Qualcomm hat zwei Effizienzwerte für den Notebook-Chip Snapdragon C sechs Tage nach der Veröffentlichung aus der Benchmark-Folie genommen. Gestrichen sind ausgerechnet das Surfen und der Betrieb mit offenen, untätigen Programmen. Stehen geblieben sind Netflix und Microsoft Teams.

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Der Snapdragon C zielt auf Notebooks ab rund 261 Euro, umgerechnet 300 US-Dollar zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 20. August 2026. Am 19. August bat Qualcomm die Redaktion von Tom’s Hardware und weitere Fachmedien darum, die Effizienzfolie durch eine neue Fassung zu ersetzen.[1] Ein Sprecher begründete den Schritt mit dem Wunsch, „Klarheit und Relevanz“ zu verbessern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weg sind der Effizienzvorsprung beim Surfen von 68 % und der bei offenen, untätigen Programmen von 39 %.
  • Auf der Folie bleiben Netflix in Microsoft Edge mit 106 % und ein Videoanruf in Microsoft Teams mit 74 %.
  • Die Leistungswerte bleiben unverändert, darunter 67 % Vorsprung in Cinebench über alle Kerne.
  • Sämtliche Messungen entstanden im Akkubetrieb gegen einen Intel N250, keine einzige am Netzteil.

Warum verschwinden ausgerechnet Surfen und Leerlauf?

Zwei herausgesägte Balken eines Diagramms als Sinnbild für die zurückgezogenen Snapdragon-C-Benchmarks
Bei niedriger Last bestimmen Display, Speicher und Funkmodule den Stromverbrauch stärker als der Prozessor. Qualcomm verglich sein 16-Zoll-Gerät mit Acers 11,6-Zoll-Notebook, konfigurierte aber Acers Leistung für ein 16-Zoll-Display

Bei geringer Last entscheidet nicht der Prozessor über den Verbrauch, sondern die Plattform ringsherum: Display, Speicher und Funkmodule. Qualcomm stellte ein 16-Zoll-Referenzgerät gegen ein Acer TravelMate B3 mit 11,6-Zoll-Bildschirm und vermerkt in der Fußnote, die Gesamtleistung des Acer sei auf ein 16-Zoll-Display konfiguriert worden.[1] Gemessen wurde also nicht mit gleichem Panel, sondern rechnerisch angeglichen. Je niedriger die Last, desto stärker schlägt diese Angleichung auf das Ergebnis durch.

Die beiden gestrichenen Zeilen trugen als einzige das Kürzel ABL, das Qualcomm auf Nachfrage von Tom’s Hardware nicht erläutert hat. Eine technische Begründung für die Streichung nannte das Unternehmen ebenfalls nicht.[1]

Was messen die verbliebenen Zahlen?

Netflix-Wiedergabe und Videotelefonie laufen über einen eigenen Dekoderblock im Chip, nicht über die acht Kryo-Kerne. Die zwei verbliebenen Effizienzwerte beschreiben damit vor allem die Videoeinheit. Surfen dagegen fordert die Rechenkerne und den Browser-Unterbau. Genau diese Zahl fehlt jetzt. Für einen Büroarbeitsplatz war sie die aussagekräftigste der vier.

Zum Muster der gesamten Vorstellung passt der Rückzieher gut. Bereits am 13. August fiel auf, dass Qualcomms Zahlen ausschließlich im Akkubetrieb entstanden. Werte am Netzteil fehlen bis heute. Der Konzern hatte kurz zuvor die Preise für seine Chips zweistellig angehoben, was den Kostendruck im Einstiegssegment weiter erhöht.

Eine Herstellerfolie ist keine Messung, sondern ein Angebot zur Auslegung. Verschwinden nachträglich genau die zwei Werte, die dem Büroalltag am nächsten kommen, bleibt vom Effizienzversprechen wenig Prüfbares übrig.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Snapdragon C: Was von der Effizienzfolie blieb

Vorsprung gegenüber dem Intel N250 im Akkubetrieb, in Prozent. Zwei Werte hat Qualcomm nachträglich entfernt.

Entfernt
68 %
Effizienzvorsprung beim Surfen im Web
Entfernt
39 %
Effizienzvorsprung bei offenen, untätigen Programmen
Geblieben
106 %
Netflix in Microsoft Edge, gerechnet über den Dekoderblock
Geblieben
74 %
Videoanruf in Microsoft Teams

Der Preis und das fehlende Gegenstück

Zielpreis der ersten Geräte: rund 261 Euro, umgerechnet 300 US-Dollar zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 20. August 2026. Messungen am Netzteil hat Qualcomm bis heute keine einzige veröffentlicht.

Worauf sollten Sie beim Notebookkauf achten?

Seit dem 20. Juni 2025 tragen Smartphones und Tablets in der EU ein Energielabel mit gemessener Akkulaufzeit je Ladung, festgelegt in der Ökodesign-Verordnung (EU) 2023/1670 und der Energielabel-Verordnung (EU) 2023/1669.[2] Notebooks fallen nicht darunter. Für sie gilt die Ökodesign-Verordnung (EU) 617/2013, die den Verbrauch im Aus-, Ruhe- und Leerlaufzustand regelt.[3] Eine ausgewiesene Akkulaufzeit verlangt sie nicht, ein Verbraucherlabel ebenso wenig.

Vergleichende Werbung muss sich nach § 6 Absatz 2 Nummer 2 UWG objektiv auf nachprüfbare Eigenschaften beziehen. Eine Folie, deren Zahlen nach sechs Tagen verschwinden, erfüllt dieses Kriterium schlecht. Verlangen Sie bei der Beschaffung für 2027 deshalb unabhängige Laufzeitmessungen und legen Sie vorher Ihr eigenes Lastprofil als Prüfmaßstab fest.

Quellen

[1] Tom’s Hardware: „Qualcomm retracts select Snapdragon C power efficiency benchmarks nearly a week after publication“

[2] EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1670 zu Ökodesign-Anforderungen an Smartphones und Slate-Tablets

[3] EUR-Lex: Verordnung (EU) 617/2013 zu Ökodesign-Anforderungen an Computer und Computerserver

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