Der Stellenabbau bei ServiceNow kostete den Softwarekonzern im zweiten Quartal 2026 rund 54 Millionen Euro an Abfindungen, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.[2] Hunderte Beschäftigte verloren dabei ihre Stellen, wie Business Insider berichtet. Begründet hat ServiceNow den Umbau mit künstlicher Intelligenz.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Abfindungen stiegen im zweiten Quartal 2026 auf 54 Millionen Euro nach 25 Millionen Euro im Vorjahresquartal, ein Plus von 114 Prozent.
  • Zugleich stiegen die Personalkosten in Vertrieb und Entwicklung, laut Quartalsbericht wegen einer gewachsenen Beschäftigtenzahl.
  • Innerhalb von neun Monaten kaufte der Konzern Moveworks, Veza und Armis für zusammen rund 9,9 Milliarden Euro.
  • Der operative Gewinn nach US-GAAP fiel um 55 Prozent auf 141 Millionen Euro, während der Umsatz um 24 Prozent stieg.

Was kosten die Kündigungen wirklich?

Hand wirft Schild in Eimer; neues Schild mit „neu besetzt 2026“ davor
ServiceNow verbucht Abfindungen als Sonderposten: Im Q2 stiegen sie von 25 auf 54 Millionen Euro, im H1 auf 70 Millionen Euro

Abfindungen verbucht ServiceNow als Sonderposten außerhalb des operativen Kerngeschäfts. Die Position wuchs im Quartal von 25 auf 54 Millionen Euro, im ersten Halbjahr von 25 auf 70 Millionen Euro.[2] Der Wert steht nicht in der Quartalsmitteilung, sondern in der Überleitung vom GAAP- zum Non-GAAP-Ergebnis. Genau dort lässt sich der Abbau in Geld beziffern, den Business Insider auf einen niedrigen einstelligen Prozentsatz der Belegschaft schätzt.

Die Gegenrechnung steht ein paar Zeilen darunter. Der operative Gewinn nach US-GAAP sank von 311 auf 141 Millionen Euro, obwohl der Abo-Umsatz um 24,5 Prozent auf 3,37 Milliarden Euro stieg.[1] Für den Einbruch sorgen vor allem die Übernahmen. Allein die Abschreibung auf gekaufte immaterielle Vermögenswerte kletterte von 22 auf 191 Millionen Euro, dazu kommen 65 Millionen Euro an Transaktionskosten.[2] Alle Beträge sind zum Kurs 0,87 vom 30. Juli 2026 umgerechnet.

Warum wächst die Belegschaft trotz der Kündigungen?

Zukäufe erklären den Widerspruch. Seit Dezember 2025 übernahm ServiceNow den Suchspezialisten Moveworks für rund 2,1 Milliarden Euro, im März 2026 den Identitätsanbieter Veza für etwa 1,0 Milliarden Euro und im April den Sicherheitsanbieter Armis für rund 6,7 Milliarden Euro.[2] Jede dieser Firmen brachte eigene Vertriebs-, Personal- und Verwaltungsabteilungen mit, die der Käufer längst hatte.

Die Personalkosten desselben Quartals weisen in die Gegenrichtung. Die Ausgaben für Vertrieb und Marketing stiegen um 212 Millionen Euro, die für Forschung und Entwicklung um 157 Millionen Euro. Als Hauptgrund nennt der Quartalsbericht in beiden Fällen eine gewachsene Beschäftigtenzahl.[2] Der Konzern besetzt also neu, nur an anderer Stelle und mit anderem Anforderungsprofil.

Ein Muster zeichnet sich ab. Uber hat im Juli jeden zehnten Kundenservice-Job gestrichen und dafür ebenfalls die KI angeführt. Für Deutschland hat der Bitkom nachgezählt und kommt auf 41 Prozent KI-Nutzer bei 19 Prozent Stellenstreichern. Eine Stanford-Auswertung trennt den Hype von der messbaren Wirkung.

Die Abfindungsposition in ServiceNows Quartalsbericht ist der ehrlichere Kommentar zum Stellenabbau als jede Mitteilung. 9,9 Milliarden Euro Zukäufe in neun Monaten erzeugen Doppelstrukturen, und die räumt kein Sprachmodell ab, sondern die Personalabteilung.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
ServiceNow: Was der Umbau im zweiten Quartal 2026 kostet
Zahlen aus Quartalsbericht und Pressemitteilung zum Quartal bis 30. Juni 2026. Umrechnung zum Kurs 0,87 vom 30. Juli 2026.
54 Mio. €
Abfindungen im zweiten Quartal 2026, nach 25 Mio. € im Vorjahresquartal
−55 %
operativer Gewinn nach US-GAAP, obwohl der Umsatz um 24 Prozent stieg
+212 Mio. €
höhere Kosten für Vertrieb und Marketing, laut Quartalsbericht vor allem wegen gewachsener Beschäftigtenzahl
9,9 Mrd. €
zahlte ServiceNow in neun Monaten für drei Übernahmen

Die drei Zukäufe hinter den Doppelstrukturen

Moveworks
2,1 Mrd. €
Dezember 2025, Enterprise-Suche und virtuelle Agenten
Veza
1,0 Mrd. €
März 2026, Identitäts- und Zugriffssicherheit
Armis
6,7 Mrd. €
April 2026, Sicherheit für IT-, OT- und Medizingeräte
Die Abfindungen stehen nicht in der Pressemitteilung, sondern in der Überleitung vom GAAP- zum Non-GAAP-Ergebnis. Dort haben sie sich binnen eines Jahres mehr als verdoppelt.

Was heißt das für deutsche Anwender?

Das Arbeitsrecht setzt hierzulande engere Grenzen. Ab bestimmten Schwellen verlangt § 17 Kündigungsschutzgesetz eine Massenentlassungsanzeige, § 111 Betriebsverfassungsgesetz fordert Interessenausgleich und Sozialplan. Eine Trennung per Rundmail am frühen Morgen, wie amerikanische Medien den Ablauf beschreiben, bliebe in Deutschland angreifbar.

Schwerer als die Personalfrage wiegt für DACH-Kunden das Produktrisiko. ServiceNow integriert Armis, Veza und Moveworks gerade in die eigene Plattform, und in solchen Phasen verschieben sich Roadmaps, Ansprechpartner und Patch-Zyklen. Im Juli umgingen Angreifer die Sandbox vier Tage nach dem Patch über einen zweiten Weg. Deutsche Partner bauen trotzdem weiter darauf auf, etwa TeamViewer beim gemeinsamen Ansatz für autonome IT.

Konkret lohnen sich zwei Schritte. Lassen Sie sich bei laufenden ServiceNow-Verträgen schriftlich bestätigen, welche Support-Wege und Release-Termine für die Produkte aus den drei Zukäufen gelten. Und fragen Sie bei jeder Effizienzgeschichte im eigenen Haus nach beiden Zahlen, nach den Abfindungen und nach den Neueinstellungen für KI-Rollen.

Quellen

[1] ServiceNow, Inc.: „ServiceNow Reports Second Quarter 2026 Financial Results“, 22. Juli 2026

[2] ServiceNow, Inc.: Quartalsbericht Form 10-Q für das Quartal zum 30. Juni 2026, eingereicht bei der US-Börsenaufsicht SEC am 23. Juli 2026

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