Bosch will im Milliardenmarkt für Robotik mitverdienen und positioniert sich bewusst als Zulieferer statt als Roboterbauer. Auf der Hausmesse Bosch Connected World in Berlin präsentierte der Konzern Sensoren, Software und Antriebe als das Nervensystem künftiger Maschinen. Für deutsche Industriebetriebe ist das die Einladung, Robotik ohne eigene Entwicklungsabteilung einzusetzen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenMit seiner neuen Bosch-Robotik-Strategie zielt der Stuttgarter Konzern auf einen Milliardenmarkt, ohne selbst einen einzigen Humanoiden zu bauen. Konzernchef Stefan Hartung rechnete auf der Bosch Connected World in Berlin eine Zahl vor, die das Geschäftsmodell erklärt: Ein Mensch besitzt rund vier Millionen Tastsensoren, und die weltweite Sensorproduktion von vier Jahren würde gerade einmal für 12.500 ähnlich ausgestattete Roboter reichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Bosch tritt nicht als Hersteller humanoider Roboter auf und liefert stattdessen die Komponenten und die Steuerung als „Gehirn und Nervensystem“ der Systeme.
- Für die MEMS-Sensoren, bei denen Bosch Weltmarktführer ist, erwartet die Yole Group bis 2030 ein Marktvolumen von über 19,2 Milliarden US-Dollar (rund 16,7 Milliarden Euro).
- Die neue Einheit Robert Bosch Robotics GmbH und das Bosch Robotics Center China bündeln die Aktivitäten, Partner ist unter anderem das deutsche Start-up Neura Robotics.
- Der Vorstoß fällt mitten in die schwerste Krise seit Jahren: 2025 stand ein Nachsteuerverlust von 363 Millionen Euro in der Bilanz.
Warum baut Bosch keine eigenen Roboter?

Bosch sieht seine Stärke in den Bauteilen, die jeder Roboter braucht, und überlässt den Bau der Maschinen anderen. Konzernchef Stefan Hartung nennt hochentwickelte Sensorik, Software und die effiziente Umwandlung von Strom in Bewegung die Grundpfeiler moderner Robotik. Herzstück ist die offene Steuerungsplattform ctrlX AUTOMATION des Geschäftsbereichs Bosch Rexroth, die fahrerlose Transportsysteme und präzise Roboterarme zu einer Einheit verbindet. „Wir machen damit Robotik zugänglich, modular und schnell integrierbar“, sagt Tanja Rückert, Geschäftsführerin der Robert Bosch GmbH.
Was haben MEMS-Sensoren mit Tastsinn zu tun?

Damit ein Roboter ein zartes Stielglas von einem robusten Wasserglas unterscheidet, braucht er Fingerspitzengefühl. Genau das liefern mikroelektromechanische Systeme, kurz MEMS-Sensoren, bei denen Bosch am Halbleiterstandort Reutlingen Weltmarktführer ist. Die Marktforscher der Yole Group erwarten, dass dieser Markt bis 2030 auf über 19,2 Milliarden US-Dollar wächst, umgerechnet rund 16,7 Milliarden Euro, bei vier Prozent jährlichem Wachstum. Den Rohstoff für die KI dahinter liefert ein Datenschatz aus über 230 Bosch-Werken weltweit.
Bosch überlässt die Bühne den Roboterbauern und verdient an den Bauteilen, die jeder von ihnen braucht. Für den deutschen Mittelstand ist das die bequemste Art, an der Robotik-Welle teilzunehmen.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie passt die Krise im Stammgeschäft dazu?

Der optimistische Auftritt in Berlin steht vor einem düsteren Hintergrund. Im Geschäftsjahr 2025 verbuchte Bosch bei 91 Milliarden Euro Umsatz erstmals seit 2009 einen Nachsteuerverlust, rund 363 Millionen Euro. Schwache Konjunktur, US-Zölle und chinesische Konkurrenz drücken das klassische Zuliefergeschäft, in dem über die nächsten Jahre rund 22.000 Stellen wegfallen sollen. Schon im Mai kündigte der Konzern eine KI-Investition von 2,5 Milliarden Euro an, jetzt soll die Robotik liefern, was Elektromobilität und Wasserstoff bisher schuldig blieben.
Bosch steht mit dieser Wette nicht allein. BMW setzt in Leipzig bereits AEON-Humanoide in der Serie ein, Schaeffler bestellt hunderte Einheiten bis 2030, und Hyundai will die Atlas-Produktion massiv hochfahren. Wie schnell aus Demo-Videos echte Fertigung wird, ordnet unsere Übersicht zum Robotik-Markt 2026 ein; welche KI-Modelle die Steuerung übernehmen, zeigt der LLM-Ratgeber.
Industriebetriebe im DACH-Raum brauchen für den Einsatz von Robotik weder eine eigene Entwicklungsabteilung noch die Festlegung auf einen einzelnen Hersteller. Standardisierte Komponenten und eine offene Steuerung genügen für den Einstieg. Ein Pilotprojekt mit klarem Einsparziel zeigt schneller als jede Demo, ob sich der Schritt rechnet.
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