Moore Threads meldet für das erste Halbjahr 2026 rund 223 Millionen Euro Umsatz und damit mehr als das Doppelte des Vorjahres. Zugleich kündigt der Pekinger Grafikchip-Entwickler den Sprung an die Hongkonger Börse an. Hinter der Zahl steht kein Strohfeuer, sondern Pekings Plan der Unabhängigkeit von Nvidia.

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Am Abend des 9. August 2026 legte Moore Threads seinen ersten Halbjahresbericht seit dem Börsendebüt vor. Die Bilanz überraschte selbst wohlwollende Beobachter: Ausgerechnet während Washington den Verkauf starker KI-Chips nach China erschwert, meldet der Newcomer Rekordwachstum und greift nach frischem Kapital.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Halbjahresumsatz steigt um 147 Prozent auf rund 223 Millionen Euro und übertrifft damit das gesamte Vorjahr.
  • Gut acht Monate nach dem Debüt in Schanghai plant Moore Threads eine Zweitnotierung an der Hongkonger Börse.
  • Der Nettoverlust schrumpft um 96 Prozent auf rund 1,5 Millionen Euro, die Bruttomarge steigt auf 57 Prozent.
  • Treiber ist die Nachfrage nach heimischen KI-Beschleunigern, seit Nvidias Spitzenchips in China schwer zu bekommen sind.

Woher kommt das Umsatzplus bei Moore Threads?

Minifigur gießt Pflanze auf Münzstapel, darauf Grafikkarte mit Preisschild (147%)
Moore Threads Umsatz im H1 2026 steigt um 147 Prozent auf 223 Millionen Euro, getrieben durch KUAE-Cluster und MTT S5000 Grafikkarten in chinesischen Rechenzentren

Der Umsatz von Moore Threads erreichte im ersten Halbjahr 2026 rund 223 Millionen Euro, ein Plus von 147 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als der gesamte Jahresumsatz 2025.[1] Getragen wird das Wachstum vom Verkauf der KUAE-Rechencluster und der Grafikkarte MTT S5000, die inzwischen in großen Stückzahlen an Rechenzentren in Peking, Wuxi und Hangzhou gehen.

Auch die Ertragslage bessert sich deutlich. Die Bruttomarge stieg auf 57 Prozent, der Nettoverlust schrumpfte um 96 Prozent auf rund 1,5 Millionen Euro, nach rund 35 Millionen ein Jahr zuvor. Alle Beträge zum EZB-Referenzkurs vom 7. August 2026, 7,7834 Yuan je Euro.

Wie umgeht China die Nvidia-Sperre?

Den Ausschlag gibt die amerikanische Exportkontrolle. Seit Washington den Verkauf von Nvidias China-Chip H20 an strenge Auflagen bindet, weichen Rechenzentren auf heimische Beschleuniger aus. Genau in diese Lücke stößt Moore Threads, ähnlich wie der Rivale Cambricon mit seinem eigenen Gewinnsprung.

Das eigentliche Fundament liegt in der Software. Mit der Plattform MUSA baut Moore Threads eine chinesische Alternative zu Nvidias Programmiermodell CUDA auf, nach eigenen Angaben zählt die Plattform über 800.000 Entwickler. Dieselbe Wette auf die Ablösung von CUDA treibt auch westliche Anbieter wie Qualcomm mit dem Zukauf von Modular. Allein steht Moore Threads dabei nicht: Zusammen mit Biren, MetaX und Enflame bilden vier Start-ups die sogenannten vier kleinen Drachen der chinesischen GPU-Branche.

Nicht der Börsengang ist die eigentliche Nachricht, sondern die Software darunter: Mit MUSA baut Moore Threads einen eigenen Standard neben Nvidias CUDA auf. Europäische Planer von KI-Rechenzentren sollten diese zweite Welt kennen, auch wenn sie vorerst gesperrt bleibt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet der GPU-Aufstieg für Europa?

Für Europa entsteht eine zweite, abgeschottete Recheninfrastruktur für künstliche Intelligenz. Europäische Rechenzentren setzen fast vollständig auf Nvidia und dessen CUDA-Ökosystem, während in China ein paralleler Stack heranwächst, den die Exportkontrollen nach beiden Seiten abdichten.

Der geplante Gang nach Hongkong öffnet Moore Threads den Zugang zu internationalem Kapital und ausländischen Fachkräften, gut acht Monate nach dem Schanghaier Debüt mit einem Kursplus von 420 Prozent.[2] Für deutschsprachige Entscheider zählt vor allem die nüchterne Prüfung, wie stark das eigene Geschäft von einem einzigen Chip-Lieferanten abhängt. Wie chinesische Firmen die Sperre praktisch umgehen, indem sie Rechenleistung im Ausland mieten statt Chips zu kaufen, zeigt der Fall der legalen Umgehung der KI-Chip-Exportkontrolle.

Moore Threads: Halbjahr 2026 in Euro
Erstes Halbjahr 2026, umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 7. August 2026 (7,7834 Yuan je Euro).
223 Mio. €
Halbjahresumsatz
plus 147 Prozent zum Vorjahr, mehr als das gesamte Jahr 2025
57 %
Bruttomarge
Bruttogewinn rund 127 Millionen Euro, plus 104 Prozent
1,5 Mio. €
Nettoverlust
96 Prozent kleiner als die rund 35 Millionen ein Jahr zuvor
99 Mio. €
Ausgaben für Forschung
plus 38 Prozent, seit 2022 zusammen gut 750 Millionen Euro
+420 %
Kurssprung zum Debüt
Börsenstart in Schanghai am 5. Dezember 2025

Moore Threads zeigt, wie schnell China eine eigene KI-Recheninfrastruktur aufbaut. Für Europa lohnt jetzt die nüchterne Prüfung, wie robust die eigene Lieferkette für Rechenchips bleibt, sollte sich der Weltmarkt dauerhaft in zwei getrennte Sphären teilen.

FAQ: Moore Threads und der Hongkong-Börsengang

Was ist Moore Threads?

Moore Threads ist ein 2020 in Peking gegründeter Entwickler von Grafik- und KI-Beschleunigern und gilt als einer der aussichtsreichsten chinesischen Herausforderer von Nvidia. Zu den Produkten zählen die Grafikkarte MTT S5000 und die KUAE-Rechencluster für das Training großer KI-Modelle.

Was ist die MUSA-Software von Moore Threads?

MUSA ist die eigene Software-Plattform von Moore Threads für die GPU-Programmierung und tritt als chinesische Alternative zu Nvidias CUDA an. Nach Unternehmensangaben nutzen die Plattform mehr als 800.000 Entwickler. Die Kompatibilität mit bestehendem Code ist der eigentliche Hebel gegen Nvidias Vorsprung.

Wann ging Moore Threads an die Börse?

Moore Threads debütierte am 5. Dezember 2025 am STAR Market der Börse Schanghai, die Aktie stieg zum Start um rund 420 Prozent. Am 9. August 2026 kündigte das Unternehmen zusätzlich eine Zweitnotierung an der Hongkonger Börse an.

Warum kaufen chinesische Firmen weniger Nvidia-Chips?

US-Exportkontrollen beschränken den Verkauf leistungsstarker KI-Chips wie Nvidias H20 nach China. Deshalb weichen viele Rechenzentren auf heimische Beschleuniger aus, was den Umsatz von Anbietern wie Moore Threads, Cambricon und Biren stark steigen lässt.

Wer sind die vier kleinen Drachen der chinesischen GPU-Branche?

Als vier kleine Drachen gelten Moore Threads, Biren, MetaX und Enflame. Diese vier Start-ups entwickeln eigene KI-Grafikchips für den chinesischen Markt und meldeten 2026 allesamt kräftiges Wachstum.

Quellen

[1] Securities Times: „摩尔线程,上半年营收同比增长147%!筹划赴港上市“ (Moore Threads: Halbjahresumsatz plus 147 Prozent, Hongkong-Börsengang geplant)

[2] Sina Finance: „摩尔线程,上半年营收同比增长147%!筹划赴港上市“ (Halbjahresbericht und H-Aktien-Plan von Moore Threads)

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