Ein Schweizer Entwickler stellt sein Farbpaletten-Tool Poline kostenlos ins Netz und räumt dafür den Swiss Design Award 2026 ab. Die quelloffene Mini-Bibliothek erzeugt Paletten nicht per Klick-Zufall, sondern über geometrische Linien zwischen Ankerfarben. Für Designer und Frontend-Teams im DACH-Raum lohnt der zweite Blick.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 1.300 GitHub-Sterne sammelte das Farbpaletten-Tool Poline seit dem Start 2023, jetzt kommt die offizielle Weihe: Die Jury des Bundesamts für Kultur zeichnete das Projekt in der Sparte Media & Interaction Design aus.[2] Hinter dem Werkzeug steht David Aerne, ein Zürcher Interaction-Designer, der seine Farbexperimente seit Jahren quelloffen teilt.
Das Wichtigste in Kürze
- Poline ist eine quelloffene TypeScript-Bibliothek, die Farbpaletten aus Ankerpunkten und geometrischen Linien berechnet.
- Der Code steht unter MIT-Lizenz kostenlos bereit und kommt ohne Fremdabhängigkeiten aus.
- Als Ausgabe liefert das Werkzeug auch OKLCH, den perzeptuell gleichmäßigen Farbraum des modernen CSS.
- Für die Arbeit gab es 2026 den Swiss Design Award in der Sparte Media & Interaction Design.
Was macht Poline anders als Coolors und Co.?

Poline erzeugt Farben algorithmisch, nicht durch Ausprobieren. Klassische Generatoren wie Coolors setzen auf den Klick des Nutzers: ein Farbfeld sperren, den Rest neu würfeln, wiederholen. Poline platziert stattdessen zwei oder mehr Ankerfarben und leitet alle Zwischentöne aus deren Beziehung ab.
Der Unterschied liegt im Einsatzzweck. Coolors und Adobe Color richten sich an Gestalter mit Maus und Auge, die Farbmathematik-Bibliothek Chroma.js an Entwickler ohne fertige Oberfläche. Poline sitzt dazwischen und verwandt mit anderen generativen Browser-Werkzeugen wie Eigendrum: ein schlankes Skript für Code, das trotzdem eine bedienbare Web-Komponente mitbringt.[1]
Wie erzeugt Poline seine Farbverläufe?
Poline spannt Linien zwischen den Ankerfarben und tastet sie Punkt für Punkt ab. Jede Ankerfarbe sitzt als Punkt im Farbraum aus Farbton, Sättigung und Helligkeit. Zwischen ihnen zieht die Bibliothek eine Kurve, deren Verlaufsfunktion die Verteilung steuert.
Statt gerader Strecken erlaubt Poline verschiedene Kurven. Eine sinusförmige Funktion verteilt die Zwischentöne anders als eine lineare oder eine exponentielle, und je Achse lässt sich eine eigene Kurve wählen.[1] Aus wenigen Ankern entstehen so dutzende harmonische Abstufungen.
Wichtiger für die Praxis ist das Ausgabeformat. Poline liefert die Paletten wahlweise in HSL, LCH oder OKLCH. OKLCH hält gleiche Zahlensprünge auch als gleich große Farbsprünge fürs Auge, und moderne Browser rechnen den Farbraum seit 2023 direkt in CSS, dessen KI-Durchdringung der aktuelle State-of-CSS-Report beziffert.
Wo Poline zwischen den etablierten Werkzeugen steht
Ausgabeformate
Ein Farbwerkzeug, das OKLCH ausgibt, spart im Design-System genau den Schritt, an dem sonst Kontraste kippen und Markenfarben auseinanderlaufen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Für wen lohnt sich der Einsatz von Poline?
Kostenlos und ohne Konto: Poline steht unter MIT-Lizenz auf GitHub, jede kommerzielle Nutzung eingeschlossen.[1] Voraussetzung ist ein JavaScript- oder TypeScript-Projekt, denn eine klassische Desktop-App gibt es nicht.
Am meisten holen Design-System-Teams heraus. Freelancer und Agenturen, die Farbwelten für viele Marken oder Themes bauen, erzeugen mit wenigen Ankern reproduzierbare Paletten statt Handarbeit pro Ton. Das Werkzeug bleibt dabei ähnlich schlank wie die abhängigkeitsfreie Icon-Bibliothek Morphicons. Für drei schnelle Farben auf einem Flyer bleibt Coolors der zügigere Weg.
Der erste Schritt kostet nichts: die Web-Demo öffnen, zwei Ankerfarben setzen und die Ausgabe auf OKLCH stellen. Passt der Rhythmus der Abstufungen, wandert die Bibliothek per npm ins eigene Projekt.
Quellen
[1] David Aerne (meodai): Poline, Dokumentation und Quellcode auf GitHub
[2] Bundesamt für Kultur: Swiss Design Awards 2026, David Aerne (Poline)
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