
Nvidia zahlt 19 Mrd. € für Technologie, die es nicht kaufen darf

Markus Seyfferth
Autor Dr. WebNvidia schließt einen ungewöhnlichen Lizenz-Deal mit dem KI-Startup Groq ab. Der Chipriese umgeht damit regulatorische Hürden und sichert sich Zugang zu Inferencing-Technologie. Für Entscheider zeigt der Deal, wie kreativ Marktführer werden müssen, wenn klassische Übernahmen keine Option mehr sind.
Wenn zu viel Geld zum Problem wird
Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie haben die Ressourcen für große Investitionen, aber die Rahmenbedingungen machen jeden Schritt kompliziert. Nvidia steht vor genau diesem Dilemma. Der jährliche freie Cashflow ist von 4 Milliarden € im Jahr 2020 auf über 75 Milliarden € gestiegen. Doch klassische Übernahmen sind für den wertvollsten Chiphersteller der Welt praktisch unmöglich geworden. Regulierungsbehörden würden jeden Deal mikroskopisch prüfen.
Lizenz statt Übernahme
Nvidia wählt deshalb einen anderen Weg. Für rund 19 Milliarden € erwirbt das Unternehmen eine nicht-exklusive Lizenz für die Technologie des KI-Startups Groq. Das ist das Dreifache der größten bisherigen Nvidia-Akquisition. Doch es bleibt eben eine Lizenz. Groq-Gründer Jonathan Ross, der einst Googles hauseigenes Chip-Programm mitentwickelte, wechselt mit mehreren Schlüsselmitarbeitern zu Nvidia.
Inferencing als strategische Lücke
Der Deal adressiert eine bekannte Schwachstelle im Nvidia-Portfolio. Während die Chips des Unternehmens beim Training von KI-Modellen dominieren, ist der Markt für Inferencing hart umkämpft. Beim Inferencing generieren bereits trainierte Modelle ihre Ausgaben. Genau hier setzt Groqs Technologie an. Vijay Rakesh von Mizuho kommentiert: „Wir sehen diesen Deal langfristig als Vorteil für Nvidia, da er wichtiges geistiges Eigentum für den Ausbau der Inferencing-Fähigkeiten ins Ingenieurteam bringt.“
„Wir sehen diesen Deal langfristig als Vorteil für Nvidia, da er wichtiges geistiges Eigentum für den Ausbau der Inferencing-Fähigkeiten ins Ingenieurteam bringt.“
Vijay Rakesh von Mizuho
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache
Der Kontrast zu anderen Deals ist bemerkenswert. Meta zahlt für die vollständige Übernahme des KI-Agenten-Startups Manus nur ein Zehntel dessen, was Nvidia für eine bloße Lizenz ausgibt. Gleichzeitig generieren Microsoft, Amazon, Google, Meta und Oracle zusammen etwa 133 Milliarden € freien Cashflow in 2025. Das entspricht einem Rückgang von 37 % gegenüber dem Vorjahr. Nvidia hingegen wird für das laufende Geschäftsjahr über 90 Milliarden € erreichen.
Regulatorische Risiken bleiben
Ob der Deal regulatorische Prüfungen übersteht, ist nicht garantiert. Andere Tech-Giganten nutzen ähnliche Konstruktionen, um KI-Talente zu gewinnen. Die Behörden könnten gerade bei Nvidia genauer hinsehen. Hinzu kommt der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Jede größere Chip-Transaktion braucht Genehmigungen beider Länder. China hat wenig Interesse, einem amerikanischen Chiphersteller zu helfen.
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Was Entscheider jetzt wissen sollten
Die Nvidia-Aktie hat seit dem Rekordhoch im Oktober 9 % verloren. Sorgen über zirkuläre Finanzierungsstrukturen im KI-Markt belasten die gesamte Branche. Nvidia investiert in OpenAI, Anthropic, xAI und CoreWeave. Diese Unternehmen kaufen wiederum Nvidia-Chips. Der Groq-Deal allein wird diese Bedenken nicht zerstreuen. Aber 19 Milliarden € könnten sich als Schnäppchen erweisen, wenn Nvidia damit seine Führungsposition im wachsenden Inferencing-Markt absichert.
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