
Gewerbesteuer berechnen: Was bleibt „netto“ vom brutto?
Michael Dobler
Autor Dr. WebDie Gewerbesteuer ist für Selbstständige und Unternehmer oft ein Buch mit sieben Siegeln. Wie hoch ist sie wirklich? Was bleibt am Ende übrig? Unser neuer Gewerbesteuer-Rechner liefert die Antworten, inklusive persönlicher Steuerbelastung für die Gesellschafter. Alle Angaben wie immer ohne Gewähr (*peng peng*).
Was ist die Gewerbesteuer?

Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer, die jeder Gewerbebetrieb in Deutschland zahlen muss. Das Geld fließt direkt in die Kasse der Gemeinde und finanziert dort Schulen, Straßen und öffentliche Einrichtungen.
Anders als die Einkommensteuer, die bundesweit einheitlich geregelt ist, variiert die Gewerbesteuer je nach Standort des Unternehmens erheblich. Der Grund: Jede Gemeinde legt ihren eigenen Hebesatz fest.
Wie wird die Gewerbesteuer berechnet?

Die Berechnung erfolgt in mehreren Schritten:
Schritt 1: Gewerbeertrag ermitteln
Der Gewerbeertrag entspricht im Wesentlichen dem steuerlichen Gewinn. Bei der genauen Ermittlung gibt es noch Hinzurechnungen (zum Beispiel Zinsen, Mieten) und Kürzungen, die hier der Einfachheit halber außen vor bleiben.
Schritt 2: Freibetrag abziehen
Einzelunternehmen und Personengesellschaften profitieren von einem Freibetrag von 24.500 Euro. Erst der darüber liegende Betrag wird besteuert. Kapitalgesellschaften wie GmbH oder AG haben diesen Freibetrag nicht.
Schritt 3: Steuermessbetrag berechnen
Der steuerpflichtige Gewerbeertrag (auf volle 100 Euro abgerundet) wird mit der Steuermesszahl von 3,5 Prozent multipliziert.
Schritt 4: Hebesatz anwenden
Der Steuermessbetrag wird mit dem Hebesatz der Gemeinde multipliziert. Das ergibt die finale Gewerbesteuer.
Beispielrechnung
Ein Einzelunternehmer in Freiburg (Hebesatz 430%) mit 100.000 Euro Gewerbeertrag:
- Gewerbeertrag: 100.000 €
- Freibetrag: 24.500 €
- Steuerpflichtiger Gewerbeertrag: 75.500 € (abgerundet auf 75.500 €)
- Steuermessbetrag: 75.500 € × 3,5% = 2.642,50 €
- Gewerbesteuer: 2.642,50 € × 430% = 11.362,75 €
Hebesätze der Gewerbesteuer: Wer zahlt wo am meisten?

Der Hebesatz macht den entscheidenden Unterschied bei der Steuerlast. Der gesetzliche Mindesthebesatz liegt bei 200 Prozent, eine Obergrenze gibt es nicht.
Hebesätze deutscher Großstädte (Auswahl)
| Stadt | Hebesatz |
|---|---|
| Dortmund | 493% |
| München | 490% |
| Hannover | 480% |
| Köln | 475% |
| Essen | 475% |
| Bremen | 475% |
| Hamburg | 470% |
| Düsseldorf | 470% |
| Wiesbaden | 470% |
| Frankfurt am Main | 460% |
| Leipzig | 460% |
| Mannheim | 460% |
| Nürnberg | 460% |
| Augsburg | 450% |
| Bonn | 450% |
| Stuttgart | 440% |
| Münster | 440% |
| Freiburg | 430% |
| Dresden | 425% |
| Karlsruhe | 420% |
| Berlin | 410% |
Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 400 Prozent. Wer Steuern sparen will, kann einen Standort mit niedrigerem Hebesatz wählen. Allerdings sollte das nicht das einzige Kriterium bei der Standortwahl sein.
Wie wird die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet?

Hier wird es für Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften interessant: Die Gewerbesteuer wird pauschal auf die Einkommensteuer angerechnet.
Die Formel lautet: Anrechnung = Steuermessbetrag × 4,0
Im Beispiel:
- Steuermessbetrag: 2.642,50 €
- Anrechnung: 2.642,50 € × 4,0 = 10.570,00 €
Diese 10.570 Euro werden von der Einkommensteuer abgezogen. Bei einem Hebesatz von 400% oder weniger wird die Gewerbesteuer damit vollständig kompensiert. Erst bei höheren Hebesätzen entsteht eine zusätzliche Belastung.
Wichtig: Die Anrechnung gilt nur für natürliche Personen. Das betrifft Einzelunternehmer und Gesellschafter von Personengesellschaften (GbR, OHG, KG, GmbH & Co. KG). Bei Kapitalgesellschaften wie der GmbH gibt es diese Anrechnung nicht.
Gewerbesteuer bei Personengesellschaften, wo ist der Unterschied?

Bei einer GbR, OHG, KG oder GmbH & Co. KG wird der Gewinn auf die einzelnen Gesellschafter aufgeteilt. Jeder Gesellschafter versteuert seinen Anteil dann persönlich über die Einkommensteuer.
Unser Rechner berücksichtigt das: Bis zu vier Gesellschafter mit individuellen Gewinnanteilen, Steuerklassen und Kinderzahlen lassen sich anlegen. Der Rechner zeigt dann für jeden Gesellschafter:
- Den anteiligen Gewinn
- Die Einkommensteuer
- Die GewSt-Anrechnung
- Den Solidaritätszuschlag
- Die anteilige Gewerbesteuer
- Die Gesamtbelastung
- Das Nettoeinkommen
So zeigt sich auf einen Blick, was am Ende wirklich bei jedem Gesellschafter übrig bleibt.
Welche Rechtsform zahlt am meisten Gewerbesteuer?

Die Rechtsform hat erheblichen Einfluss auf die Gewerbesteuerbelastung:
Einzelunternehmen
- Freibetrag: 24.500 €
- GewSt-Anrechnung: Ja (Faktor 4,0)
- Effektive Mehrbelastung: Erst ab Hebesätzen über 400%
Personengesellschaften (GbR, OHG, KG, GmbH & Co. KG)
- Freibetrag: 24.500 €
- GewSt-Anrechnung: Ja, auf Ebene der Gesellschafter
- Gewinn wird auf Gesellschafter verteilt und dort versteuert
Kapitalgesellschaften (GmbH, UG, AG)
- Freibetrag: Keiner
- GewSt-Anrechnung: Nein
- Zusätzlich: Körperschaftsteuer (15%) + Soli
- Bei Ausschüttung: Kapitalertragsteuer oder Teileinkünfteverfahren
Häufige Fragen zur Gewerbesteuer

Muss ich als Freiberufler Gewerbesteuer zahlen?
Nein. Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater, Architekten, Journalisten oder Künstler sind von der Gewerbesteuer befreit. Voraussetzung ist, dass die Tätigkeit selbstständig und nicht gewerblich ausgeübt wird.
Ab wann muss ich Gewerbesteuer zahlen?
Sobald ein Gewerbe angemeldet ist und Gewinne erzielt werden. Allerdings greift bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften der Freibetrag von 24.500 Euro. Erst darüber wird Gewerbesteuer fällig.
Kann ich die Gewerbesteuer als Betriebsausgabe absetzen?
Nein, seit 2008 ist die Gewerbesteuer nicht mehr als Betriebsausgabe abzugsfähig. Die Steuer mindert also nicht den Gewinn, von dem sie berechnet wird.
Was sind Hinzurechnungen und Kürzungen?
Bei der Ermittlung des Gewerbeertrags werden bestimmte Beträge hinzugerechnet (zum Beispiel 25% der Finanzierungsanteile von Zinsen, Mieten, Pachten, Leasingraten) oder gekürzt (zum Beispiel Gewinnanteile aus anderen Personengesellschaften). Unser Rechner berücksichtigt diese nicht. Für eine genaue Berechnung empfiehlt sich die Beratung durch einen Steuerberater.
Wann muss ich Gewerbesteuer-Vorauszahlungen leisten?
Das Finanzamt setzt Vorauszahlungen fest, wenn die Gewerbesteuer voraussichtlich mehr als 400 Euro im Jahr beträgt. Die Vorauszahlungen sind quartalsweise fällig: am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November.
Fazit: Wer die Gewerbesteuer besser versteht, hat am Ende mehr „netto“ vom brutto

Die Gewerbesteuer ist ein wichtiger Kostenfaktor für jeden Gewerbetreibenden. Mit unserem Rechner lässt sich schnell und unkompliziert ermitteln, welche Belastung anfällt. Bei Personengesellschaften zeigt der Rechner sogar, was jeder Gesellschafter netto verdient.
Zu beachten ist: Die Berechnung dient der Orientierung. Für verbindliche Auskünfte und die Berücksichtigung von Hinzurechnungen und Kürzungen empfiehlt sich die Beratung durch einen Steuerberater.
Jetzt den kostenlosen Gewerbesteuer-Rechner ausprobieren und die Steuerlast im Blick behalten!
Zum Newsletter anmelden
Kommen Sie wie über 6.000 andere Abonnenten in den Genuss des Dr. Web Newsletters. Als Dankeschön für Ihre Anmeldung erhalten Sie das große Dr. Web Icon-Set: 970 Icons im SVG-Format – kostenlos.






Schreiben Sie einen Kommentar