrieb, KI-gestützte Verbraucher-Agenten verstärkten die Skepsis, die in der Branche seit einem Jahr spürbar sei.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Scout24-Aktie fiel am 24. September auf ein Zweimonatstief knapp unter 69 €.
- Bank of America und JPMorgan verweisen auf Metas KI-Agenten Muse, der im Auftrag seiner Nutzer bucht und verhandelt.
- Laut Halbjahresbericht bezieht Scout24 weniger als 1 % seines Traffics über externe KI-Sprachmodelle.
- Muse ist nur in den USA verfügbar, einen Europa-Start hat Meta nicht angekündigt.
Warum gelten KI-Agenten als Gefahr für Anzeigenportale?

Suche ohne Portalbesuch. Meta beschreibt Muse als Agenten, der Formulare ausfüllt und im Namen seiner Nutzer verhandelt. Als Beispiel nennt der Konzern sogar den Verkauf eines Autos.[1] Ein solcher Agent durchsucht die Angebote selbst und meldet nur das Ergebnis zurück. Werbeplätze und bezahlte Top-Platzierungen des Portals bekommt der Nutzer dann nicht mehr zu sehen.
Makler zahlen für Sichtbarkeit. Genau an dieser Sichtbarkeit verdient Scout24. Das Segment der gewerblichen Kunden, vor allem Makler, brachte im ersten Halbjahr 277,6 Mio. € und damit rund drei Viertel des Konzernumsatzes von 372,2 Mio. €.[2] Übernimmt ein Agent die Suche, verliert das Portal den direkten Kontakt zum Wohnungssuchenden und wird zum Datenlieferanten für eine fremde Software. JPMorgan erwartet deshalb hohe Investitionen in der Branche, damit die Portale mit der Entwicklung Schritt halten.
Wie viel Traffic bringen KI-Chatbots dem Portal heute?
Unter 1 % Chatbot-Anteil. Als Zubringer spielen externe KI-Sprachmodelle für Scout24 bisher nur eine Nebenrolle: Laut Halbjahresbericht vom 6. August lag ihr Anteil am Traffic unter 1 %.[2] Der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 17 %, für 2026 bestätigte der Vorstand ein Wachstum von 16 bis 18 %.
KI im eigenen Haus. Scout24 setzt darauf, die KI-Suche selbst anzubieten. Im Juni stellten Nutzer auf dem Portal rund 3,3 Mio. KI-gestützte Suchanfragen, 47-mal so viele wie ein Jahr zuvor.[2] Den Umbau zu einem KI-Betriebssystem für den Immobilienmarkt hatte der Konzern im Mai auf seinem Kapitalmarkttag vorgestellt. Nicht öffentliche Angebote aus Wartelisten sehen auf ImmoScout24 nur zahlende Mitglieder.
Die Börse bestraft Scout24 für einen Agenten, den Meta in Europa noch gar nicht anbietet. Gefährlich wird Muse erst an dem Tag, an dem Makler ihre Angebote lieber direkt an den Agenten liefern als ans Portal.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Agenten-Streit für Plattformbetreiber im DACH-Raum?
Kein Muse in der EU. Den persönlichen KI-Agenten Muse hat Meta nur in den USA gestartet, einen Europa-Termin nennt der Konzern nicht. Ein Agent, der sich im Namen von Nutzern bei Portalen anmeldet, müsste hierzulande die DSGVO und die Transparenzpflichten des AI Act erfüllen.
Zugang wird Verhandlungssache. Wie ein Anbieter seine Kundschaft verteidigt, zeigte vor wenigen Tagen Amazon: Der Händler sperrte Muse aus seinem Shop aus. Shopify und große Handelsketten öffnen ihren Checkout dagegen für KI-Agenten. Portalbetreiber sollten deshalb in ihren Nutzungsbedingungen festlegen, ob und zu welchen Konditionen Agenten zugreifen dürfen, und solche Zugriffe in der Webanalyse getrennt ausweisen. Andernfalls bleibt der Agenten-Verkehr im Reporting ein blinder Fleck.
Sichtbar für Maschinen. Makler und Vermieter, die heute über Portale inserieren, sollten zusätzlich prüfen, ob KI-Assistenten ihre eigene Website finden und korrekt zitieren. Die Generative Engine Optimization ergänzt klassisches SEO genau um diese Auffindbarkeit in KI-Antworten.
Quellen
[1] Meta: Introducing Muse: The World’s First Personal AI Agent Built for Everyone (September 2026)
[2] Scout24: Scout24 maintains strong momentum in Q2 with 20% revenue growth (06.08.2026)
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