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Lukas Schlömer 1. September 2010

Steuerrücklagen: So vermeiden Sie böse Überraschungen

Auch Freelancer und Kleinunternehmer leisten regelmäßig Steuervorauszahlungen. Doch anders als bei Angestellten stellt sich die endgültige Höhe der Steuerbelastung oft erst mit großer zeitlicher Verzögerung heraus. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig Rücklagen für die unvermeidlichen Nachzahlungen zu bilden. Wir zeigen Ihnen, wie Sie auf Nummer sicher gehen. Dieser im April 2008 zuerst veröffentlichte Beitrag wurde im August 2010 überarbeitet und aktualisiert

Schon so mancher Selbstständige hat trotz voller Auftragsbücher und guter Gewinne Schiffbruch erlitten – und das nur, weil es zu einem bestimmten Zeitpunkt seinen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnte. Die laufende Überwachung der eigenen Zahlungsfähigkeit ist daher unerlässlich. Das Aufstellen eines monatsgenauen Liquiditätsplanes gehört denn auch zum Pflichtprogramm bei jeder Existenzgründung. Und wenn es gut geht, wird während der ersten Monate auf dieser Grundlage auch noch regelmäßig ein Soll-Ist-Vergleich vorgenommen.

Doch sobald auf dem Geschäftskonto die ersten schwarzen Zahlen auftauchen, gerät die penible Liquiditäts-Überwachung meist schnell in Vergessenheit. Das ist selbst einer begrenzten Zahl von Kunden und Projekten und überschaubaren Außenständen zwar unvernünftig und riskant – geht aber oft gut. Äußerste Vorsicht ist jedoch beim Finanzamt geboten: Denn die Behörde ist der mit Abstand unangenehmste Gläubiger, den Sie sich nur vorstellen können. Steuerschulden werden notfalls unverzüglich vom Gerichtsvollzieher eingetrieben. Dafür gibt es beim Finanzamt sogar spezielle Beamte: An das sonst übliche gerichtliche Mahnverfahren ist der Fiskus nicht gebunden.

Steuern: Bloß kein „Mut zur Lücke“

Umso bedenklicher, dass viele Freelancer und Kleingewerbetreibenden ausgerechnet bei ihren Steuerverbindlichkeiten so oft böse Überraschungen erleben. Und wie ist das bei Ihnen? Ganz ehrlich: Wissen Sie auf Anhieb, welcher Teil Ihres derzeitigen Vermögens in Wirklichkeit nicht Ihnen, sondern dem Finanzamt gehört? Zum Beispiel in Form von Einkommen-, Umsatz- oder Gewerbesteuer?

Sicher: Die Überweisungen ans Finanzamt fallen vielfach mit Verzögerung von Monaten, manchmal sogar Jahren an. Außerdem steht ihre Höhe nur teilweise von vornherein fest. Das bedeutet aber keineswegs, dass Sie Ihre Steuerschulden nicht zumindest überschlägig ermitteln könnten. Die laufende Kontrolle der wachsenden „Steuerschulden“ ist vor allem dann wichtig, wenn sich Ihre Geschäfte im Vorjahr oder den vergangenen Monaten positiv entwickelt haben.

Gefährliche Finanzlücke

Nehmen wir an, Sie haben aufgrund vorsichtiger Gewinnschätzungen vergleichsweise niedrige Steuervorauszahlungen geleistet. Das ist zulässig und wird von den meisten Selbstständigen so gehandhabt. Falls Sie Ihre Einkommen- und Umsatzsteuererklärung für 2009 wie vorgeschrieben Ende Mai 2010 abgegeben, dann will der Fiskus spätestens im Herbst 2010 auf einen Schlag viel Geld von Ihnen:

  • die Einkommensteuer-Nachzahlung für 2009,
  • die Umsatzsteuer-Abschlusszahlung des Jahres 2009,
  • ggf. die Gewerbesteuernachzahlung und
  • die Nachzahlung der erhöhten Einkommensteuer-Vorauszahlungen für 2010.

Sofern Sie Ihre Steuererklärung mit Unterstützung eines Steuerberaters erst Ende 2010 abgeben, verschiebt sich der Engpass um ein halbes Jahr.

Hinzu kommt auf jeden Fall noch die aktuelle Umsatzsteuerzahllast (für den letzten Monat oder das vergangene Vierteljahr). Sollten Ihre Gewinne des laufenden Geschäftsjahres noch dazu höher ausfallen als die im Vorjahr, müssen Sie außerdem schon jetzt Vorsorge treffen für die Einkommensteuer-Nachzahlungen für 2010: Denn die gerade angehobenen Vorauszahlungen basieren dann ja auf dem niedrigeren Gewinn des Jahres 2009.

Es lebe der dicke Daumen!

Keine Sorge: Ihre überschlägigen Berechnungen müssen nicht auf den Cent genau stimmen. Vielmehr kommt es darauf an, dass Sie die grobe Größenordnung der Belastung kennen. Falls Sie den Einkommensteuerbescheid für 2009 noch nicht in Händen halten, können Sie die voraussichtliche Einkommensteuerbelastung für 2009 (wie auch die für 2010) mithilfe des Einkommensteuermoduls des amtlichen Abgabenrechners überschlägig ermitteln.

Dort geben Sie Ihren Familienstand und das zu versteuernde Gesamteinkommen ein (Unternehmensgewinn plus andere Einkünfte – auch die Ihres Ehepartners!) und bekommen daraufhin die zu erwartende Einkommensteuer plus Solidaritätszuschlag angezeigt:

Gleichzeitig entnehmen Sie der Ergebnistabelle Ihre steuerliche Durchschnittsbelastung (inklusive Solidaritätszuschlag sind das im Beispiel 29,94 Prozent). Sofern sich Ihr Gewinn / Gesamteinkommen im laufenden Jahr gegenüber 2009 nicht gravierend ändert, wissen Sie damit, dass Sie rund 30 Prozent Ihrer erzielten Einnahmenüberschüsse für das Finanzamt zurücklegen sollten. Dass bei dieser überschlägigen Betrachtungsweise private Sonderausgaben und andere steuermindernde Sachverhalte noch nicht berücksichtigt sind, spielt keine Rolle: Das stellt eine Art Sicherheitspolster dar. Wenn die endgültige Steuerbelastung letztlich etwas niedriger liegt als erwartet: umso besser!

Eigenhändige Steuerprognose
Bei einem (nicht gewerbesteuerpflichtigen) Freiberufler, der seine Einkommen- und Umsatzsteuervorauszahlungen vierteljährlich entrichtet, sieht eine einfache Steuerschätzung dann beispielsweise so aus:

Tipp: Die am Monatsende ermittelte Steuerrücklage überweisen Sie am besten auf ein separates Tages- oder Festgeldkonto: Auf diese Weise können Sie sicher sein, dass Sie das Geld des Finanzamts nicht versehentlich für andere Zwecke ausgeben – und Sie erwirtschaften nebenbei noch ein paar Euro Zinsen.

Kassensturz: Außenstände berücksichtigen

Da Sie ohnehin gerade Ihre aktuelle Vermögenslage auswerten, beziehen Sie in einem Abwasch am besten gleich noch Ihre „offenen Posten“ mit ein. Dafür errechnen Sie …

  1. den Gesamtbetrag Ihrer noch nicht bezahlten Ausgangsrechnungen (zu erwartende Einnahmen) und
  2. die Summe aller noch nicht beglichenen Lieferantenrechnungen plus die bereits erteilten Bestellungen (zu erwartende Ausgaben).

Anschließend ziehen Sie Ihre absehbaren Ausgaben von den zu erwartenden Einnahmen ab. Auf diese Weise ermitteln Sie den überschlägigen Gewinnanteil Ihrer offenen Posten. Nachdem Sie davon wiederum den Einkommensteueranteil in Höhe Ihres Durchschnittsteuersatzes abgezogen haben, wissen Sie am jeweiligen Stichtag in etwa, was unterm Strich für Sie finanziell übrig bleibt.

Fazit

Mit der Überwachung Ihrer Finanzamtsverbindlichkeiten erfüllen Sie wirklich nur die Minimalvoraussetzungen zur Sicherung Ihrer Zahlungsfähigkeit. Worauf Sie bei einer einfachen, aber konsequenten Liquiditätsplanung sonst noch achten sollten, erfahren Sie im Beitrag „Zahlungsfähigkeit sichern: So bleiben Sie flüssig“.

Update: 05.08.2010
Erstveröffentlichung 21.04.2008

(mm),

Lukas Schlömer

Lukas Schlömer ist ein pseudonymer Autor, der unter diesem Namen ausschließlich für Dr. Web schreibt.

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