Ob KI massenhaft Arbeitsplätze vernichtet, lässt sich inzwischen messen, statt nur behaupten. Rund die Hälfte der US-Beschäftigten nutzt KI mindestens wöchentlich, doch der Effekt reicht bislang nur an etwa 6 % ihrer Arbeitszeit heran.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Rund 50 % der US-Beschäftigten nutzen KI wöchentlich, sie deckt aber nur etwa 6 % der Arbeitsstunden und bringt gesamtwirtschaftlich rund 2 % Zeitersparnis.
  • Einen breiten Job-Kahlschlag zeigen die Gehaltsdaten bis 2025 nicht.
  • Beim Berufseinstieg dagegen schon: In den KI-nächsten Berufen sank die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen um 13 %.
  • In Deutschland nutzt nur jeder fünfte Beschäftigte KI regelmäßig, zwei Drittel starten sie auf eigene Faust.

Verschwinden jetzt reihenweise die Jobs?

Leiter mit kleiner Figur, Pfeil und Pappschild vor weißem Hintergrund
Stanford-Daten zeigen bis 2025 keinen massiven KI-bedingten Jobabbau. Trotz wöchentlicher KI-Nutzung durch die Hälfte der US-Arbeitnehmer deckt die Technik nur 6 % der Arbeitsstunden ab und steigert die Gesamtproduktivität um etwa 2 %

Nein, einen breiten KI-bedingten Stellenabbau belegen die Stanford-Daten bis 2025 nicht. Rund die Hälfte der US-Beschäftigten nutzt KI zwar wöchentlich, doch die Technik deckt nur etwa 6 % der Arbeitsstunden ab und hebt die Produktivität gesamtwirtschaftlich um rund 2 %.

Die Ökonomen des Stanford Institute for Economic Policy Research werteten dafür die Gehaltsabrechnungen von Millionen Beschäftigten des Dienstleisters ADP aus.[1] Ihr Befund widerspricht der lautesten Erzählung: Die Verbreitung ist riesig, die tatsächliche Durchdringung des Arbeitsalltags aber dünn. Ob die Technik unterm Strich Jobs kostet, bleibt in den Zahlen offen.

Warum bleibt die KI im Berufsalltag oft ungenutzt?

Weil die meisten Beschäftigten KI nur gelegentlich und meist auf eigene Faust einsetzen. In Deutschland nutzt laut ifo-Institut nur jeder fünfte Beschäftigte KI regelmäßig, obwohl 64 % sie schon ausprobiert haben. Zwei Drittel starten ohne Zutun des Arbeitgebers.

Das ifo-Institut stützt sich auf die Befragung DiWaBe 2.0 mit rund 9.800 Interviews.[2] Über 80 % der Anwender greifen dabei nur zu einfachen Textwerkzeugen wie ChatGPT oder Übersetzern, während tiefer in die Abläufe integrierte KI die Ausnahme bleibt.

Damit lässt sich der Stanford-Befund auf den deutschen Arbeitsmarkt übertragen. Solange KI privat und punktuell läuft, statt fest in die Prozesse eingebaut zu sein, verändert die Technik die Beschäftigung kaum.

KI und Arbeitsplätze: Hype gegen Daten
Was die Stanford-Auswertung und die deutschen Zahlen wirklich zeigen

Der US-Befund: breit genutzt, flach wirksam

50 %
der US-Beschäftigten nutzen KI mindestens wöchentlich
6 %
der Arbeitsstunden werden von KI tatsächlich berührt
~2 %
Produktivitätsplus für die Gesamtwirtschaft
−13 %
Rückgang der Beschäftigung bei den 22- bis 25-Jährigen in den KI-nächsten Berufen wie Softwareentwicklung und Kundenservice.

Der Blick nach Deutschland

1 von 5
Beschäftigten nutzt KI regelmäßig
64 %
haben KI schon einmal ausprobiert
2 von 3
starten KI ohne Zutun des Arbeitgebers
800.000
Stellen fallen laut IAB-Projektion bis 2040 durch KI weg, etwa ebenso viele entstehen neu, verschoben in Dienstleistung und Qualifikation.

Über Jobs entscheidet selten das Modell und fast immer die Einführung im Betrieb. Wo KI nur privat im Browser läuft, bleibt die Belegschaft so groß wie zuvor.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Welche Jobs trifft die KI zuerst?

Vor allem den Berufseinstieg. In den am stärksten KI-ausgesetzten Berufen wie Softwareentwicklung und Kundenservice sank die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen laut Stanford um 13 %, während ältere Beschäftigte in denselben Jobs stabil blieben.

Die jungen Beschäftigten wirken wie der Kanarienvogel im Bergwerk: Ihre Einstiegsstellen sind am leichtesten automatisierbar, und genau dort verschwinden die unteren Sprossen der Karriereleiter zuerst.[1] Dass der Kundenservice früh dran ist, zeigt sich auch praktisch, etwa als Uber jeden zehnten Support-Job strich und sich auf KI berief. Wie stark einzelne Ausbildungswege betroffen sind, hat Dr. Web für 30 Berufe bewertet.

Für Deutschland projiziert das IAB bis 2040 einen Wegfall von rund 800.000 Stellen bei etwa ebenso vielen neuen, verschoben in Dienstleistung und Qualifikation.[3] Betriebe ziehen daraus zwei Konsequenzen: Einstiegspositionen bewusst erhalten und den Nachwuchs früh an integrierte KI-Werkzeuge heranführen, statt die erste Sprosse wegzurationalisieren. Wie sich das anfühlt, wenn die KI schon den Code schreibt, erleben Entwicklerteams bereits.

Die Stanford-Zahlen taugen weder zur Panik noch zur Entwarnung. Betriebe, die heute Nachwuchs einstellen und KI sauber in ihre Prozesse einbauen, statt Einstiegsjobs zu streichen, sichern sich die Fachkräfte von morgen.

FAQ: Vernichtet KI wirklich Arbeitsplätze?

Vernichtet KI mehr Arbeitsplätze als sie schafft?

Bislang nicht. Die Stanford-Auswertung von US-Gehaltsdaten findet bis 2025 keinen breiten KI-bedingten Stellenabbau. Das IAB rechnet für Deutschland bis 2040 sogar mit einem Nullsummenspiel: rund 800.000 wegfallende Stellen bei etwa ebenso vielen neuen. Verschoben wird die Beschäftigung vor allem in Richtung Dienstleistung und höhere Qualifikation.

Welche Berufe sind am stärksten von KI betroffen?

Am deutlichsten sichtbar ist der Effekt bislang in der Softwareentwicklung und im Kundenservice, jeweils bei den Berufseinsteigern. Dort sank die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen laut Stanford um 13 Prozent, während erfahrene Kräfte in denselben Berufen stabil blieben oder zulegten.

Wie viele Arbeitsplätze fallen durch KI in Deutschland weg?

Das IAB projiziert bis 2040 einen Wegfall von rund 800.000 Stellen, dem etwa ebenso viele neue Stellen gegenüberstehen. Der Kern ist also keine Massenarbeitslosigkeit, sondern eine sektorale und qualifikatorische Verschiebung, mit sinkendem Anteil in der Produktion und Wachstum im Dienstleistungssektor.

Ist der KI-Jobverlust schon in den Daten sichtbar?

Nur an einem eng umrissenen Punkt. Auf die Gesamtwirtschaft gerechnet liegt der Produktivitätseffekt bei rund 2 Prozent, ein breiter Beschäftigungseinbruch fehlt. Messbar ist der Rückgang bisher allein bei jungen Beschäftigten in den am stärksten automatisierbaren Berufen.

Warum trifft KI Berufseinsteiger besonders?

Einstiegsaufgaben sind oft standardisiert und gut dokumentiert und damit für KI-Werkzeuge am leichtesten zu übernehmen. Genau diese Tätigkeiten bildeten bisher die unteren Sprossen der Karriereleiter. Fallen sie weg, fehlt jungen Beschäftigten der erste Schritt in den Beruf, während erfahrene Kräfte ihr Urteilsvermögen einbringen.

Quellen

[1] Stanford Institute for Economic Policy Research (SIEPR): „What is Really Happening to Jobs? Separating AI Hype from Reality“

[2] ifo-Institut: „Only One in Five Employees in Germany Use AI Regularly“ (DiWaBe 2.0)

[3] IAB: „Künstliche Intelligenz: Potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt“

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