Odyssey Robot verkaufte seine Drohne als kalifornische Entwicklung, montiert in Texas. Den vorgeschriebenen Funktest erledigte laut Prüfbericht jedoch ein Labor von TÜV Rheinland im chinesischen Shenzhen. Am 11. August 2026 entzog die US-Regulierungsbehörde FCC der Firma die Zulassung und zeigte, wie tief DJI in vermeintlich amerikanischer Hardware steckt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDJI-Drohnen gelten in den USA offiziell als Sicherheitsrisiko. Trotzdem fliegt kaum eine Behörde ohne die Geräte. Genau in diese Lücke stieß Odyssey Robot: ein Anbieter, der sein Fluggerät als rein amerikanisches Produkt zertifizieren ließ und so am Einfuhrverbot vorbeikam.
Das Wichtigste in Kürze
- Die FCC entzog Odyssey Robot am 11. August 2026 die Funkzulassung für Drohne und Fernsteuerung (Order DA 26-839).
- Auslöser war ein Prüfbericht: Der Funktest lief nicht in Texas, sondern bei TÜV Rheinland in Shenzhen.
- DJI hält nach Marktanalysen rund 80 Prozent des US-Drohnenmarkts; Tarnmarken scheitern an der FCC-Zertifizierung.
- Die EU kennt kein vergleichbares Verbot, verlässt sich aber ebenso stark auf chinesische Fluggeräte.
Woran die Tarnung zerbrach?

Der Prüfbericht offenbarte den Widerspruch. Odyssey Robot, im Januar 2025 in Delaware gegründet, gab gegenüber der FCC an, seine Drohne stamme aus kalifornischer Entwicklung und werde von eTak Worldwide in Texas montiert. Ein US-Zulassungsantrag verlangt aber einen Funkstörungstest, dessen Bericht Prüflabor und Ort nennt. Genau dieses Dokument führte nach Südchina, zu TÜV Rheinland (Shenzhen) Co. Ltd.[1]
Der Montagepartner widersprach zuerst. Auf Nachfrage der FCC bestritt eTak Worldwide jede Geschäftsbeziehung zu Odyssey und beschrieb sich als reinen Betrieb für Elektronik-Recycling. Nachdem Odyssey auf drei Schreiben der Behörde nicht reagiert hatte, entzog die FCC am 11. August 2026 beide Funkzulassungen, die für die Drohne und die für die Fernsteuerung.[1]
Warum sich DJI so schwer verdrängen lässt?
Marktmacht und Geschichte greifen ineinander. DJI steht seit 2020 auf der Sanktionsliste des US-Handelsministeriums. Im Dezember 2025 setzte die FCC den Hersteller samt aller ausländischen Drohnen auf ihre Covered List und stoppte damit neue Zulassungen.[2] Trotzdem hält der Konzern nach Marktanalysen rund 80 Prozent des US-Drohnenmarkts, weil kaum ein westlicher Anbieter Flugregler, Kamera-Gimbal und Akku in vergleichbarer Tiefe fertigt.
Kein Einzelfall war Odyssey damit. Die Behörde geht seit Monaten gegen mutmaßliche Tarnfirmen vor, die DJI-nahe Technik unter eigenem Label einführen. Anfang August 2026 schlug die FCC zusätzlich vor, bereits zugelassene Consumer-Drohnen mit LiDAR- oder Wärmebildsensor rückwirkend als militärtaugliche Geräte einzustufen und aus dem Handel zu nehmen.[2]
Ein amerikanischer Markenname sagt heute wenig über die Herkunft der Technik. Beim Einkauf entscheidet künftig das Prüflabor, nicht das Etikett.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie die FCC eine DJI-Tarnfirma enttarnte, und warum das Muster auch europäische Drohnenflotten betrifft.
So eskalierte der Fall
Was das für europäische Drohnenflotten bedeutet?
Kein EU-Verbot steht dagegen. DJI stellt bei Polizei, Feuerwehr, Landwirtschaft und Inspektion in Deutschland den Großteil der Flotte. Ein Import- oder Verkaufsstopp nach US-Vorbild steht nicht zur Debatte. Der Fall Odyssey trifft Europa dennoch, denn das entlarvende Labor gehört mit TÜV Rheinland zu einem deutschen Prüfkonzern.
Herkunft prüfen lautet die Lehre für Beschaffer. Ein westliches Logo garantiert keine DJI-freie Hardware, deshalb gehören Fertigungsort, Prüfbericht und Datenflüsse in jede Ausschreibung, gerade bei kritischer Infrastruktur unter NIS2. Die EU-Drohnenregeln der EASA ordnen bislang Betrieb und Luftraum, nicht die Lieferkette. Vor dem nächsten Kauf hilft ein simpler Schritt: den Zulassungsbericht anfordern und den realen Prüfort mit dem angegebenen Herkunftsland abgleichen.
Quellen
[1] Federal Communications Commission: „Order of Revocation, Odyssey Robot LLC (DA 26-839)“
[2] Federal Communications Commission: „FCC Takes Action to Secure the Drone Supply Chain“
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