Den Spitzensteuersatz von 42 Prozent verbinden viele mit Topverdienern und Millionengehältern. Die frischen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2022 zeichnen ein anderes Bild. Der Satz greift früher als gedacht, und die Last verteilt sich auf wenige Schultern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDen Spitzensteuersatz zahlten 2022 rund 3,2 Millionen Menschen in Deutschland, also 7,4 Prozent aller unbeschränkt Steuerpflichtigen. Auf diese Minderheit entfielen 186 Milliarden Euro und damit knapp die Hälfte des gesamten Einkommensteueraufkommens. Das Statistische Bundesamt legte die Zahlen am 10. Juni vor, und sie korrigieren eine verbreitete Annahme.
Das Wichtigste in Kürze
- 3,2 Millionen Steuerpflichtige zahlten 2022 den Spitzensteuersatz von 42 Prozent, ein Anteil von 7,4 Prozent.
- Auf diese Gruppe entfielen 186 Milliarden Euro, also 49 Prozent des Einkommensteueraufkommens.
- Der Satz griff 2022 bereits ab 58.597 Euro zu versteuerndem Einkommen, bei Zusammenveranlagung ab 117.194 Euro.
- Seit 2012 ist der Anteil der Betroffenen von 5,4 auf 7,4 Prozent gestiegen.
Ab wann greift der Spitzensteuersatz überhaupt?

Die Einkommensgrenze lag 2022 bei einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 58.597 Euro, bei gemeinsam veranlagten Paaren bei 117.194 Euro. Entscheidend ist dabei ein oft übersehener Punkt: Der Spitzensteuersatz fällt nur auf den Teil des Einkommens an, der über dieser Grenze liegt, nicht auf das gesamte Einkommen. Bei 100.000 Euro zu versteuerndem Einkommen lag der tatsächliche Durchschnittssteuersatz 2022 ohne Solidaritätszuschlag bei 32,7 Prozent. Was Grenz- und Durchschnittssteuersatz unterscheidet, lesen Sie im Steuer-Lexikon von Dr. Web.
Warum tragen so wenige fast die halbe Last?

Auf die 3,2 Millionen Betroffenen entfielen 2022 Gesamteinkünfte von 621 Milliarden Euro, knapp 30 Prozent aller Einkünfte. Beim Steueraufkommen verschiebt die Progression das Verhältnis weiter nach oben: 186 Milliarden Euro oder 49 Prozent stammten von dieser Gruppe. Progressiv heißt, der Steuersatz steigt mit dem Einkommen, und die durchschnittlichen Jahreseinkünfte der Betroffenen lagen mit 196.000 Euro klar über dem Schnitt.
Spitze klingt nach Ausnahme, doch der Satz erreicht heute weite Teile des oberen Mittelstands. Für Selbstständige und Geschäftsführer liegt die Grenze von gut 58.000 Euro näher, als die Wortwahl vermuten lässt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Reichensteuer in den Zahlen?

Oberhalb des Spitzensteuersatzes setzt der Höchststeuersatz von 45 Prozent an, im Volksmund Reichensteuer. Diese Stufe galt 2022 ab 277.826 Euro zu versteuerndem Einkommen, bei Paaren ab 555.652 Euro. Rund 141.000 Steuerpflichtige fielen darunter, gerade einmal 0,3 Prozent aller Veranlagten. Auf sie entfielen 7,6 Prozent der Einkünfte und 15,3 Prozent der Steuersumme.
Warum wächst die Gruppe seit Jahren?

Seit 2012 ist der Anteil der Steuerpflichtigen mit Spitzensteuersatz von 5,4 auf 7,4 Prozent geklettert, der Anteil am Aufkommen von 42 auf 49 Prozent. Gebremst hat den Anstieg, dass der Gesetzgeber den Tarif seit 2016 regelmäßig an die Inflation anpasst und damit die kalte Progression abmildert. Für Selbstständige und Geschäftsführer lohnt der genaue Blick auf das zu versteuernde Einkommen, denn Freibeträge, Werbungskosten und Sonderausgaben senken die Bemessungsgrundlage spürbar. Wie sich das Nettoeinkommen konkret zusammensetzt, rechnet der Gehaltsrechner für Selbstständige durch, und die Grundlagen der Veranlagung erklärt der Ratgeber zur Einkommensteuer für Selbstständige.
Die nächsten Zahlen lassen auf sich warten, denn die Statistik erscheint erst rund dreieinhalb Jahre nach dem Steuerjahr. Bis dahin gilt auch für die Veranlagung 2025 und 2026 dasselbe Prinzip: Die nominale Grenze steigt mit der Inflation, die reale Belastung hängt am eigenen zu versteuernden Einkommen. Prüfen Sie vor der nächsten Steuererklärung, welche Abzüge die Bemessungsgrundlage drücken, statt allein auf den Tarif zu schauen.